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Psychologische Sicherheit trägt zum Arbeitsschutz bei

Mehr Arbeitsschutz durch psychologische Sicherheit?
Was Führungskräfte zum Arbeitsschutz beitragen können

Psychologische Sicherheit
Foto: © Verlag Franz Vahlen
Clara Röder, Röder EHS Consulting

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in ein­er Besprechung mit einem kleinen Team ander­er Führungskräfte sowie ihrem Chef. Es geht um Platz, der ständig knapp ist, um Dinge, die immer wieder hin- und hergeschoben wer­den müssen und ständig im Weg ste­hen. Ein andauern­des Prob­lem, das sie alle regelmäßig beschäftigt. Die Fluchtwege müssen nun mal frei sein. Sie haben eine gute Idee für eine neue Art Regal, in dem dop­pelt so viele Teile unterge­bracht wer­den kön­nten, weil es ide­al aufgeteilt ist. Damit kön­nte man gut Platz schaf­fen. Motiviert sprechen Sie die Idee an. Noch beim Erk­lären erken­nen Sie gen­ervte Blicke, offen­sichtlich­es Desin­ter­esse und undif­feren­zierte Ablehnung. Ein „Kön­nen wir jet­zt weitermachen“-Kommentar gibt Ihnen den Rest, und Sie wis­sen, dass Sie in diesem Gremi­um sich­er keinen Vorschlag mehr ein­brin­gen wer­den. Psy­chol­o­gis­che Sicher­heit sieht anders aus. 

Gleichgültigkeit schadet dem Arbeitsschutz

Genau­so geht es auch einem Mitar­beit­er in der Pro­duk­tion. Wenn er ein­mal eine Idee geäußert hat und diese auf taube Ohren gestoßen ist oder gar kri­tisiert wurde, wird er danach ver­s­tum­men. Eine gewisse Gle­ichgültigkeit stellt sich ein, eine „Ist doch eh egal“-Haltung. Mit dieser Hal­tung wird es schwierig, top Qual­ität, vorauss­chauen­des Han­deln und kreative Ideen für Prozess- oder Arbeit­splatzverbesserun­gen zu erhal­ten. Und eben auch für den Arbeitss­chutz. Was hier vor allem fehlt, ist psy­chol­o­gis­che Sicherheit.

Was versteht man unter psychologischer Sicherheit?

Das Konzept der psy­chol­o­gis­chen Sicher­heit ist seit über 20 Jahren bekan­nt. Mit­tler­weile gibt es jede Menge Stu­di­en und Erken­nt­nisse dazu, die Amy Edmond­son in ihrem Buch „Die angst­freie Organ­i­sa­tion“ anschaulich auf­bere­it­et und zusam­menge­fasst hat. Sie definiert darin psy­chol­o­gis­che Sicher­heit als „Überzeu­gung […], dass die Arbeit­sumge­bung sich­er genug ist, um darin zwis­chen­men­schliche Risiken einzuge­hen.“ Es geht um die Erfahrung, rel­e­vante Ideen, Fra­gen oder Bedenken äußern zu kön­nen, ohne neg­a­tive Kon­se­quen­zen fürcht­en zu müssen. Werde ich als unwis­send, inkom­pe­tent, auf­dringlich oder neg­a­tiv wahrgenom­men, wenn ich eine Frage stelle, einen Fehler zugebe, Ideen äußere oder einen Plan kri­tisiere? Wenn ja, herrscht eine Kul­tur der Angst, in der es sehr wahrschein­lich ist, dass man sich eben nicht ein­bringt, engagiert, Ideen äußert oder Gefahrstellen meldet. Angst ist keine wirk­same Moti­va­tion und behin­dert das Ler­nen. Aus Angst sind schon viele Fehlentschei­dun­gen mit teils drama­tis­chen Fol­gen getrof­fen worden.

Es ist wis­senschaftlich erwiesen, dass die psy­chol­o­gis­che Sicher­heit sowohl die Geschäft­sergeb­nisse wie auch die Arbeitssicher­heit bee­in­flusst. In ein­er Gallup-Umfrage 2017 kam her­aus, dass nur drei von zehn Mitar­beit­ern das Gefühl hat­ten, dass ihre Mei­n­ung am Arbeit­splatz gehört wird. Aus der Studie wurde gefol­gert, dass es, wenn dieses Ergeb­nis auf sechs von zehn Mitar­beit­ern verbessert wer­den kön­nte, 27 % weniger Mitar­beit­er­fluk­tu­a­tion, 40 % weniger Unfälle und 12 % mehr Pro­duk­tiv­ität geben kön­nte. Wow.

Aufrichtigkeit, Respekt und Wertschätzung

Und wie geht das? Bei psy­chol­o­gis­ch­er Sicher­heit geht es auf jeden Fall nicht darum, ein­fach nur nett zu sein. Es geht um Aufrichtigkeit, Respekt, Wertschätzung. Um psy­chol­o­gis­che Sicher­heit zu schaf­fen, braucht es drei Aspek­te, die Edmond­son in ihrem Buch aus­führlich erläutert: Voraus­set­zun­gen schaf­fen, Mitwirkung ein­laden und pro­duk­tiv reagieren. Immer wieder. Dies ist die Auf­gabe der Führungskräfte auf allen Ebe­nen ein­er Organ­i­sa­tion. Damit schaf­fen sie psy­chol­o­gis­che Sicher­heit. Mit einem guten Gespräch nach dem anderen.

Verantwortung der Führungskräfte: Arbeitsschutz integrieren

Hier wird ein­mal mehr deut­lich, wie wichtig die Rolle der Führungskräfte für den Arbeitss­chutz ist. Nicht nur, weil es im Gesetz ste­ht und sie diverse Auf­gaben erfüllen müssen, son­dern vor allem, weil sie für psy­chol­o­gis­che Sicher­heit sor­gen müssen. Wenn ihnen das nicht gelingt und es eine Kul­tur der Angst gibt, wird es selb­st die beste Fachkraft für Arbeitssicher­heit schw­er haben, den Arbeitss­chutz voranzubrin­gen. Diese Ver­ant­wor­tung kann den Führungskräften kein­er abnehmen. Und gle­ichzeit­ig haben sie so viele ein­fache Möglichkeit­en, die psy­chol­o­gis­che Sicher­heit zu stärken, dass es selb­stver­ständlich­er Teil des All­t­ags­geschäfts sein kön­nte. Eben die Art, wie man führt. Dann ist Arbeitss­chutz ein­fach inte­gri­ert in die tägliche Arbeit.

Fachkräfte für Arbeitssicherheit ebenfalls angesprochen

Mir gefällt diese Vision, dass Arbeitss­chutz selb­stver­ständlich­er Teil der täglichen Arbeit wird und Unternehmen erken­nen, dass guter Arbeitss­chutz maßge­blich zum Unternehmenser­folg beiträgt. Dabei hil­ft das Konzept der psy­chol­o­gis­chen Sicher­heit und gibt Hil­festel­lun­gen, wie das gelin­gen kann. Natür­lich richtet sich dies in erster Lin­ie an Führungskräfte. Aber auch Fachkräfte für Arbeitssicher­heit kön­nen in ihrem Ein­fluss­bere­ich für psy­chol­o­gis­che Sicher­heit sor­gen und damit die Sicher­heit­skul­tur ihres Unternehmens stärken.

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