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Ladung, Fahrer und Verkehr: Tipps für den Lkw-Kauf

Passend zu Ladung, Fahrer und Verkehr
Tipps für den Lkw-Kauf

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Ladegüter kön­nen form­sta­bil, kom­prim­ier­bar, schüt­tfähig oder flüs­sig sein. Für den Trans­port wer­den sie auf Palet­ten gestapelt, in Trans­portk­isten ver­packt oder in Fäss­er abge­füllt. So vielfältig die Fracht, so unter­schiedlich die Trans­port­fahrzeuge: Fahrzeugher­steller bieten eine Vielzahl an Lkw-Typen mit ver­schieden­sten Auf­baut­en an. Hinzu kommt ein großes Ange­bot an Son­derzube­hör, etwa für die Ausstat­tung des Fahrerhaus­es oder zur Aus­rüs­tung mit Fahras­sis­ten­zsys­te­men. Beim LKW-Kauf gilt es also, die richtige Auswahl zu tre­f­fen, denn nur ein geeignetes Fahrzeug ermöglicht einen rei­bungslosen und sicheren Transport.

Dipl.-Ing. Dieter Bachmann

Je nach Kun­den­wun­sch kön­nen die Fahrzeuge aus den erhältlichen Grund­mod­ellen und den ver­schiede­nen Ausstat­tungsvari­anten kon­fig­uri­ert wer­den. Typ­is­che Lkw-Arten sind Lastzüge oder Sat­telzüge. Im Straßen­verkehr häu­fig anzutr­e­f­fen sind Code-XL-Auf­baut­en nach Norm DIN EN 12642. Diese ver­stärk­ten Aus­führun­gen gibt es für die Auf­bau­typen Kof­fer­bauart, Pritsche mit Bord- und Rück­wän­den und für den Auf­bau mit seitlich­er Schiebe­plane. Die Auf­baut­en kön­nen mit Zusatzausstat­tun­gen wie zum Beispiel Lade­bor­d­wand, Ladekran oder Ein­rich­tun­gen zur Ladungssicherung bestellt werden.

Wichtig beim Lkw-Kauf: Ladungssicherung

Die Ausstat­tung zur Ladungssicherung hängt im Wesentlichen von der Fracht ab. Zwei Beispiele: Das Niederzur­ren von Papier­rollen erfordert Zur­rpunk­te am Fahrzeu­gauf­bau, an denen die Zur­rgurte befes­tigt wer­den. Anzahl und Lage sowie die zuläs­sige Zugkraft der Zur­rpunk­te sind in der Norm DIN EN 12640 geregelt. Zurrschienen sind fix­en Zur­rpunk­ten zu bevorzu­gen, denn der Fahrer kann die Zur­rmit­tel punk­t­ge­nau dort ver­ankern, wo sie zur Ladungssicherung tat­säch­lich erforder­lich sind. Für die form­schlüs­sige Ladungssicherung wer­den für den Kof­fer­auf­bau Schienen­pro­file zur Auf­nahme von Lade­balken oder Sperrstan­gen ange­boten, die sich für das Sich­ern von sta­bilen Ver­pack­ung­sein­heit­en eignen.

Lastverteilungsplan

Die Richtlin­ie VDI 2700 Blatt 4 fordert, dass das Fahrzeug nicht über­laden sein darf und die Lastverteilung zu beacht­en ist. Eine falsche Beladung kann zu Unfällen führen, weil sich das Fahrver­hal­ten des Fahrzeugs drama­tisch ändern kann. Voraus­set­zung für eine ord­nungs­gemäße Beladung ist ein Lastverteilungs­plan, der unbe­d­ingt Bestandteil der Fahrzeug­doku­men­ta­tion sein sollte.

