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Stoffbelastungen in Sortierbetrieben

Papierrecycling
Stoffbelastungen in Sortierbetrieben

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Die Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin hat in zehn Sortier­be­trieben die Belas­tun­gen der Beschäftigten bei der Ver­w­er­tung von Abfällen aus Papi­er, Pappe und Kar­ton­a­gen näher unter­sucht. Dabei wur­den sowohl die Belas­tun­gen gegenüber Gefahrstof­fen als auch biol­o­gis­chen Arbeitsstof­fen durch umfan­gre­iche Arbeit­splatzmes­sun­gen ermit­telt. Diese Unter­suchun­gen schließen das Messpro­gramm der BAuA in der Abfall­wirtschaft ab.

Ralph Hebisch, Nor­bert Fröh­lich, Jörg Kar­mann, Gunter Lin­sel, Ker­stin Klug

Zum Alt­pa­pi­er rech­net man Papi­er, Pappe und Kar­ton­a­gen, die bei der Ver­ar­beitung oder nach dem Gebrauch anfall­en und ein­er Wiederver­w­er­tung zuge­führt wer­den kön­nen. Im Jahr 2008 wur­den ca. 15,5 Mio. Ton­nen Alt­pa­pi­er in der deutschen Zell­stoff- und Papierindus­trie ver­braucht. Dies entspricht ein­er Rück­laufquote von 76 % [1]. Alt­pa­pi­er ist somit der wichtig­ste Rohstoff dieser Branche.
In der sehr arbeitsin­ten­siv­en Branche des Papier­recy­clings sind bei einem Umsatz von rund 2,4 Mrd. Euro fast 11.000 Beschäftigte tätig. Nach der Samm­lung der Abfälle, z.B. in der mit­tler­weile weit ver­bre­it­eten blauen Tonne, gelan­gen diese in die Sortier­be­triebe. Über die Belas­tun­gen der Beschäftigten bei den dort durchge­führten Tätigkeit­en liegen bish­er nur wenige Infor­ma­tio­nen vor. Aus diesem Grund wur­den von der Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin (BAuA) umfan­gre­iche Arbeit­splatzmes­sun­gen zur Ermit­tlung der Belas­tun­gen der Beschäftigten gegenüber den auftre­tenden Gefahrstof­fen und biol­o­gis­chen Arbeitsstof­fen durchge­führt. Diese schließen das über mehr als ein Jahrzehnt durchge­führte sys­tem­a­tis­che Unter­suchung­spro­gramm der BAuA in der Entsorgungswirtschaft ab [2].
Die unter­sucht­en Betriebe
Die Auswahl der Papier­sortier­be­triebe erfol­gte mit Unter­stützung des Bun­desver­ban­des Sekundär­rohstoffe und Entsorgung e. V. (bvse) sowie des Bun­desver­ban­des der Deutschen Entsorgungs‑, Wass­er- und Rohstof­fwirtschaft e.V. (BDE). Die beteiligten Betriebe und deren Beschäftigte waren sehr koop­er­a­tiv. Die einzel­nen Arbeits­bere­iche waren bei allen Unter­suchun­gen uneingeschränkt zugänglich.
Die durch Entsorgungs­fahrzeuge pri­vater oder kom­mu­naler Entsorgung­sun­ternehmen einge­sam­melten Papier­abfälle wer­den in den Sortier­be­trieben angeliefert und dort im Anliefer­ungs­bere­ich abgekippt. Beim Anliefer­ungs­bere­ich han­delt es sich üblicher­weise um einen über­dacht­en Außen- oder einen Hal­len­bere­ich, der unmit­tel­bar an die weit­eren Arbeits­bere­iche anschließt.
Mit Rad­ladern wer­den die angeliefer­ten Papier­abfälle auf entsprechende Auf­gabebän­der gegeben, die die Abfälle in den weit­eren Prozess ein­speisen. Ver­braucher­abfälle wer­den infolge ihrer häu­fig sehr starken Verun­reini­gung über mehrere automa­tis­che Sorti­er- und Tren­nvor­rich­tun­gen in eine Sortierk­abine geleit­et. In diesen Sortierk­abi­nen erfol­gt eine manuelle Sortierung durch die Beschäftigten. Nach der Sortierung wer­den die ver­schiede­nen Alt­pa­pier­sorten entwed­er ver­presst oder auch lose an die Zell­stoff- und Papierindus­trie weit­ergegeben. Diese Alt­pa­pier­sorten müssen der weit­eren Ver­wen­dung entsprechende nor­ma­tive Anforderun­gen erfüllen [3].
