Startseite » Sicherheit » Arbeitsschutzorganisation »

Vor Ort bei der OVAG in Friedberg

Vor Ort bei der OVAG in Friedberg
Den Richtigen gefunden

Anzeige
In sein­er jet­zi­gen Form existiert der hes­sis­che Energiev­er­sorg­er OVAG ger­ade mal ein halbes Jahr. Die OVAG Energie AG und die Ober­hes­sis­chen Ver­sorgungs­be­triebe AG wur­den miteinan­der ver­schmolzen. Indus­triekauf­mann Mar­co Reis ist schon lange dabei. In sein­er aktuellen Posi­tion ver­ste­ht er sich als Arbeit­ser­le­ichter­er und EDV-Schnittstelle. Rei­bungslose Arbeitsabläufe sind ihm auch als Sicher­heits­beauf­tragter wichtig – und zwar schon seit zwanzig Jahren.

Kirsten Rein

Offen und mod­ern, eine Kom­mu­nika­tion­szone mit Launch­bere­ich, Kon­feren­ztisch und Besprechungsmöglichkeit­en im Ste­hen, run­dum ver­glaste Büros – so präsen­tiert sich der neu gestal­tete Flügel der Hauptver­wal­tung, in dem Mar­co Reis arbeit­et. Rund 50 Mitar­beit­er sind hier unterge­bracht. Für etwa die Hälfte ver­sieht der 39-jährige Florstädter das Amt des Sicher­heits­beauf­tragten. Im neuen Ver­wal­tungs­ge­bäude eine ver­gle­ich­sweise über­schaubare Auf­gabe: „Die Räum­lichkeit­en hier sind schon alle sehr sich­er konzip­iert“, sagt Reis. Natür­lich dürften die Fluchtwege nicht durch Kisten ver­stellt wer­den. Zu ver­mei­den seien zudem typ­is­che Stolper­fall­en wie Kabel oder offene Schubladen. „Durch Stolpern, Stürzen oder Aus­rutschen kommt es zu den meis­ten Unfällen“, weiß der Sibe. Doch auch dieses Risiko ist beherrschbar. „Eigentlich ist nur unser Pflaster­ver­brauch hoch“, resümiert Reis leicht iro­nisch. „Die Kol­le­gen schnei­den sich an Papieren oder beim Öff­nen von Päckchen und Paketen.“

Mehr Gefährdungen in den Kernbereichen

Das sieht in den Kern­bere­ichen der OVAG-Gruppe schon etwas anders aus. Die ver­schiede­nen Unternehmen im Ver­bund küm­mern sich um die Energiev­er­sorgung. Strom, Gas, Wärme und erneuer­bare Energien wer­den über sie geliefert. Die OVAG Netz GmbH sorgt für den Betrieb, die Instand­hal­tung und den Aus­bau des Energiev­er­sorgungsnet­zes. Vom hes­sis­chen Lauter bis Frank­furt und Hirzen­hain bis Butzbach wer­den die Bürg­er außer­dem von der OVAG mit Wass­er ver­sorgt. Darüber hin­aus betätigt sich die OVAG im Kom­mu­nal­man­age­ment und die Verkehrs­ge­sellschaft Ober­hessen mbH, die zur OVAG-Gruppe gehört, organ­isiert, finanziert und entwick­elt den öffentlichen Nahverkehr in Ober­hessen weit­er. Da gibt es also deut­lich gefährlichere Auf­gaben als in der Ver­wal­tung am Stamm­sitz in Fried­berg. Vor allem beim Umgang mit Strom kann ein Unfall auch tödlich enden.

„Wir haben einen!“

Trotz­dem oder ger­ade deswe­gen nimmt Mar­co Reis sein Engage­ment als Sibe sehr ernst. Der gel­ernte Indus­triekauf­mann mit Etap­pen in der Finanzbuch­hal­tung und der Energiebeschaf­fung ist aktuell in der Pro­jek­t­s­teuerung als Koor­di­na­tor zuhause. „Ich ver­ste­he mich als Dol­metsch­er zwis­chen IT und Han­del.“ Als der Chef der Energiebeschaf­fung vor 20 Jahren per Mail anfragte, wer sich vorstellen könne, Sibe zu wer­den, schrieb der überzeugte Feuer­wehrmann, der heute auch Brand­schutzbeauf­tragter ist, spon­tan zurück: „Ich mach’ das, wenn sich kein ander­er find­et.“ Worauf nahezu post­wen­dend eine Rund­mail Mar­co Reis zum neuen Amtsin­hab­er erk­lärte. „Wir haben einen gefun­den!“ lautete die fro­he Botschaft – oben­drein jemand mit passen­dem Hin­ter­grund: Durch seine Erfahrung als Feuer­wehrmann war Reis bere­its generell für Gefahren sensibilisiert.

