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Beispiele für die Zusammenarbeit von Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit

Chancen für eine Zusammenarbeit Teil 3
Beispiele für die Zusammenarbeit von Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit

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„Zwei Fre­unde sollt ihr sein…!“, unter diesem Mot­to wur­den in Teil 1 und 2 dieser Serie Grund­la­gen für eine erfol­gre­iche Zusam­me­nar­beit von Betrieb­särzten und Fachkräften für Arbeitssicher­heit aufgezeigt. Der dritte Teil stellt weit­ere gute Beispiele, die dur­chaus zur Nachah­mung emp­fohlen wer­den, vor.

Prof. Andreas Wittmann, Dipl.Ing. Thomas Bossel­mann

Hygiene am Arbeit­splatz
Hygiene ist die Lehre von der Ver­hü­tung der Krankheit­en und der Erhal­tung und Fes­ti­gung der Gesund­heit. Hygiene beze­ich­net in der All­t­agssprache aber auch einen konkreten Zus­tand, bzw. der Begriff wird syn­onym mit dem Begriff Sauberkeit ver­wen­det. Dass Sauberkeit am Arbeit­splatz einen wichti­gen Beitrag zum Arbeits- und Gesund­heitss­chutz leis­ten kann, leuchtet ein, man denke nur an Rutschun­fälle auf Grund schlecht gere­inigter Fußbö­den.
Als Maß­nahme des Arbeitss­chutzes ist Hygiene außer­dem immer dann gefordert, wenn ein schädlich­er Kon­takt des Men­schen mit Erregern oder Nox­en durch Sauberkeit ver­ringert wer­den kann.
So kommt es regelmäßig vor, dass bei Beschäftigten in bleiver­ar­bei­t­en­den Betrieben der Gren­zw­ert für Blei im Blut über­schrit­ten ist, der Arbeit­splatz­gren­zw­ert aber stets einge­hal­ten wurde. Blei wird, arbeitsmedi­zinisch rel­e­vant, häu­fig durch die kon­t­a­minierten Fin­ger zum Mund über­tra­gen (beim Essen, beim Rauchen), was durch das vorherige Waschen der Hände unter­bun­den wer­den kann. Der­ar­tige Erken­nt­nisse zu man­gel­nder Hygiene kön­nen jedoch oft erst bei arbeitsmedi­zinis­chen Unter­suchun­gen fest­gestellt wer­den.
Ins­beson­dere aber bei der Präven­tion von Infek­tion­serkrankun­gen kommt der Hygiene in Ein­rich­tun­gen des Gesund­heitswe­sens große Bedeu­tung zu. Die Beratung zu Desin­fek­tion­s­maß­nah­men mit dem Ziel der Reduzierung der Keimzahl auf den Hän­den oder auf Gegen­stän­den sind daher immer dann Betä­ti­gungs­felder für Betrieb­särzte, wenn es bei diesen Maß­nah­men um den Schutz der Beschäftigten geht. Da diese Maß­nah­men aber auch aus Grün­den der Patien­ten­sicher­heit eine wichtige Rolle spie­len, arbeit­en Betrieb­särzte ins­beson­dere in Gesund­heit­sein­rich­tun­gen häu­fig mit Hygien­e­fachkräften und Kranken­haushy­gien­ikern zusam­men, deren Haup­tauf­gabe der Schutz der Patien­ten vor gefährlichen Erregern ist.
Der Begriff der Hygiene umfasst also mehr als das bloße Waschen und Desin­fizieren der Hände: Basis­maß­nah­men, wie sauberes, ordentlich­es Arbeit­en kön­nen eben­so zur Hygiene beitra­gen wie raum­luft­tech­nis­che Anla­gen.
Die Zusam­me­nar­beit von Fachkräften für Arbeitssicher­heit und Betrieb­särzten bere­its bei der Beurteilung von Gefährdun­gen durch Gefahrstoffe und biol­o­gis­che Arbeitsstoffe ist in diesem Sinne Bestandteil der Hygiene im Betrieb.
Beispiel 6: Teflon­fieber in einem Betrieb der Elek­troin­dus­trie
In einem Betrieb der Elek­troin­dus­trie trat­en bei den Beschäftigten in der Tachome­ter­fer­ti­gung regelmäßig akut grippeähn­liche Fieber­schübe während der Arbeit­szeit auf, ohne dass in irgen­dein­er Form ein Zusam­men­hang mit dem ger­ade laufend­en Pro­duk­tion­sprozess herzustellen war.
Die vom Betrieb­sarzt darüber informierte Fachkraft für Arbeitssicher­heit ver­suchte daraufhin alle für der­ar­tige Erkrankun­gen in Frage kom­menden Stoffe, die im Betrieb einge­set­zt wer­den, zu ermit­teln. Zunächst ohne Ergeb­nis. Gemein­sam mit dem Betrieb­sarzt wurde daraufhin ein Toxikologe als Experte einge­bun­den, der rel­a­tiv schnell fündig wurde.
Der Betrieb­sarzt ermit­telte zusam­men mit der Fachkraft für Arbeitssicher­heit, dass als Per­flu­or-Isobuten, ein Zer­set­zung­spro­dukt von Poly­te­tra­flu­o­rethylen (Teflon) als Ursache ermit­teln kon­nte. Dieser Stoff kann im Betrieb regelmäßig beim Ver­schweißen von Bau­grup­pen frei wer­den, die hier entste­hen­den Dämpfe wer­den jedoch am Entste­hung­sort voll­ständig abge­saugt. Aufwändi­ge Mes­sun­gen an den Schweißau­to­mat­en bestätigten, dass die Zer­set­zung­spro­duk­te in der Raum­luft nicht nachzuweisen waren.