Für angelieferte Papier­abfälle aus z.B. Druck­ereien oder speziellen Anwen­dun­gen (Kar­ton­a­gen aus dem Han­del, Rollen aus Pappe) ent­fällt die Sortierung. Der­ar­tige Abfälle wer­den erst gar nicht mit Ver­braucher­abfällen ver­mengt, son­dern gle­ich sorten­rein verpresst.
Die in den Sortier­be­trieben vorhan­de­nen Bal­len­pressen wer­den häu­fig auch zum Ver­pressen von Kun­st­stof­fabfällen ver­wen­det. Diese wer­den dazu direkt angeliefert oder in ein­er anderen Halle bis zum Ver­pressen gelagert. Das Ver­pressen von Kun­st­stof­fabfällen war nicht Gegen­stand der Unter­suchun­gen. Arbeit­splatzmes­sun­gen wur­den daher ggf. unter­brochen, wenn in den Sortier­be­trieben Kun­st­stof­fabfälle ver­presst wurden.
In Tabelle 1 ist eine Über­sicht über die am Unter­suchung­spro­gramm beteiligten Betriebe dargestellt. Die aufge­führten Kapaz­itäten wur­den in den beteiligten Betrieben ins­beson­dere im Jahr 2009 infolge der Wirtschaft­slage nicht ausgeschöpft.
In allen Betrieben war ein 2‑Schicht-Betrieb vorge­se­hen. Auf­grund der beste­hen­den wirtschaftlichen Sit­u­a­tion in 2009 wurde teil­weise nur in ein­er Schicht gear­beit­et. Die Anliefer­ung der Papier­abfälle erfol­gte tagsüber in Normalschicht.
Alle Sortier­be­triebe ver­fügten über eine kli­ma­tisierte Sortierk­abine. Diese befand sich in der Halle und war in allen Fällen mit ein­er Zu- und Abluftver­sorgung aus­ges­tat­tet. Es kon­nte jedoch fest­gestellt wer­den, dass die luft­tech­nis­che Anlage der Sortierk­abine in eini­gen Betrieben infolge von Ver­schmutzun­gen oder tech­nis­ch­er Defek­te nicht voll funk­tions­fähig oder sog­ar außer Betrieb war.
Die Sortierk­abi­nen waren in fünf Betrieben mit einem Trans­port­band, in den anderen fünf Betrieben mit zwei Trans­port­bän­dern aus­ges­tat­tet. Typ­isch waren zwei bis vier Arbeit­splätze in den Sortierk­abi­nen. In einem Betrieb kon­nten bei voller Aus­las­tung aber auch bis zu zehn Arbeit­splätze in der Sortierk­abine beset­zt werden.
Durch­führung der Arbeitsplatzmessungen
Die Arbeit­splatzmes­sun­gen erfol­gten in allen Betrieben durchge­hend über eine Woche. Als Gefahrstoffe wur­den dabei die einatem­bare und die alve­olengängige Staubfrak­tion bes­timmt. Diesel­mo­tore­mis­sio­nen infolge des Befahrens der Halle durch anliefer­nde Fahrzeuge sowie des Betriebs von Flur­förderzeu­gen mit Diesel­mo­tor und ohne Diesel­par­tikelfil­ter kon­nten nicht bes­timmt wer­den, da das Messver­fahren für Diesel­ruß gegenüber Papier­staub querempfind­lich ist. Die über­wiegende Zahl der Betriebe ver­wen­dete Flur­förderzeuge mit einem alter­na­tiv­en Antrieb (Gas- oder Elek­troantrieb) oder diesel­be­triebene Fahrzeuge mit Par­tikelfil­tern entsprechend der Tech­nis­chen Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 554 [4]. Als biol­o­gis­che Arbeitsstoffe wur­den luft­ge­tra­gene Schim­melpilze, Bak­te­rien und Endo­tox­ine bestimmt.
