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Warum immer mehr Unternehmen auf sie setzen

Multi-Norm-Schutzkleidung
Warum immer mehr Unternehmen auf sie setzen

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Bei Arbeiten unter Spannung muss spezielle Störlichtbogenschutzkleidung getragen werden. Foto: © BP – Bierbaum-Proenen
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Per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung (PSA) ist seit Jahren ein Wach­s­tums­markt, vor allem dieN­ach­frage nach Schutzk­lei­dung steigt stetig. Was auf­fällt: Ins­beson­dere Multi­norm-Klei­dung, die vor vielfälti­gen Gefährdun­gen schützt, ist sehr beliebt. Das stellt die Her­steller vor neue Herausforderungen.

Laut der aktuellen Macrom-Studie wuchs der deutsche PSA-Markt zwis­chen 2014 und 2016 um 9,2 Prozent auf ins­ge­samt 1,97 Mil­liar­den Euro. Den größten Mark­tan­teil macht dabei die Schutzbek­lei­dung aus. Ein Ende des Trends ist auch auf glob­aler Ebene nicht abse­hbar. Für die kom­menden sechs Jahre prog­nos­tiziert eine US-amerikanis­che Studie von Glob­al Mar­ket Insights Inc. jährliche Wach­s­tum­srat­en von über sieben Prozent.

Die Zahlen sprechen eine deut­liche Sprache. Und das, obwohl andere Trends eher für rück­läu­fige Zahlen sprechen müssten. So müssten etwa die Dig­i­tal­isierung der Arbeitswelt und der wach­sende Dien­stleis­tungssek­tor langfristig dazu führen, dass es weniger klas­sis­che Arbeit­splätze gibt, an denen Schutzaus­rüs­tung getra­gen wird. Trotz­dem steigt die Nach­frage. Wie lässt sich dieses schein­bare Para­dox­on erklären?

Null Risiko

Ein­er der Gründe ist sicher­lich, dass der Arbeitss­chutz in den ver­gan­genen Jahren stark an Bedeu­tung gewonnen
hat und heute in vie­len Unternehmen aus­drück­lich zur Unternehmen­spoli­tik gehört. Diese Erfahrung macht Karol Ast regelmäßig. Ast ist Ver­trieb­sleit­er beim Köl­ner Fam­i­lienun­ternehmen Bier­baum-Proe­nen, das unter dem Marken­na­men BP für Berufs­bek­lei­dungs- und PSA-Konzepte bekan­nt ist. Für die stetig steigende Nach­frage macht er ein­er­seits die rechtlichen Rah­menbe­din­gun­gen und die gestiege­nen Anforderun­gen der Beruf­sgenossen­schaften oder Ver­sicherun­gen ver­ant­wortlich. „Kein Unternehmen möchte irgen­dein Risiko einge­hen und sich im Falle eines Unfalls Vor­würfe machen lassen müssen.“ Schließlich kostet jed­er Betrieb­sun­fall Geld, senkt die Pro­duk­tiv­ität und kratzt am Image des Unternehmens. Zum anderen sind auch die
Com­pli­ance-Regeln der Kun­den – zum Beispiel in der Auto­mo­bilzulief­ererbranche – strenger gewor­den. So muss heute jed­er Liefer­ant eines großen Unternehmens dar­legen, dass er die stren­gen Arbeitss­chutz-Richtlin­ien einhält.

In der Folge tun die Unternehmen alles, um mögliche Gefährdun­gen auszuschließen. Das äußert sich etwa darin, dass auch Beschäftigte, die per­sön­lich gar keine Tätigkeit­en ausüben, für die
sie Schutzk­lei­dung tra­gen müssten, von ihrem Arbeit­ge­ber mit PSA aus­ges­tat­tet wer­den – nur weil sie in der Nähe von PSA-rel­e­van­ten Bere­ichen arbeit­en und damit the­o­retisch einem Risiko aus­ge­set­zt sein kön­nten. „Es gibt Indus­trie­un­ternehmen, auf deren Gelände kommt über­haupt kein Mitar­beit­er, der keine Multi­norm-Schutzk­lei­dung trägt, also Schutzk­lei­dung, die viele Nor­men gle­ichzeit­ig erfüllt und vor vie­len Gefahren schützt“, sagt Karol Ast.

