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Last­auf­nah­me­mit­tel im Kran­be­trieb

Einsatzgrenzen beachten
Last­auf­nah­me­mit­tel im Kran­be­trieb

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Krane helfen dabei, betrieb­li­che Trans­port­auf­ga­ben zu reali­sie­ren. Jedoch können Lasten nicht unmit­tel­bar mit dem Kran­ha­ken verbun­den werden. Oft sind Last­auf­nah­me­ein­rich­tun­gen notwen­dig, die eine form- oder kraft­schlüs­sige Verbin­dung herstel­len. Insbe­son­dere bei einer kraft­schlüs­si­gen Last­auf­nahme ist die Sicher­heit von verschie­de­nen Fakto­ren abhän­gig, die hier näher erläu­tert werden.

Markus Tisch­endorf

Last­auf­nah­me­mit­tel stel­len eine lösbare Verbin­dung zwischen dem Kran­ha­ken und der Last dar. Zu den Last­auf­nah­me­mit­teln gehö­ren zum Beispiel Traver­sen, Zangen, Kran­ga­beln, Last­he­be­ma­gnete und Vaku­um­he­ber. Für jedes Last­auf­nah­me­mit­tel muss eine Bedie­nungs­an­lei­tung vorhan­den sein. Diese infor­miert den Anwen­der über die bestim­mungs­ge­mäße Verwen­dung und die Einsatz­gren­zen des Arbeits­mit­tels. Kran­füh­rer und Anschlä­ger müssen die Bedie­nungs­an­lei­tung kennen und die Verwen­dungs­re­geln beach­ten.

Last­auf­nah­me­mit­tel müssen an gut sicht­ba­rer Stelle eine dauer­hafte Kenn­zeich­nung mit folgen­den Mindestan­ga­ben besit­zen:

  • Kenn­da­ten des Herstel­lers (gege­be­nen­falls Bevoll­mäch­tig­ter / Impor­teur)
  • Typ, Seri­en­num­mer und Baujahr
  • Trag­fä­hig­keit in Tonnen (t) oder Kilo­gramm (kg)
  • Eigen­ge­wicht des Last­auf­nah­me­mit­tels, sofern dieses fünf Prozent der Trag­fä­hig­keit oder 50 Kilo­gramm über­schrei­tet

Weitere Anga­ben (zum Beispiel die erfor­der­li­che Mindest­last von Vaku­um­he­bern) sind der Kenn­zeich­nung hinzu­zu­fü­gen, wenn dies aus Sicher­heits­grün­den erfor­der­lich ist. Achtung: Das Gewicht des Last­auf­nah­me­mit­tels ist eben­falls als Last zu betrach­ten. Die Nutz­last des Krans ergibt sich aus der maxi­ma­len Trag­fä­hig­keit abzüg­lich der Massen des Lastaufnahme- und Anschlag­mit­tels. Einige Last­auf­nah­me­mit­tel sind nur zum Anhe­ben der Last bis maxi­mal 1,8 Meter über Flur zuge­las­sen. Sofern diese Einschrän­kung besteht, muss das betref­fende Last­auf­nah­me­mit­tel einen deut­li­chen Warn­hin­weis besit­zen.

Last­auf­nah­me­ein­rich­tun­gen: Last­he­be­ma­gnete für metal­li­sche Lasten

Last­he­be­ma­gnete eignen sich zur Beför­de­rung ferro­ma­gne­ti­scher Lasten wie Bleche, Stahl­rohre, Walz­pro­file oder Metall­schrott. In der Regel werden Permanent- oder Elek­tro­ma­gnete einge­setzt. Perma­nent­ma­gnete besit­zen eine Trag­fä­hig­keit von maxi­mal zwei Tonnen. Durch Betä­ti­gen eines Hand­he­bels wird die Last magne­ti­siert, sodass sie sicher aufge­nom­men und beför­dert werden kann. Zur Vermei­dung von Last­ab­stür­zen muss der Hand­he­bel des Hebe­ma­gnets eine soge­nannte Zwei­fach­be­tä­ti­gung (verglei­che DIN EN 13155) besit­zen. Elek­tro­ma­gnete werden entwe­der über eine 24-Volt-Batterie oder den übli­chen Netz­an­schluss (230 Volt) betrie­ben. Während batte­rie­be­trie­bene Hebe­ma­gnete eine Trag­fä­hig­keit von bis zu vier Tonnen besit­zen, ist die Trag­fä­hig­keit von netz­be­trie­be­nen Gerä­ten wesent­lich größer. Auch mehrere Elek­tro­ma­gnete können zu einer Hebe­tra­verse ergänzt werden.

Über­wa­chung der Ener­gie­zu­fuhr

Bei Elek­tro­ma­gne­ten wird das Magnet­feld und damit die Halte­kraft über einen dauer­haft flie­ßen­den Strom erzeugt. Fällt dieser aus, kommt es zum Last­ab­sturz. Deshalb besit­zen Batterie-Hebemagnete und Stütz­bat­te­rien für netz­be­trie­bene Einrich­tun­gen eine Warn­ein­rich­tung, welche die Ener­gie­zu­fuhr über­wacht. Wird ein kriti­scher Lade­zu­stand erreicht, erfolgt eine akus­ti­sche und / oder opti­sche Warnung. Das Arbei­ten ist dann noch für zehn Minu­ten möglich. Neben dem magne­ti­schen Feld ist die Traglast von Hebe­ma­gne­ten von weite­ren Fakto­ren wie zum Beispiel der Ober­flä­che oder dem Werk­stoff der Last abhän­gig. Dies ist bei der Auswahl von Last­he­be­ma­gne­ten zu berück­sich­ti­gen.

