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Prüfmethode für Schnittschutzhandschuhe in der Kritik

EN 388 – zeit­ge­mäß und geeig­net?

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Die Prüfung der Schnit­tre­sis­tenz von Hand­schu­hen nach der in der EN 388 beschrie­be­nen Methode ist mit der Verwen­dung von Hybrid­gar­nen, die anor­ga­ni­sche Beimi­schun­gen oder Bestand­teile enthal­ten, an ihre Gren­zen gesto­ßen. Mit diesen Bauar­ten werden entspre­chend der Prüf­me­thode nach EN 388 zu hohe Schnitt­schutz­le­vel ermit­telt – und das bei einer unak­zep­ta­blen Repro­du­zier­bar­keit!

Frank Zuther

Die Hand­schuhe schüt­zen damit nicht in dem Maße, wie Anwen­der es entspre­chend dem zuge­wie­se­nen Schutz­le­vel erwar­ten soll­ten, und es könnte in der Anwen­dung zu unan­ge­neh­men Folgen, z.B. Schnitt­ver­let­zun­gen kommen.
Tatsa­che ist, dass derzeit keine offi­zi­ell prak­ti­zierte Prüf­me­thode exis­tiert, nach der die Schnit­tre­sis­tenz dieser Bauar­ten geeig­net, gut repro­du­zier­bar und vergleich­bar bestimmt werden kann. Insge­samt wird die Prüf­me­thode offen­sicht­lich nicht norm­ge­recht durch­ge­führt. Herstel­ler soll­ten die Schnitt­schutz­leis­tung eines Schutz­hand­schu­hes aus Hybrid­gar­nen daher mit einer geeig­ne­ten Unter­su­chung bele­gen.
Gemäß Statis­ti­ken der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung (DGUV) handelt es sich bei fast jedem zwei­ten Arbeits­un­fall um eine Verlet­zung der Hand und des Hand­ge­lenks. Nach Unter­su­chun­gen kann davon ausge­gan­gen werden, dass jede dritte Hand- und Hand­ge­lenks­ver­let­zung durch Schnitte entstan­den ist, d.h. jeder siebte Arbeits­un­fall ist auf eine Schnitt­ver­let­zung der Hände und des Hand­ge­lenks zurück­zu­füh­ren.
Exper­ten sind sich einig
Häufig­keit und Schwere der Schnitt­ver­let­zun­gen könn­ten deut­lich redu­ziert werden, wenn nach der Gefähr­dungs­er­mitt­lung geeig­nete Schutz­hand­schuhe entspre­chend der poten­zi­el­len Gefähr­dung (in Art, Umfang und Ausmaß), gegen die diese schüt­zen sollen, getra­gen werden.
Schnitt­schutz­hand­schuhe gibt es für nahezu jede auszu­füh­rende Tätig­keit und deren spezi­fi­sche mecha­ni­sche Gefähr­dun­gen in geeig­ne­ten Ausfüh­run­gen mit unter­schied­li­chen Eigen­schaf­ten in Komfort, Schutz­ni­veau und Resis­tenz. Die Auswahl des geeig­ne­ten Schutz­hand­schuhs setzt viel Know-how hinsicht­lich der Möglich­kei­ten, die die Produkte heute bieten, voraus.
Die Herstel­ler­in­for­ma­tion stellt ein wich­ti­ges Infor­ma­ti­ons­me­dium zur Beur­tei­lung von Produk­t­ei­gen­schaf­ten dar. Wesent­li­che Inhalte der Herstel­ler­in­for­ma­tion sind in der Herstel­lerricht­li­nie 89/686/EWG (natio­nal umge­setzt in der 8. GPSGV) veran­kert und werden in der Euro­päi­schen Norm DIN EN 420 konkre­ti­siert. Danach sollte die Herstel­ler­in­for­ma­tion nähere Infor­ma­tio­nen zur Schutz­leis­tung und Anwen­dung eines Hand­schuhs liefern. Leider sind jedoch die Anga­ben darin oftmals nicht ausrei­chend, um ein geeig­ne­tes Produkt sicher auszu­wäh­len.
Um eine quali­fi­zierte Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung als Grund­lage zur Auswahl der zum Einsatz kommen­den geeig­ne­ten Schutz­hand­schuhe durch­füh­ren zu können, scheint eine fach­kun­dige Bera­tung durch erfah­rene Exper­ten unver­zicht­bar.
