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Stoff­be­las­tun­gen in Sortier­be­trie­ben

Papierrecycling
Stoff­be­las­tun­gen in Sortier­be­trie­ben

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Die Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin hat in zehn Sortier­be­trie­ben die Belas­tun­gen der Beschäf­tig­ten bei der Verwer­tung von Abfäl­len aus Papier, Pappe und Karto­na­gen näher unter­sucht. Dabei wurden sowohl die Belas­tun­gen gegen­über Gefahr­stof­fen als auch biolo­gi­schen Arbeits­stof­fen durch umfang­rei­che Arbeits­platz­mes­sun­gen ermit­telt. Diese Unter­su­chun­gen schlie­ßen das Mess­pro­gramm der BAuA in der Abfall­wirt­schaft ab.

Ralph Hebisch, Norbert Fröh­lich, Jörg Karmann, Gunter Linsel, Kers­tin Klug

Zum Altpa­pier rech­net man Papier, Pappe und Karto­na­gen, die bei der Verar­bei­tung oder nach dem Gebrauch anfal­len und einer Wieder­ver­wer­tung zuge­führt werden können. Im Jahr 2008 wurden ca. 15,5 Mio. Tonnen Altpa­pier in der deut­schen Zellstoff- und Papier­in­dus­trie verbraucht. Dies entspricht einer Rück­lauf­quote von 76 % [1]. Altpa­pier ist somit der wich­tigste Rohstoff dieser Bran­che.
In der sehr arbeits­in­ten­si­ven Bran­che des Papier­re­cy­clings sind bei einem Umsatz von rund 2,4 Mrd. Euro fast 11.000 Beschäf­tigte tätig. Nach der Samm­lung der Abfälle, z.B. in der mitt­ler­weile weit verbrei­te­ten blauen Tonne, gelan­gen diese in die Sortier­be­triebe. Über die Belas­tun­gen der Beschäf­tig­ten bei den dort durch­ge­führ­ten Tätig­kei­ten liegen bisher nur wenige Infor­ma­tio­nen vor. Aus diesem Grund wurden von der Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin (BAuA) umfang­rei­che Arbeits­platz­mes­sun­gen zur Ermitt­lung der Belas­tun­gen der Beschäf­tig­ten gegen­über den auftre­ten­den Gefahr­stof­fen und biolo­gi­schen Arbeits­stof­fen durch­ge­führt. Diese schlie­ßen das über mehr als ein Jahr­zehnt durch­ge­führte syste­ma­ti­sche Unter­su­chungs­pro­gramm der BAuA in der Entsor­gungs­wirt­schaft ab [2].
Die unter­such­ten Betriebe
Die Auswahl der Papier­sor­tier­be­triebe erfolgte mit Unter­stüt­zung des Bundes­ver­ban­des Sekun­där­roh­stoffe und Entsor­gung e. V. (bvse) sowie des Bundes­ver­ban­des der Deut­schen Entsorgungs‑, Wasser- und Rohstoff­wirt­schaft e.V. (BDE). Die betei­lig­ten Betriebe und deren Beschäf­tigte waren sehr koope­ra­tiv. Die einzel­nen Arbeits­be­rei­che waren bei allen Unter­su­chun­gen unein­ge­schränkt zugäng­lich.
Die durch Entsor­gungs­fahr­zeuge priva­ter oder kommu­na­ler Entsor­gungs­un­ter­neh­men einge­sam­mel­ten Papier­ab­fälle werden in den Sortier­be­trie­ben ange­lie­fert und dort im Anlie­fe­rungs­be­reich abge­kippt. Beim Anlie­fe­rungs­be­reich handelt es sich übli­cher­weise um einen über­dach­ten Außen- oder einen Hallen­be­reich, der unmit­tel­bar an die weite­ren Arbeits­be­rei­che anschließt.
