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Was tun nach einem Arbeitsunfall?

Richtig handeln
Was tun nach einem Arbeitsunfall?

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Foto: © Halfpoint - stock.adobe.com
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Nach einem Unfall im Betrieb oder auf dem Weg von und zur Arbeit muss schnell und richtig gehan­delt wer­den. Geschieht dies nicht, kön­nen Ver­sicherun­gen ihre Leis­tun­gen ver­weigern und lang­wierige Rechtsstre­it­igkeit­en entste­hen – von den gesund­heitlichen Fol­gen für das Unfal­lopfer ganz zu schweigen.

Um einen Arbeit­sun­fall han­delt es sich immer dann, wenn sich Beschäftigte bei der Ausübung ihrer Tätigkeit eine oder mehrere Ver­let­zun­gen zuziehen. In der Regel sind Arbeit­nehmer in Deutsch­land geset­zlich unfal­lver­sichert, das bedeutet die geset­zliche Unfal­lver­sicherung (DGUV) kommt für kör­per­liche Schä­den auf, die während der Arbeit­szeit entste­hen. Aber bevor die Ver­sicherung eingeschal­tet wird, muss unmit­tel­bar nach einem Unfall schnell und richtig gehan­delt wer­den. Bei der gesamten Unfal­lab­wick­lung sind vor allem fol­gende sechs Schritte in dieser Rei­hen­folge zu beherzi­gen:

  1. Schritt: Ret­tungs­kette am Unfal­lort bilden
  2. Schritt: Unfal­lopfer zum Durch­gangsarzt brin­gen
  3. Schritt: Unfall­her­gang unter­suchen
  4. Schritt: Unfall bei der Unfal­lver­sicherung anzeigen
  5. Schritt: Unfall im Ver­band­buch doku­men­tieren
  6. Schritt: Kranken- und Ver­let­zten­geld beantra­gen

Im Fol­gen­den wer­den die einzel­nen Schritte beziehungsweise Etap­pen näher erläutert.

Rettungskette am Unfallort bilden

Nach einem Arbeits- oder Wege­un­fall müssen Unfal­lzeu­gen umge­hend han­deln: Sie müssen einen Notruf abset­zen und Erste Hil­fe leis­ten. Anschließend übernehmen der Ret­tungs­di­enst und das Ärzteteam im Kranken­haus die Ver­sorgung des Unfal­lopfers. In Unternehmen mit bis zu zwanzig Beschäftigten muss min­destens ein Ers­thelfer zur Ver­fü­gung ste­hen. Bei größeren Betrieben müssen min­destens zehn Prozent der anwe­senden Ver­sicherten Ers­thelfer sein, in Ver­wal­tungs- und Han­dels­be­trieben min­destens fünf Prozent.

Unfallopfer zum Durchgangsarzt bringen

Durch­gangsärzte, auch ein­fach D‑Ärzte genan­nt, sind Chirur­gen und/oder Orthopä­den mit spezieller Ken­nt­nis in der Behand­lung verun­fall­ter Per­so­n­en, vor allem in der Unfallchirurgie. Die Ver­sicherten müssen einen D‑Arzt auf­suchen, wenn die Arbeit­sun­fähigkeit voraus­sichtlich über den Unfall­t­ag hin­aus andauert oder für die Behand­lung länger als eine Woche benötigt wird. In jedem Fall erhält der Verun­fallte eine Erst­be­hand­lung durch den D‑Arzt. Dieser entschei­det, ob der Patient lediglich durch den Hausarzt weit­er behan­delt wird oder ob ein Spezialarzt eingeschal­tet wer­den muss. Er führt aber auch genaue Aufze­ich­nun­gen, aus denen her­vorge­ht, wie der Unfall im Betrieb entste­hen kon­nte – für den weit­eren Ver­sicherungsweg also sehr wichtig. Genau­so wichtig: Nur der D‑Arzt, nicht der All­ge­mein- oder Facharzt, darf die Bescheini­gun­gen für die Ver­sicherung aus­füllen und bei dieser ein­re­ichen.

Unfallhergang untersuchen

Nach der Leis­tung der Ersten Hil­fe und der Alarmierung der ver­ant­wortlichen Per­so­n­en gilt es zunächst, eine umfan­gre­iche Unfal­lun­ter­suchung durchzuführen. Neben dem Unfal­lopfer müssen der Arbeit­ge­ber, die ver­ant­wortlichen Führungskräfte, die eingeteil­ten Sicher­heits­fachkräfte, Mit­glieder des Betrieb­srats und die Zeu­gen dabei sein. Der Betrieb­srat muss in jedem Fall sich­er­stellen, dass alle vor­liegen­den Beweise zum Unfallgeschehen aufgenom­men und gesichert sowie alle anwe­senden Zeu­gen erfasst und ver­hört wer­den.

Unfall bei Versicherung anzeigen

Wenn ein Arbeit­sun­fall eine Arbeit­sun­fähigkeit von mehr als drei Kalen­derta­gen zur Folge hat, muss der Arbeit­ge­ber oder ein bevollmächtigter Vertreter den Fall der Beruf­sgenossen­schaft melden. Der Unfall­t­ag selb­st zählt aber noch nicht zu diesen drei Tagen. Ganz wichtig: Um diese Mel­dung vornehmen zu kön­nen, benötigt der Arbeit­ge­ber vom verun­fall­ten Mitar­beit­er in der Regel einen Bericht, um den Unfall nachvol­lziehen zu kön­nen. Für einen solchen Unfall­bericht existiert allerd­ings kein amtlich­es For­mu­lar. Es geht vielmehr darum, den Unfall­her­gang in eige­nen Worten zu beschreiben.

