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Neues aus dem AGS

TRGS 600 „Substitution“ und andere technische Regeln verabschiedet
Neues aus dem AGS

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Bei seiner 65. Sitzung am 19. und 20. Novem­ber 2019 hat der Ausschuss für Gefahr­stoffe unter ande­rem Tech­ni­sche Regeln für Nano­ma­te­ria­lien, Schwei­ßen und Quarz sowie bezüg­lich Substi­tu­tion verab­schie­det.

Folgende Tech­ni­sche Regeln für Gefahr­stoffe (TRGS) wurden verab­schie­det, die nach rechts­förm­li­cher Prüfung durch das BMAS voraus­sicht­lich ab Februar 2020 im Gemein­sa­men Minis­te­ri­al­blatt (und im Inter­net) veröf­fent­licht werden.

Neufas­sung TRGS

  • 527 „Nano­ma­te­ria­lien“
  • 528 „Schweiß­tech­ni­sche Arbei­ten“
  • 559 „Quarz­hal­ti­ger Staub“
  • 600 „Substi­tu­tion“
  • 720 „Gefähr­li­che explo­si­ons­fä­hige Gemi­sche – Allge­mei­nes“

Ände­run­gen und Ergän­zun­gen TRGS

  • 509 „Lagern von flüs­si­gen und festen Gefahr­stof­fen in orts­fes­ten Behäl­tern sowie Füll- und Entleer­stel­len für orts­be­weg­li­che Behäl­ter“
  • 900 „Arbeits­platz­grenz­werte“
  • 903 „Biolo­gi­sche Grenz­werte“
  • 905 „Verzeich­nis krebs­er­zeu­gen­der, keim­zell­mu­ta­ge­ner oder repro­duk­ti­ons­to­xi­scher Stoffe“

TRGS 528: Neue Grenz­werte

Die voll­stän­dig über­ar­bei­tete TRGS 528 enthält jetzt die seit 2009 neuen Grenz­werte, die für schweiß­tech­ni­sche Arbei­ten rele­vant sind, wie zum Beispiel Chrom(VI)-Verbindungen, Nickel, Cobalt, Mangan und seine Verbin­dun­gen; Stick­stoff­mon­oxid; Stick­stoff­di­oxid.

TRGS 600: Wirk­fak­to­ren­mo­dell gestri­chen und Anpas­sung an CLP‑V

Bei der TRGS 600 wurde das Wirk­fak­to­ren­mo­dell aus Anlage 2 gestri­chen, da es in der Praxis kaum ange­wandt wurde. Das Spal­ten­mo­dell aus Anlage 2 bleibt erhal­ten. Gleich­zei­tig wird es von den R‑Sätzen der Stoff­richt­li­nie auf die H‑Sätze der CLP‑V aktua­li­siert. Schon seit mehre­ren Jahren ist das Spal­ten­mo­dell mit den H‑Sätzen als sog. „GHS-Spaltenmodell zur Suche nach Ersatz­stof­fen“ im Inter­net auf den Seiten des IFA verfüg­bar – siehe Info­kas­ten „Links/Downloads“. Die Anpas­sung an die Begriffe der CLP‑V zeigt sich zum Beispiel in der Strei­chung bzw. Anpas­sung von Begrif­fen wie „giftige und sehr giftige“ Stoffe auf „akut toxi­sche“ Stoffe.

TRGS 910: Absen­kung Akzep­tanz­kon­zen­tra­tion ab 2018?

Die aktu­ell gültige Version der TRGS 910 sieht für das Akzep­tanz­ri­siko eine Höhe von 4:10.000 und spätes­tens ab 2018 eine Absen­kung auf 4:100.000 vor. Damit klar ist, wie seit 2019 die TRGS 910 in diesem Punkt umzu­set­zen ist, hat der AGS im Novem­ber 2019 „Infor­ma­tio­nen zur Absen­kung der Akzep­tanz­kon­zen­tra­tion gemäß TRGS 910 im Jahr 2018“ veröf­fent­licht – siehe Info­kas­ten „Links/Downloads“. Darin wird beschrie­ben, dass voraus­sicht­lich Ende 2020 eine Neufas­sung der TRGS 910 veröf­fent­licht werden wird. Bis dahin gelten die Vorga­ben der aktu­el­len TRGS 910 mit einem Akzep­tanz­ri­siko von 4:10.000 weiter.

TRGS 900: Halbie­rung AGW Metha­nol

Für Tätig­kei­ten mit Gefahr­stof­fen dürf­ten insbe­son­dere die Halbie­rung des Arbeits­platz­grenz­wer­tes von Metha­nol von ehemals 200 ppm (270 mg/m³) auf jetzt 100 ppm (130 mg/m³) von Bedeu­tung sein.