Die weit­ere „Detek­ti­var­beit“ bei­der Experten ergab jedoch, dass auf den Bauteilen selb­st manch­mal noch Anhaf­tun­gen des Schweißrauchs zu find­en waren, die beim Berühren der Teile auf die Hände der Beschäftigten überge­hen kon­nten. Inko­r­pori­ert wur­den die Par­tikel dann beim Essen oder beim Rauchen. Der Betrieb­sarzt ver­an­lasste daraufhin direkt eine Infor­ma­tionsver­anstal­tung zu ele­mentaren Hygien­e­maß­nah­men wie dem gründlichen Waschen der Hände vor dem Essen. Neue Mitar­beit­er wer­den bere­its bei ihrer Erstun­ter­weisung durch die Fachkraft für Arbeitssicher­heit über die Prob­lematik aufgek­lärt.
Seit­dem diese ein­fachen Hygien­e­maß­nah­men im Betrieb berück­sichtigt wer­den, ist kein so genan­ntes „Teflon­fieber“ mehr im Betrieb aufge­treten.
Hautschutz
Im Jahr 2004 wur­den in Deutsch­land den Beruf­sgenossen­schaften und Unfal­lka­ssen ins­ge­samt 55.586 Ver­dachts­fälle auf eine Beruf­skrankheit gemeldet, davon 14.723 Ver­dachts­fälle auf Hautkrankheit­en. Als Beruf­skrankheit anerkan­nt wur­den ins­ge­samt 15.832 Fälle, davon 1.198 Hauterkrankun­gen, die damit zu den am häu­fig­sten entschädigten Beruf­skrankheit­en gehören!
Diese Erkrankun­gen hat­ten ver­schieden­ste Ursachen und Aus­prä­gun­gen, von aller­gis­chen Reak­tio­nen bis hin zu tox­isch bed­ingten Kreb­serkrankun­gen. Aller­gis­che oder irri­ta­tiv-tox­is­che Kon­tak­tekzeme resul­tierten dabei häu­fig nicht nur aus der stof­flichen Belas­tung, son­dern auch aus der falschen oder fehlen­den Anwen­dung von per­sön­lich­er Schutzaus­rüs­tung. Ins­beson­dere der Ein­satz ungeeigneter Schutzhand­schuhe oder der zu sel­tene Ein­satz von Hautschutzmit­teln ist hier zu erwäh­nen.
Auch stof­flich unbe­lastete Arbeit­splätze bergen Gefährdun­gen für die Haut, so ist beispiel­sweise das Tra­gen von flüs­sigkeits­dicht­en Hand­schuhen (z.B. als Schutz­maß­nahme gegen infek­tiöse Stoffe) häu­fig auch Ursache für Hauterkrankun­gen (Feuchtar­beit­splatz).
Da Hauterkrankun­gen meist lang­wierig sind, führen diese zu über­pro­por­tion­al vie­len Arbeit­sun­fähigkeit­sta­gen – weswe­gen die meis­ten Arbeit­ge­ber ein großes Inter­esse an der Präven­tion der­ar­tiger Erkrankun­gen haben.
Präven­tion von Hauterkrankun­gen
Essen­ziell für die Ver­mei­dung von Hauterkrankun­gen sind Hautschutz­pläne, die auf Grund­lage der in der Gefährdungs­beurteilung ermit­tel­ten speziellen betrieblichen Gefährdun­gen erstellt wur­den (TRGS 401). Diese Pläne müssen sowohl Angaben zu den haut­ge­fährden­den Tätigkeit­en, den emp­fohle­nen Hautschutzmit­teln bzw. der Ver­wen­dung von Hand­schuhen enthal­ten, als auch Hin­weise zur Hautreini­gung und zur Hautpflege.
Bei der Gefährdungser­mit­tlung arbeit­en Fachkraft für Arbeitssicher­heit und Betrieb­sarzt Hand in Hand: Nicht nur das Ermit­teln von Gefahrstof­fen ist hierzu notwendig, son­dern auch die Berück­sich­ti­gung aller hautschädi­gen­den Prozesse. Denkbar sind auch Haut­ge­fährdun­gen durch UV-Strahlen, beispiel­sweise beim Schweißen oder bei Arbeit­en im Freien.
Als hautschädi­gend ein­deutig gekennze­ich­net sind Stoffe und Zubere­itun­gen, die entwed­er nach den R‑Sätzen R34, R35, R38 und R43 eingestuft sind oder nach § 19 Abs. 2 ChemG und § 4 Abs. 2 Gef­stof­fV son­stige chro­nisch schädi­gende Eigen­schaften besitzen, wie zum Beispiel Deter­gen­tien (waschak­tive Sub­stanzen, Ten­side), ent­fet­tende Lösemit­tel oder ver­schiedene Kühlschmier­stoffe (Hin­weise in den BGRn 143 und 658). Gemein­sam mit den Ver­ant­wortlichen für die Prozesse, bei denen diese Pro­duk­te einge­set­zt wer­den, kön­nen sich hier die Fachkraft und der Betrieb­sarzt bei der Ersatzstoff­suche ein­brin­gen.
Eine der Haup­tur­sachen für Hauterkrankun­gen ist Feuchtar­beit, also Tätigkeit­en bei denen die Arbeit­nehmer einen erhe­blichen Teil Ihrer Arbeit­szeit mit den Hän­den Arbeit­en im feucht­en Milieu aus­führen, beispiel­sweise bei Tätigkeit­en im Gesund­heits­di­enst, bei denen über einen län­geren Zeitraum flüs­sigkeits­dichte Hand­schuhe getra­gen wer­den (siehe auch GUV‑I 8559). Die TRGS 531 „Feuchtar­beit“ emp­fiehlt neben dem Ver­such die Feuchtar­beit durch organ­isatorische Maß­nah­men möglichst zu ver­mei­den, auch die spezielle Arbeitsmedi­zinis­che Vor­sorge nach dem Grund­satz G 24. Schw­er­punkt bildet hier die Aufk­lärung über die Gefährdung sowie die indi­vidu­elle Beratung des Beschäftigten zu Hautschutz­maß­nah­men.