Mängel im Brandschutz beseitigt

Im neuen Bürokom­plex sind Gefahren­herde allerd­ings fast nicht mehr exis­tent. Hohe Schränke, in denen Sachen unterge­bracht sind, gibt es nicht mehr, sodass auch nie­mand auf Stüh­le steigt, um dranzukom­men. „Und klar, in der Wei­h­nacht­szeit sind Kerzen immer ein heik­les The­ma“, ver­weist Reis auf einen poten­ziellen Brand­herd. Ein etwas anders gelagert­er Vor­fall vor fünf Jahren offen­barte Ver­hält­nisse im Brand­schutz und im Ver­hal­ten der Beschäftigten im Brand­fall, die der res­olute End­dreißiger so nicht hin­nehmen wollte. „Durch das ver­schmorte Net­zteil eines Servers wurde Feuer­alarm aus­gelöst. Die Räu­mung der Büros, das Auffind­en der Fluchtwege und Feuer­lösch­er – alles lief chao­tisch“, erin­nert sich Reis. Als Brand­schutzbeauf­tragter habe er daraufhin Beschw­erde ein­gere­icht. In der Folge wur­den Schu­lun­gen ange­boten, die sich nicht allein auf eine Präsen­ta­tion stützten, son­dern die Beschäftigten aktiv mitein­be­zo­gen. „Die neuen Ret­tungswege wur­den began­gen und es wurde jedem per­sön­lich gezeigt, wo die Feuer­lösch­er hän­gen.“ Dabei wur­den die Mitar­beit­er auch auf die drei Defib­ril­la­toren im Gebäude aufmerk­sam gemacht.

Ergonomische Ausstattung

In der Hauptver­wal­tung gibt es ein- bis zweimal jährlich arbeitssicher­heit­stech­nis­che Fachge­spräche zwis­chen den Sicher­heits­beauf­tragten. Bei diesen Zusam­menkün­ften wer­den gute und schlechte Erfahrun­gen miteinan­der aus­ge­tauscht, um daraus zu ler­nen. Vier­mal im Jahr tre­f­fen sich zudem gewählte Sicher­heits­beauf­tragte von allen Konz­ernge­sellschaften zum Aus­tausch mit der Betrieb­särztin und der Geschäfts­führung. Das Man­age­ment von der OVAG Gruppe meint es ernst mit der Gesund­heit sein­er Mitar­beit­er: In aktiv­en Pausen kön­nen diese Kurse besuchen, die vom Arbeit­ge­ber ange­boten wer­den, oder Übun­gen im Sitzen machen. Wer Lust hat, kann Yoga- oder spezielle Rück­enkurse besuchen. Ange­boten wer­den auch Mas­sagen, die allerd­ings selb­st bezahlt wer­den müssen. Alle Büros im Neubau sind mit höhen­ver­stell­baren Schreibtis­chen aus­ges­tat­tet. „Und wir haben super Stüh­le fürs dynamis­che Sitzen“, fügt Reis hinzu, der das selb­st viel nutzt.

Lob für die Ausbilder

30 bis 40 Unfälle pro Jahr reg­istri­ert die OVAG-Gruppe im Schnitt, aber das sind meist Wege­un­fälle. Oder eben, wenn jemand im Betrieb gestolpert ist und vor­sor­glich zum Arzt geht. Ver­let­zun­gen beziehungsweise ein höheres Ver­let­zungsrisiko beobachtet Reis son­st eher bei den Mitar­beit­ern von Fremd­fir­men. Beson­ders bei den Fen­ster­putzern hat er oft ein ungutes Gefühl. Lobend erwäh­nt er die Aus­bilder der OVAG, die jährlich rund 20 Lehrlinge unter ihre Fit­tiche nehmen. „Sie acht­en sehr genau auf den kor­rek­ten Umgang mit Maschi­nen und somit auf die Sicher­heit ihrer Schützlinge.“

Guter Draht zur Betriebsärztin

Als Sibe pflegt Reis auch einen guten Kon­takt zur Betrieb­särztin Dr. Doris Fritsch. Sie ist bei allen Gesprächen zur Arbeitssicher­heit und Betrieb­sver­samm­lun­gen dabei. Ihre Infor­ma­tio­nen ver­bre­it­et sie auch übers Intranet. So kön­nen immer mehr Mitar­beit­er für eine Grippeimp­fung gewon­nen wer­den. „Aber es sind immer noch wenige“, bemerkt Reis. Alle drei Jahre kön­nen die Beschäftigten zudem zur Auge­nun­ter­suchung gehen.