Die Begrün­dung für die Halbie­rung der Arbeits­platz­grenz­werte bei bestimm­ten Stof­fen wurde bereits in der DFG MAK- und BAT-Werte-Liste 2016 beschrie­ben: Seit­dem wird bei bestimm­ten Stof­fen berück­sich­tigt, dass das Atem­vo­lu­men des arbei­ten­den Menschen circa doppelt so hoch ist wie das Atem­vo­lu­men der Tiere „in Ruhe“ bei Tier­ver­su­chen oder der Proban­den „in Ruhe“ bei Proban­den­stu­dien. Die sich daraus erge­bende Halbie­rung der MAK kann für Metha­nol in dem Nach­trag 2019 der MAK-Begründung nach­ge­le­sen werden – siehe Info­kas­ten „Links/Downloads“. Das Inkraft­tre­ten vieler neuer oder abge­senk­ter AGW aus der TRGS 900 kündigt sich oft ein Jahr vorher an durch Veröf­fent­li­chung in der DFG MAK- und BAT-Werte-Liste. Bei Metha­nol wurde die Absen­kung der MAK in der DFG MAK- und BAT-Werte-Liste 2018 veröf­fent­licht.

TRGS 900: Neuer AGW für Bitu­men

Das glei­che gilt für die Veröf­fent­li­chung der neuen MAK von Bitu­men in der DFG MAK- und BAT-Werte Liste 2018. Bei Bitu­men handelt es sich um ein Gemisch, welches über­wie­gend aus unter­schied­li­chen Kohlen­was­ser­stof­fen besteht. Einge­setzt wird es als Binde­mit­tel für die Gesteins­kör­nun­gen bei der Herstel­lung von Asphalt. Es gibt viele unter­schied­li­che Bitu­mensor­ten, wie der Nach­trag 2019 der MAK-Begründung aufzählt.

Wich­tig zu wissen ist, dass Bitu­men krebs­er­zeu­gende poly­zy­kli­sche aroma­ti­sche Kohlen­was­ser­stoffe (PAK) enthal­ten kann. Deshalb hat die MAK-Kommission die Dämpfe und Aero­sole in die Kanzerogenitäts-Kategorie 3B einge­stuft (3B: (…) [es] liegen Anhalts­punkte für eine krebs­er­zeu­gende Wirkung vor, die jedoch zur Einord­nung in eine andere Kate­go­rie nicht ausrei­chen. (…)). Für Bitu­men gab es bereits im Jahr 1996 einen Grenz­wert von 15 mg/m³ (Innen­räume 20 mg/m³) und seit 2000 dann einen Grenz­wert von 10 mg/m³ für innen und außen – siehe Info­kas­ten „Links/Downloads“. 2005 wurden alle nicht gesund­heits­ba­sier­ten Grenz­werte ausge­setzt, so auch der damals tech­nisch begrün­dete Wert von 10 mg/m³.

2018 hat die MAK-Kommission eine Neube­wer­tung durch­ge­führt und für Destillations- und Air-rectified-Bitumen eine neue MAK veröf­fent­licht: Die neue MAK von 1,5 mg/m³ ist gesund­heits­ba­siert abge­lei­tet ausge­hend von Atem­wegs­rei­zun­gen – siehe Info­kas­ten „Links/Downloads“.

Im Novem­ber 2019 hat der AGS diese MAK über­nom­men. Da derzeit aber die Expo­si­tio­nen in vielen Arbeits­be­rei­chen noch (weit) ober­halb der MAK liegen, wurde gleich­zei­tig eine fünf­jäh­rige Über­gangs­frist bis 31. Dezem­ber 2024 für den Bereich Guss- und Walz­asphalt sowie im Bereich der Bitu­men und Poly­mer­bi­tu­men­bah­nen verab­schie­det. Ein Lösungs­an­satz zur Verrin­ge­rung der Expo­si­tio­nen zum Schutz der Beschäf­tig­ten ist der verstärkte Einsatz von sog. „tempe­ra­tur­ab­ge­senk­tem Asphalt“. Hier wird durch die Verar­bei­tung bei deut­lich gerin­ge­ren Tempe­ra­tu­ren gleich­zei­tig eine Verrin­ge­rung der Emis­sion erreicht. Die Substi­tu­tion mit dieser aus Gesund­heits­schutz­as­pek­ten eindeu­tig zu bevor­zu­gen­den Asphalt­art wird aktu­ell noch dadurch gebremst, dass noch keine Lang­zeit­er­geb­nisse bzgl. Dauer­haf­tig­keit und Belast­bar­keit vorlie­gen. Aber auch weitere tech­ni­sche Maßnah­men wie zum Beispiel Absaug­ein­rich­tun­gen zur Erfas­sung der Dämpfe an Stra­ßen­fer­ti­gern werden in den nächs­ten Jahren geprüft werden müssen.

