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Arbeitsplatz Firmenfahrzeuge

Betriebssicherheit regelmäßig prüfen
Arbeitsplatz Firmenfahrzeuge

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Hält das Trenngitter? Gewerblich genutzte Fahrzeuge müssen in einem betriebssicheren Zustand sein. Foto: © Kleinmetall
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Mitar­beit­er nutzen Fir­men­fahrzeuge, wenn sie Waren aus­liefern, Besorgun­gen für den Betrieb erledi­gen oder Ser­vicear­beit­en beim Kun­den aus­führen. Stellt der Arbeit­ge­ber seinen Beschäftigten Fahrzeuge zur betrieblichen Nutzung zur Ver­fü­gung, dann han­delt es sich um Arbeitsmit­tel im Sinne der Betrieb­ssicher­heitsverord­nung. Denn schließlich sind auch Fir­men­fahrzeuge ein Arbeit­splatz, an dem der Arbeit­ge­ber die Sicher­heit und Gesund­heit sein­er Mitar­beit­er zu gewährleis­ten hat.

Dipl.-Ing. Dieter Bach­mann

Auch für gewerblich genutzte Fahrzeuge gel­ten die Arbeitss­chutzbes­tim­mungen, so fordert es das Arbeitss­chutzge­setz. Dabei ist es uner­he­blich, ob es sich um ein Fahrzeug han­delt, das auss­chließlich betrieblich einge­set­zt wird oder um einen zugewiese­nen Dienst­wa­gen, der auch pri­vat genutzt wer­den darf. In diesen Fällen hat der Unternehmer die Fahrzeuge bei Bedarf, min­destens jedoch ein­mal jährlich, nach Unfal­lver­hü­tungsvorschrift DGUV Vorschrift 70 „Fahrzeuge“ (bish­er BGV D29) auf ihren betrieb­ssicheren Zus­tand prüfen zu lassen. Pool-Fahrzeuge, auf die die Mitar­beit­er bei Bedarf zurück­greifen kön­nen, sind eben­so Arbeitsmit­tel und müssen in einem betrieb­ssicheren Zus­tand sein.

Betriebssicherheit feststellen

Die Unfal­lver­hü­tungsvorschrift DGUV Vorschrift 70 fordert, dass gewerblich genutzte Fahrzeuge regelmäßig ein­er soge­nan­nten UVV-Prü­fung durch einen Sachkundi­gen zuzuführen sind. Viele Ver­ant­wortliche hal­ten diese Forderung der Beruf­sgenossen­schaften für über­zo­gen – ver­meintlich wird nur die ord­nungs­gemäße Befes­ti­gung der Handy-Hal­terung über­prüft. Doch tat­säch­lich geht es um viel mehr, näm­lich um die Betrieb­ssicher­heit von Fahrzeu­gen. Diese umfasst nicht nur die Verkehrssicher­heit, son­dern auch die Arbeitssicher­heit.

Der arbeitssichere Zus­tand ist bei allen sicher­heit­srel­e­van­ten Bauteilen zu kon­trol­lieren, auf die sich der Fahrer bei sein­er täglichen Arbeit ver­lassen muss. So etwa die ord­nungs­gemäße Befes­ti­gung von Ein­bau­re­galen oder Tren­n­git­tern am Fahrzeu­gauf­bau, denn bei einem Unfall muss die Ver­schraubung in der Lage sein, die enor­men Massenkräfte der Ladung aufz­u­fan­gen.

UVV-Prüfung

Gewerblich genutzte Fahrzeuge sind jährlich ein­er UVV-Prü­fung (Sachkundi­gen-Prü­fung) zu unterziehen, um den betrieb­ssicheren Zus­tand festzustellen. Als Hil­f­s­mit­tel enthält der DGUV-Grund­satz 314–003 „Prü­fung von Fahrzeu­gen durch befähigte Personen/Sachkundige“ eine Auswahl an Prüflis­ten. Diese erheben jedoch keinen Anspruch auf Voll­ständigkeit, son­dern sind je nach Fahrzeug­typ und Ausstat­tung zu ergänzen. Eine Vielzahl an Punk­ten muss durch den Sachkundi­gen kon­trol­liert wer­den, dazu zählen unter anderem:

Prüf­bere­ich Verkehrssicher­heit

  • Warn­weste, Warn­dreieck, Ver­band­kas­ten
  • Beleuch­tung
  • Warn- und Blinkan­lage
  • Scheiben­wisch-Waschan­lage
  • Brem­san­lage
  • Lenkung
  • Stoßdämpfer
  • Berei­fung

Prüf­bere­ich Arbeitssicher­heit

  • Vor­rich­tun­gen zur Ladungssicherung, zum Beispiel Ein­bau­re­gale, Tren­n­git­ter, Zur­rösen
  • Anbauteile, zum Beispiel Klapp­tritte, Heck­tür­leit­er, Dachträger, Lade­bor­d­wand

Nur von Sachkundigen

Mitar­beit­er von Kfz-Fach­w­erk­stät­ten, Tech­nis­chen Überwachung­sor­gan­i­sa­tio­nen oder des eige­nen Betriebes sind befugt, die UVV-Prü­fung durchzuführen. Voraus­set­zung ist, dass sie auf Grund der fach­lichen Aus­bil­dung und Erfahrung aus­re­ichende Ken­nt­nisse auf dem Gebi­et der Fahrzeugtech­nik haben, um den betrieb­ssicheren Zus­tand beurteilen zu kön­nen. Die Arbeitss­chutzvorschriften, Unfal­lver­hü­tungsvorschriften und all­ge­mein anerkan­nten Regeln der Tech­nik müssen bekan­nt sein.

