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Betriebssicherheit von Aufzügen

Mehr Entschei­dungs­raum bei der Moder­ni­sie­rung

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Im Sinne einer vorausschauenden Wartung kann es sich auszahlen, Modernisierungsarbeiten anzugehen, bevor akute Mängel auftreten. Foto: © TÜV Süd
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In die Jahre gekom­mene Aufzugs­an­la­gen zu moder­ni­sie­ren war in der Vergan­gen­heit oft mit weit­rei­chen­den Umbau­ten verbun­den. Die aktu­elle Fassung der Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung (Betr­SichV) eröff­net jedoch auch Möglich­kei­ten, Moder­ni­sie­run­gen effi­zi­en­ter und ziel­ge­rich­te­ter zu gestal­ten. Aller­dings sind noch nicht alle tech­ni­sche Regeln und Leit­fä­den auf dem neues­ten Stand und soll­ten schnellst­mög­lich ange­passt werden.

Aufzugs­an­la­gen in Betrie­ben und Unter­neh­men haben in der Regel eine Nutzungs­dauer von mehre­ren Jahr­zehn­ten. Ändern sich während­des­sen die Anfor­de­run­gen an die Nutzung oder kommt es im Laufe der Jahre vermehrt zu Einschrän­kun­gen, dann ist neben der Neuan­schaf­fung oft auch eine Moder­ni­sie­rung ein proba­tes Mittel, um in den Genuss der Vorteile eines moder­ne­ren Personen- oder Lasten­auf­zugs zu kommen. Viele Arbeit­ge­ber und Betrei­ber scheu­ten sich jedoch in der Vergan­gen­heit, in den Umbau der Aufzüge zu inves­tie­ren. Denn die alte Betr­SichV und die darauf basie­rende tech­ni­sche Regel für Betriebs­si­cher­heit (TRBS) verlang­ten, dass unter Umstän­den auch weitere, funk­tio­nal zusam­men­hän­gende Bauteile ausge­tauscht werden muss­ten, damit diese eben­falls auf dem neues­ten Stand der Tech­nik sind. So konnte beispiels­weise eine Ände­rung der elek­tri­schen Steue­rung dazu führen, dass auch ein Notruf­sys­tem (Notruf­leit­sys­tem) neues­ter Bauart und Betriebs­weise (wie für eine Neuan­lage nach DIN EN 81–28) einge­baut werden musste.

Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit, die Arbeit­ge­ber in Belan­gen des Arbeits­schut­zes und der Betriebs­si­cher­heit bera­ten, können ihren Auftrag­ge­bern künf­tig mittei­len, dass die aktu­elle Fassung des Betr­SichV neue Gestal­tungs­frei­räume eröff­net. Ände­run­gen lassen sich meist mit redu­zier­tem Aufwand reali­sie­ren. Zwar hat der Stand der Tech­nik, der sich immer am Sicher­heits­ni­veau von Neuan­la­gen orien­tiert, immer noch einen hohen Stel­len­wert inner­halb der Betr­SichV. Doch das maßgeb­li­che Beur­tei­lungs­kri­te­rium ist nun, ob die Aufzugs­an­lage sicher verwen­det werden kann (siehe Sicher­heits­in­ge­nieur 10/2017). Es geht somit in erster Linie darum zu klären und zu doku­men­tie­ren, ob die geplante Moder­ni­sie­rungs­maß­nahme zu Gefähr­dun­gen führt und so das Sicher­heits­ni­veau der Anlage herab­setzt.

Beispiel: Steue­rung austau­schen

Das folgende Beispiel zeigt, was dies in der Praxis bedeu­tet:

Musste früher, zum Beispiel wegen einer Fehl­funk­tion, die Steue­rung ausge­tauscht werden, hatte dies weit­rei­chende Folgen. Denn alle Bauteile und Baugrup­pen, die im funk­tio­na­len Zusam­men­hang mit der Steue­rung stan­den, muss­ten eben­falls erneu­ert und auf den Stand einer Neuan­lage gebracht werden. Dies konnte beispiels­weise für ein instal­lier­tes Notruf­sys­tem gelten, sofern dieses – obwohl voll funk­ti­ons­fä­hig – nicht dem einer Neuan­lage entsprach. In ande­ren Fällen war es notwen­dig, Schacht­in­stal­la­tio­nen und zusätz­li­che Steue­rungs­ein­hei­ten nach­zu­rüs­ten. Damit verviel­fach­ten sich die Kosten. Es ist somit nicht verwun­der­lich, dass die Verant­wort­li­chen Moder­ni­sie­rungs­ar­bei­ten oftmals so lange wie möglich aufscho­ben, auch wenn daraus eine einge­schränkte Nutzung des Aufzugs resul­tierte.