Mit Radla­dern werden die ange­lie­fer­ten Papier­ab­fälle auf entspre­chende Aufga­be­bän­der gege­ben, die die Abfälle in den weite­ren Prozess einspei­sen. Verbrau­cher­ab­fälle werden infolge ihrer häufig sehr star­ken Verun­rei­ni­gung über mehrere auto­ma­ti­sche Sortier- und Trenn­vor­rich­tun­gen in eine Sortier­ka­bine gelei­tet. In diesen Sortier­ka­bi­nen erfolgt eine manu­elle Sortie­rung durch die Beschäf­tig­ten. Nach der Sortie­rung werden die verschie­de­nen Altpa­pier­sor­ten entwe­der verpresst oder auch lose an die Zellstoff- und Papier­in­dus­trie weiter­ge­ge­ben. Diese Altpa­pier­sor­ten müssen der weite­ren Verwen­dung entspre­chende norma­tive Anfor­de­run­gen erfül­len [3].
Für ange­lie­ferte Papier­ab­fälle aus z.B. Drucke­reien oder spezi­el­len Anwen­dun­gen (Karto­na­gen aus dem Handel, Rollen aus Pappe) entfällt die Sortie­rung. Derar­tige Abfälle werden erst gar nicht mit Verbrau­cher­ab­fäl­len vermengt, sondern gleich sorten­rein verpresst.
Die in den Sortier­be­trie­ben vorhan­de­nen Ballen­pres­sen werden häufig auch zum Verpres­sen von Kunst­stoff­ab­fäl­len verwen­det. Diese werden dazu direkt ange­lie­fert oder in einer ande­ren Halle bis zum Verpres­sen gela­gert. Das Verpres­sen von Kunst­stoff­ab­fäl­len war nicht Gegen­stand der Unter­su­chun­gen. Arbeits­platz­mes­sun­gen wurden daher ggf. unter­bro­chen, wenn in den Sortier­be­trie­ben Kunst­stoff­ab­fälle verpresst wurden.
In Tabelle 1 ist eine Über­sicht über die am Unter­su­chungs­pro­gramm betei­lig­ten Betriebe darge­stellt. Die aufge­führ­ten Kapa­zi­tä­ten wurden in den betei­lig­ten Betrie­ben insbe­son­dere im Jahr 2009 infolge der Wirt­schafts­lage nicht ausge­schöpft.
In allen Betrie­ben war ein 2‑Schicht-Betrieb vorge­se­hen. Aufgrund der bestehen­den wirt­schaft­li­chen Situa­tion in 2009 wurde teil­weise nur in einer Schicht gear­bei­tet. Die Anlie­fe­rung der Papier­ab­fälle erfolgte tags­über in Normal­schicht.
Alle Sortier­be­triebe verfüg­ten über eine klima­ti­sierte Sortier­ka­bine. Diese befand sich in der Halle und war in allen Fällen mit einer Zu- und Abluft­ver­sor­gung ausge­stat­tet. Es konnte jedoch fest­ge­stellt werden, dass die luft­tech­ni­sche Anlage der Sortier­ka­bine in eini­gen Betrie­ben infolge von Verschmut­zun­gen oder tech­ni­scher Defekte nicht voll funk­ti­ons­fä­hig oder sogar außer Betrieb war.
Die Sortier­ka­bi­nen waren in fünf Betrie­ben mit einem Trans­port­band, in den ande­ren fünf Betrie­ben mit zwei Trans­port­bän­dern ausge­stat­tet. Typisch waren zwei bis vier Arbeits­plätze in den Sortier­ka­bi­nen. In einem Betrieb konn­ten bei voller Auslas­tung aber auch bis zu zehn Arbeits­plätze in der Sortier­ka­bine besetzt werden.