Zunehmend von Bedeu­tung ist auch die Präven­tion von UV-bed­ingten Hautschädi­gun­gen. Auch hier ist die Beratung von Beschäftigten und Arbeit­ge­ber zu richtigem Ver­hal­ten und zu Hautschutzmit­teln eine Auf­gabe, die sin­nvoller­weise vom Betrieb­sarzt wahrgenom­men wer­den sollte.
Eine beson­dere Rolle kann dem Betrieb­sarzt aber auch im Hau­tarztver­fahren zukom­men. Dieses dient der Früher­fas­sung beru­flich bed­ingter Hauterkrankun­gen und verpflichtet zur Vorstel­lung des Beschäftigten beim Hau­tarzt, wenn die Möglichkeit beste­ht, dass eine Hauterkrankung durch eine beru­fliche Tätigkeit entste­ht, wieder­au­flebt oder sich ver­schlim­mert.
Beispiel 7: Hautkreb­ss­creen­ing durch den Betrieb­sarzt
In einem größeren Obst­baube­trieb wer­den die rund 35 reg­ulären Mitar­beit­er und die zur Ern­tezeit beschäftigten rund 200 Helfer durch einen über­be­trieblichen Dienst sicher­heit­stech­nisch und arbeitsmedi­zinisch betreut. Bei ein­er regionalen Ver­anstal­tung zur Gefährdung durch biol­o­gis­che Arbeitsstoffe erfuhr die Fachkraft von einem vor kurzem abgeschlosse­nen Forschung­spro­jekt ein­er benach­barten Uni­ver­sität.
Darin wurde fest­gestellt, dass die in der Region vork­om­menden Zeck­en neben dem Bor­re­lioseer­reger nun auch den Erreger der Früh­som­mer-Menin­goen­zephali­tis (FSME) über­tra­gen kön­nen. Inner­be­trieblich informiert die Fachkraft die Leitung ihrer betrieb­särztlichen Abteilung von dieser neuen Gefährdung.
Der lei­t­ende Betrieb­sarzt set­zt sich daraufhin mit dem Vor­sitzen­den des Obst­baube­triebes in Verbindung, um diesen über die neue Gefahren­lage für seine Mitar­beit­er zu informieren. Dieser willigt trotz der auf ihn zuk­om­menden Kosten sofort ein, in Zukun­ft alle Mitar­beit­er im Rah­men der arbeitsmedi­zinis­chen Vor­sorge impfen zu lassen.
Im Rah­men ein­er der ersten Imp­fun­gen ent­deck­te der Betrieb­sarzt eine verdächtige Ver­fär­bung der Haut an der Schul­ter eines Mitar­beit­ers, die sein­er Erken­nt­nis nach die Vorstufe eines bösar­ti­gen Hautkreb­ses sein kön­nte. Er über­wies den Mitar­beit­er unverzüglich zum Hau­tarzt und sprach das The­ma auch auf der näch­sten Sitzung des Arbeitss­chutzauss­chuss­es an.
Vom Sicher­heitsin­ge­nieur erfährt der Betrieb­sarzt in der ASA Sitzung, dass ins­beson­dere die Ern­te­helfer Arbeit­en bei großer Hitze gerne auch mit bloßem Oberkör­p­er aus­führen. Der Betrieb­sarzt erläutert daraufhin aus­führlich die Gefahren durch UV-Strahlung und schlägt vor, dass er doch im Rah­men der anste­hen­den Imp­fung ein bre­it angelegtes Screen­ing bei den beru­flich exponierten Mitar­beit­ern durch­führen könne, immer­hin wür­den die Mitar­beit­er teil­weise seit Jahren unter den gle­ichen Bedin­gun­gen arbeit­en. Die Betrieb­sleitung stimmt dem grund­sät­zlich zu, hat jedoch Bedenken wegen der entste­hen­den zusät­zlichen Kosten. Der Betrieb­sarzt set­zte sich daraufhin mit der zuständi­gen Ort­skrankenkasse in Verbindung und erfuhr, dass diese die Unter­suchung bei allen über 35-Jähri­gen im Rah­men eines Pilot­pro­jek­tes zur Kreb­s­früherken­nung übernehmen würde, eine Abrech­nung wäre in diesem speziellen Fall auch über den über­be­trieblichen Dienst möglich. Der informierte Vor­stand des Obst­baube­triebes sicherte daraufhin die Über­nahme der Kosten für die anderen (jün­geren) Mitar­beit­er zu.
Im Rah­men der FSME Imp­fung wur­den daraufhin alle 235 Beschäftigten auf verdächtige Hautverän­derun­gen unter­sucht, sieben Per­so­n­en wur­den an einen Hau­tarzt weit­er über­wiesen. Allen Beschäftigten wurde dabei auch die Wichtigkeit von Hautschutz­maß­nah­men erläutert und die richtige Ver­wen­dung von Son­nen­schutzmit­teln erk­lärt. Diese Son­nen­schutzmit­tel wer­den auf den betrieb­särztlichen Rat hin auch vom Arbeit­ge­ber zur Ver­fü­gung gestellt.
Über das gemein­same Pilot­pro­jekt wurde in der Presse pos­i­tiv berichtet, so dass diese Kam­pagne bis heute dem Image des Betriebes sehr förder­lich ist.
Die Pilotkam­pagne war ins­ge­samt ein großer Erfolg, das Hautkreb­ss­creen­ing wird daher seit August 2008 von allen Krankenkassen bei über 35-Jähri­gen bezahlt.
Gestal­tung von Bild­schir­mar­beit­splätzen
Kaum ein Satz des 20. Jahrhun­derts hat sich als größer­er Irrtum her­aus­gestellt wie die 1943 vom dama­li­gen IBM Chef Thomas Wat­son abgegebene Prog­nose „Ich glaube, es gibt einen weltweit­en Bedarf an vielle­icht fünf Com­put­ern“.