UVV-Prü­fun­gen lassen sich mit wenig Aufwand erledi­gen, wenn die ohne­hin fäl­li­gen Haup­tun­ter­suchun­gen und Ser­vice-Inspek­tio­nen mit ein­be­zo­gen wer­den. Die ver­schiede­nen Möglichkeit­en wer­den nach­fol­gend dargestellt.

Hauptuntersuchung einbeziehen

Die Straßen­verkehrs-Zulas­sungs-Ord­nung (StV­ZO) schreibt regelmäßige Haup­tun­ter­suchun­gen vor. Bei einem Pkw-Neu­fahrzeug ist die Haup­tun­ter­suchung nach 36 Monat­en, danach in regelmäßi­gen Abstän­den von 24 Monat­en erforder­lich. Lastkraft­wa­gen mit ein­er zuläs­si­gen Gesamt­masse über 3,5t sind alle 12 Monate vorzuführen. Ein Kfz-Sachver­ständi­ger unter­sucht das Fahrzeug auf Vorschriftsmäßigkeit und über­prüft beispiel­sweise Brems- und Lenkan­lage oder Räder und Reifen auf tech­nis­che Män­gel. War die Haup­tun­ter­suchung män­gel­frei, dann ist die Verkehrssicher­heit fest­gestellt. „Für unsere Fahrzeuge haben wir mit der Kfz-Werk­statt einen Ser­vicev­er­trag abgeschlossen,“ erläutert Sicher­heits­fachkraft Michael Rath (Name geän­dert) und erk­lärt: „Bei der jährlichen Haup­tun­ter­suchung wird gle­ichzeit­ig auch die Arbeitssicher­heit kon­trol­liert. Mit einem Werk­stat­tbe­such ist die HU und die UVV-Prü­fung erledigt – das spart uns Zeit und Kosten.“

Geschickt: Jahresinspektion nutzen!

Speziell für Pkw und Krafträder regelt die DGUV Vorschrift 70 in der Durch­führungsan­weisung, dass die Verkehrssicher­heit anstelle der Haup­tun­ter­suchung auch durch eine Inspek­tion in der Kfz-Fach­w­erk­statt fest­gestellt wer­den kann. Da heutige Fahrzeuge ohne­hin alle 12 bis 24 Monate zur Inspek­tion in die Werk­statt müssen, bietet es sich an, der Werk­statt zusät­zlich den Auf­trag zur Durch­führung der UVV-Prü­fung (Prüf­bere­ich Arbeitssicher­heit) zu erteilen. In diesem Fall ist die UVV-Prü­fung mit der Inspek­tion durchge­führt.

Dokumentation

Stellen Sie sich­er, dass die Werk­statt auf der Rech­nung die UVV-Prü­fung und damit auch den arbeitssicheren Zus­tand des Fahrzeuges bestätigt. Das unterze­ich­nete Prüf­pro­tokoll soll­ten sie zu den Akten nehmen und am Fahrzeug die UVV-Prüf­plakette anbrin­gen lassen – als Nach­weis, dass die UVV-Prü­fung durchge­führt wurde.

Neufahrzeuge

Bei Neu­fahrzeu­gen ist vor der erst­ma­li­gen Ver­wen­dung keine Prü­fung der Betrieb­ssicher­heit erforder­lich. Auch dann nicht, wenn vom Fahrzeugher­steller vor der Aus­liefer­ung Zube­hör, wie etwa Tren­n­git­ter oder Ein­rich­tun­gen zur Ladungssicherung einge­baut wurde. Wird ein solch­es Fahrzeug jedoch nach der Aus­liefer­ung mit Ein- oder Auf­baut­en nachgerüstet, ist die Prü­fung auf Arbeitssicher­heit erforder­lich. Schließlich hängt die Sicher­heit des Mitar­beit­ers von der ord­nungs­gemäßen Mon­tage ab.

Sicht- und Funktionskontrolle

Die Straßen­verkehrsor­d­nung fordert von jedem Fahrer ein verkehrssicheres Fahrzeug und ver­langt von ihm eine Sicht- und Funk­tion­skon­trolle vor Fahrt­be­ginn. Gle­ich­es regelt für gewerblich genutzte Fahrzeuge die DGUV Vorschrift 70. Täglich vor Arbeits­be­ginn beziehungsweise vor Fahrtantritt hat der Fahrer den ord­nungs­gemäßen Zus­tand des Fahrzeuges zu kon­trol­lieren, damit Män­gel frühzeit­ig erkan­nt und behoben
wer­den kön­nen. Der DGUV Grund­satz 314–002 „Prü­fung von Fahrzeu­gen durch Fahrper­son­al“ enthält Check­lis­ten, die sich in der Prax­is bewährt haben.