Durch­füh­rung der Arbeits­platz­mes­sun­gen
Die Arbeits­platz­mes­sun­gen erfolg­ten in allen Betrie­ben durch­ge­hend über eine Woche. Als Gefahr­stoffe wurden dabei die einatem­bare und die alveo­len­gän­gige Staub­frak­tion bestimmt. Diesel­mo­tore­mis­sio­nen infolge des Befah­rens der Halle durch anlie­fernde Fahr­zeuge sowie des Betriebs von Flur­för­d­er­zeu­gen mit Diesel­mo­tor und ohne Diesel­par­ti­kel­fil­ter konn­ten nicht bestimmt werden, da das Mess­ver­fah­ren für Diesel­ruß gegen­über Papier­staub quer­emp­find­lich ist. Die über­wie­gende Zahl der Betriebe verwen­dete Flur­för­d­er­zeuge mit einem alter­na­ti­ven Antrieb (Gas- oder Elek­tro­an­trieb) oder diesel­be­trie­bene Fahr­zeuge mit Parti­kel­fil­tern entspre­chend der Tech­ni­schen Regel für Gefahr­stoffe (TRGS) 554 [4]. Als biolo­gi­sche Arbeits­stoffe wurden luft­ge­tra­gene Schim­mel­pilze, Bakte­rien und Endo­to­xine bestimmt.
Die Arbeits­platz­mes­sun­gen erfolg­ten sowohl perso­nen­ge­tra­gen als auch orts­fest. Bevor­zugt wurden perso­nen­ge­tra­gene Messun­gen durch­ge­führt. Orts­feste Messun­gen kamen insbe­son­dere dann zum Einsatz, wenn es sich nicht um stän­dige Arbeits­plätze handelte oder dies aus mess­tech­ni­schen Grün­den, wie bei Bakte­rien, nicht perso­nen­ge­tra­gen möglich ist. Es wurde darauf geach­tet, auch solche Orte an den Anla­gen mess­tech­nisch zu erfas­sen, wo die Beschäf­tig­ten nur zu Kontroll- oder Repa­ra­tur­zwe­cken tätig wurden, die jedoch erkenn­bar höhere Staub­be­las­tun­gen erwar­ten ließen. Dies ermög­lichte dann entspre­chende worst case-Abschätzungen. Die Durch­füh­rung aller Arbeits­platz­mes­sun­gen und deren Bewer­tung erfolg­ten entspre­chend der TRGS 402 [5] bzw. der TRBA 405 [6]. Aufgrund der über die gesamte Schicht durch­ge­führ­ten Tätig­kei­ten konn­ten für alle Tätig­kei­ten und Arbeits­be­rei­che Schicht­mit­tel­werte bestimmt werden. Dane­ben konn­ten in eini­gen Fällen auch Messun­gen bei Reini­gungs­ar­bei­ten unter Verwen­dung von Druck­luft durch­ge­führt werden.
Darstel­lung der Mess­ergeb­nisse
Nach­fol­gend werden die Mess­ergeb­nisse für die einzel­nen Arbeits­be­rei­che und Tätig­kei­ten näher vorge­stellt. Dabei erfolgte eine Unter­schei­dung nach
  • Anlie­fe­rung und Mate­ri­al­auf­gabe
  • Ballen­presse
  • Halle mit allen darin befind­li­chen Anla­gen und Arbeits­plät­zen,
  • Sortier­ka­bine und
  • an verschie­de­nen Arbeits­plät­zen täti­gen Beschäf­tig­ten.
Alveo­len­gän­gige und einatem­bare Staub­frak­tion
In Tabelle 2 sind die gemes­se­nen Schicht­mit­tel­werte für die einatem­bare und die alveo­len­gän­gige Staub­frak­tion zusam­men­ge­fasst darge­stellt. Haupt­au­gen­merk wurde dabei auf die Messung der einatem­ba­ren Staub­frak­tion gelegt.