Zusam­men­hang DFG MAK← →AGW TRGS 900

Grenz­werte, die aus der DFG MAK- und BAT-Werte-Liste stam­men, können in der TRGS 900 anhand des Eintrags „DFG“ in der Spalte „Bemer­kung“ iden­ti­fi­ziert werden. Jeweils im Herbst jeden Jahres wird die DFG MAK- und BAT-Werte-Liste mit neuen bzw. geän­der­ten – meis­tens abge­senk­ten – MAK veröf­fent­licht.

2020: Neue bzw. abge­senkte AGW

MAK aus der DFG MAK und BAT-Werte-Liste sind zwar erst mal „nur“ wissen­schaft­li­che Empfeh­lun­gen und (noch) kein gelten­des Recht. Trotz­dem macht es Sinn, jetzt schon zu über­prü­fen, ob im eige­nen Betrieb die neuen oder abge­senk­ten MAK einge­hal­ten werden können.

Denn: Die meis­ten MAK werden in den darauf­fol­gen­den Jahren eins-zu-eins als AGW in die TRGS 900 über­nom­men und damit rechts­ver­bind­lich. Ausge­hend von der im Herbst 2019 veröf­fent­lich­ten MAK-Stoffliste bietet sich dieses Jahr eine Über­prü­fung auf MAK-Einhaltung für die folgen­den Stoffe an: Neuer MAK für Kresole, für die es bisher noch keinen AGW in der TRGS 900 gibt!

Abge­senkte MAK für Xylole, für die es bisher einen AGW von 440 mg/m³ in der aktu­ell gülti­gen Version der TRGS 900 gibt.

Der neue AGW von Chlor­ethy­len (Vinyl­chlo­rid) stammt NICHT aus der DFG MAK- und BAT-Werte-Liste, sondern aus der EU-Richtlinie 2017/2398/EU. Inzwi­schen gibt es mehrere solcher EU-Richtlinien, die verbind­li­che Arbeits­platz­grenz­werte (BOEL) enthal­ten. Diese BOEL müssen mit entspre­chen­den Über­gangs­fris­ten im Rahmen der EU-Krebsrichtlinie in natio­na­les Recht umge­setzt werden. In Deutsch­land wird das durch die Über­nahme in die TRGS 900 bzw. 910 reali­siert.

Der Wert des BOEL entspricht bei diesem Stoff dem Wert des gesund­heits­ba­sier­ten AGW (1 ppm).

Eine Über­sicht aller BOEL zusam­men mit den jewei­li­gen natio­na­len Grenz­wer­ten der TRGS 900 bzw. 910 hat das IFA im Inter­net veröf­fent­licht – siehe Info­kas­ten „Links/Downloads“.

Betei­li­gung an TRGS

Sie haben keine Möglich­keit, Ihre Erfah­run­gen aus der betrieb­li­chen Praxis bei der Über­ar­bei­tung von TRGS mit einzu­brin­gen? Doch, nur wissen das viele nicht. Daher, nutzen Sie die Möglich­keit der Betei­li­gung. Wenn TRGS ange­passt werden sollen, werden entspre­chende Hinweise auf der BAuA-Internetseite bekannt gege­ben. Kommen­tare und Hinweise der Anwen­der sind will­kom­men – siehe Info­kaste „Links/Downloads“.


Foto: privat

Autorin: Dr. Birgit Stöff­ler

Sicher­heits­in­ge­nieu­rin, Stlvtr. Mitglied im AGS, Mitglied im UAII


 

Glos­sar

  • AGS: Ausschuss für Gefahr­stoffe
  • AGW: Arbeits­platz­grenz­wert (aus TRGS 900)
  • BMAS: Bundes­mi­nis­te­rium für Arbeit und Sozia­les
  • BOEL: Binding Occupa­tio­nal Expo­sure Limit
  • CLP‑V: Verord­nung (EG) Nr. 1272/2008 über Einstu­fung, Kenn­zeich­nung und Verpa­ckung 
  • DFG: Deut­sche Forschungs­ge­mein­schaft
  • DGUV: Deut­sche Gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung
  • IFA: Insti­tut für Arbeits­schutz der DGUV
  • MAK: Maxi­male Arbeits­platz­kon­zen­tra­tion
  • TRGS: Tech­ni­sche Regel für Gefahr­stoffe

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