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Arbeiten an elektrischen Anlagen

Arbeiten an elektrischen Anlagen
Immer diese Wischer!

In Deutsch­land ereignen sich immer wieder Unfälle bei Arbeit­en an elek­trischen Anla­gen. Dabei sind es oft Fach­leute mit reich­lich Beruf­ser­fahrung, die Ver­let­zun­gen durch Strom erlei­den, wie Erhe­bun­gen des Insti­tuts zur Erforschung elek­trisch­er Unfälle der Beruf­sgenossen­schaft Energie Tex­til Elek­tro Medi­enerzeug­nisse (BG ETEM) zeigen. Nicht zu ver­nach­läs­si­gen sind soge­nan­nte Wis­ch­er, denn selb­st ein kurzzeit­iger Strom­schlag im Nieder­span­nungs­bere­ich kann für den Men­schen gefährlich sein.

Ohne Elek­triz­ität ist unser mod­ernes Leben nicht mehr vorstell­bar. Die Anzahl elek­trisch­er Ein­rich­tun­gen und Geräte ist dementsprechend groß. Durch Maß­nah­men gegen direk­tes und indi­rek­tes Berühren ist der Anwen­der beziehungsweise Ver­brauch­er vor gefährlich­er Stromein­wirkung geschützt. Bei Elek­troar­beit­en kön­nen aber teil­weise gefährliche Sit­u­a­tio­nen ein­treten. Deshalb dür­fen diese Arbeit­en zur Ver­mei­dung von Arbeit­sun­fällen nur von „Elek­tro­fachkräften“ oder „elek­trotech­nisch unter­wiese­nen Per­so­n­en“ unter Ein­hal­tung ein­schlägiger Sicher­heit­sregeln durchge­führt wer­den. Gemäß der DGUV Vorschrift 3 „Elek­trische Anla­gen und Betrieb­smit­tel“ wer­den an Elek­tro­fachkräfte fol­gende Anforderun­gen gestellt:

  • fach­liche Ausbildung
  • Ken­nt­nisse und Erfahrungen
  • ein­schlägige Normenkunde
  • Fähigkeit, über­tra­gende Arbeit­en zu beurteilen
  • Fähigkeit zum Erken­nen von Gefahren

Die fach­liche Aus­bil­dung erfüllen in der Regel Per­so­n­en mit ein­er elek­trotech­nis­chen Beruf­saus­bil­dung (zum Beispiel Gesellen oder Fachar­beit­er), staatlich geprüfte Elek­trotech­niker, Indus­trie- und Handw­erksmeis­ter sowie Diplomin­ge­nieure, Bach­e­lor oder Mas­ter des Fachge­bi­etes Elek­trotech­nik. Die Frage zur notwendi­gen Qual­i­fika­tion ein­er Elek­tro­fachkraft führt in der Prax­is wieder­holt zu Schwierigkeit­en. Let­ztlich kann es eine Elek­tro­fachkraft für alle Arbeits­ge­bi­ete nicht geben! Hierzu soll fol­gen­des Beispiel dienen: Ein Beschäftigter, der bish­er als gel­ern­ter Elek­trik­er in der Hausin­stal­la­tion gear­beit­et hat, darf trotz sein­er Qual­i­fika­tion nicht im Bere­ich von Hochspan­nungsan­la­gen arbeit­en. Als hil­fre­ich erweist sich somit fol­gen­der Merk­satz: Der Begriff Elek­tro­fachkraft – im Sinne der DGUV Vorschrift 3 – ist gedanklich immer mit dem Zusatz „geeignet für ein bes­timmtes Arbeits­ge­bi­et“ zu verbinden.

Arbeiten im spannungsfreien Zustand

Im Bere­ich der Elek­trotech­nik wird zwis­chen Nieder­span­nung und Hochspan­nung unter­schieden. Nieder­span­nung schließt Wech­selspan­nun­gen von 50 Volt bis 1.000 Volt und Gle­ichspan­nun­gen von 75 Volt bis 1.500 Volt ein. Der Bere­ich der Hochspan­nung gren­zt ober­halb an den Bere­ich der Nieder­span­nung an, das bedeutet Wech­selspan­nun­gen ab 1.000 Volt (1 kV) und Gle­ichspan­nun­gen ab 1.500 Volt (1,5 kV). Die meis­ten Arbeit­en wie das Erricht­en, Ändern und Instand­set­zen von elek­trischen Anla­gen und Betrieb­smit­teln kön­nen im span­nungs­freien Zus­tand durchge­führt werden.