Für die alveo­len­gän­gige Staub­frak­tion wurde durch­weg eine Einhal­tung des Arbeits­platz­grenz­wer­tes von 3 mg/m³ fest­ge­stellt. Die Belas­tun­gen durch die alveo­len­gän­gige Staub­frak­tion in der Sortier­ka­bine liegen als 95-Perzentil etwa doppelt so hoch wie dieje­ni­gen bei Tätig­kei­ten in ande­ren Arbeits­be­rei­chen.
Die Schicht­mit­tel­werte für die einatem­bare Staub­frak­tion zeigen dage­gen ein diffe­ren­zier­tes Bild. So sind bei allen Tätig­kei­ten und in allen Arbeits­be­rei­chen verein­zelt Mess­ergeb­nisse erkenn­bar, die ober­halb des Arbeits­platz­grenz­wer­tes von 10 mg/m³ liegen. Diese sind aufgrund der Beob­ach­tun­gen während der Messun­gen gut erklär­bar.
Im Bereich der Anlie­fe­rung und Mate­ri­al­auf­gabe wurde in einem Fall der Arbeits­platz­grenz­wert deut­lich über­schrit­ten, da hier Reini­gungs­ar­bei­ten unter inten­si­vem Einsatz von Druck­luft erfolg­ten.
An der Ballen­presse wurde eben­falls bei Reini­gungs­ar­bei­ten mit Druck­luft im Schicht­mit­tel eine deut­li­che Grenz­wert­über­schrei­tung gemes­sen. Die Belas­tung während dieser Tätig­keit lag mit mehr als 40 mg/m³ sogar noch deut­lich höher. Glei­ches trifft für die Besei­ti­gung von Störun­gen an der Ballen­presse zu. Während der Dauer dieser Tätig­keit wurden bis zu 69 mg/m³ für die einatem­bare Staub­frak­tion gemes­sen. Kritisch ist das Verpres­sen von gebrauch­ten Kraft­pa­pier­sä­cken zu sehen. Diese werden z.B. für den Trans­port von Zement, Farb­pul­ver, aber auch Glut­amat verwen­det. In eini­gen Betrie­ben kamen verein­zelt Liefe­run­gen derar­ti­ger Kraft­pa­pier­sä­cke an, die dann verpresst werden muss­ten. Dies dauerte zwar nur bis zu 20 Minu­ten, jedoch war die Staub­ent­wick­lung dabei sehr stark. Die Schicht­mit­tel­werte lagen bei diesen Tätig­kei­ten dann immer noch unter­halb des Arbeits­platz­grenz­wer­tes – aber oftmals nur gering­fü­gig darun­ter. Hier muss davon ausge­gan­gen werden, dass während dieser kurz­zei­ti­gen Tätig­kei­ten deut­li­che Über­schrei­tun­gen der Kurz­zeit­werte zu erwar­ten sind. Hier­bei muss entwe­der die Ballen­presse mit einer deut­lich leis­tungs­stär­ke­ren Absau­gung betrie­ben werden oder aber derar­ti­ges Mate­rial sollte nicht mehr verpresst werden.
Orts­fest wurde ansons­ten nur noch in der Halle an einer Fein­sor­tie­rung eine deut­lich ober­halb des Arbeits­platz­grenz­wer­tes liegende Konzen­tra­tion ermit­telt. Diese Anlage wird jedoch nur zu Kontroll­zwe­cken kurz­zei­tig began­gen, so dass hier für die Beschäf­tig­ten ledig­lich eine Expo­si­ti­ons­spitze von kurzer Dauer zu erwar­ten ist. Ein Einfluss auf die Belas­tung der Beschäf­tig­ten an benach­bar­ten Arbeits­plät­zen war nicht erkenn­bar.