Heute beherrschen Com­put­er ganze Konz­erne, lösen die schwierig­sten Rechenauf­gaben, leit­en Aut­o­fahrer im Verkehr, ja es gibt kaum einen Bere­ich, der heute ohne den Ein­satz von Com­put­ern auskommt. Keine andere Erfind­ung hat das 20. Jahrhun­dert so sehr beherrscht und den All­t­ag der Men­schen so weitre­ichend verän­dert. Ein Beleg für die radikale Verän­derung ist beispiel­sweise die Zunahme der Unter­suchun­gen nach dem Grund­satz G 37 Bild­schir­mar­beit. Während 1987 nur rund 200.000 dieser Unter­suchun­gen durchge­führt wur­den, stieg diese Anzahl im Jahr 2002 auf über 1.250.000.
Fehlbe­las­tun­gen ver­mei­den
Com­put­er haben durch ihren Ein­satz am Arbeit­splatz auch das Arbeit­sleben der Men­schen nach­haltig bee­in­flusst. Während sich die Rechen­leis­tung eines Com­put­ers jedoch alle 18 – 24 Monate ver­dop­pelt (sog. Mooresches Gesetz: Moore’s Law ist nach dem Ex-INTEL-Chef Gor­don Moore benan­nt, der die Faus­tregel in den 60er Jahren auf­stellte), ist die Entwick­lung des Men­schen seit Jahrtausenden abgeschlossen, was mitunter zu „Kom­pat­i­bil­ität­sprob­le­men“ an der Schnittstelle Men­sch-Com­put­er führt. Com­put­er sind anders als alle bis­lang vom Men­schen für ihre Arbeit einge­set­zten Maschi­nen. Die Beziehung zwis­chen Mas­chine und Men­sch war rel­a­tiv unprob­lema­tisch, solange der Men­sch die Mas­chine steuerte oder wenig­stens das Gefühl hat­te, das zu tun. Sie wurde aber zum Prob­lem in dem Augen­blick, in dem der Men­sch begonnen hat, die Mas­chine teil­weise an seine Stelle zu set­zen, so dass die Mas­chine bzw. deren Ver­hal­ten oder Entschei­dun­gen nicht mehr ver­standen wer­den (psy­chis­che Belas­tun­gen an der Schnittstelle Soft­ware – Men­sch). Eben­falls prob­lema­tisch aus sicher­heit­stech­nis­ch­er und arbeitsmedi­zinis­ch­er Sicht ist, dass die andauernde Arbeit an einem Rech­n­er (Bild­schir­mar­beit) oft Zwang­shal­tun­gen fördert, und auch beson­dere Anforderun­gen an das Sehen stellt (physis­che Belas­tung an der Schnittstelle Hard­ware – Men­sch).
Die sicher­heit­stech­nis­che und arbeitsmedi­zinis­che Beurteilung von Bild­schir­mar­beit­splätzen sollte daher eigentlich auch immer die Soft­warekom­po­nente umfassen, mit dem Ziel hier eine anwen­der­fre­undliche Schnittstelle zu gestal­ten.
Da dieses Ziel meist jedoch nicht auf betrieblich­er Ebene ver­fol­gt wer­den kann, muss die Bew­er­tung min­destens unter zwei weit­eren doch sehr unter­schiedlichen Aspek­ten erfol­gen. Ein­er­seits ist die Gestal­tung des Arbeit­splatzes selb­st zu beurteilen. Diese Auf­gabe wird im Regelfall von der zuständi­gen Fachkraft für Arbeitssicher­heit ver­an­lasst, bzw. schon in der Pla­nungsphase wer­den die Arbeit­splätze so gestal­tet, dass sie den Vor­gaben der Bild­schir­mar­beit­splatzverord­nung genü­gen. Ander­er­seits gilt es bei Bild­schir­mar­beit­splätzen auch, den Beschäftigten auf seine Voraus­set­zun­gen für einen der­ar­ti­gen Arbeit­splatz hin zu unter­suchen und zu berat­en, in der Regel im Rah­men der ihm ange­bote­nen Vor­sorge­un­ter­suchung (G 37), denn auch bei Per­so­n­en, die für die Bild­schir­mar­beit prinzip­iell geeignet sind, treten an vor­bildlich gestal­teten Arbeit­splätzen gele­gentlich Beschw­er­den auf. Diese reichen von vorzeit­i­gen Ermü­dungser­schei­n­un­gen der Augen bis hin zu Nack­en- und Rück­en­schmerzen. Eine häu­fige Ursache kön­nen ungeeignete, nicht an die Arbeit­sauf­gabe angepasste Brillen (z.B. Gleit­sicht­brillen) sein. Bei der­ar­ti­gen Prob­le­men ist die Fachkunde des Betrieb­sarztes vor Ort gefragt. Die Beurteilung der Gesamt­si­t­u­a­tion, also Räum­lichkeit und Beschäftigter, beispiel­sweise im Rah­men der Bege­hung durch den Betrieb­sarzt, kann hier helfen, unnötige Fehlbe­las­tun­gen des men­schlichen Organ­is­mus zu ver­mei­den. Auch kann der Betrieb­sarzt hier die Beschäftigten direkt vor Ort in der richti­gen Nutzung des Büroar­beit­splatzes wie z.B. der richti­gen Ein­stel­lung ihres Büros­tuhls unter­weisen. Hier kann ein Arzt sehr viel leichter Überzeu­gungsar­beit leis­ten als der Fachvorge­set­zte oder die Fachkraft für Arbeitssicher­heit.