Arbeitsplatz Fahrerhaus

Das Fahrerhaus ist Arbeit­splatz und Wohn­raum zugle­ich. Für inter­na­tionale Touren sollte man auf geräu­mige Aus­führun­gen von Fahrerhäusern mit viel Stau­raum acht­en. Län­gere Warte- und Standzeit­en lassen sich heutzu­tage nicht ver­mei­den. Sin­nvoll ist daher bei niedri­gen Außen­tem­per­a­turen eine Stand­heizung, hinge­gen wird sich bei inten­siv­er Sonnene­in­strahlung die Fahrerk­abine enorm aufheizen. Pla­nen Sie daher eine Kabi­nen­kli­ma­tisierung ein, denn angenehme Tem­per­a­turen am Fahrerar­beit­splatz bedeuten auch leis­tungs­fähigeres Fahrper­son­al. Für zusät­zlich­es Wohlbefind­en in heißen Som­mer­monat­en sorgt eine Kühlbox mit gekühlten Getränken und Lebensmitteln.

Der Fahrersitz

Der Auswahl des geeigneten Fahrersitzes kommt eine beson­dere Bedeu­tung zu. Denn nur ein Sitz, der ergonomisch gestal­tet und indi­vidu­ell auf den Fahrer ein­stell­bar ist, kann die kör­per­lichen Belas­tun­gen während des stun­den­lan­gen Sitzens min­dern. Neben der stan­dard­mäßi­gen Sitzver­stel­lung in Längsrich­tung und in der Höhe, soll­ten die Seit­en­wan­gen des Sitzkissens und der Rück­en­lehne ein­stell­bar sein – sie sor­gen für seitlichen Halt. Auf eine ein­stell­bare Lor­dosen­stütze sowie die Ver­stell­barkeit der Kopf­stütze und die Höhen­ver­stel­lung für den Gurt sollte geachtet wer­den. Ein wichtiges Ausstat­tungsmerk­mal ist die Sitzk­li­ma­tisierung. Sie reduziert im Som­mer das Schwitzen an den Sitzkon­tak­t­flächen und wärmt im Win­ter. Spezielle Her­steller bieten Ergonomiesitze mit pneu­ma­tis­ch­er Federung an, wobei die Sitze­in­stel­lung auf das Fahrergewicht vol­lau­toma­tisch erfol­gt. Eine pneu­ma­tis­che Lor­dosen­stütze passt sich automa­tisch dem Rück­en an und verbessert die Abstützung.

Der Liegeplatz

Die meis­ten Fahrer ver­brin­gen in der Fahrerk­abine ihre Ruhep­ausen und häu­fig auch die Nacht. Der Liege­platz sollte daher ergonomisch gestal­tet sein und über eine Liege­fläche mit ein­er Länge von 2,10 Meter ver­fü­gen. Fahrzeugher­steller bieten Kom­fortliegen mit 2,20 Meter an, die zudem in Fahrtrich­tung niv­el­lier­bar sind, damit auch bei Parken am Berg eine hor­i­zon­tale Liege­fläche entste­ht. Generell soll­ten alle Liegen einen geeigneten Auf­stieg besitzen und ver­glaste Flächen mit einem Sichtschutz verse­hen sein. Vom Liege­platz soll­ten die Bedi­enele­mente für Radio und Kli­maan­lage sowie die Lese­leuchte und Bor­d­steck­dosen erre­ich­bar sein. Weit­ere Anforderun­gen für Liege­plätze enthält die DGUV-Regel 114–006, die im Inter­net ver­füg­bar ist.

Licht und Sicht

Bi-Xenon-Schein­wer­fer sind eine sin­nvolle Son­der­ausstat­tung, denn sie ermöglichen gegenüber einem herkömm­lichen Licht eine bessere Ausleuch­tung der Fahrbahn. Für den Blick nach hin­ten bieten Fahrzeugher­steller Rück­spiegel als Kam­era-Mon­i­tor-Sys­teme an, die die entsprechen­den Bilder auf Farb­dis­plays im Innen­raum zeigen. Far­bige Hil­fs- und Dis­tan­zlin­ien im Mon­i­tor unter­stützen den Fahrer beim Abbiegen oder beim Ein- und Auss­cheren. Diese Kam­erasys­teme bieten zudem eine verbesserte Sicht im Bere­ich der A‑Säule, da die herkömm­lichen Rück­spiegel entfallen.