Einweisung und Führerscheinkontrolle

Mit dem selb­st­ständi­gen Führen von Fahrzeu­gen darf der Arbeit­ge­ber nur Mitar­beit­er beschäfti­gen, die entsprechend unter­wiesen sind. Unter­weisungsin­halte kön­nen zum Beispiel das Ver­hal­ten bei Unfällen, das Bergen oder Abschlep­pen sowie die Absicherung ein­er Unfall­stelle sein. Wie die UVV-Prü­fung muss auch die jährliche Unter­weisung doku­men­tiert wer­den.

Jed­er Mitar­beit­er, der ein Fir­men­fahrzeug fährt, ist verpflichtet, regelmäßig seinen Führerschein vorzule­gen. Dies gilt auch bei der ein­ma­li­gen Fahrt mit dem Pool­wa­gen. Bei zugewiese­nen Fahrzeu­gen empfehlen die Beruf­sgenossen­schaften eine Führerscheinkon­trolle mit Doku­men­ta­tion in Abstän­den von sechs Monat­en.

Warnwestenpflicht

Der Unternehmer ist verpflichtet, Kraft­fahrzeuge mit geeigneter Warn­klei­dung für wenig­stens einen Beschäftigten auszurüsten. Ist das Fahrzeug ständig mit Fahrzeugführer und Beifahrer beset­zt, dann sind zwei Warn­klei­dun­gen mitzuführen. Das Mit­führen ein­er Warn­weste war in Deutsch­land bis zum 30.06.2014 nur in gewerblich genutzten Fahrzeu­gen vorgeschrieben. Seit dem 01.07.2014 schreibt die Straßen­verkehrs-Zulas­sungs-Ord­nung (StV­ZO) das Mit­führen ein­er Warn­weste – unab­hängig von der Zahl der mit­fahren­den Per­so­n­en – in allen Kraft­fahrzeu­gen vor. Bei einem Unfall oder ein­er Pan­nen­si­t­u­a­tion sollte die Warn­weste schon vor dem Ver­lassen des Fahrzeugs ange­zo­gen wer­den – denn Eigen­schutz geht vor! Erst dann sind weit­ere Maß­nah­men, wie das Auf­stellen des Warn­dreiecks, durchzuführen.


Unfallbeispiel: Leiterhalterung bricht

Ein Mitar­beit­er wollte einen Lkw für die Beladung vor­bere­it­en. Zum Besteigen der Lade­fläche nutzte er die am Lkw ange­brachte Auf­stiegsleit­er. Plöt­zlich brach die Hal­terung der Leit­er und der Mitar­beit­er stürzte zu Boden. Durch den Auf­prall zog er sich eine Frak­tur des recht­en Knies zu. Die defek­te Hal­terung wäre wahrschein­lich durch eine UVV-Prü­fung fest­gestellt wor­den. Der Unfall – mit all seinen Fol­gen – hätte sich dann nicht ereignet.


Gültigkeitsbereich

Betrieb­ssich­er müssen alle Fahrzeuge sein, die dem Gel­tungs­bere­ich der Unfal­lver­hü­tungsvorschrift unter­liegen. Dazu gehören maschinell angetriebene Fahrzeuge, unter anderem Per­so­n­enkraft­wa­gen, Lastkraft­wa­gen, Kraftom­nibusse, Spezial­lastkraft­wa­gen wie Feuer­wehrfahrzeuge und sog­ar Krafträder. Ausgenom­men sind Fahrzeuge, die zur Ver­wen­dung außer­halb der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land bes­timmt sind oder Pri­vat­fahrzeuge, die dien­stlich oder geschäftlich genutzt wer­den.


Wo steht was – Checkliste für gewerblich genutzte Fahrzeuge

  • UVV-Prü­fung mit Doku­men­ta­tion: DGUV Vorschrift 70, §57
  • Fahrzeugkon­trolle durch den Fahrer: DGUV Vorschrift 70, §36, StVO, §23 und StV­ZO, §31
  • Fahrere­in­weisung: DGUV Vorschrift 70, §35
  • Ladungssicherung: DGUV Vorschrift 70, §37
  • Warn­west­en: DGUV Vorschrift 70, §§31, 56 und StV­ZO, §53a (2)
  • Fahrzeug­prü­fung durch Fahrper­son­al: DGUV Grund­satz 314–002
  • Fahrzeug­prü­fung durch befähigte Personen/Sachkundige: DGUV Grund­satz 314–003
  • Haup­tun­ter­suchung: StV­ZO, §29
  • Befähigte Per­so­n­en: Tech­nis­che Regel für Betrieb­ssicher­heit TRBS 1203
  • Prü­fung von Arbeitsmit­teln: Betrieb­ssicher­heitsverord­nung, §14
  • Führerscheinkon­trolle: DGUV Vorschrift 70, §35, StVG (Straßen­verkehrs­ge­setz), §21 und StV­ZO, §31
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