Die fünf Sicherheitsregeln für Arbeiten an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln

Um eine Gefährdung beim Arbeit­en an elek­trischen Anla­gen und Betrieb­smit­teln zu ver­mei­den, sind die fünf Sicherheitsregeln

  • Freis­chal­ten,
  • gegen Wiedere­in­schal­ten sichern,
  • Span­nungs­frei­heit feststellen,
  • Erden und Kurzschließen,
  • benach­barte unter Span­nung ste­hende Teile abdeck­en oder abschranken

kon­se­quent einzuhal­ten. Die Unfall­er­fahrung zeigt lei­der, dass sich selb­st langjährig tätige Elek­tro­fachkräfte (also diejeni­gen, die es eigentlich bess­er wis­sen soll­ten) nicht immer an diese lebenswichti­gen Regeln halten.

Nach Auskun­ft des „Insti­tuts zur Erforschung elek­trisch­er Unfälle“ der Beruf­sgenossen­schaft Energie Tex­til Elek­tro Medi­enerzeug­nisse (BG ETEM) in Köln wird beson­ders gegen die erste (Freis­chal­ten) und dritte (Span­nungs­frei­heit fest­stellen) Sicher­heit­sregel ver­stoßen. Nach den Dat­en, die den Präven­tion­sex­perten vor­liegen, wurde von den Elek­tro­fachkräften bei fast jedem drit­ten Schadensereig­nis die Span­nungs­frei­heit an der Ein­satzstelle nicht kon­trol­liert. Bei jedem vierten Stro­mun­fall wurde die Anlage erst gar nicht freigeschaltet!

Auswirkungen von Stromschlägen unterschätzt

Dabei sollte jed­er Fachkraft im Unternehmen klar sein, dass auch Haushaltsstrom von 230 Volt (Wech­selspan­nung) zum Herzkam­mer­flim­mern beziehungsweise zum Tode führen kann. Ein Grund für unsicheres Arbeit­en beste­ht ver­mut­lich darin, dass Stro­mun­fälle im Nieder­span­nungs­bere­ich mit kurzen Durch­strö­mungszeit­en – soge­nan­nte Wis­ch­er – unter­schätzt wer­den. Schließlich gehen diese Strom­schläge oft glimpflich aus, manch­mal wer­den sie dem Arbeit­ge­ber noch nicht ein­mal gemeldet. Auch die Vorstel­lung der betrof­fe­nen Per­son bei einem Medi­zin­er unterbleibt.

Diese Prob­lematik ken­nt auch Markus Tis­chen­dorf: „Stro­mun­fälle bis etwa 230 Volt wer­den von eini­gen Elek­tro­fachkräften nicht ernst genom­men. Entwed­er aus Furcht vor neg­a­tiv­en betrieblichen Fol­gen oder aus Sor­glosigkeit“, bestätigt die Auf­sichtsper­son der Beruf­sgenossen­schaft Energie Tex­til Elek­tro Medi­enerzeug­nisse (BG ETEM) aus Ham­burg. Beson­ders ungün­stig wirkt sich unsicheres Ver­hal­ten aus, wenn es sich durch häu­figes Wieder­holen zu ein­er gefährlichen All­t­agsrou­tine entwick­elt. Außer­dem ist zu bedenken, dass sich der sor­glose Umgang mit Strom – beispiel­sweise bei Repara­turen an der Hausin­stal­la­tion – auf jün­gere Kol­le­gen und Auszu­bildende überträgt. Elek­tro­fachkräfte soll­ten stets Vor­bild sein, beson­ders beim Ein­hal­ten der Sicher­heit­sregeln und beim Tra­gen der Per­sön­lichen Schutzaus­rüs­tung. Nicht zulet­zt dadurch zeigt sich der Profi.

Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung

Häu­fig stellt sich im Beruf­sall­t­ag die Frage, ob denn aus­ge­bildete Elek­trik­er jährlich zu den „Gefahren des elek­trischen Stroms“ belehrt wer­den müssen. Auch wenn der Begriff „Belehrung“ in diesem Zusam­men­hang etwas unglück­lich ist, fällt die Antwort des Sicher­heits­ber­aters Tis­chen­dorf ein­deutig aus: „Ja, alle Beschäftigten müssen vor Beginn ihrer Tätigkeit und danach in regelmäßi­gen Abstän­den zu den Gefahren am Arbeit­splatz unter­wiesen wer­den. Das gilt selb­stver­ständlich auch für Elektrofachkräfte.“

Ver­stoßen einzelne Mitar­bei­t­ende in schw­er­er Weise oder wieder­holt gegen ein­schlägige Sicher­heit­sregeln, sind die Unter­weisun­gen seit­ens des Arbeit­ge­bers zu inten­sivieren. Zur Erin­nerung: Der Arbeit­ge­ber hat eine Gefährdungs­beurteilung für das Arbeit­en an elek­trischen Anla­gen und Betrieb­smit­teln zu erstellen. Neben der Bew­er­tung des Unfall­risikos sind hier­bei die betrieblichen Schutz­maß­nah­men im Umgang mit dem elek­trischen Strom festzule­gen. Außer­dem ist zu beacht­en, dass Arbeit­en unter Span­nung (AuS) eine absolute Aus­nahme darstellen. Selb­st langjährige Elek­tro­fachkräfte dür­fen diese nicht allein wegen ihrer Beruf­saus­bil­dung durch­führen. Arbeit­en unter Span­nung sind stattdessen auss­chließlich durch speziell geschulte Elek­tro­fachkräfte und unter Beach­tung anerkan­nter Arbeitsmeth­o­d­en in begrün­de­ten Einzelfällen zuläs­sig. Wirtschaftliche Inter­essen, zum Beispiel von Seit­en des Auf­tragge­bers, reichen als Begrün­dung für das Arbeit­en unter Span­nung nicht aus.


Typisches Unfallbeispiel bei Arbeiten an elektrischen Anlagen

Eine Elek­trofir­ma sollte die Deck­en­beleuch­tung beim Kun­den erneuern. Dafür mussten neue Elek­troleitun­gen ver­legt wer­den. Am Auf­trag beteiligt waren zwei Gesellen und ein Auszu­bilden­der. Durch den Auf­tragge­ber fand eine Ein­weisung vor Ort statt, danach wurde der betr­e­f­fende Raum span­nungs­frei geschal­tet. Während der Anschlus­sar­beit­en berührte der Auszu­bildende mit der Hand ein blankes Leitungsende und erlitt kurzzeit­ig einen Strom­schlag (230 Volt). Durch den Schreck stürzte er von sein­er Leit­er und zog sich eine schwere Kopfver­let­zung zu.

Die spätere Unfal­l­analyse ergab, dass keine aus­re­ichende Sicherung gegen Wiedere­in­schal­ten an der Unter­verteilung vorhan­den war. Eine nachträglich nicht mehr zu ermit­tel­nde Per­son hat­te die Stromver­sorgung ohne Wis­sen über die Gefährdung der Handw­erk­er wieder zugeschal­tet. Ger­ade bei Nieder­span­nungsan­la­gen, die einem großen Per­so­n­enkreis frei zugänglich sind, müssen wirk­same Sicherungs­maß­nah­men etwa in Form von Wiedere­in­schaltsper­ren genutzt werden.


Zahlen, Daten, Fakten

  • Im Jahr 2019 ereigneten sich bun­desweit 32 tödliche Stro­mun­fälle in den Bere­ichen Indus­trie, Gewerbe und Haushalt (Quelle: VDE – Ver­band der Elek­trotech­nik, Elek­tron­ik und Infor­ma­tion­stech­nik e.V.)
  • In den Jahren 2015 bis 2019 ent­fie­len 48,2 Prozent der Stro­mun­fälle auf Elek­tro­fachkräfte – zum Ver­gle­ich: Im sel­ben Zeitraum erlit­ten nur 20,9 Prozent der elek­trotech­nis­chen Laien einen Stro­mun­fall (Quelle: Insti­tut zur Erforschung elek­trisch­er Unfälle, BG ETEM)
  • Die große Mehrheit der Stro­mun­fälle in Deutsch­land ereignet sich im Bere­ich der Nieder­span­nung, näm­lich 87,9 Prozent im Jahr 2019 (Quelle: Insti­tut zur Erforschung elek­trisch­er Unfälle, BG ETEM)

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