Bedeu­tung von Normen bei der Auswahl von Schutz­hand­schu­hen
PSA-Hersteller sind verpflich­tet, die Konfor­mi­tät mit den Forde­run­gen der Euro­päi­schen Richt­li­nien zu erklä­ren. Die Produkt­leis­tun­gen sind (theo­re­tisch) so darzu­stel­len, dass die PSA entspre­chend der Tätig­keit und Gefähr­dung geeig­net ausge­wählt und opti­mal einge­setzt werden kann.
In der Beschrei­bung der Schutz­leis­tun­gen finden Herstel­ler Unter­stüt­zung in den Normen. Sie beschrei­ben Prüf­me­tho­den zur Bestä­ti­gung der in den euro­päi­schen Richt­li­nien beschrie­be­nen Mindest­an­for­de­run­gen für PSA. Es handelt sich dabei um eindeu­tige, aner­kannte Fest­le­gun­gen insbe­son­dere für die Gestal­tung, die Herstel­lung, die Spezi­fi­ka­tio­nen und die Metho­den für die Erpro­bung der PSA nach dem Stand der Tech­nik.
Normen bilden einen Maßstab für einwand­freies tech­ni­sches Verhal­ten, haben aber aus sich heraus keinen Rechts­cha­rak­ter. Man kann sie anwen­den, jedoch können Herstel­ler auch gleich­wer­tige (von Exper­ten aner­kannte) Nach­weise zur Einhal­tung der Richt­li­ni­en­kon­for­mi­tät anwen­den.
Normen wurden geschaf­fen, um Handels­hemm­nisse zu vermei­den und spezi­fi­sche Produkt­leis­tun­gen verglei­chend darstel­len zu können. Um letz­te­res zu errei­chen, werden die in den Normen beschrie­be­nen Prüf­me­tho­den unter Stan­dard­be­din­gun­gen durch­ge­führt. Dies wird oft kriti­siert, da Stan­dard­be­din­gun­gen nie die Praxis wider­spie­geln können und sich die realen Produkt­leis­tun­gen in den tägli­chen Anwen­dun­gen meist anders darstel­len. Hier sei noch­mals betont, dass das auch nicht Ziel einer Norm ist. Sie dient allein der verglei­chen­den Leis­tungs­dar­stel­lung.
Fach­kun­dige nutzen die Ergeb­nisse der Normen­prü­fun­gen, um nach der Gefähr­dungs­er­mitt­lung eine Vorauswahl für die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung zu tref­fen und letzt­end­lich unter praxis­ori­en­tier­ten Krite­rien geeig­nete Schutz­pro­dukte auszu­wäh­len.
Normen sollen allen Betei­lig­ten helfen, die Leis­tun­gen von Schutz­hand­schu­hen zu bewer­ten, sie unter­ein­an­der zu verglei­chen und die Auswahl eines geeig­ne­ten Schutz­hand­schu­hes zu erleich­tern. Im Fall von Schnitt­schutz­hand­schu­hen muss „höchs­ter Schnitt­schutz­le­vel“ dage­gen nicht unbe­dingt „bester Schutz gegen Schnitte in der geplan­ten Anwen­dung“ bedeu­ten. Gesprä­che mit Anwen­dern und Verant­wort­li­chen für die Auswahl und die korrekte Verwen­dung geeig­ne­ter Schutz­pro­dukte bele­gen, dass ein hoher Schnitt­schutz­le­vel unter Umstän­den nur eine trüge­ri­sche Sicher­heit in der Praxis bietet und nie allein eine Auswahl begrün­den kann und darf! Ein Hand­schuh mit Schnitt­schutz­le­vel 3 (mit der Methode nach EN 388 ermit­telt) kann in der Praxis einen gleich­wer­ti­gen oder sogar effi­zi­en­te­ren Schutz bietet, als ein ande­rer mit Level 5.
Die schein­ba­ren Diffe­ren­zen zwischen Theo­rie und Praxis liegen – wie bereits erwähnt – unter ande­rem daran, dass es sich bei der normen­kon­for­men Prüfung auf Schnitt­fes­tig­keit nach der in Europa prak­ti­zier­ten DIN EN 388 um ein Stan­dard­ver­fah­ren handelt, das zur verglei­chen­den Leis­tungs­be­schrei­bung von Schutz­hand­schu­hen dienen soll und nicht die Bege­ben­hei­ten in der Praxis wieder­ge­ben kann.
