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EMKG: Wirksamkeit lufttechnischer Maßnahmen

Master Thesis im Fachgebiet Sicherheitstechnik/Arbeitssicherheit in Kooperation mit der BAuA
EMKG: Wirksamkeit lufttechnischer Maßnahmen

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Das EMKG ermöglicht es auch Nicht­fach­leuten, eine sys­tem­a­tis­che Beurteilung der inhala­tiv­en und der­malen Gefährdung vorzunehmen. Doch inwieweit sind die vorgeschla­ge­nen Maß­nah­men wirk­sam? Dies wird am Beispiel des Befül­lens und Entleerens von Gebinden mit Flüs­sigkeit­en in der vorgestell­ten Mas­ter The­sis untersucht.

Heutzu­tage gibt es in der Arbeitswelt eine Vielzahl von chemis­chen Stof­fen, die für die unter­schiedlich­sten Anwen­dun­gen von Bedeu­tung sind. Weltweit wer­den pro Jahr über 400 Mil­lio­nen Ton­nen Chemikalien hergestellt. Die Europäis­che Union ist zurzeit noch vor Asien und den USA der größte Chemikalien­pro­duzent der Welt. 1
Gemäß Arbeitss­chutzge­setz ist der Arbeit­ge­ber verpflichtet die Gefährdun­gen am Arbeit­splatz zu beurteilen und geeignete Schutz­maß­nah­men zu ergreifen. Die Gefahrstof­fverord­nung (Gef­Stof­fV) sowie die jew­eili­gen Tech­nis­chen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) konkretisieren diese Forderung für Tätigkeit­en mit Gefahrstoffen.
Eine Hil­festel­lung für die Gefährdungs­beurteilung bei Tätigkeit­en mit Gefahrstof­fen, die sich vor­rangig an kleine und mit­tel­ständi­ge Unternehmen richtet, ist das Ein­fache Maß­nah­men Konzept Gefahrstoffe (EMKG). Es erfüllt die Qual­ität­skri­te­rien für ein stan­dar­d­isiertes Arbeitsver­fahren gemäß TRGS 400. Das Konzept ermöglicht – auch Nich­t­ex­perten – eine sys­tem­a­tis­che Beurteilung der inhala­tiv­en und der­malen Gefährdung in acht Schrit­ten. Dabei beschreiben inte­gri­erte Schut­zleit­fä­den eine gute Arbeit­sprax­is, d. h. wer­den Tätigkeit­en entsprechend den Schut­zleit­fä­den durchge­führt, so gewährleis­tet das EMKG dem Anwen­der, dass Gefährdun­gen für die Beschäftigten ver­mieden oder zumin­d­est auf ein akzept­a­bles Niveau reduziert wer­den. Die in den Schut­zleit­fä­den vorgegebe­nen Maß­nah­men sollen zu hin­ter­legten Expo­si­tions­bän­dern führen, in denen die Belas­tung der Beschäftigten liegt.
Inwieweit die tat­säch­liche Belas­tung der Beschäftigten inner­halb der vorherge­sagten Expo­si­tions­bän­der vari­iert oder ein anderes Aus­maß annimmt, ist nicht zulet­zt abhängig von der Wirk­samkeit der vorgeschla­ge­nen Schutzmaßnahmen.
Der Geset­zge­ber fordert eine Wirk­samkeit­skon­trolle der Schutz­maß­nah­men, doch im Hin­blick auf luft­tech­nis­che Maß­nah­men (z. B. Absaugein­rich­tun­gen) sind dies­bezüglich kaum konkrete Angaben bekan­nt. Eine Vielzahl an Ein­flussgrößen auf den Stof­fer­fas­sungs­grad bed­ingt, dass dieser unter Prax­is­be­din­gun­gen stark variiert.
Ziele
Die Mas­ter The­sis liefert einen Beitrag zu dem laufend­en Pro­jekt „Vali­dierung von Schut­zleit­fä­den für das Befüllen und Entleeren von Gebinden mit Flüs­sigkeit­en“ der Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin. Das Befüllen und Entleeren von Gebinden mit Flüs­sigkeit­en ist eine typ­is­che Tätigkeit mit Gefahrstof­fen. Daher soll im Zuge dieses Pro­jek­ts zunächst exem­plar­isch für diese Tätigkeit­en respek­tive für die betr­e­f­fend­en Schut­zleit­fä­den durch Arbeit­splatzmes­sun­gen über­prüft wer­den, ob bei Aus­führung der Arbeits­be­din­gun­gen entsprechend den Schut­zleit­fä­den die tat­säch­liche Belas­tung der Beschäfti­gen inner­halb der vorherge­sagten Expo­si­tions­bän­der liegt. Da dies wesentlich von der Wirk­samkeit der einge­set­zten Schutz­maß­nah­men abhängig ist, wird im Rah­men der Mas­ter The­sis unter­sucht, welche Effek­tiv­ität die ver­schiede­nen luft­tech­nis­chen Maß­nah­men aufweisen. Ziel der Mas­ter The­sis ist es u.a., einen Beitrag zur Förderung der Akzep­tanz des EMKG in der betrieblichen Prax­is durch vali­dierte Schut­zleit­fä­den zu leisten.
