Mängel frühzeitig erkennen. Sichere Flurförderzeuge im Betrieb -
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Sichere Flurförderzeuge im Betrieb

Mängel früh­zei­tig erken­nen

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Unfälle mit Gabel­stap­lern gesche­hen auch aufgrund tech­ni­scher Defekte. Deshalb sind regel­mä­ßige Prüfun­gen durch Sach­kun­dige sowie die tägli­che Sicht‐ und Funk­ti­ons­prü­fung durch die Fahrer vorge­schrie­ben. Unser Fach­au­tor erklärt, wie Betriebe das größt­mög­li­che Maß an Sicher­heit erzie­len.

Jedes Jahr ereig­nen sich schwere Unfälle, die durch Sicher­heits­män­gel an Gabel­stap­lern verur­sacht werden. Die früh­zei­tige Erken­nung dieser Mängel gewähr­leis­tet tech­nisch einwand­freie Arbeits­ge­räte und einen siche­ren Mate­ri­al­trans­port. Die Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrift DGUV Vorschrift 68 „Flur­för­der­zeuge“ schreibt deshalb in §§ 9, 37 die folgen­den Prüfun­gen vor:

  • Regel­mä­ßig wieder­keh­rende Prüfung durch Sach­kun­dige (bekannt als UVV‐Prüfung)
  • Tägli­che Sicht‐ und Funk­ti­ons­prü­fung durch den Fahrer

Prüfung durch Sach­kun­dige

Aus einem Unfall­be­richt: „Ein Brems­ver­sa­gen führte dazu, dass der Stap­ler nicht recht­zei­tig vor dem Hallen­re­gal zu stehen kam. Unge­bremst stieß der Stap­ler gegen eine Regal­stütze, dabei verletzte sich der Fahrer schwer.“

Um solche Unfälle zu vermei­den, werden unsere Flur­för­der­zeuge regel­mä­ßig auf Verschleiß und Schä­den über­prüft“, erläu­tert Sicher­heits­fach­kraft Michael Rath (Name von der Redak­tion geän­dert) und erklärt, wie er die regel­mä­ßige Prüfung sicher­ge­stellt hat. „Wir haben mit dem Herstel­ler der Flur­för­der­zeuge einen Service­ver­trag für die UVV‐Prüfungen abge­schlos­sen. Die Kunden­dienst­mon­teure melden sich recht­zei­tig an und führen die Prüfun­gen gemäß den Herstel­ler­vor­ga­ben durch“, lobt er den Kunden­dienst.

Prüf­in­ter­valle fest­le­gen

Die Prüf­fris­ten hat Michael Rath gemäß der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung fest­ge­legt. Eine Prüf­frist von längs­tens einem Jahr gilt dabei als Stand der Tech­nik. „Kürzere Prüf­ab­stände können erfor­der­lich sein, wenn beispiels­weise der Gabel­stap­ler über das gewöhn­li­che Maß hinaus einge­setzt oder unter erschwer­ten Bedin­gun­gen betrie­ben wird“, erklärt Michael Rath. „Das ist bei uns nicht der Fall, bei uns gilt die Prüf­frist von einem Jahr.“

Sach­kun­dige

Als Sach­kun­dige – die Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung spricht von der „befä­hig­ten Person“ – kommen zum Beispiel in Frage:

  • Kunden­dienst­mon­teure des Herstel­lers
  • Betriebs­in­ge­nieure, Betriebs­meis­ter, Betriebs­hand­wer­ker
  • Frei­be­ruf­li­che Sach­kun­dige
  • Sach­ver­stän­dige der Tech­ni­schen Über­wa­chungs­ver­eine

Dem Unter­neh­mer steht es grund­sätz­lich frei, welche befä­higte Person er für die Durch­füh­rung der regel­mä­ßi­gen Prüfung beauf­tragt, sofern die betref­fende Person die fach­li­che Ausbil­dung und Erfah­rung auf dem Gebiet der Flur­för­der­zeuge besitzt.

Prüf­nach­weis und Prüf­pla­kette

Jede Sach­kun­di­gen­prü­fung nach DGUV Vorschrift 68 muss doku­men­tiert werden. Der Prüf­nach­weis muss enthal­ten:

  1. Datum und Umfang der Prüfun­gen mit Angabe even­tu­ell noch anste­hen­der Teil­prü­fun­gen
  2. Ergeb­nis der Prüfung mit Angabe fest­ge­stell­ter Mängel
  3. Beur­tei­lung, ob gegen einen Weiter­be­trieb Beden­ken bestehen
  4. Anga­ben über gege­be­nen­falls erfor­der­li­che Nach­prü­fun­gen
  5. Name und Anschrift des Prüfers

Nach bestan­de­ner Prüfung erhal­ten geprüfte Flur­för­der­zeuge eine Prüf­pla­kette, die gut sicht­bar am Gerät anzu­brin­gen ist.