Im betrieb­li­chen Alltag sind die Anfor­de­run­gen an Schnitt­schutz­hand­schuhe u.a. von der Art der Schnitt­ge­fähr­dung abhän­gig. Es ist ein Unter­schied, ob beim Schnei­den der scharfe Gegen­stand über die Hand­ober­flä­che geführt (z.B. Abrut­schen eines gehal­te­nen Bleches) oder die Hand über den schar­fen Gegen­stand gezo­gen wird (z.B. Entnahme von Blechen aus einem Blech­sta­pel). Zudem diffe­rie­ren die Anfor­de­run­gen an Schnitt­schutz­hand­schuhe bei glat­ten Schnit­ten und Säge­schnit­ten. Es ist also exakt zu prüfen, woge­gen der Hand­schuh schüt­zen soll.
Ein Mehr an brauch­ba­ren Infor­ma­tio­nen (Test­ergeb­nis­sen) an Fall­bei­spie­len aus der Praxis sowie eine direkte Vergleichs­prü­fung verschie­de­ner Schutz­hand­schuhe wären neben ausge­wer­te­ter Erfah­run­gen für die Beur­tei­lung der realen Schutz­leis­tung sehr hilf­reich.
Die prak­ti­sche Eignung der Methode zur Bestim­mung der Schnitt­fes­tig­keit nach EN 388 muss aus heuti­ger Sicht in Frage gestellt werden, denn sie führt – wie aktu­ell prak­ti­ziert – offen­sicht­lich nicht mehr in allen Fällen zu gut vergleich­ba­ren und repro­du­zier­ba­ren Ergeb­nis­sen. Dies war jedoch das Ziel der Exper­ten, die diese Methode 1994 in der EN 388 fixier­ten.
EN 388: Bestim­mung der Schnitt­fes­tig­keit – Methode und Gren­zen
Die EN 388 legt die Anfor­de­run­gen, Prüf­ver­fah­ren und Kenn­zeich­nung für Schutz­hand­schuhe gegen die mecha­ni­schen Risi­ken Abrieb, Schnitt, Weiter­rei­ßen und Durch­stich fest.
Für die Bestim­mung der Schnitt­fes­tig­keit werden vorbe­rei­tete Prüf­linge aus der Hand­schuh­in­nen­flä­che mit einer kreis­för­mig rotie­ren­den Klinge (Rund­klinge) geschnit­ten. Bei der Prüfung bewegt sich die Rund­klinge unter fest­ge­leg­ter Belas­tung auf dem Prüf­ling hin- und her und dreht sich gleich­zei­tig entge­gen dieser Bewe­gung. Sobald der Prüf­ling von der Klinge zerschnit­ten wird, ist die Prüfung been­det. Der Schnitt­schutz­le­vel wird basie­rend auf der Anzahl der Zyklen, die zum Zerschnei­den des Prüf­lings notwen­dig waren, errech­net.
Als Kontroll­ma­te­rial soll gemäß EN 388 eine genau spezi­fi­zierte Baumwoll-Gewebeprobe (Canvas) verwen­det werden. An dieser Stelle ergibt sich die erste Unsi­cher­heit, denn es stellt sich die Frage, ob tatsäch­lich alle Prüf­in­sti­tute eine von der Leis­tung glei­che Refe­renz­probe benut­zen.
Eine weitere Unsi­cher­heit der Methode liegt in der verwen­de­ten Prüf­ap­pa­ra­tur. Die Anfor­de­run­gen sind zwar in der EN 388 defi­niert, aber derar­tige Geräte werden eigens im Auftrag gefer­tigt. Dabei stellt sich die Frage, ob und wie sich Unter­schiede in den Appa­ra­tu­ren auf die Prüf­werte auswir­ken können.
Zudem liefert die Methode zur Bestim­mung der Schnitt­fes­tig­keit nach EN 388 für harte Fasern (anor­ga­ni­sche Fasern, z.B. Glas, Metall) und Fasern mit derar­ti­gen Bestand­tei­len ganz offen­sicht­lich keine repro­du­zier­ba­ren Werte. Sie können nicht verglei­chend mit der Methode nach EN 388 geprüft werden.