Die Arbeit­splatzmes­sun­gen erfol­gten sowohl per­so­n­enge­tra­gen als auch orts­fest. Bevorzugt wur­den per­so­n­enge­tra­gene Mes­sun­gen durchge­führt. Orts­feste Mes­sun­gen kamen ins­beson­dere dann zum Ein­satz, wenn es sich nicht um ständi­ge Arbeit­splätze han­delte oder dies aus messtech­nis­chen Grün­den, wie bei Bak­te­rien, nicht per­so­n­enge­tra­gen möglich ist. Es wurde darauf geachtet, auch solche Orte an den Anla­gen messtech­nisch zu erfassen, wo die Beschäftigten nur zu Kon­troll- oder Reparaturzweck­en tätig wur­den, die jedoch erkennbar höhere Staubbe­las­tun­gen erwarten ließen. Dies ermöglichte dann entsprechende worst case-Abschätzun­gen. Die Durch­führung aller Arbeit­splatzmes­sun­gen und deren Bew­er­tung erfol­gten entsprechend der TRGS 402 [5] bzw. der TRBA 405 [6]. Auf­grund der über die gesamte Schicht durchge­führten Tätigkeit­en kon­nten für alle Tätigkeit­en und Arbeits­bere­iche Schicht­mit­tel­w­erte bes­timmt wer­den. Daneben kon­nten in eini­gen Fällen auch Mes­sun­gen bei Reini­gungsar­beit­en unter Ver­wen­dung von Druck­luft durchge­führt werden.
Darstel­lung der Messergebnisse
Nach­fol­gend wer­den die Messergeb­nisse für die einzel­nen Arbeits­bere­iche und Tätigkeit­en näher vorgestellt. Dabei erfol­gte eine Unter­schei­dung nach
  • Anliefer­ung und Materialaufgabe
  • Bal­len­presse
  • Halle mit allen darin befind­lichen Anla­gen und Arbeitsplätzen,
  • Sortierk­abine und
  • an ver­schiede­nen Arbeit­splätzen täti­gen Beschäftigten.
Alve­olengängige und einatem­bare Staubfraktion
In Tabelle 2 sind die gemesse­nen Schicht­mit­tel­w­erte für die einatem­bare und die alve­olengängige Staubfrak­tion zusam­menge­fasst dargestellt. Haup­tau­gen­merk wurde dabei auf die Mes­sung der einatem­baren Staubfrak­tion gelegt.
Für die alve­olengängige Staubfrak­tion wurde durch­weg eine Ein­hal­tung des Arbeit­splatz­gren­zw­ertes von 3 mg/m³ fest­gestellt. Die Belas­tun­gen durch die alve­olengängige Staubfrak­tion in der Sortierk­abine liegen als 95-Perzen­til etwa dop­pelt so hoch wie diejeni­gen bei Tätigkeit­en in anderen Arbeitsbereichen.
Die Schicht­mit­tel­w­erte für die einatem­bare Staubfrak­tion zeigen dage­gen ein dif­feren­ziertes Bild. So sind bei allen Tätigkeit­en und in allen Arbeits­bere­ichen vere­inzelt Messergeb­nisse erkennbar, die ober­halb des Arbeit­splatz­gren­zw­ertes von 10 mg/m³ liegen. Diese sind auf­grund der Beobach­tun­gen während der Mes­sun­gen gut erklärbar.
Im Bere­ich der Anliefer­ung und Mate­ri­alauf­gabe wurde in einem Fall der Arbeit­splatz­gren­zw­ert deut­lich über­schrit­ten, da hier Reini­gungsar­beit­en unter inten­sivem Ein­satz von Druck­luft erfolgten.
An der Bal­len­presse wurde eben­falls bei Reini­gungsar­beit­en mit Druck­luft im Schicht­mit­tel eine deut­liche Gren­zw­ertüber­schre­itung gemessen. Die Belas­tung während dieser Tätigkeit lag mit mehr als 40 mg/m³ sog­ar noch deut­lich höher. Gle­ich­es trifft für die Besei­t­i­gung von Störun­gen an der Bal­len­presse zu. Während der Dauer dieser Tätigkeit wur­den bis zu 69 mg/m³ für die einatem­bare Staubfrak­tion gemessen. Kri­tisch ist das Ver­pressen von gebraucht­en Kraft­pa­pier­säck­en zu sehen. Diese wer­den z.B. für den Trans­port von Zement, Farbpul­ver, aber auch Glu­ta­mat ver­wen­det. In eini­gen Betrieben kamen vere­inzelt Liefer­un­gen der­ar­tiger Kraft­pa­pier­säcke an, die dann ver­presst wer­den mussten. Dies dauerte zwar nur bis zu 20 Minuten, jedoch war die Stauben­twick­lung dabei sehr stark. Die Schicht­mit­tel­w­erte lagen bei diesen Tätigkeit­en dann immer noch unter­halb des Arbeit­splatz­gren­zw­ertes – aber oft­mals nur ger­ingfügig darunter. Hier muss davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass während dieser kurzzeit­i­gen Tätigkeit­en deut­liche Über­schre­itun­gen der Kurzzeitwerte zu erwarten sind. Hier­bei muss entwed­er die Bal­len­presse mit ein­er deut­lich leis­tungsstärk­eren Absaugung betrieben wer­den oder aber der­ar­tiges Mate­r­i­al sollte nicht mehr ver­presst werden.
