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Hanno Renner

Nachgefragt
Hanno Renner

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Die Seenotret­ter sind rund um die Uhr und bei jedem Wet­ter ein­satzbere­it. Oft sind sie ger­ade dann auf Nord- und Ost­see unter­wegs, wenn andere Schiffe Schutz im Hafen suchen – Jahr für Jahr mehr als 2.000 Mal. Die Deutsche Gesellschaft zur Ret­tung Schiff­brüchiger (DGzRS) ist zuständig für den Such- und Ret­tungs­di­enst im Seenot­fall – unab­hängig, eigen­ver­ant­wortlich und spenden­fi­nanziert. Äußerst seetüchtige Schiffe, mod­erne Aus­rüs­tung und ständi­ges Train­ing helfen den Seenotret­tern wie Han­no Ren­ner dabei, die Risiken ihres Ein­satzes so ger­ing wie möglich zu hal­ten.

Herr Ren­ner, wie sind Sie zur Deutschen Gesellschaft zur Ret­tung Schiff­brüchiger gekom­men und warum engagieren Sie sich für in Not ger­atene Men­schen auf See?

Ich wollte einen Beruf ergreifen, in dem ich anderen Men­schen helfen kann. Bei gle­ichzeit­igem Inter­esse für die Seefahrt fiel die Wahl nicht schw­er. Nach Aus­bil­dung zum Schiff­s­mechaniker habe ich auf der Seefahrtschule in Ham­burg das große nautis­che und das große tech­nis­che Patent gemacht. Anschließend habe ich als nautis­ch­er Wachof­fizier über­wiegend auf Con­tain­er­schif­f­en in der weltweit­en Fahrt gear­beit­et und schließlich bei der DGzRS ange­heuert.

Welche Fähigkeit­en wer­den an Bord beson­ders gebraucht – und welche brin­gen Sie mit?

Neben den Paten­ten und grund­sät­zlich­er See­d­i­en­st­tauglichkeit ist Team­fähigkeit sehr wichtig. Wir leben und arbeit­en 14 Tage lang rund um die Uhr an Bord, zu viert auf rund 30 Quadrat­metern. Wir sind jed­erzeit sofort ein­satzbere­it, auch nachts. Wir ken­nen uns alle sehr gut, manch­mal bess­er als unsere Ehe­frauen uns ken­nen. Wir ver­ste­hen uns ohne viele Worte und kön­nen uns im Ein­satz hun­dert­prozentig aufeinan­der ver­lassen. Dabei gehen wir mit Umsicht ans Werk, um nicht selb­st in Not zu ger­at­en. Denn es sollen alle, die raus­fahren, auch wieder gesund zurück­kom­men.

Die Natur zeigt uns Gren­zen auf. Unsere Auf­gabe beste­ht darin, Hil­fe zu brin­gen, ohne diese Gren­zen zu über­schre­it­en. Es gehört zum Sicher­heits­be­wusst­sein, mögliche Unwäg­barkeit­en mit einzu­pla­nen und möglichst einen Plan B in der Tasche zu haben. Zwar sind unsere Ret­tung­sein­heit­en äußerst seetüchtig. Zum Beispiel richt­en sie sich selb­st wieder auf, falls sie mal ken­tern soll­ten. Aber auch Seenotret­ter sind nicht unver­wund­bar. Pro­fes­sionell zu arbeit­en heißt, die Kon­trolle über das Geschehen zu behal­ten. Let­ztlich wird die See immer stärk­er sein als der Men­sch. Das darf man nie vergessen.

Mit was haben Sie beson­ders zu kämpfen: Unwet­tern, hohem See­gang, Zeit­not, unzure­ichen­dem Equip­ment, der Leichtsin­nigkeit manch­er Men­schen …?

Der Wind ist gegen uns, die Wellen sind gegen uns, die Zeit ist gegen uns. Wie gut, dass unsere Spender für uns sind! – So ähn­lich war es mal auf einem Plakat der Seenotret­ter zu lesen. Das beschreibt unsere Arbeit gut. Seit 155 Jahren beruht sie auf Frei­willigkeit im Ein­satz und frei­williger Finanzierung auss­chließlich durch Spenden aus dem ganzen Land.

Die Zeit ist auf See oft entschei­dend: Wird das Über­bor­dge­hen eines Men­schen erst nach Stun­den bemerkt oder ein Schiff erst spät als über­fäl­lig gemeldet, sind die Erfol­gsaus­sicht­en schon bei Alarmierung erhe­blich gemindert. In Abhängigkeit all dieser Fak­toren kann es dauern, bis wir vor Ort sind. Glück­licher­weise geht es rel­a­tiv sel­ten in schw­erem Sturm um Men­schen­leben. Häu­fig greifen wir frühzeit­ig ein und wen­den Gefahr für Leib und Leben ab. Rou­tine ist das den­noch nie.

Jed­er Ein­satz ist anders, und manch­mal entwick­elt sich ver­meintliche Rou­tine drama­tisch. Sich­er, zuweilen wer­den auch auf See – wie an Land – Sit­u­a­tio­nen falsch eingeschätzt. Aber die Seenotret­ter fra­gen niemals nach dem Grund für einen Notruf, son­dern fahren raus und helfen. Wir ret­ten seit jeher ohne Anse­hen der Per­son und Ursache.

Welch­er Ein­satz wird Ihnen beson­ders in Erin­nerung bleiben?

Der näch­ste! Im Ernst: Wir wis­sen nie, was uns auf See erwartet. Über schlimme Ein­sätze reden wir nicht gerne öffentlich, aber noch lange untere­inan­der. Wir kön­nen dann auch pro­fes­sionelle Hil­fe in Anspruch nehmen. Gerne erin­nern wir uns an Ein­sätze, nach denen uns beson­dere Dankbarkeit ent­ge­genge­bracht wurde.


Steckbrief

  • geboren 1972 in Nieder­sach­sen
  • 2. Vor­mann auf dem Seenotret­tungskreuzer ANNELIESE KRAMER, sta­tion­iert in Cux­haven
  • seit fast 20 Jahren ein­er von 180 fest angestell­ten Seenotret­tern der DGzRS zwis­chen Borkum und Use­dom – außer­dem gibt es rund 800 Frei­willige
  • hat keine Angst, son­dern Respekt vor der See
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