Method­is­ches Vorgehen
Es wird eine Lit­er­atur- und Mark­trecherche hin­sichtlich luft­tech­nis­ch­er Aus­rüs­tun­gen und Maß­nah­men durchge­führt. Daran anschließend, wer­den ver­schiedene Erfas­sungsarten und ‑ein­rich­tun­gen vorgestellt und ihre Funk­tion­sweise erläutert. Dabei erfol­gt eine Beschränkung auf solche luft­tech­nis­che Maß­nah­men, wie sie bei Tätigkeit­en des Befül­lens und Entleerens von Gebinden mit Flüs­sigkeit­en einge­set­zt wer­den. Des Weit­eren wer­den die Ein­flussgrößen auf den Stof­fer­fas­sungs­grad dargelegt und hin­sichtlich ihrer Rel­e­vanz bew­ertet. Zudem wird ver­sucht, Lit­er­atur­dat­en hin­sichtlich der Wirk­samkeit von luft­tech­nis­chen Maß­nah­men zu recher­chieren. Mit diesen Ergeb­nis­sen soll nachvol­lziehbar doku­men­tiert wer­den, inwiefern die betra­chteten luft­tech­nis­chen Maß­nah­men der­art effek­tiv sind, dass die Valid­ität der betr­e­f­fend­en Schut­zleit­fä­den unter­mauert wer­den kann. Zusät­zlich kön­nen, basierend auf den gewonnenen Erken­nt­nis­sen, Verbesserungsvorschläge für die Schut­zleit­fä­den abgeleit­et werden.
Zudem wer­den im Zuge des weit­eren Ver­laufs der Mas­ter The­sis per­so­n­en­be­zo­gene Mes­sun­gen bei Tätigkeit­en des Befül­lens und Entleerens von Gebinden mit organ­is­chen Lösemit­teln durchge­führt. Anhand dieser Mes­sun­gen soll unter­sucht wer­den, inwieweit die tat­säch­liche inhala­tive Expo­si­tion der Beschäftigten bei Durch­führung der Tätigkeit­en entsprechend den Schut­zleit­fä­den inner­halb der vorherge­sagten Expo­si­tions­bän­der liegt.
Vor­läu­figes Fazit
Der Stof­fer­fas­sungs­grad ist abhängig von ein­er Vielzahl Ein­flussgrößen, wie bspw. Quer­strö­mungen und Abstand der Erfas­sung­sein­rich­tung von der Emis­sion­squelle. Dies führt dazu, dass dieser nicht pauschal für eine Art von Erfas­sung­sein­rich­tung angegeben wer­den kann. Vielmehr ist der Stof­fer­fas­sungs­grad für das Zusam­men­wirken von Erfas­sung­sein­rich­tung, Ein­satzbe­din­gun­gen und Ein­flussgrößen festzule­gen. Zudem kön­nen ver­schiedene Erfas­sung­sein­rich­tun­gen in Laborver­suchen bei gle­ichen Para­me­tern hin­sichtlich ihres Stof­fer­fas­sungs­grads beurteilt wer­den. Anhand der Ergeb­nisse von Laborver­suchen lassen sich wichtige Erken­nt­nisse zur Opti­mierung von Ein­rich­tun­gen zur Stof­fer­fas­sung gewinnen.
In Bezug auf die Wirk­samkeit der in Betrieben instal­lierten luft­tech­nis­chen Maß­nah­men gibt es wenige Dat­en und diese unter­liegen ein­er hohen Schwankungs­bre­ite. Die geplanten Arbeit­splatzmes­sun­gen ermöglichen eine Aus­sage, inwieweit die tat­säch­liche inhala­tive Expo­si­tion der Beschäftigten inner­halb der vorherge­sagten Expo­si­tions­bän­der liegt.
Fach­lich betreut wird die Mas­ter The­sis seit­ens des Fachge­bi­ets Sicher­heit­stech­nik / Arbeitssicher­heit der Ber­gis­chen Uni­ver­sität Wup­per­tal durch Prof. Dr. Anke Kahl und seit­ens der Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin durch Dr. Urs Schlüter und Dr. Ralph Hebisch.
Johannes Cre­mer
1 Bfr-Ver­braucher­in­fo
www.bfr.bund.de, Ver­braucher­in­fo: „REACH: Die neue Chemikalien­poli­tik in Europa“, 2007
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