Orts­fest wurde anson­sten nur noch in der Halle an ein­er Fein­sortierung eine deut­lich ober­halb des Arbeit­splatz­gren­zw­ertes liegende Konzen­tra­tion ermit­telt. Diese Anlage wird jedoch nur zu Kon­trol­lzweck­en kurzzeit­ig began­gen, so dass hier für die Beschäftigten lediglich eine Expo­si­tion­sspitze von kurz­er Dauer zu erwarten ist. Ein Ein­fluss auf die Belas­tung der Beschäftigten an benach­barten Arbeit­splätzen war nicht erkennbar.
Die in der Sortier­halle täti­gen Beschäftigten ver­richteten häu­fig wech­sel­nde Tätigkeit­en an ver­schiede­nen Arbeit­splätzen. So wur­den Kon­trollen und kleine Repara­turen an den Anla­gen durchge­führt oder es erfol­gten Trans­port- und Ladear­beit­en mit Gabel­sta­plern oder Rad­ladern. Zum Teil wur­den auch Tätigkeit­en im Freien aus­ge­führt. Im Schicht­mit­tel ergaben sich für diese Beschäftigten durch­weg Belas­tun­gen deut­lich unter­halb des Arbeit­splatz­gren­zw­ertes für die einatem­bare Staubfrak­tion. Äußerst kri­tisch wurde es jedoch, wenn kurzzeit­ige – bis zu ein­er hal­ben Stunde dauernde – Reini­gungsar­beit­en mit Druck­luft durchge­führt wur­den. Diese kurzzeit­i­gen Belas­tun­gen betru­gen bis zu 440 mg/m³ – wohlge­merkt: bei ein­er unzuläs­si­gen Arbeitsweise. Dabei wurde zwar eine par­tikelfil­tri­erende Schutz­maske getra­gen, die jedoch nicht für der­ar­tig hohe Konzen­tra­tio­nen vorge­se­hen ist. Teil­weise zeigten diese durch Abblasen verur­sacht­en Staubkonzen­tra­tio­nen auch deut­liche Ein­flüsse auf die Belas­tun­gen der Beschäftigten bei anderen Tätigkeit­en in der Sortierhalle.
In der Sortierk­abine trat­en zum Teil Gren­zw­ertüber­schre­itun­gen auf, wenn die Luft­tech­nik defekt oder nur eingeschränkt funk­tions­fähig war. Dies ist ein ein­deutiger Hin­weis auf die Pflicht zur regelmäßi­gen Kon­trolle und Wartung der luft­tech­nis­chen Anlage ein­er Sortierkabine.
In einem Betrieb bestand die Möglichkeit, Arbeit­splatzmes­sun­gen bei der Akten­ver­nich­tung durchzuführen. Dies fand in ein­er geson­derten Halle statt, für die entsprechende Zugangs­beschränkun­gen bestanden. Bei der Ver­nich­tung wer­den die Akten geschred­dert, störende Inhaltsstoffe, z. B. Met­alle aus den Ord­nern, ent­fer­nt und anschließend ver­presst. Alle einge­set­zten Anla­gen waren mit Absaugun­gen verse­hen. Die dabei ermit­tel­ten Belas­tun­gen durch die einatem­bare und die alve­olengängige Staubfrak­tion lagen im Schicht­mit­tel mit max­i­mal 2 mg/m³ bzw. 0,03 mg/m³ deut­lich niedriger als die typ­is­chen Belas­tun­gen für die Sortier­be­triebe (siehe dazu Tab. 1).