Die in der Sortier­halle täti­gen Beschäf­tig­ten verrich­te­ten häufig wech­selnde Tätig­kei­ten an verschie­de­nen Arbeits­plät­zen. So wurden Kontrol­len und kleine Repa­ra­tu­ren an den Anla­gen durch­ge­führt oder es erfolg­ten Transport- und Lade­ar­bei­ten mit Gabel­stap­lern oder Radla­dern. Zum Teil wurden auch Tätig­kei­ten im Freien ausge­führt. Im Schicht­mit­tel erga­ben sich für diese Beschäf­tig­ten durch­weg Belas­tun­gen deut­lich unter­halb des Arbeits­platz­grenz­wer­tes für die einatem­bare Staub­frak­tion. Äußerst kritisch wurde es jedoch, wenn kurz­zei­tige – bis zu einer halben Stunde dauernde – Reini­gungs­ar­bei­ten mit Druck­luft durch­ge­führt wurden. Diese kurz­zei­ti­gen Belas­tun­gen betru­gen bis zu 440 mg/m³ – wohl­ge­merkt: bei einer unzu­läs­si­gen Arbeits­weise. Dabei wurde zwar eine parti­kel­fil­trie­rende Schutz­maske getra­gen, die jedoch nicht für derar­tig hohe Konzen­tra­tio­nen vorge­se­hen ist. Teil­weise zeig­ten diese durch Abbla­sen verur­sach­ten Staub­kon­zen­tra­tio­nen auch deut­li­che Einflüsse auf die Belas­tun­gen der Beschäf­tig­ten bei ande­ren Tätig­kei­ten in der Sortier­halle.
In der Sortier­ka­bine traten zum Teil Grenz­wert­über­schrei­tun­gen auf, wenn die Luft­tech­nik defekt oder nur einge­schränkt funk­ti­ons­fä­hig war. Dies ist ein eindeu­ti­ger Hinweis auf die Pflicht zur regel­mä­ßi­gen Kontrolle und Wartung der luft­tech­ni­schen Anlage einer Sortier­ka­bine.
In einem Betrieb bestand die Möglich­keit, Arbeits­platz­mes­sun­gen bei der Akten­ver­nich­tung durch­zu­füh­ren. Dies fand in einer geson­der­ten Halle statt, für die entspre­chende Zugangs­be­schrän­kun­gen bestan­den. Bei der Vernich­tung werden die Akten geschred­dert, störende Inhalts­stoffe, z. B. Metalle aus den Ordnern, entfernt und anschlie­ßend verpresst. Alle einge­setz­ten Anla­gen waren mit Absau­gun­gen verse­hen. Die dabei ermit­tel­ten Belas­tun­gen durch die einatem­bare und die alveo­len­gän­gige Staub­frak­tion lagen im Schicht­mit­tel mit maxi­mal 2 mg/m³ bzw. 0,03 mg/m³ deut­lich nied­ri­ger als die typi­schen Belas­tun­gen für die Sortier­be­triebe (siehe dazu Tab. 1).
Biolo­gi­sche Arbeits­stoffe
Die in den Tabel­len 3 und 4 darge­stell­ten Mess­werte für die biolo­gi­schen Arbeits­stoffe wurden weitest­ge­hend an den glei­chen Stel­len und bei den glei­chen Tätig­kei­ten gemes­sen wie die Stäube. Aufgrund der gerin­ge­ren Anzahl an Messun­gen war hier nicht in allen Fällen eine Unter­schei­dung nach Tätig­kei­ten und Arbeits­be­rei­chen möglich und sinn­voll. Geson­dert konnte dann nur jeweils die Sortier­ka­bine betrach­tet werden.