Unterstützende Assistenzsysteme

Assis­ten­zsys­teme im Lkw unter­stützen den Fahrer im Arbeit­sall­t­ag und sor­gen für mehr Sicher­heit im Straßen­verkehr. Aber welche Sys­teme sind verpflich­t­end oder wer­den in naher Zukun­ft zur Pflicht? Lassen Sie sich hierzu vom Verkäufer über die geset­zlichen Regelun­gen berat­en. Bedenken Sie auch, dass die Fahrzeugher­steller weit­ere als nur die geset­zlich vorgeschriebe­nen Sys­teme im Pro­gramm haben. Nach­fol­gend wird eine Auswahl von Assis­ten­zsys­te­men vorgestellt.

Aufmerksamkeitsassistent

Das Sys­tem überwacht die Aufmerk­samkeit des Fahrers anhand mehrerer Para­me­ter und arbeit­et meist in Kom­bi­na­tion mit einem Spurhal­te­as­sis­ten­ten. Die Aufmerk­samkeit wird anhand der Spurein­hal­tung in Kom­bi­na­tion mit den Fahrak­tiv­itäten, etwa Blink­er- und Fahrpedal­betä­ti­gung sowie dem Lenkver­hal­ten gemessen. Das Sys­tem unter­stellt, dass mit abnehmender Fähigkeit, den Lkw sauber in der Fahrspur zu hal­ten, die Wach­samkeit des Fahrers abn­immt. Aktives Han­deln des Fahrers, wie zum Beispiel eine Blink­er­betä­ti­gung, wird als pos­i­tiv bew­ertet. Aus Fahrstrecke, Fahrak­tiv­itäten und dem Fahrver­hal­ten wird ein Wert für die Wach­samkeit ermit­telt. Bei Über­schre­itung eines Gren­zw­ertes wird der Fahrer optisch und akustisch gewarnt.

Spurhalteassistent

Der Spurhal­te­as­sis­tent hil­ft dem Fahrer beim Ein­hal­ten der Fahrspur beziehungsweise warnt ihn bei ein­er möglichen Spurüber­schre­itung. Ein Bild­ver­ar­beitungssys­tem erfasst mit­tels Kam­era die Fahrzeug­po­si­tion im Ver­hält­nis zu den Fahrbah­n­markierun­gen. Bei eingeschal­tetem Blink­er oder bei Bremsvorgän­gen ist die Warn­funk­tion inaktiv.

Abstandsregeltempomat

Im Kolon­nen­verkehr wird der Abstand zum Vor­der­mann häu­fig falsch eingeschätzt. So kann es zu bren­zli­gen Sit­u­a­tio­nen kom­men. Dro­ht der Abstand zu ger­ing zu wer­den, regelt das Sys­tem automa­tisch ab und hält den Sicher­heitsab­stand kon­stant. Das Sys­tem ent­lastet den Fahrer, da plöt­zliche und uner­wartete Not­bremssi­t­u­a­tio­nen ver­mieden wer­den. Heutige Sys­teme unter­stützen den Fahrer sog­ar im Stau durch automa­tis­ches Ste­hen­bleiben und erneutes Anfahren.

Abbiegeassistent

Rechtsab­biegen bedeutet für jeden Lkw-Fahrer eine beson­dere Stress­si­t­u­a­tion, wie fol­gen­des Unfall­beispiel zeigt: Ein Rad­fahrer fuhr auf dem Rad­weg par­al­lel zur Straße. Für den Lkw-Fahrer war er nicht zu erken­nen, da die Sicht durch park­ende Autos verdeckt war. Als der Lkw nach rechts abbog und den Rad­weg querte, erfasste er den Rad­fahrer und ver­let­zte ihn schw­er. Viele solch­er Unfälle kön­nten durch Abbiege­as­sis­ten­ten ver­mieden wer­den. Bei diesen Sys­te­men sind Kam­eras an der Beifahrer­seite des Fahrerhaus­es ange­bracht, der Mon­i­tor an der recht­en A‑Säule empfängt das Bild. Ultra­schall- oder Radarsen­soren ergänzen das Sys­tem, indem sie das Umfeld detek­tieren. Erfassen die Sen­soren einen Rad­fahrer, wird der Lkw-Fahrer optisch und akustisch gewarnt. Eine europaweite verpflich­t­ende Ein­führung von Abbiege­as­sis­ten­ten gilt ab Juli 2022 für neu kon­stru­ierte Lkw-Typen und ab Juli 2024 für Neu­fahrzeuge bere­its beste­hen­der Modellreihen.