Biol­o­gis­che Arbeitsstoffe
Die in den Tabellen 3 und 4 dargestell­ten Mess­werte für die biol­o­gis­chen Arbeitsstoffe wur­den weitest­ge­hend an den gle­ichen Stellen und bei den gle­ichen Tätigkeit­en gemessen wie die Stäube. Auf­grund der gerin­geren Anzahl an Mes­sun­gen war hier nicht in allen Fällen eine Unter­schei­dung nach Tätigkeit­en und Arbeits­bere­ichen möglich und sin­nvoll. Geson­dert kon­nte dann nur jew­eils die Sortierk­abine betra­chtet werden.
Alt­pa­pi­er kommt als Träger sowie in Verbindung mit Wass­er als Sub­strat zur Ver­mehrung von Mikroor­gan­is­men in Frage. Diese biol­o­gis­chen Arbeitsstoffe wer­den bei der mech­a­nis­chen Behand­lung des Alt­pa­piers, wie von uns nachgewiesen, in die Luft freige­set­zt. Arbeit­splatz­gren­zw­erte gibt es für biol­o­gis­che Arbeitsstoffe nicht. Als Bezugswert ist die Hin­ter­grund­be­las­tung der Außen­luft her­anzuziehen. Diese beträgt für Bak­te­rien, Schim­melpilze und Endo­tox­ine etwa 10² KBE/m³, 104 KBE/m³, bzw. 1 EU/m³. Es gilt das Min­imierungs­ge­bot. Beacht­enswert sind ins­beson­dere Schim­melpilzkonzen­tra­tio­nen bis zu 1,8x106 KBE/m³. Es han­delt sich vor­rangig um die Spezies Peni­cil­li­um, Aspergillus und Cla­dospo­ri­um. Damit kön­nen dur­chaus Pilze der Risiko­grup­pen 2 und 3 vorkom­men. Der für ständi­ge Arbeit­splätze in Sortierk­abi­nen, Kabi­nen und Steuer­stän­den in der TRBA 214 [8] fest­gelegte Tech­nis­che Kon­troll­w­ert (TKW) für Schim­melpilze beträgt 5x104 KBE/m³. Der TKW wurde in Sortierk­abi­nen mit unzure­ichen­der Lüf­tung­stech­nik wieder­holt überschritten.
Zusam­men­fas­sung und Ausblick
Die Arbeit­splatzmes­sun­gen in Papier­sortier­be­trieben zeigten, dass die Arbeit­splatz­gren­zw­erte für die einatem­bare und die alve­olengängige Staubfrak­tion einge­hal­ten wer­den, wenn nicht mit Druck­luft gere­inigt wird oder Reini­gungsar­beit­en inner­halb von Anla­gen durchge­führt wer­den. Ersteres sollte daher in Sortier­be­trieben unterbleiben. Für let­ztere sollte entsprechend die Ver­wen­dung per­sön­lich­er Schutzaus­rüs­tung im Rah­men der Betrieb­san­weisung geregelt werden.
Auch bei Ein­hal­tung der Staub­gren­zw­erte ist teil­weise mit hohen Belas­tun­gen durch biol­o­gis­che Arbeitsstoffe zu rech­nen. Nicht immer ist diese Gefährdung offen­sichtlich wie bei der Hand­habung von ver­schim­meltem Papi­er oder Druck­luftreini­gung. Generell kann gesagt wer­den, dass eine Ver­ringerung luft­ge­tra­gen­er Stäube auch zur Reduzierung biol­o­gis­ch­er Arbeitsstoffe führt.
Das Ver­pressen von gebraucht­en Kraft­pa­pier­säck­en mit Resten stauben­der Stoffe ist kri­tisch zu sehen. Hier ist für die Zukun­ft zu über­legen, ob diese Säcke ver­presst wer­den müssen. Die ermit­tel­ten Belas­tun­gen weisen darauf hin, dass die Absaugung an den dafür ver­wen­de­ten Bal­len­pressen nicht aus­re­ichend ist.
In Sortierk­abi­nen wer­den die Arbeit­splatz­gren­zw­erte für bei­de Staubfrak­tio­nen dann einge­hal­ten, wenn die vorgeschriebene luft­tech­nis­che Anlage genutzt und ins­beson­dere auch funk­tions­fähig ist. Dies set­zt die regelmäßige Kon­trolle und Wartung voraus. Eine funk­tions­fähige luft­tech­nis­che Anlage stellt eine Grund­vo­raus­set­zung zur Ein­hal­tung des Tech­nis­chen Kon­troll­w­ertes für Schim­melpilze nach TRBA 214 [8] dar.