Wenn an opti­mal gestal­teten Com­put­er­ar­beit­splätzen dann geeignete Mitar­beit­er unter den für sie richti­gen Bedin­gun­gen arbeit­en und auch noch die Soft­ware „men­schen­gerecht“ ist, kann ein­treten was Mar­vin Min­sky, Medi­al­ab-Pro­fes­sor, Orakel und Über­vater der kün­stlichen Intel­li­genz, sich für die Zukun­ft wün­schte: „Die Men­schen wer­den die Com­put­er erst dann mehr schätzen, wenn die Com­put­er die Men­schen bess­er ver­ste­hen.“
Beispiel 8: men­schen­gerechte Bild­schir­mar­beit in einem Call-Cen­ter
Ein großer Telekom­mu­nika­tion­san­bi­eter eröffnet in ein­er Stadt, die ehe­mals stark indus­triell geprägt war, ein großes Call-Cen­ter mit über 1000 Mitar­beit­ern, die über­wiegend aus den Arbeit­slosen der Umge­bung rekru­tiert wer­den. Bei der ersten Sitzung des Arbeitss­chutzauss­chuss­es, drei Monate nach Eröff­nung des Cen­ters bekla­gen Vertreter des Betrieb­srates die schlechte Akustik in den Großraum­büros (Auf­schaukeln der Laut­stärke) wohinge­gen die ver­ant­wortliche Betrieb­sleitung den hohen Kranken­stand unter den Mitar­beit­ern zur Sprache bringt.
Die Fachkraft für Arbeitssicher­heit und der Betrieb­sarzt, bei­de Beschäftigte eines exter­nen Dien­stleis­ters, wer­den mit der Ursachen­forschung beauf­tragt und sollen der Geschäfts­führung Vorschläge für Verbesserun­gen unter­bre­it­en. Gemein­sam mit einem Vertreter des Betrieb­srates und einem vom Arbeit­ge­ber benan­nten Innenar­chitek­ten (der bere­its die Ein­rich­tung der Arbeit­splätze zu ver­ant­worten hat­te) bege­hen die Experten daraufhin die einzel­nen Großraum­büros und fer­ti­gen jew­eils auch Laut­stärken-Messpro­tokolle über jew­eils eine Schicht an.
Neben der für Büroar­beit zu hohen Laut­stärke fällt bei­den auf, dass viele der Arbeit­splätze nicht nach den Gestal­tungskri­te­rien der Bild­schir­mar­beit­splatzverord­nung errichtet wur­den. Der beteiligte Innenar­chitekt muss zugeben, dass ihm hier gewaltige Fehler unter­laufen sind, eine regelkon­forme Umgestal­tung ist ohne größere Umbau­maß­nah­men nicht möglich.
Die informierte Geschäft­sleitung beschließt, das für die Pla­nung ver­ant­wortliche Architek­tur­büro haft­bar zu machen. Dieses gestal­tet daraufhin Stock­w­erk für Stock­w­erk die Arbeit­splätze in enger Rück­sprache mit der Fachkraft für Arbeitssicher­heit und dem Betrieb­sarzt um. Dabei wer­den nun auch die vorher aus Kosten­grün­den nicht einge­baut­en schallschluck­enden Deck­en instal­liert. Nach Abschluss der Bau­maß­nah­men erken­nt das Unternehmen nicht nur, dass die ergonomis­che Gestal­tung der Bild­schir­mar­beit dem Gesund­heitss­chutz dient (belegt durch einen deut­lichen Rück­gang des Kranken­standes, aber auch der Fluk­tu­a­tion), son­dern auch die Pro­duk­tiv­ität der Bild­schir­mar­beit erhöht! So sank seit dem Umbau auch die Anzahl an Beschw­er­den der Kun­den.
Für den Auf­bau eines weit­eren Call-Cen­ters will der Telekom­mu­nika­tion­san­bi­eter nun diese Erken­nt­nisse nutzen und weit­ere Verbesserun­gen im Sinne men­schen­gerechter Arbeit umset­zen, da er erkan­nt hat, dass die Leis­tungs­fähigkeit eines Call-Cen­ters auch von der Moti­va­tion und dem Engage­ment der Mitar­beit­er abhängig ist.
Per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung
Gefährdun­gen des Men­schen bei der Arbeit wer­den sich nie ganz ver­mei­den lassen. Im Sinne ein­er men­schen­gerecht­en Gestal­tung der Arbeit­splätze und des Set­ting-Ansatzes sind allerd­ings zunächst alle Gestal­tungs­maß­nah­men auszuschöpfen, bevor zu indi­vidu­ell wirk­samen Arbeitss­chutzmit­teln gegrif­f­en wird. Dieser abgestuften Vorge­hensweise ist auch das Arbeitss­chutzge­setz gefol­gt:
Wann immer möglich, sollen Gefahren­quellen erset­zt oder aus­geschal­tet wer­den (primär­er Arbeitss­chutz) oder durch geeignete Arbeit­sor­gan­i­sa­tion gefährliche Sit­u­a­tio­nen ver­hin­dert wer­den (sekundär­er Arbeitss­chutz). Der direk­te Schutz der Beschäftigten durch per­sön­lich wirk­ende Schutzaus­rüs­tun­gen (ter­tiär­er Arbeitss­chutz) ist demge­genüber eigentlich nachrangig. Allerd­ings gibt es große Arbeits­bere­iche, in denen das Tra­gen per­sön­lich­er Schutzaus­rüs­tung die einzige mögliche Schutz­maß­nahme darstellt, oder der addi­tive Schutz durch PSA unumgänglich ist.
Genau wie Fachkräfte für Arbeitssicher­heit sollen auch Betrieb­särzte auf die Benutzung von Kör­per­schutzmit­teln acht­en und den Arbeit­ge­ber bei deren Auswahl und Erprobung berat­en (§ 3, § 6 ASiG). Allerd­ings wer­den durch Betrieb­särzte oft andere Aspek­te der per­sön­lichen Schutzaus­rüs­tung betra­chtet als bei der Beratung durch die Fachkraft für Arbeitssicher­heit: Nicht immer ist näm­lich der Ein­satz der per­sön­lichen Schutzaus­rüs­tung für den Träger völ­lig risiko­los. So kön­nen das stun­den­lange Tra­gen von flüs­sigkeits­dicht­en Hand­schuhen zu mas­siv­en Hautbeschw­er­den (Feuchtar­beit­splatz) oder das Tra­gen von Atem­schutzgeräten für die Träger zu kör­per­lichen Schä­den führen. In vie­len Fällen sind daher beim Ein­satz per­sön­lich­er Schutzaus­rüs­tung spezielle arbeitsmedi­zinis­che Vor­sorge­un­ter­suchun­gen durchzuführen, um die indi­vidu­ellen Risiken der Arbeit­nehmer abzuk­lären und diese betrieb­särztlich zu berat­en. Beispiel­haft seien hier die Atem­schutzgeräteträgerun­ter­suchung nach dem beruf­sgenossen­schaftlichen Grund­satz G 26, so wie die Unter­suchung G 24 Feuchtar­beit­splätze genan­nt.