Vaku­um­he­ber für flächige Güter

Vaku­um­he­ber eignen sich zum Trans­port von flächi­gen, saug­dich­ten Lasten. Hierzu gehö­ren Bleche, Plat­ten aus Holz oder Kunst­of­fen, diver­ses Stein­gut sowie Flach­glas. Verschie­dene Kompo­nen­ten, Bedien­ele­mente und Saug­plat­ten ermög­li­chen eine indi­vi­du­elle Konfi­gu­ra­tion des Last­auf­nah­me­mit­tels an das Trans­port­gut. Die erfor­der­li­che Saug­kraft wird durch eine Vakuum-Pumpe erzeugt und mithilfe der Saug­plat­ten auf die Last über­tra­gen. Das Ansau­gen und Heben der Last erfolgt durch den Aufbau eines atmo­sphä­ri­schen Unter­drucks im System. Zum Lösen wird das System mittels eines Ventils belüf­tet, wodurch die Saug­plat­ten den Kontakt zur Last aufhe­ben. Mit einzel­nen Vaku­um­he­bern können Last­ge­wichte bis etwa 2 Tonnen beför­dert werden. Einige Ausfüh­run­gen erlau­ben zudem das Drehen oder Wenden der Last. So tragen Vaku­um­he­ber insbe­son­dere in Ferti­gungs­be­trie­ben dazu bei, Muskel-Skelett-Erkrankungen durch manu­elle Hebe- und Trage­vor­gänge zu vermei­den. Sonder­lö­sun­gen der Vaku­um­tech­nik ermög­li­chen außer­dem zum Beispiel die Beför­de­rung tonnen­schwe­rer Rotor­blät­ter mit einer Länge von 60 Metern (siehe Abbil­dung oben).

Trans­port von Blechen

Spezi­elle kraft­schlüs­sige Klem­men ermög­li­chen den Lasten­trans­port von Blechen in unter­schied­li­cher Stärke. Grund­sätz­lich wird zwischen dem senk­rech­ten und dem waage­rech­ten Blech­trans­port unter­schie­den. Bei der senk­rech­ten Beför­de­rung werden durch das Last­ge­wicht zwei gegen­über­lie­gende Klemm­ba­cken mithilfe eines Hebel­sys­tems zusam­men­ge­presst. Die Last wird dadurch sicher gehal­ten. Voraus­set­zung ist jedoch, dass die Blech­di­cke dem zuläs­si­gen Greif­be­reich der Blech­klemme entspricht. Werden zu dünne Bleche trans­por­tiert, reicht die Klemm­kraft der Hebe­ein­rich­tung nicht aus. Die Last kann herab­fal­len und Perso­nen schwer verlet­zen. Eine innen­lie­gende Feder sorgt bei fach­ge­rech­ter Verwen­dung des Arbeits­mit­tels dafür, dass die Klemm­ba­cken auch beim Auf- oder Abset­zen der Last geschlos­sen blei­ben. Beim senk­rech­ten Blech­trans­port dürfen nur Klem­men mit einem sepa­ra­ten Siche­rungs­he­bel einge­setzt werden. Zudem darf immer nur ein Blech beför­dert werden. Ansons­ten droht Last­ab­sturz. Bleche fallen nicht einfach zu Boden; sie neigen wegen ihrer beson­de­ren Form zum Segeln. Das sollte bei der Fest­le­gung des Gefah­ren­be­reichs beach­tet werden.

Für den waage­rech­ten Blech­trans­port gibt es Klem­men mit und ohne Verrie­ge­lung. Bei dünnen Blechen, die zum Durch­bie­gen oder Schwin­gen neigen, sind immer Hebe­klem­men mit einer Verrie­ge­lung einzu­set­zen. Zum gleich­zei­ti­gen Trans­port mehre­rer Bleche sowie zur Beför­de­rung von Blech­pa­ke­ten empfeh­len sich Traver­sen, die mit zusätz­li­chen Anschlag­mit­teln die Last sicher aufneh­men.

Die Bleche müssen im Bereich der Klemm­ver­bin­dung sauber (das heißt frei von Zunder, Schmier­mit­teln und ande­ren Über­zü­gen) sein. Bei hohen Tempe­ra­tu­ren und bei Chemi­ka­li­en­ein­sät­zen kann die Wirk­sam­keit der Hebe­klem­men beein­träch­tigt sein. Dann sollte der Herstel­ler zur Eignung des Last­auf­nah­me­mit­tels befragt werden.


Grafik: SUVA

Vom Stahl­trä­ger erschla­gen

  • In einer Werk­halle war der Mitar­bei­ter H. mit Schweiß­ar­bei­ten beschäf­tigt. Neben ihm lager­ten drei gesta­pelte, jeweils 4 Tonnen schwere Stahl­trä­ger. Zum Trans­port der Stahl­trä­ger nutzte H. einen Brücken­kran. Mit der Fern­steue­rung holte er den Kran­ha­ken näher heran. Dabei blieb das einge­setzte Ketten­ge­hänge am freien Stahl­trä­ger hängen. Dieser fiel herab und verletzte den Mitar­bei­ter tödlich.
  • Um derar­tige Unfälle zu vermei­den, muss bei Leer­fahr­ten nicht nur der Kran­ha­ken, sondern auch das Anschlag­mit­tel beob­ach­tet werden. Nicht genutzte Ketten­stränge sind hoch­zu­hän­gen, damit sie nicht an Bautei­len hängen blei­ben können (Quelle SUVA).
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