Einen solchen, wie im Beispiel beschrie­be­nen Aufwand zu betrei­ben ist heute nicht mehr zwangs­läu­fig notwen­dig. Zu diesem Schluss kommen die Zuge­las­se­nen Über­wa­chungs­stel­len (ZÜS), die sich in einem Erfah­rungs­aus­tausch­kreis inten­siv mit dem Thema befasst haben. Planer und Ausrüs­ter, die sich bei Umbau­ten bisher an der Tech­ni­schen Regel für Betriebs­si­cher­heit (TRBS) 1121 orien­tiert haben, soll­ten umden­ken. Denn die TRBS 1121 ist zwar weiter­hin in Kraft, doch deren Rege­lun­gen liegt immer noch die Vorgän­ger­ver­sion der Betr­SichV zugrunde. Diese wurde jedoch im Jahr 2015 durch eine erneu­erte Fassung ersetzt. Das hat zur Folge, dass einzelne Passa­gen der TRBS 1121 nicht mehr mit der aktu­ell gülti­gen Betr­SichV im Einklang stehen.

Regel­werk muss ange­passt werden

Ein Grund dafür: Das Schutz­ziel der derzeit gülti­gen Betr­SichV ist nicht, dass der Aufzug dem aktu­el­len Stand der Tech­nik (Neuan­lage) entspricht. Viel­mehr ist die sichere Verwen­dung maßgeb­lich. Das heißt in Bezug auf die TRBS 1121: Deren Vorgabe, dass bei einem sicher­heits­re­le­van­ten Umbau auch alle damit zusam­men­hän­gen­den Systeme durch einen Austausch auf den neues­ten Stand der Tech­nik gebracht werden müssen, ist so nicht mehr aus der Betr­SichV ableit­bar. Daher haben die ZÜS die Schluss­fol­ge­rung gezo­gen, dass die TRBS 1121 in der jetzi­gen Form nicht mehr in allen Punk­ten gültig sein kann und aktua­li­siert werden muss.

Ersetzt oder aktua­li­siert werden sollte eben­falls die „Dafa-Handlungsanleitung“ des Deut­schen Ausschus­ses für Aufzüge, die die Anwen­dung der TRBS 1121 erläu­tert. Das Doku­ment hat zwar nur Empfeh­lungs­cha­rak­ter, wird jedoch von vielen Herstel­lern, Planern und Instal­la­teu­ren bei der Planung und Umset­zung von Moder­ni­sie­rungs­maß­nah­men heran­ge­zo­gen und ist in der Bran­che weit verbrei­tet. Umbau­pro­jekte, die auf Basis der Dafa-Handlungsanleitung erfol­gen, fallen häufig umfang­rei­cher aus, als dies nach Vorga­ben der aktu­el­len Betr­SichV nötig wäre.

Beur­teilt wird die „sichere Verwen­dung“

Wich­tig ist hier, in welchem Zusam­men­hang der Begriff „Stand der Tech­nik“ verwen­det wird. Die aktu­elle Betr­SichV verlangt vom Betrei­ber, dass „die Verwen­dung“ der Anlage „nach dem Stand der Tech­nik sicher ist“. Dies bedeu­tet ausdrück­lich nicht, dass in jedem Fall die gesamte Anlage mit all ihren Bautei­len dem Stand der Tech­nik ange­passt werden und einer neu instal­lier­ten, moder­nen Anlage entspre­chen muss. Bei einer Moder­ni­sie­rung ist somit eine verhält­nis­mä­ßige und prak­ti­ka­ble Anpas­sung gestat­tet, solange die Anlage „sicher verwen­det“ werden kann. Damit sind nun auch klei­nere Umbau­ten prak­ti­ka­bel, ohne dass dies weit­rei­chende und umfang­rei­che Begleit­maß­nah­men zwin­gend erfor­dert.

Größe­rer Hand­lungs­spiel­raum

Ermit­telt wird das notwen­dige Maß der Umbau­maß­nah­men durch eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung bezie­hungs­weise Sicher­heits­ana­lyse. Das liefert den Arbeit­ge­bern und Betrei­bern die notwen­di­gen Infor­ma­tio­nen, um mögli­che Sicher­heits­ri­si­ken zu erken­nen und geeig­nete Maßnah­men zu ergrei­fen. Diese soll­ten in einem ausge­wo­ge­nen Verhält­nis zum erkann­ten Gefah­ren­po­ten­zial stehen. Gleich­zei­tig müssen die Betrei­ber ihrer Sorg­falts­pflicht nach­kom­men. Das bedeu­tet: Werden Ände­run­gen vorge­nom­men, muss auch die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung ange­passt werden. Kommt diese zu dem Ergeb­nis, dass sich die Gefähr­dungs­si­tua­tion durch den Umbau nicht wesent­lich ändert, kann der Aufzug auch weiter­hin als sicher ange­se­hen werden.

Daraus folgt, dass die aktu­elle Betr-SichV die Hand­lungs­spiel­räume für die Moder­ni­sie­rung der Anla­gen erwei­tert. Dies wird in der Regel auch das Budget für Umbau­ar­bei­ten spür­bar entlas­ten. Aller­dings bleibt fest­zu­hal­ten, dass es sich im Sinne einer voraus­schau­en­den Wartung durch­aus auszah­len kann, Moder­ni­sie­rungs­ar­bei­ten anzu­ge­hen, bevor akute Mängel auftre­ten.


Autor: Dieter Roas
Leiter Geschäfts­feld Förder­tech­nik,
TÜV Süd Indus­trie Service
Dieter.Roas@tuev-sued.de
www.tuev-sued.de/is


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