Prüfung von Anbau­ge­rä­ten

Anbau­ge­räte erwei­tern die Aufga­ben eines Gabel­stap­lers, hierzu zählen beispiels­weise Arbeits­bühne oder Papier­rol­len­klam­mer. Auch Anbau­ge­räte müssen gemäß der DGUV Vorschrift 68 „Flur­för­der­zeuge“, genauso wie die Gabel­stap­ler selbst, wieder­keh­ren­den Prüfun­gen durch eine befä­higte Person unter­zo­gen werden. Anbau­ge­räte sind deshalb ebenso auf Beschä­di­gung, Verschleiß oder Lecka­gen zu prüfen. Der Prüf­um­fang und das Prüf­in­ter­vall werden durch die Herstel­ler vorge­ge­ben.

Tägli­che Sicht‐ und Funk­ti­ons­prü­fung

Im tägli­chen Betriebs­ab­lauf kommt es hin und wieder zu Schä­den an den Flur­för­der­zeu­gen, die nicht gemel­det und deshalb auch nicht beho­ben werden. Damit auch solche Mängel früh­zei­tig erkannt werden, schreibt die DGUV Vorschrift 68 zusätz­lich zur UVV‐Prüfung eine tägli­che Einsatz­prü­fung durch den Fahrer vor.

Sicher­heits­fach­kraft Michael Rath berich­tet aus eige­ner Erfah­rung: „Wenn mehrere Mitar­bei­ter ein Arbeits­ge­rät benut­zen, fühlt sich niemand wirk­lich verant­wort­lich. So passierte es des Öfte­ren, das ein Fahrer einen Mangel erkannte, diesen aber nicht meldete. Einer verließ sich auf den ande­ren“, erin­nert er sich.

Tägli­che Prüfung doku­men­tie­ren

Michael Rath hat einge­führt, dass vor Arbeits­be­ginn der tech­ni­sche Zustand der Gabel­stap­ler und Mitgänger‐Flurförderzeuge mit Hilfe einer Check­liste fest­ge­stellt und doku­men­tiert wird. Werden Mängel erkannt, sind diese auf der Liste anzu­kreu­zen. Er erläu­tert: „Die Doku­men­ta­tion der tägli­chen Einsatz­prü­fung und die Bestä­ti­gung mittels Unter­schrift durch den Fahrer haben sich bewährt. Die Fahrer schauen genau hin, da sie mit ihrer Unter­schrift den ordnungs­ge­mä­ßen Zustand des über­nom­me­nen Flur­för­der­zeu­ges bestä­ti­gen. Nur bei einer mängel­freien Prüfung darf das Arbeits­ge­rät in Betrieb genom­men nehmen.“

Mängel behe­ben

Ein fest­ge­stell­ter Mangel wird sofort dem Schicht­füh­rer gemel­det. Dieser entschei­det darüber, ob der Mangel die Betriebs­si­cher­heit beein­träch­tigt und legt gege­be­nen­falls den Stap­ler still. Der Fahr­zeug­schlüs­sel wird einge­zo­gen und der Stap­ler mit einem Schild „Stap­ler defekt – stehen lassen“ gekenn­zeich­net. Der Schicht­füh­rer veran­lasst die Repa­ra­tur und gibt den Stap­ler danach wieder frei.

Sicher­heits­fach­kraft Michael Rath fasst zusam­men: „Die tägli­che Einsatz­prü­fung und deren Doku­men­ta­tion kostet zwar Zeit und Geld, aber seit Einfüh­rung der tägli­chen Prüfung ist unser Fuhr­park tech­nisch in Ordnung. Insge­samt rech­net es sich, denn die früh­zei­tige Mängel­erfas­sung macht den Trans­port siche­rer und vermei­det zudem teure Folge­schä­den.“


Autor: Dipl.-Ing. Dieter Bach­mann

Tech­ni­scher Aufsichts­be­am­ter
Berufs­ge­nos­sen­schaft Ener­gie Textil
Elek­tro Medi­en­er­zeug­nisse (BG ETEM)


Michael Rath, Sicher­heits­fach­kraft

Die früh­zei­tige Mängel­erfas­sung macht den Trans­port siche­rer und vermei­det zudem teure Folge­schä­den“


Merk­re­geln

Merk­re­geln für die tägli­che Einsatz­prü­fung“ können bei der BG ETEM
bestellt werden

  • für den Gabel­stap­ler (Bestell.-Nr. H 050)
  • für Mitgänger‐Flurförderzeuge (Bestell.-Nr. 67 DP)

www.bgetem.de

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