Verkehrszeichenassistent

Das Sys­tem detek­tiert in Echtzeit über Kam­era rel­e­vante Verkehrsze­ichen und zeigt diese dem Fahrer als Sym­bol im Kom­bi­in­stru­ment an. Bei Über­schre­itung der Höch­st­geschwindigkeit, Über­holen im Über­holver­bot oder beim Über­fahren von Ein­fahrver­botss­childern wird der Fahrer gewarnt. Der Assis­tent unter­stützt den Fahrer bei der Ein­hal­tung von Verkehrsvorschriften und erhöht dadurch die Verkehrssicherheit.

Notbremsassistent

Neueste Gen­er­a­tio­nen dieses Assis­ten­ten kom­binieren den Ein­satz von Radar- und Kam­er­at­e­ch­nik und ermöglichen eine Teil- oder Voll­brem­sung vor ein­er Kol­li­sion mit ste­hen­den oder sich bewe­gen­den Objek­ten wie etwa Fußgängern. Reagiert der Fahrer nicht, erfol­gt eine Teil­brem­sung. Zeigt der Fahrer immer noch keine Brem­stätigkeit, führt das Sys­tem automa­tisch eine Voll­brem­sung durch. Zeit­gle­ich wird die Warn­blinkan­lage aktiviert und warnt den nach­fol­gen­den Verkehr.

Not­brem­sas­sis­ten­ten sind seit Novem­ber 2015 für neu zuge­lassene Lkw vorgeschrieben. Bis Ende Okto­ber 2018 musste die Geschwindigkeit im Not­fall lediglich um 10 Stun­denkilo­me­ter reduziert wer­den, seit Novem­ber 2018 sind 20 Stun­denkilo­me­ter vorgeschrieben. Viele der heute ver­füg­baren Sys­teme leis­ten allerd­ings deut­lich mehr als die geset­zlichen Vor­gaben und kön­nen mitunter vor dem Hin­der­nis stop­pen. Der Deutsche Verkehrssicher­heit­srat (DVR) fordert einen dauer­haften Betrieb von Not­brem­sas­sis­ten­ten ohne manuelles Ausschalten.


Praxis-Tipp

Das Bun­de­samt für Güter­verkehr (BAG) bietet im Auf­trag des Bun­desmin­is­teri­ums für Verkehr und dig­i­tale Infra­struk­tur Förder­pro­gramme für den Güterkraftverkehr an. Ziel eines Pro­gramms ist die Erhöhung der Sicher­heit im Straßengüter­verkehr. Gefördert wer­den beispiel­sweise Fahreras­sis­ten­zsys­teme. Nähere Infor­ma­tio­nen dazu gibt es unter www.bag.bund.de Förder­pro­gramme Güterkraftverkehr.


Auffahrunfall mit Todesfolge

Auf­fahrun­fälle von Lkw gehören zu den schw­er­wiegend­sten Unfällen im Straßen­verkehr, wie nach­fol­gen­des Ereig­nis zeigt: Auf der Auto­bahn 9 bei Münch­berg bildete sich ein Stau, als ein Sat­telzug auf einen Reise­bus auf­fuhr und Feuer fing. Der 40-jährige Lkw-Fahrer starb in den Flam­men, mehrere Fahrgäste im Bus wur­den schw­er ver­let­zt. Ob der Not­brem­sas­sis­tent zum Ein­satz kam oder aus­geschal­tet war, war Teil der polizeilichen Ermittlungen.

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