Altpa­pier kommt als Träger sowie in Verbin­dung mit Wasser als Substrat zur Vermeh­rung von Mikro­or­ga­nis­men in Frage. Diese biolo­gi­schen Arbeits­stoffe werden bei der mecha­ni­schen Behand­lung des Altpa­piers, wie von uns nach­ge­wie­sen, in die Luft frei­ge­setzt. Arbeits­platz­grenz­werte gibt es für biolo­gi­sche Arbeits­stoffe nicht. Als Bezugs­wert ist die Hinter­grund­be­las­tung der Außen­luft heran­zu­zie­hen. Diese beträgt für Bakte­rien, Schim­mel­pilze und Endo­to­xine etwa 10² KBE/m³, 104 KBE/m³, bzw. 1 EU/m³. Es gilt das Mini­mie­rungs­ge­bot. Beach­tens­wert sind insbe­son­dere Schim­mel­pilz­kon­zen­tra­tio­nen bis zu 1,8x106 KBE/m³. Es handelt sich vorran­gig um die Spezies Peni­cil­lium, Asper­g­il­lus und Clado­spo­rium. Damit können durch­aus Pilze der Risi­ko­grup­pen 2 und 3 vorkom­men. Der für stän­dige Arbeits­plätze in Sortier­ka­bi­nen, Kabi­nen und Steu­er­stän­den in der TRBA 214 [8] fest­ge­legte Tech­ni­sche Kontroll­wert (TKW) für Schim­mel­pilze beträgt 5x104 KBE/m³. Der TKW wurde in Sortier­ka­bi­nen mit unzu­rei­chen­der Lüftungs­tech­nik wieder­holt über­schrit­ten.
Zusam­men­fas­sung und Ausblick
Die Arbeits­platz­mes­sun­gen in Papier­sor­tier­be­trie­ben zeig­ten, dass die Arbeits­platz­grenz­werte für die einatem­bare und die alveo­len­gän­gige Staub­frak­tion einge­hal­ten werden, wenn nicht mit Druck­luft gerei­nigt wird oder Reini­gungs­ar­bei­ten inner­halb von Anla­gen durch­ge­führt werden. Erste­res sollte daher in Sortier­be­trie­ben unter­blei­ben. Für letz­tere sollte entspre­chend die Verwen­dung persön­li­cher Schutz­aus­rüs­tung im Rahmen der Betriebs­an­wei­sung gere­gelt werden.
Auch bei Einhal­tung der Staub­grenz­werte ist teil­weise mit hohen Belas­tun­gen durch biolo­gi­sche Arbeits­stoffe zu rech­nen. Nicht immer ist diese Gefähr­dung offen­sicht­lich wie bei der Hand­ha­bung von verschim­mel­tem Papier oder Druck­luft­rei­ni­gung. Gene­rell kann gesagt werden, dass eine Verrin­ge­rung luft­ge­tra­ge­ner Stäube auch zur Redu­zie­rung biolo­gi­scher Arbeits­stoffe führt.
Das Verpres­sen von gebrauch­ten Kraft­pa­pier­sä­cken mit Resten stau­ben­der Stoffe ist kritisch zu sehen. Hier ist für die Zukunft zu über­le­gen, ob diese Säcke verpresst werden müssen. Die ermit­tel­ten Belas­tun­gen weisen darauf hin, dass die Absau­gung an den dafür verwen­de­ten Ballen­pres­sen nicht ausrei­chend ist.
In Sortier­ka­bi­nen werden die Arbeits­platz­grenz­werte für beide Staub­frak­tio­nen dann einge­hal­ten, wenn die vorge­schrie­bene luft­tech­ni­sche Anlage genutzt und insbe­son­dere auch funk­ti­ons­fä­hig ist. Dies setzt die regel­mä­ßige Kontrolle und Wartung voraus. Eine funk­ti­ons­fä­hige luft­tech­ni­sche Anlage stellt eine Grund­vor­aus­set­zung zur Einhal­tung des Tech­ni­schen Kontroll­wer­tes für Schim­mel­pilze nach TRBA 214 [8] dar.