Beispiel 9: Tea­mar­beit bei der Auswahl des geeigneten Gehörschutzes
In ein­er großen Glashütte im Rhein­land waren früher die meis­ten Arbeit­splätze in der Flaschen­pro­duk­tion dem Lärm­bere­ich zuzuord­nen. Durch eine tech­nis­che Änderung der Fließban­dan­lage in den 90er Jahren wur­den die Flaschen stark gegeneinan­der gedrückt und dadurch ein Aneinan­der­schla­gen ver­hin­dert. Der Lärm­pegel kon­nte dadurch auf unter 75 dB gesenkt wer­den. Seit­dem mussten die Beschäftigten keinen Gehörschutz mehr tra­gen.
Als im Jahr 2007 ein­er der Haup­tkun­den für ein neues Bier­mixgetränk eine spezielle sehr bauchige Flasche fer­ti­gen ließ, kam es jedoch dazu, dass die Flaschen durch den hohen Anpress­druck aus den Führungss­chienen des Ban­des sprangen. Um dies zu ver­hin­dern, wurde der Anpress­druck der Flaschen gegeneinan­der für die Pro­duk­tion dieser Charge stark reduziert, mit der Folge, dass in der Pro­duk­tion der Lärm­pegel wieder stark anstieg.
Die sofort zu Rate gezo­gene Fachkraft für Arbeitssicher­heit muss fest­stellen, dass für diesen speziellen Fall der Zeitbe­darf und auch die voraus­sichtlichen Kosten für die Anpas­sung der tech­nis­chen Lär­m­min­derungs­maß­nah­men unver­hält­nis­mäßig hoch ist – immer­hin sollen die neuen Flaschen wegen der nicht gerin­gen Umbaukosten für die Glas­blas­mas­chine auch in Zukun­ft nur max­i­mal ein­mal im Jahr und dann auch nur für wenige Tage gefer­tigt wer­den. Die von der Fachkraft für Arbeitssicher­heit durchge­führte Lär­mmes­sung ergibt jedoch einen Dauer­schall­druck von über 90 dB. Zur Sofort­pro­phy­laxe lässt die Fachkraft daher zunächst Gehörschutzstöpsel an die Beschäftigten verteilen. Der nun von der Fachkraft informierte Betrieb­sarzt möchte zur genauen Bew­er­tung der Lärm­si­t­u­a­tion eine detail­lierte Auf­schlüs­selung (Energie-äquiv­a­len­ter Dauer­schallpegel (Leq), Impul­slärm, Fre­quenz der beson­ders laut­en Anteile) des Lärms. Die Fachkraft wertet daraufhin das Messpro­tokoll des Lär­mmess­gerätes mit­tels ein­er speziellen Soft­ware aus und stellt dem Betrieb­sarzt die entsprechen­den Dat­en (per E‑Mail) zur Ver­fü­gung.
Bere­its am näch­sten Tag tre­f­fen sich bei­de Experten im Büro des Betrieb­sarztes und beratschla­gen über den geeigneten Gehörschutz für die betrof­fe­nen 37 Mitar­beit­er. Der Betrieb­sarzt kommt zum Schluss, dass der nun am Fließband auftre­tende Lärm auf Grund der Impul­shaftigkeit im hochfre­quenten Bere­ich als beson­ders schädi­gend zu bew­erten ist. Die Fachkraft für Arbeitssicher­heit ver­weist daraufhin auf die DIN EN 458 zur Auswahl des geeigneten Gehörschutzes. Nach dem Studi­um mehrerer Pro­duk­t­daten­blät­ter kom­men bei­de zum Schluss, dass nur ein spezieller Kapsel­ge­hörschützer einen opti­malen Schutz ver­spricht.
Dieser wird daraufhin beschafft und an die Beschäftigten aus­gegeben. Die Fließban­dar­beit­er wer­den dabei vom Betrieb­sarzt auch darüber informiert, dass das Tra­gen des Gehörschützers nur dann erforder­lich ist, wenn die speziellen Flaschen gefer­tigt wer­den, dann allerd­ings sei ihr Ein­satz unbe­d­ingt notwendig, da anson­sten ern­sthafte Gehörschädi­gun­gen dro­hen.
Organ­i­sa­tion der Ersten Hil­fe
Auch wenn salu­to­gene Konzepte und ein präven­tiv­er Arbeitss­chutz Unfälle von vorn­here­in ver­hin­dern sollen, kön­nen diese nie gän­zlich aus­geschlossen wer­den. Für diese Fälle ist es unbe­d­ingt erforder­lich, die Erste Hil­fe im Betrieb gut organ­isiert zu haben. Nach den Vor­gaben des ASiG ist die Beratung des Arbeit­ge­bers zur Organ­i­sa­tion der Ersten Hil­fe eine Ker­nauf­gabe des Betrieb­sarztes.
Lei­der erschöpft sich die Organ­i­sa­tion der Ersten Hil­fe bei den meis­ten Unternehmen darin, Ers­thelfer zu benen­nen und an gut zugänglichen Stellen Erste Hil­fe Mate­ri­alien vorzuhal­ten.
Der­ar­tige ein­fache Auf­gaben müssen aber nicht zwangsläu­fig von einem Betrieb­sarzt wahrgenom­men wer­den.
