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Der richtige Gehörschutz

Gegen Lärm
Der richtige Gehörschutz

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Heute gibt es eine Vielzahl an Gehörschutzmit­teln, so dass für jede Art von per­sön­lich­er Lärm­be­las­tung ein passender Gehörschutz möglich ist. Lesen Sie, welchen Sie wann ver­wen­den sollten.

Dr. Joerg Hensiek

Über­mäßiger oder ständi­ger Lärm im Betrieb schädigt nicht nur das Gehör der Beschäftigten. Er erzeugt auch den soge­nan­nten „Lärm-Stress“, der den ganzen Kör­p­er belas­ten kann. Diese Dop­pel­be­las­tung für die Arbeit­nehmer auf­grund soge­nan­nter „auraler Lärmwirkun­gen“ (also Schädi­gun­gen im Gehör­gang) und „extra-auraler Lärmwirkun­gen“ (Schädi­gung des gesamten Kör­pers und der Psy­che durch Lärm) kann mit Gehörschutzmit­teln deut­lich ver­ringert werden.

Welch­es Gehörschutzmit­tel aber ist das richtige? Das ist abhängig von fol­gen­den Punkten:

  • Welch­er Art von Lärm ist man am eige­nen Arbeit­splatz im Betrieb aus­ge­set­zt (zum Beispiel ständi­ger Lärm, beson­ders großer Lärm)?
  • Wie gesund ist man (hat man zum Beispiel bere­its eine Hörschädi­gung oder andere für das Hören rel­e­vante Erkrankungen)?
  • Wie empfind­lich ist man gegen Lärm?
  • Wie viel Lärm darf durch das Tra­gen des Gehörschutzes nicht mehr hör­bar sein? Das heißt: Kön­nte man mit einem Gehörschutzmit­tel die Lärm­be­las­tung bis auf Null senken oder geht dies nicht, weil man bes­timmte, für die Arbeit wichtige Geräusche weit­er­hin hören muss?

Im Fol­gen­den wer­den die wichtig­sten Gehörschutzmit­tel vorgestellt und dabei drei Fra­gen beant­wortet: Was zeich­net das jew­eilige Gehörschutzmit­tel aus? Wie wen­det man es an? Und unter welchen Voraus­set­zun­gen sollte man sich für dieses Mit­tel entscheiden?

Gehörschutzstöpsel

Auf dem Markt gibt es bere­its fer­tig geformte Stöpsel und solche, die man vor Gebrauch erst ein­mal for­men muss. Allerd­ings sind diese Stöpsel in den unter­schiedlich­sten Größen und Durchmessern erhältlich, sodass sie in die Öff­nung eines jeden Gehör­gangs passen (Achtung: nicht in den Gehör­gang selb­st drück­en, da sie dann nur schw­er wieder her­auszubekom­men sind). Gehörschutzstöpsel aus Schaum­stoff drückt man vor Gebrauch zu einem dün­nen Kegel zusam­men und schließt damit den Gehör­gang nach dem Ein­set­zen voll­ständig ab. Die Stöpsel aus Schaum­stoff kön­nen auf­grund hygien­is­ch­er Gründe zumeist nur ein­mal getra­gen wer­den. Sind sie aber aus anderen Mate­ri­alien, wie zum Beispiel Silikon, kön­nen sie etwa ein bis zwei Wochen getra­gen werden.

Sie sind zu empfehlen, wenn …

  • am Arbeit­splatz dauernd hoher Lärm herrscht,
  • ein Gehörschutz zusam­men mit ein­er Brille oder Schutzbrille getra­gen wird,
  • man bes­timmte arbeit­srel­e­vante Geräusche weit­er­hin hören muss und man wis­sen muss, aus welch­er Rich­tung diese Geräusche kommen,
  • man den Gehörschutz ständig ein­set­zen und her­aus­nehmen muss.

Kapselgehörschützer

Kapsel­ge­hörschützer umschließen bei­de Ohrmuscheln mit je ein­er Kapsel und schließen am Kopf mit einem Dich­tungsring ab, der mit Schaum­stoff, Flüs­sigkeit oder Luft gefüllt ist. Damit die Kapsel­ge­hörschützer auf jede Kopf­form passen, kann man die Bügel ver­stellen und die Kapseln auf zwei Ebe­nen bewe­gen. Kapsel­ge­hörschützer soll­ten min­destens alle sechs Monate aus­ge­tauscht werden.

Zu empfehlen, wenn …

  • der Gehörschutz beson­ders häu­fig auf- und abge­set­zt wer­den muss,
  • die Lärm­be­las­tung häu­fig zwis­chen hoher und niedriger Belas­tung wechselt,
  • man regelmäßig unter Gehör­gan­gentzün­dun­gen leidet,
  • der Nutzer an stark­er Ohren­schmalz­bil­dung leidet.