Um die Belas­tun­gen durch die als krebs­er­zeu­gend einge­stuf­ten Diesel­mo­tore­mis­sio­nen zu mini­mie­ren, ist sicher zu stel­len, dass die einge­setz­ten Gabel­stap­ler und Radla­der entspre­chend den Vorga­ben der TRGS 554 [4] mit einem Diesel­par­ti­kel­fil­ter ausge­rüs­tet sind. Für Fahr­zeuge, die in die Halle der Sortier­be­triebe einfah­ren sind erfor­der­li­chen­falls Aufsteck­fil­ter bereit zu halten. Wenn im Rahmen der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung Arbeits­platz­mes­sun­gen durch­ge­führt werden, so sollte bevor­zugt die einatem­bare Staub­frak­tion gemes­sen werden. Diese lässt gegen­über der alveo­len­gän­gi­gen Staub­frak­tion deut­li­chere Aussa­gen zur Wirk­sam­keit der in den Betrie­ben getrof­fe­nen Schutz­maß­nah­men zu. Bei den biolo­gi­schen Arbeits­stof­fen wird die Messung luft­ge­tra­ge­ner Schim­mel­pilze empfoh­len.
Es ist vorge­se­hen, die Unter­su­chungs­er­geb­nisse der BAuA mit denen von Mess­stel­len der Bundes­län­der und der Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten zusam­men­zu­füh­ren. Gemein­sam mit dem Bundes­ver­band Sekun­där­roh­stoffe und Entsor­gung e. V. (bvse) und dem Bundes­ver­band der Deut­schen Entsorgungs‑, Wasser- und Rohstoff­wirt­schaft e.V. (BDE) soll dann eine Hand­lungs­an­lei­tung zur guten Arbeits­pra­xis für die Papier­sor­tier­be­triebe erstellt werden. Diese soll die Betriebe bei der Durch­füh­rung ihrer Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung unter­stüt­zen.
Lite­ra­tur
  • 1. Verband Deut­scher Papier­fa­bri­ken e. V.: Papier Kompass 2010, Bonn, 2010
  • 2. Hebisch, R. Schöneich, R.: Aus den Augen, aus dem Sinn? Arbeits­schutz in der Entsor­gungs­wirt­schaft. in: Sicher­heit Gesund­heit Wett­be­werbs­fä­hig­keit: Die Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin 1996–2006, NW Verlag Bremer­ha­ven, Dort­mund, 2006, 161–167
  • 3. DIN EN 643: Papier und Pappe – Euro­päi­sche Liste der Stan­dard­sor­ten für Altpa­pier und Pappe. Beuth-Verlag, Berlin, Ausgabe März 2002
  • 4. TRGS 554: Abgase von Diesel­mo­to­ren. GMBl Nr. 56/58 S. 1179–1212 (8.12.2008)
  • 5. TRGS 402: Ermit­teln und Beur­tei­len der Gefähr­dun­gen bei Tätig­kei­ten mit Gefahr­stof­fen: Inha­la­tive Expo­si­tion. GMBl 2010 Nr. 12 S. 231–253 (25.2.2010)
  • 6. TRBA 405: Anwen­dung von Mess­ver­fah­ren und tech­ni­schen Kontroll­wer­ten für luft­ge­tra­gene Biolo­gi­sche Arbeits­stoffe. Ände­rung und Ergän­zung BArbBl.7/2006 S. 193–194
  • 7. TRGS 900: Arbeits­platz­grenz­werte. BArbBl. Heft 1/2006 S. 41–55 (siehe auch Hinweis im BAnz. Nr. 148 S. 3514 vom 30.9.2008) zuletzt geän­dert und ergänzt: GMBL 2010 Nr. 34 S. 746–747 (21.6.2010) (siehe auch Hinweis im BAnz. Nr. 76 S. 1799 vom 26. Mai 2009) berich­tigt: GMBl 2010 Nr. 43 S. 912–913 (4.8.2010)
  • 8. TRBA 214: Abfall­be­hand­lungs­an­la­gen einschließ­lich Sortier­an­la­gen in der Abfall­wirt­schaft. GMBL 2007 Nr. 35
Anschrift für die Autoren:
Dr. Ralph Hebisch Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin Gruppe 4.4 „Gefahr­stoff­la­bor“ Friedrich-Henkel-Weg 1 – 25 44149 Dort­mund
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