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Innerbetrieblicher Transport

Verkehrs­wege im Betrieb – Achtung Unfall­schwer­punkt

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Gabel­stap­ler und Mitgänger-Flurförderzeuge sind unent­behr­li­che Hilfs­mit­tel beim Trans­por­tie­ren, beim Ein- und Ausla­gern sowie beim Be- und Entla­den von Lkw. Sie sind aber auch eine große Unfall­quelle beim inner­be­trieb­li­chen Trans­port. Unser Fach­au­tor erklärt, wie sichere Verkehrs­wege beschaf­fen sein müssen und was Fahrer und Fußgän­ger beach­ten soll­ten.

Dipl.-Ing. Dieter Bach­mann

Nach Auswer­tung der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung ereig­ne­ten sich allein im Jahr 2016 mit Gabel­stap­lern und Mitgänger-Flurförderzeugen 12.675 melde­pflich­tige sowie sieben tödli­che Unfälle. Bei den meis­ten Unfäl­len mit Gabel­stap­lern werden Perso­nen ange­fah­ren oder einge­quetscht. Unfall­ur­sa­che sind in vielen Fällen unzu­rei­chende Sicht­ver­hält­nisse an unüber­sicht­li­chen Kreu­zun­gen. Viele Unfälle ereig­nen sich auch beim Rück­wärts­fah­ren oder Zurück­set­zen des Gabel­stap­lers, wenn Perso­nen plötz­lich den Gefah­ren­be­reich betre­ten. Damit die Verkehrs­wege sicher began­gen und befah­ren werden können, gibt es bereits bei der Planung eini­ges zu beach­ten.

Breite von Verkehrs­we­gen

Ein grund­le­gen­der Sicher­heits­as­pekt ist die Breite von Verkehrs­we­gen. Die Mindest­breite für einen einspu­ri­gen Fahr­zeug­ver­kehr rich­tet sich nach der größ­ten Breite des Trans­port­mit­tels bezie­hungs­weise des Lade­gu­tes zuzüg­lich eines Rand­zu­schlags von 2 x 0,50 Metern. Bei Wegen, die sowohl von Fußgän­gern als auch von Trans­port­mit­teln benutzt werden, erhöht sich der Rand­zu­schlag auf 2 x 0,75 Meter. Bei Gegen­ver­kehr kommt ein Begeg­nungs­zu­schlag zwischen den Fahr­zeu­gen von 0,40 Meter hinzu. Detail­lierte Vorga­ben enthält die ASR A1.8 (Tech­ni­sche Regel für Arbeits­stät­ten).

Last- und Perso­nen­ver­kehr tren­nen

Wenn Fußgän­ger und Flur­för­der­zeuge gemein­same Wege benut­zen, erhöht sich die Unfall­ge­fahr immens. Idea­ler­weise sind deshalb die Wege für Last- und Perso­nen­ver­kehr vonein­an­der getrennt, etwa durch Gelän­der oder Pfos­ten mit Absperr­ket­ten. Boden­mar­kie­run­gen alleine reichen nicht aus, da sie kein Hinder­nis darstel­len und meist nicht beach­tet werden.

  • Nutzen Sie zu Ihrer Sicher­heit unbe­dingt den Verkehrs­weg für Fußgän­ger.
  • Nehmen Sie keine Abkür­zung, auch wenn der vorge­ge­bene Weg etwas länger ist.

Gebots- und Verbots­schil­der helfen den Verkehrs­teil­neh­mern dabei, sich zurecht­zu­fin­den und zu orien­tie­ren.


Unfall­bei­spiel

Dispo­nent F. befand sich auf dem Weg durch die Versand­halle zum Büro des Lade­meis­ters. Beim Durch­schrei­ten einer Tür lief er aus Unacht­sam­keit in den Fahr­weg und wurde von einem Stap­ler erfasst. Eine Gabel­z­inke traf sein rech­tes Fußge­lenk, sodass er einen Trüm­mer­bruch erlitt.


Vorsicht Kreu­zun­gen!

Typi­sche Gefah­ren­stel­len sind Abzwei­gun­gen und Kreu­zun­gen, denn häufig ist die Sicht durch Maschi­nen oder Regal­an­la­gen einge­schränkt. Das Über­que­ren von Kreu­zun­gen wird durch Fußgän­ger­über­wege zwar siche­rer – trotz­dem soll­ten Fußgän­ger aufmerk­sam sein. Kugel­spie­gel im Kreu­zungs­be­reich ermög­li­chen einen Einblick in den Quer­ver­kehr und helfen Zusam­men­stöße zu vermei­den. Beach­ten Sie die betrieb­li­chen Rege­lun­gen, etwa die Vorfahrt für Gabel­stap­ler.

Aufge­passt bei Türen und Toren

Beim Durch­schrei­ten von Türen und Toren ist beson­dere Vorsicht gebo­ten. Damit Fußgän­ger nicht unmit­tel­bar in den Quer­ver­kehr hinein­lau­fen, soll­ten Wege für den Fahr­ver­kehr an Türen und Toren in einem Mindest­ab­stand von einem Meter vorbei­füh­ren. Es hat sich bewährt, insbe­son­dere im Bereich von Türen den Fußgän­ger­weg durch Abschran­kun­gen (Gelän­der) vom Fahr­ver­kehr zu tren­nen. Zusätz­lich ange­brachte Warn­schil­der soll­ten auf den Fahr­zeug­ver­kehr hinwei­sen.