Tödliche Unfälle, Unfälle mit mehr als zwei Ver­let­zten und solche mit schw­er­wiegen­den Gesund­heitss­chä­den müssen dage­gen der Unfal­labteilung der zuständi­gen Bezirksver­wal­tung möglichst sofort per Tele­fon oder Fax mit­geteilt wer­den.

Im Verbandbuch dokumentieren

Selb­st wenn die Unfall­fol­gen weniger schw­er sind, muss der Arbeit­ge­ber das Ereig­nis nichts­destotrotz ins Ver­band­buch ein­tra­gen. Damit hat der verun­fallte Mitar­beit­er einen Nach­weis, falls sich später doch noch Unfall­fol­gen ein­stellen soll­ten. Auch aus diesem Grund muss das Ver­band­buch bis min­destens fünf Jahre nach dem Unfall auf­be­wahrt wer­den.

Verletztengeld beantragen

Nach dem Unfall muss der Arbeit­nehmer eine Arbeit­sun­fähigkeits­bescheini­gung beim Arbeit­ge­ber vor­legen. Aber nur, wenn das Unfal­lopfer bere­its vier Wochen oder mehr im Unternehmen angestellt ist, hat es einen Anspruch auf Lohn­fortzahlung. Diese wird sechs Wochen lang vom Arbeit­ge­ber gezahlt. Ab der siebten Woche der Arbeit­sun­fähigkeit ist der Unternehmensleit­er nicht länger in der Zahlungspflicht. Nun übern­immt die zuständi­ge Beruf­sgenossen­schaft: Die Leis­tung heißt dann Ver­let­zten­geld und wird durch die Krankenkassen aus­gezahlt. Das Ver­let­zten­geld  beträgt rund 80 Prozent des let­zten Brut­to­ge­halts.


Praxis-Tipps

  • Einen D‑Arzt in der Nähe find­et man unter www.dguv.de/d‑arzt
  • Die For­mu­la­re für die Anzeige des Unfalls bei der Beruf­sgenossen­schaft find­en Arbeit­ge­ber und Arbeitss­chutzver­ant­wortliche unter: www.dguv.de/formtexte/index.jsp. Die Unfal­lanzeige kann den Beruf­sgenossen­schaften auch über das Extranet des Trägers über­mit­telt wer­den. Dazu muss der Arbeit­ge­ber aber dort ein Benutzerkon­to ein­richt­en.

Was gilt als Arbeitsunfall?

In den ver­gan­genen Jahren wurde der Kreis der Ver­sicherungs­berechtigten auch auf Schüler im Schu­lun­ter­richt, Kinder im Kinder­garten und Men­schen, die nach einem Verkehrs- oder Wege­un­fall Erste Hil­fe leis­ten, erweit­ert. Wie sieht es aber mit Spezial­si­t­u­a­tio­nen im Rah­men der Beruf­sausübung aus? Ist man dabei auch ver­sichert? Es gel­ten fol­gende Regelun­gen:

  • Weit­er­bil­dungs­maß­nah­men: Grund­sät­zlich ver­sichert.
  • Betrieb­ss­port: Grund­sät­zlich ja. Die Ver­sicherung fordert aber einen zeitlichen, per­son­ellen und organ­isatorischen Zusam­men­hang mit der Arbeit und eine gewisse Regelmäßigkeit.
  • Betriebliche Gemein­schaftsver­anstal­tun­gen: Eingeschränkt ja. Allerd­ings muss der Arbeit­ge­ber zu dieser Ver­anstal­tung alle Arbeit­nehmer des Unternehmens oder zumin­d­est ein­er Abteilung ein­laden. Es reicht nicht aus, nur ein­er kleinen Gruppe die Teil­nahme anzu­bi­eten.
  • Heimar­beit: Der Unfall muss in einem Arbeit­sraum geschehen. Unfälle in allen anderen Räu­men der Woh­nung sind nicht ver­sichert.
  • Trans­port von Arbeits­geräten: Arbeit­nehmer sind auf der gesamten Strecke des Trans­ports ver­sichert.
  • Wege­un­fall: Ver­sichert wer­den nur Unfälle, die auf dem unmit­tel­baren Weg von und zur Arbeit geschehen und in „sach­lichem Zusam­men­hang“ mit der Arbeit ste­hen.
  • Zigaret­ten­pause und Toi­let­ten­gang: Ein Unfall auf dem Weg zur und während der Raucher­pause ist kein Arbeit­sun­fall, son­dern dem pri­vat­en Bere­ich zuzuord­nen. Anders dage­gen ist die Sit­u­a­tion beim Toi­let­ten­gang, der als Teil der Arbeit­szeit bew­ertet wird. Der Arbeit­nehmer trägt aber die Fest­stel­lungslast dafür, ob ein (ver­sichert­er) Gang zur Toi­lette vor­liegt, wenn er seinen Arbeit­splatz ver­lassen hat. Zudem ist nur der Weg zu den Wasch- und WC-Räu­men ver­sichert, der Aufen­thalt dort jedoch in der Regel nicht.
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