Ein anderes Beispiel für diese Null-Risiko-Poli­tik: Wer bei der Arbeit unter­schiedliche Auf­gaben­bere­iche hat und nur hin und wieder sicher­heit­srel­e­vante Tätigkeit­en durch­führt, zog sich früher im Falle des Fall­es um. Heute tra­gen die Beschäftigten per­ma­nent Schutzk­lei­dung. „Das hat natür­lich auch mit der Arbeitsverdich­tung zu tun, denn die Zeit fürs Umziehen lässt sich effek­tiv­er nutzen“, erläutert Ast. So lässt sich auch erk­lären, weshalb ger­ade Multi­norm-Klei­dung so beliebt ist: Wer diese Form der PSA trägt, ist für die meis­ten Arbeit­en passend aus­ges­tat­tet. Das ist vor allem für Beschäftigte mit wech­sel­nden Auf­gaben­bere­ichen wichtig, die sich etwa sowohl vor Hitze und Flam­men als auch vor den ther­mis­chen Gefahren eines Licht­bo­gens schützen müssen.

Auf der anderen Seite haben auch die Tätigkeiten
in Gefahrbere­ichen zugenom­men. Ein Beispiel: Viele Arbeit­en an der Energiev­er­sorgung kon­nten früher außer­halb der Pro­duk­tion­szeit­en ver­richtet wer­den. Heute ist das undenkbar. Erforder­liche Repara­turen zum Beispiel in der Indus­trie wer­den im laufend­en Betrieb und mit spezieller Stör­licht­bo­gen­schutzk­lei­dung vorgenom­men, denn die Maschi­nen laufen rund um die Uhr und kön­nen nicht ein­fach so von der Energiev­er­sorgung abgekop­pelt werden.

PSA als Trumpfkarte

Ein weit­er­er und kaum zu über­schätzen­der Treiber für die gestiegene PSA-Nach­frage sind die Träger, die heute ganz andere Ansprüche an ihre Klei­dung haben
als früher. Neben dem Bedürf­nis nach Sicher­heit sind Aspek­te wie Tragekom­fort, Bewe­gungs­frei­heit und Design hier min­destens genau­so entschei­dend. „Die Klei­dung ist immer auch ein Aus­druck vom Stolz auf die eigene Arbeit und von der Wertschätzung des Arbeit­ge­bers. Unternehmen kön­nen es sich in Zeit­en des Fachkräfte­man­gels daher nicht leis­ten, PSA anzuschaf­fen, ohne die Mitar­beit­er einzubeziehen“, sagt BP-Ver­trieb­sleit­er Karol Ast. Dafür sind der Ein­fluss und das Mit­spracherecht der Beschäftigten im Hin­blick auf die Auswahl der PSA zu groß. So ist bequeme PSA zum Werkzeug der Mitar­beit­erbindung und zur Trumpfkarte im Spiel um die begehrten Fachkräfte geworden.

Her­steller wie BP haben auf diese Entwick­lung reagiert und sie zugle­ich vor­angetrieben, indem sie neben den hohen Sicher­heit­san­forderun­gen der Nor­men vor allem die Wün­sche und Bedürfnisse der Träger in den Fokus genom­men haben. Ver­meintlich weiche Fak­toren wie Tragekom­fort, Bewe­gungs­frei­heit und Design sind dabei aber zugle­ich Schlüs­selfak­toren für die Schutz­funk­tion. Denn was nützt eine unbe­queme Schutzk­lei­dung, die der Träger aus Bequem­lichkeits­grün­den nicht trägt? Der Trend zu Schutzk­lei­dung erhöht dabei auch die Anforderun­gen an die Liefer­fähigkeit der Her­steller. Denn ohne die passende Schutzk­lei­dung kön­nen und dür­fen bes­timmte Arbeit­en schlichtweg nicht aus­ge­führt wer­den. Auch in diesem Punkt müssen Pro­duzen­ten den gewach­se­nen Ansprüchen der Kun­den gerecht wer­den, um vom Wach­s­tums­markt PSA prof­i­tieren zu können.

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