Wege ausrei­chend beleuch­ten

Verkehrs­wege in Gebäu­den und im Freien sind so zu beleuch­ten, dass eine sichere Benut­zung gewähr­leis­tet wird. Die ASR A3.4 enthält hierzu Fest­le­gun­gen und beschreibt für ausge­wählte Tätig­kei­ten die erfor­der­li­che Beleuch­tungs­stärke. Auf Verkehrs­flä­chen mit Personen- und Fahr­ver­kehr gilt eine Beleuch­tungs­stärke von 150 Lux als ausrei­chend. Müssen die Beschäf­tig­ten zusätz­li­che Lese- und Schreib­auf­ga­ben leis­ten, erhöht sich dieser Wert auf 200 Lux.

Höher­ge­le­gene Verkehrs­wege

Trep­pen, Trep­pen­ab­sätze und höher­ge­le­gene Verkehrs­wege mit einer Absturz­höhe von mehr als einem Meter müssen durch Gelän­der mit Hand‑, Knie- und Fußleiste gesi­chert sein. Gemäß ASR A2.1 muss die Gelän­der­höhe mindes­tens ein Meter betra­gen. Bei Absturz­hö­hen von mehr als zwölf Metern beträgt die Mindest­höhe 1,10 Meter.

Einge­schränkte Sicht

Eine wesent­li­che Unfall­ur­sa­che bei Anfahr­un­fäl­len ist die einge­schränkte Sicht des Stap­ler­fah­rers. Je nach Blick­rich­tung wird die Sicht durch Elemente der Fahrer­ka­bine und des Hubge­rüs­tes behin­dert. Die größte Einschrän­kung der Sicht geht jedoch von der beför­der­ten Last aus, denn je nach Größe der Last wird die Fahr­bahn über mehrere Meter verdeckt. Erhöhte Aufmerk­sam­keit gilt bei rück­wärts­fah­ren­den Stap­lern. Durch den Schul­ter­blick kann der Stap­ler­fah­rer nur die Hälfte der Fahr­bahn nach hinten einse­hen. Stap­ler­kon­struk­tio­nen und Fahr­zeug­spie­gel werden zwar immer durch­dach­ter – „Tote Winkel“ lassen sich aber nicht voll­stän­dig vermei­den.

Rangie­rende Stap­ler

Der Kollege hatte den Stap­ler­fah­rer anspre­chen wollen, hierzu näherte er sich dem Stap­ler. Der Stap­ler­fah­rer war konzen­triert bei der Arbeit, über­sah den Kolle­gen und traf ihn beim Rangie­ren mit dem aussche­ren­den Heck. Das rechte Bein des Kolle­gen wurde unter der Hinter­achse einge­klemmt – er erlitt schwere Verlet­zun­gen.

Solche Unfälle sind keine Selten­heit und enden oft tödlich. Halten Sie sich von einem rangie­ren­den Stap­ler fern! Dieser Gefah­ren­be­reich birgt für Fußgän­ger eine erhöhte Unfall­ge­fahr. Lässt es sich dennoch nicht vermei­den, dann nehmen Sie zunächst Blick­kon­takt mit dem Fahrer auf und nähern sich erst dann, wenn er ein Zeichen gibt.


Prüf­liste: Sichere Verkehrs­wege

  • Entspricht die Breite der Verkehrs­wege den Vorga­ben der ASR A1.8?
  • Sind die Wege für Last- und Perso­nen­ver­kehr getrennt? Nur durch die strikte Tren­nung werden Anfahr­un­fälle ausge­schlos­sen.
  • Sind die Verkehrs­wege als solche erkenn­bar und von den übri­gen Flächen sicht­bar abge­grenzt?
  • Wurden unüber­sicht­li­che Kreu­zun­gen durch Spie­gel, Ampeln oder Hinweis­schil­der entschärft?
  • Sind die Verkehrs­wege in Gebäu­den und im Freien ausrei­chend beleuch­tet?
  • Ist im Bereich von Fahr­we­gen ein Abstand von mindes­tens ein Meter zu Türen, Toren und Durch­gän­gen einge­hal­ten?
  • Werden die Verkehrs­wege frei­ge­hal­ten, damit sie jeder­zeit benutzt werden können? Dort abge­stellte Mate­ria­lien versper­ren die Sicht.
  • Sind die Verkehrs­wege frei von Uneben­hei­ten, wie Schlag­lö­cher oder
    Boden­wel­len?
  • Sind höher­ge­le­gene Verkehrs­wege durch ein Gelän­der gegen Absturz
    gesi­chert?
  • Sind Außen­trep­pen, Gebäudeein- und ‑ausgänge durch Über­da­chun­gen
    gegen Witte­rungs­ein­flüsse geschützt?
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