Während die Zahl der Mitar­beit­er in bes­timmten Bere­ichen abn­immt, wächst die Zahl der Beschäftigten in sein­er Gruppe. Der Stel­len­ab­bau resul­tiert vor allem aus der fortschre­i­t­en­den Dig­i­tal­isierung: Was früher im Sek­tor Wass­er- und Strom­leitun­gen von drei bis vier Planze­ich­n­ern ent­wor­fen wurde, erledigt heute eine Per­son dig­i­tal am Com­put­er. Zum Stel­lenauf­bau hinge­gen kommt es auf­grund von ständig neuen Verord­nun­gen des Geset­zge­bers. „Die geforderten neuen intel­li­gen­ten Messsys­teme beim Kun­den sind heute sicher­er als ein Bank­tre­sor“, nen­nt Reis ein Beispiel. Sie müssen nicht mehr abge­le­sen wer­den. Die Werte wer­den automa­tisch über­tra­gen. Oder in der Elek­tro­mo­bil­ität. Da will die Bun­desregierung Fortschritte sehen. Und es geht voran: Die OVAG hat in den Städten und Gemein­den des Ver­sorgungs­ge­bi­ets min­destens eine Säule aufge­baut und betreibt sie. Ins­ge­samt sind es 64 Säulen.

Nicht belehren, sondern helfen

Als Sibe möchte Reis seine Kol­le­gen nicht belehren, son­dern Hil­festel­lung leis­ten, damit keine Unfälle passieren. Lachend fügt er hinzu: „Meine Gegen­wart löst in der Regel bei den Kol­le­gen schon einen kleinen Ruck aus.“ Reis ist es wichtig, immer für sie da zu sein und von allen als Sibe akzep­tiert zu wer­den. Auch als Brand­schutzbeauf­tragter macht er auf mögliche Gefahren aufmerk­sam. Nach knapp drei Jahrzehn­ten bei der Feuer­wehr weiß Reis, was alles passieren kann, wie es zu ver­hin­dern ist, und wie man bei Gefahren umsichtig han­delt. Bei den Brand­bekämpfern hat er beispiel­sweise auch den Umgang mit Ket­ten­sä­gen gelernt.

Gewusst-wie: Mit dem Bau seines Eigen­heims ist Reis fast fer­tig. Hier wurde selb­stver­ständlich auch mit Sicher­heitss­chuhen, Schutzbrille und Gehörschutz gear­beit­et. Um all­ge­mein fit zu bleiben, nutzt der sicher­heits- und gesund­heits­be­wusste Florstädter den Train­ingsraum bei der Feuer­wehr. Und wenn das Haus irgend­wann ganz fer­tig ist, wird er vor der Arbeit auch wieder schwim­men gehen. Das hat er sich fest vorgenommen.


 

Steckbrief

  • Mar­co Reis
  • 39 Jahre
  • Gel­ern­ter Industriekaufmann
  • Aktuelle Posi­tion: Koor­di­na­tor in der Projektsteuerung
  • Sicher­heits­beauf­tragter seit 2000
  • Branche: Energiev­er­sorgung

OVAG

Die OVAG ist ein Ser­vice­un­ternehmen rund um die The­men Wass­er, Strom, Gas und Wärme. Das Unternehmen gehört zum Ver­bund der OVAG-Gruppe.

  • rund 220 Mitar­beit­er in der Hauptver­wal­tung in Fried­berg (Hes­sen)
  • bre­ites Spek­trum an Pro­duk­ten – von Strom und Wärme über Wass­er und Verkehr bis hin zu Gas, kom­mu­nale Ser­vices und Energieberatung
  • Ver­sorgungs­ge­bi­et von mehreren tausend Quadratkilometern
  • rund 210.000 Kunden
  • www.ovag.de
Anzeige
Newsletter

Jet­zt unseren Newslet­ter abonnieren

Meistgelesen

Jobs
Sicherheitsbeauftragter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 12
Ausgabe
12.2020
ABO
Sicherheitsingenieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 1
Ausgabe
1.2021
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de