Die Organ­i­sa­tion der Ersten Hil­fe in einem Betrieb sollte aber deut­lich mehr umfassen: Ins­beson­dere die regelmäßige Schu­lung der bere­its durch die Hil­f­sor­gan­i­sa­tio­nen aus­ge­bilde­ten Ers­thelfer ist eine wichtige Auf­gabe des Betrieb­sarztes. Dieser wird hier über das in „Stan­dard-Erste-Hil­fe-Kursen“ ver­mit­telte Wis­sen hin­aus wichtige Hin­weise zu Gefährdun­gen, die aus den konkreten betrieblichen Beson­der­heit­en resul­tieren, ver­mit­teln kön­nen. So kann er beispiel­sweise in Betrieben, die Flusssäure ver­ar­beit­en, auf den richti­gen Umgang mit den im Betrieb vorhan­de­nen Spül­lö­sun­gen einge­hen.
Die häu­fig­sten Not­fälle in Betrieben sind aber akute kar­diale Not­fälle, die primär nichts mit den Arbeits­be­din­gun­gen zu tun haben. Daher wer­den heute – nicht nur in größeren Betrieben – häu­fig automa­tis­che Defib­ril­la­toren (AED) vorge­hal­te­nen, die das gefürchtete Kam­mer­flim­mern durch­brechen kön­nen. Die Schu­lung der Beschäftigten im Umgang mit diesen Geräten ist wiederum eine Auf­gabe, die auf betrieblich­er Ebene neben dem Geräte­hersteller und den Hil­f­sor­gan­i­sa­tio­nen auch der Betrieb­sarzt wahrnehmen kann.
Außer­dem obliegt dem Betrieb­sarzt die Mitwirkung bei der Ein­satz­pla­nung der Ers­thelfer im Falle größer­er Schadensereignisse. Er ist als zuständi­ger Berater des Arbeit­ge­bers daher in allen Fra­gen des betrieblichen Not­fall­man­age­ments der geeignete Ansprech­part­ner. Zusam­men mit den Möglichkeit­en der Fachkraft für Arbeitssicher­heit, Unfälle und deren mögliche Fol­gen prospek­tiv durchzus­pie­len (beispiel­sweise mit den Instru­menten der Ereignis­abla­u­f­analyse), bietet sich bei­den Fach­leuten hier Gele­gen­heit, rechtzeit­ig Ein­satz­pla­nun­gen durchzuführen und beste­hende Konzepte eventuell an neue Gefahren­mo­mente anzu­passen. Die Fachkraft für Arbeitssicher­heit wird hierzu in erster Lin­ie die Infor­ma­tio­nen zum Aus­maß des Schadens liefern, während der Betrieb­sarzt die Bewäl­ti­gungsmöglichkeit­en durch die betrieb­sin­ter­nen und auch die exter­nen Ein­satzkräfte beis­teuert.
Gemein­sam mit dem Arbeit­ge­ber oder der ver­ant­wortlichen Per­son sowie weit­eren Experten (z.B. der örtlichen Feuer­wehr und dem Ret­tungs­di­enst bzw. Experten von Sachver­sicher­ern) soll­ten auch in Klein- und Mit­tel­be­trieben regelmäßig Fra­gen der Evakuierung bzw. der Bewäl­ti­gung größer­er Schadensereignisse durchge­spielt wer­den, um im Falle eines Fall­es das Schaden­saus­maß begren­zen zu kön­nen.
Arbeitsmedi­zinis­che Vor­sorge / Aus­land­saufen­thalte
Eine der Haup­tauf­gaben für Betrieb­särzte ist es, Beschäftigte nach Vor­gabe ver­schieden­er Rechtsvorschriften arbeitsmedi­zinisch zu unter­suchen. Wichtig für die Pla­nung der Ein­satzzeit­en ist jedoch, dass die Zeit­en für Vor­sorge­un­ter­suchun­gen meist nicht für die geset­zlich geforderten Betreu­ungszeit­en nach BGV A2 angerech­net wer­den dür­fen, d.h. es han­delt sich bei den Unter­suchun­gen um zusät­zliche Leis­tun­gen des Betrieb­sarztes!
Neben vorgeschriebe­nen (Pflicht-)Untersuchungen gehören auch soge­nan­nte Ange­bot­sun­ter­suchun­gen, also Unter­suchun­gen, die dem Beschäftigten lediglich ange­boten wer­den müssen, deren Teil­nahme jedoch frei­willig ist, zum Auf­gaben­spek­trum des Betrieb­sarztes. Vor­sorge­un­ter­suchun­gen set­zen in der Regel neben speziellen Qual­i­fika­tio­nen des Betrieb­sarztes für die jew­eilige Unter­suchung (Fachkunde Arbeitsmedi­zin bzw. Ermäch­ti­gung) die Bege­hung oder die Ken­nt­nis des Arbeit­splatzes durch den Arzt voraus.
Das Ziel aller arbeitsmedi­zinis­chen Vor­sorge­un­ter­suchun­gen ist es, Mitar­beit­er mit erhöhter Gefährdung durch die beru­fliche Tätigkeit zu iden­ti­fizieren und arbeit­splatzbe­d­ingte Erkrankun­gen frühzeit­ig zu erken­nen. Gesprächsin­halte und Unter­suchungs­be­funde unter­liegen der ärztlichen Schweigepflicht. Selb­stver­ständlich wer­den dem Arbeit­ge­ber daher keine Befunde mit­geteilt. Die Bescheini­gung für den Arbeit­ge­ber enthält nur die Fest­stel­lung, ob keine gesund­heitlichen Bedenken, keine gesund­heitlichen Bedenken unter bes­timmten Voraus­set­zun­gen, befris­tete gesund­heitliche Bedenken oder dauernde gesund­heitliche Bedenken bei der vorge­se­henen Tätigkeit beste­hen. Der Arbeit­ge­ber muss sein­er Für­sorgepflicht nachkom­men und darf den Beschäftigten bei Vor­liegen von Bedenken nicht mit der Tätigkeit betrauen.