Otoplastiken

Gehörschutz-Oto­plas­tiken. beste­hen zumeist aus Kun­st­stof­fen wie Acryl oder Silikon. Diejeni­gen aus Acryl kön­nen etwa zwei Jahren länger getra­gen wer­den und lassen sich leichter in den Gehör­gang ein­set­zen. Hörg­eräteakustik­er fer­ti­gen die Oto­plas­tiken so an, dass sie beim Träger maßgeschnei­dert ins Ohr passen.

Zu empfehlen, wenn …

  • bere­its ein Hörschaden beziehungsweise Hörver­lust einge­treten und daher ein beson­ders sicher­er Schutz notwendig ist,
  • am Arbeit­splatz ständig eine hohe Lärm­be­las­tung herrscht,
  • ein beson­ders hoher Tragekom­fort erwün­scht ist,
  • ein Gehörschutzmit­tel gesucht wird, das beson­ders gut indi­vidu­ell angepasst wer­den kann,
  • man einen engen Gehör­gang besitzt.

Drei Fragen an …

… Win­fried Eck­ert, Fach­abteilung Reha­bil­i­ta­tion und Leis­tun­gen, BG Bau

Was ist Ihrer Mei­n­ung nach die wichtig­ste Entwick­lung bei den Gehörschutz-Mit­teln in den ver­gan­genen Jahren gewe­sen und warum?

Eck­ert: Mit Inkraft­treten der PSA-Verord­nung am 20.04.2016 ist schädlich­er Lärm in die Risikokat­e­gorie III, welche Risiken beschreibt, die Tod oder irre­versible Gesund­heitss­chä­den zur Folge haben kön­nen, eingestuft wor­den. Dies hat unter anderem zur Folge, dass betriebliche Unter­weisun­gen zu Gehörschutz nun zwin­gend mit prak­tis­chen Übun­gen zur richti­gen Ver­wen­dung durchge­führt wer­den müssen.

Wer ist in erster Lin­ie dafür ver­ant­wortlich, welch­es Gehörschutzmit­tel im Betrieb let­z­tendlich zur Anwen­dung kommt? Der Arbeit­ge­ber, der Betrieb­sarzt, der Betrieb­srat oder die SiFa?

Eck­ert: Zunächst muss geprüft wer­den, ob nicht durch tech­nis­che oder organ­isatorische Maß­nah­men die Lärmein­wirkung auf ein zuläs­siges Maß gemindert wer­den kann. Ist dies nicht der Fall, ist der Arbeit­ge­ber für die Bere­it­stel­lung von geeignetem Gehörschutz ver­ant­wortlich. Hier­bei kann er sich vom Betrieb­sarzt oder von der Fachkraft für Arbeitssicher­heit fach­lich beraten
lassen.

Wer­den die Beschäftigten in vie­len Fällen bei der Auswahl beteiligt oder ist das eher die Ausnahme?

Eck­ert: Um die Akzep­tanz für das Tra­gen von Gehörschutz zu erhöhen, ist es sin­nvoll, dass die Beschäftigten über Tragev­er­suche in die Auswahl von geeignetem Gehörschutz mit einge­bun­den wer­den, ins­beson­dere wenn zusät­zliche Fak­toren wie Staub, Hitze oder auch weit­ere per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung beachtet wer­den müssen. Lei­der wird dies nicht immer so praktiziert

Win­fried Eckert
Foto: privat

Gehörschutz-Auswahl leicht gemacht: Die Positivliste und das Gehörschutz-Programm der IFA

Das Insti­tut für Arbeitss­chutz der DGUV (IFA) hat eine „Gehörschutz-Pos­i­tivliste“ (link) her­aus­gegeben, die ständig erneuert wird. Mit ihr kön­nen Arbeit­ge­ber, Betrieb­särzte und andere Per­so­n­en, die für die Auswahl von Gehörschutz-Lösun­gen im Betrieb ver­ant­wortlich sind, die richtige Auswahl für das eigene Unternehmen treffen.

Die Liste ist in zwei Teile gegliedert:

  • Teil 1: Pas­siv­er Gehörschutz
  • Teil 2: Gehörschützer mit elek­tro­n­is­ch­er Zusatzeinrichtung.

Das IFA hat daneben auch ein „Gehörschutzauswahl-Pro­gramm“ (link) aufgelegt. Zu diesem Pro­gramm gehört unter anderen eine Daten­bank, in der alle Infor­ma­tio­nen zu Gehörschutzmit­teln enthal­ten sind.


Zum The­ma Schallschutz im Büro lesen Sie diesen Beitrag.

 

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