Um die Belas­tun­gen durch die als kreb­serzeu­gend eingestuften Diesel­mo­tore­mis­sio­nen zu min­imieren, ist sich­er zu stellen, dass die einge­set­zten Gabel­sta­pler und Rad­lad­er entsprechend den Vor­gaben der TRGS 554 [4] mit einem Diesel­par­tikelfil­ter aus­gerüstet sind. Für Fahrzeuge, die in die Halle der Sortier­be­triebe ein­fahren sind erforder­lichen­falls Auf­steck­fil­ter bere­it zu hal­ten. Wenn im Rah­men der Gefährdungs­beurteilung Arbeit­splatzmes­sun­gen durchge­führt wer­den, so sollte bevorzugt die einatem­bare Staubfrak­tion gemessen wer­den. Diese lässt gegenüber der alve­olengängi­gen Staubfrak­tion deut­lichere Aus­sagen zur Wirk­samkeit der in den Betrieben getrof­fe­nen Schutz­maß­nah­men zu. Bei den biol­o­gis­chen Arbeitsstof­fen wird die Mes­sung luft­ge­tra­gen­er Schim­melpilze empfohlen.
Es ist vorge­se­hen, die Unter­suchungsergeb­nisse der BAuA mit denen von Messstellen der Bun­deslän­der und der Beruf­sgenossen­schaften zusam­men­zuführen. Gemein­sam mit dem Bun­desver­band Sekundär­rohstoffe und Entsorgung e. V. (bvse) und dem Bun­desver­band der Deutschen Entsorgungs‑, Wass­er- und Rohstof­fwirtschaft e.V. (BDE) soll dann eine Hand­lungsan­leitung zur guten Arbeit­sprax­is für die Papier­sortier­be­triebe erstellt wer­den. Diese soll die Betriebe bei der Durch­führung ihrer Gefährdungs­beurteilung unterstützen.
Lit­er­atur
  • 1. Ver­band Deutsch­er Papier­fab­riken e. V.: Papi­er Kom­pass 2010, Bonn, 2010
  • 2. Hebisch, R. Schöne­ich, R.: Aus den Augen, aus dem Sinn? Arbeitss­chutz in der Entsorgungswirtschaft. in: Sicher­heit Gesund­heit Wet­tbe­werb­s­fähigkeit: Die Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin 1996–2006, NW Ver­lag Bre­mer­haven, Dort­mund, 2006, 161–167
  • 3. DIN EN 643: Papi­er und Pappe – Europäis­che Liste der Stan­dard­sorten für Alt­pa­pi­er und Pappe. Beuth-Ver­lag, Berlin, Aus­gabe März 2002
  • 4. TRGS 554: Abgase von Diesel­mo­toren. GMBl Nr. 56/58 S. 1179–1212 (8.12.2008)
  • 5. TRGS 402: Ermit­teln und Beurteilen der Gefährdun­gen bei Tätigkeit­en mit Gefahrstof­fen: Inhala­tive Expo­si­tion. GMBl 2010 Nr. 12 S. 231–253 (25.2.2010)
  • 6. TRBA 405: Anwen­dung von Messver­fahren und tech­nis­chen Kon­troll­w­erten für luft­ge­tra­gene Biol­o­gis­che Arbeitsstoffe. Änderung und Ergänzung BArbBl.7/2006 S. 193–194
  • 7. TRGS 900: Arbeit­splatz­gren­zw­erte. BArb­Bl. Heft 1/2006 S. 41–55 (siehe auch Hin­weis im BAnz. Nr. 148 S. 3514 vom 30.9.2008) zulet­zt geän­dert und ergänzt: GMBL 2010 Nr. 34 S. 746–747 (21.6.2010) (siehe auch Hin­weis im BAnz. Nr. 76 S. 1799 vom 26. Mai 2009) berichtigt: GMBl 2010 Nr. 43 S. 912–913 (4.8.2010)
  • 8. TRBA 214: Abfall­be­hand­lungsan­la­gen ein­schließlich Sortier­an­la­gen in der Abfall­wirtschaft. GMBL 2007 Nr. 35
Anschrift für die Autoren:
Dr. Ralph Hebisch Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin Gruppe 4.4 „Gefahrstof­fla­bor“ Friedrich-Henkel-Weg 1 — 25 44149 Dortmund
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