Als Leitlin­ie für Auswahl, Unter­suchung­sum­fang und Bew­er­tung von Vor­sorge­un­ter­suchun­gen hat der (dama­lige) Hauptver­band der gewerblichen Beruf­sgenossen­schaft für typ­is­che Gefährdun­gen und häu­fig ver­wen­dete Gefahrstoffe bis­lang ins­ge­samt 46 Grund­sätze erar­beit­et (G 01 bis G 46). Die Auswahlkri­te­rien für die spezielle arbeitsmedi­zinis­che Vor­sorge find­en sich in der BGI 504(-X) unter der Num­mer des jew­eili­gen Unter­suchungs­grund­satzes. Abwe­ichend von diesen Grund­sätzen kön­nen arbeitsmedi­zinis­che Vor­sorge­un­ter­suchun­gen durch Betrieb­särzte aber auch den spez­i­fis­chen betrieblichen Belas­tun­gen angepasst wer­den.
Beratung notwendig
Deutsche Unternehmen sind weltweit auf allen Märk­ten vertreten, die Bun­desre­pub­lik ist seit vie­len Jahren „Exportwelt­meis­ter“. Nicht nur deutsche Pro­duk­te wer­den in die ganze Welt exportiert, auch Dien­stleis­tun­gen wer­den von deutschen Unternehmen im Aus­land ange­boten und aus­ge­führt. Teil­weise wer­den auch ganze Pro­duk­tion­san­la­gen von deutschen Mon­teuren im Aus­land aufge­baut. Als Folge der Glob­al­isierung haben aber auch für betriebliche Entschei­dungsträger die beru­flich bed­ingten Reisen stark zugenom­men.
Andere Län­der bergen aber auch andere Gefährdun­gen, unter anderem durch über­trag­bare Infek­tion­ser­reger. Eine geän­derte Gefährdungslage durch Krankheit­ser­reger beste­ht im Übri­gen nicht nur in tro­pis­chen Län­dern oder in Entwick­lungslän­dern, auch Erst­weltlän­der bergen Gefährdun­gen, die nicht jedem auf Anhieb bekan­nt sind. So ist beispiel­sweise in Japan ein Erreger endemisch, der eine gefürchtete Hir­nentzün­dung her­vor­rufen kann, in Südi­tal­ien das Sand­fliegen­fieber-Virus oder in den USA das West-Nil-Virus.
Gegen viele dieser Krankheit­en beste­ht die Möglichkeit, die Beschäftigten durch eine Imp­fung oder eine Chemo­pro­phy­laxe wirkungsvoll zu schützen. Bei rechtzeit­iger Pla­nung von beru­flich bed­ingten Aus­land­saufen­thal­ten sollte daher stets eine reisemedi­zinis­che Beratung durch den Betrieb­sarzt Bestandteil der Vor­bere­itun­gen sein. Gegebe­nen­falls kann dann auch gegen die zu erwartenden Erreger geimpft wer­den. Bis jedoch die Imp­fung ihre volle Schutzwirkung ent­fal­tet, sind teil­weise mehrere Imp­fun­gen in Folge notwendig bzw. es verge­ht auch nach der let­zten Imp­fung Zeit, bis der Kör­p­er des Impflings gegen die Erreger geschützt ist. Eine rechtzeit­ige Ein­bindung des Betrieb­sarztes in die Reise­pla­nun­gen im Unternehmen ist daher unbe­d­ingt erforder­lich.
Aber auch bei sehr kurzfristig ange­set­zten Reisen ist eine reisemedi­zinis­che Beratung durch den Betrieb­sarzt noch sin­nvoll. Ver­hal­tensregeln für die Reisenden und Hin­weise darauf, wie sich Krankheitssymp­tome gegebe­nen­falls erken­nen lassen, sind genau­so Bestandteil der reisemedi­zinis­chen Beratung durch den Betrieb­sarzt wie eine vor­beu­gende Ver­sorgung mit Not­fallmedika­menten.
Auch nach der Rück­kehr kann eine betrieb­särztliche Nach­sorge sin­nvoll sein. Der Betrieb­sarzt, der von der Fer­n­reise weiß und die in diesen Gebi­eten endemis­chen Krankheit­en ken­nt, kann evtl. auftre­tende Symp­tome bess­er zuord­nen, als Medi­zin­er, die nichts von der Reise wis­sen. Daher soll­ten alle bei der Pla­nung von Aus­land­sreisen beteiligten Per­so­n­en stets daran denken, den Betrieb­sarzt bere­its in die Rei­sevor­bere­itun­gen einzu­binden.
Im Rah­men der gemein­sam mit der Fachkraft für Arbeitssicher­heit durchge­führten Gefährdungs­beurteilung soll­ten auch für sämtliche Aus­land­sein­sätze geeignete Schutz­maß­nah­men fest­gelegt wer­den. Die reisemedi­zinis­che Unter­suchung und Beratung der Beschäftigten durch den zuständi­gen Betrieb­sarzt (oder ggf. durch einen anderen reisemedi­zinisch qual­i­fizierten Arzt) gehört in diesem Zusam­men­hang zu den unverzicht­baren Vor­sorge­maß­nah­men.
Hin­weise zu den speziellen Gefährdun­gen in den einzel­nen Reisege­bi­eten bietet das Auswär­tige Amt auf sein­er Home­page an beziehungsweise das vom Betrieb­särztlichen Dienst der Beruf­sgenossen­schaften betriebene Reisemedi­z­in­por­tal. (www.die-reisemedizin.de bzw.
Teil 4 des Beitrags in der kom­menden Aus­gabe zeigt weit­ere Beispiele für die Zusam­me­nar­beit von Betrieb­särzten und Fachkräften für Arbeitssicher­heit auf.
Autoren
Prof. Dr.-Ing. Andreas Wittmann Fach­bere­ich Sicher­heit­stech­nik Uni­ver­sität Wup­per­tal
Dipl.-Ing. Thomas Bossel­mann
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