Harte anor­ga­ni­sche Faser­be­stand­teile bewir­ken, dass die Faser, bzw. das Gestrick stei­fer und unelas­ti­scher wird. Trifft das nach EN 388 defi­nierte Rund­mes­ser auf derart harte Faser­be­stand­teile, kommt es zur dras­ti­schen Verän­de­rung der Schnei­de­wir­kung. Die zum Einsatz kommende Klinge wird stumpf, so dass mehr Zyklen notwen­dig sind, um Probe- und Refe­renz­ma­te­rial zu durch­schnei­den.
In Summe wird bei Gewe­ben mit anor­ga­ni­schen Bestand­tei­len ein schlech­ter repro­du­zier­ba­rer Schnitt­schutz­le­vel mit einer in der Regel deut­lich höhe­ren Schnit­tre­sis­tenz (Level 4 anstelle 2 oder 3!) fest­ge­stellt, als bei rein orga­ni­schen poly­me­ren Fasern.
Das einge­setzte Rund­mes­ser scheint für Gewebe mit anor­ga­ni­schen Faser­be­stand­tei­len, bzw. Gestri­cken nicht geeig­net zu sein, da es rasch stumpf wird und nur schlecht repro­du­zier­bare Ergeb­nisse liefert.
Zudem kommt es derzeit zu erheb­li­chen Diffe­ren­zen in den Prüf­ergeb­nis­sen, da die Beschaf­fung der bisher verwen­de­ten Rund­mes­ser in vorge­ge­be­ner Quali­tät (weitest­ge­hend gleich von Bauart, Härte, Schnit­t­ei­gen­schaf­ten) nicht mehr gewähr­leis­tet scheint.
Fakt ist: Ausrei­chend glei­che und geeig­nete Rund­mes­ser, wie in der Norm beschrie­ben, können von den Prüf­la­bo­ra­to­rien nicht (oder nicht mehr) beschafft werden. Unter­su­chun­gen bele­gen, dass es offen­sicht­lich untrag­bar große Unter­schiede in der Schärfe bei den für die EN 388 bestell­ten Rund­mes­sern gibt. Damit ist die Methode nicht zuver­läs­sig repro­du­zier­bar anzu­wen­den.
Schluss­fol­ge­rung: Werden in Prüf­in­sti­tu­ten andere als die in der EN 388 defi­nier­ten Rund­mes­ser zur Bestim­mung der Schnitt­fes­tig­keit verwen­det, sind die Bedin­gun­gen dieser Norm nicht erfüllt. Aufgrund der gerin­gen Repro­du­zier­bar­keit sollte die Höhe der Schnitt­schutz­le­vel niemals das allei­nige oder haupt­säch­li­che Krite­rium bei der Auswahl von Schnitt­schutz­hand­schu­hen sein. Das gilt insbe­son­dere für Gestri­cke mit anor­ga­ni­schen Faser­be­stand­tei­len.
Der Herstel­ler ist verpflich­tet, sein Produkt geeig­net für die vorge­se­he­nen Anwen­dun­gen zu beschrei­ben oder vor Anwen­dun­gen abzu­ra­ten. Dazu kann er eine Norm zu Hilfe ziehen, er muss es aber nicht. Dem Herstel­ler steht es frei, sein Produkt durch eine andere geeig­nete Leis­tungs­be­schrei­bung, bzw. den Nach­weis der spezi­fi­schen Schutz­leis­tung (hier z.B. mecha­ni­sche Gefähr­dun­gen) in den opti­ma­len Einsatz zu brin­gen. Das Anbrin­gen des Pikto­gramms und die Angabe eines Leis­tungs­le­vels nach EN 388 sind dann jedoch nicht akzep­ta­bel.
Gibt es eine Alter­na­tive?
Schnitt­schutz­hand­schuhe aus Hybrid­fa­sern, d.h. aus harten, anor­ga­ni­schen Mate­ria­lien, bzw. mit entspre­chen­den Beimi­schun­gen (z.B. Glas oder Metall) brau­chen zur Bestim­mung der Schnitt­fes­tig­keit offen­sicht­lich eine andere Methode als in der EN 388 derzeit beschrie­ben, um die Schutz­leis­tung gegen scharfe Klingen(Gegenstände) ausrei­chend repro­du­zier­bar zu beur­tei­len.
Eine Option wäre die Methode nach ISO 13997 (Schutz­klei­dung – Mecha­ni­sche Eigen­schaf­ten – Bestim­mung des Wider­stan­des gegen Schnitte mit schar­fen Gegen­stän­den).
Im Unter­schied zur Prüf­me­thode nach EN 388, nach der die Anzahl der Zyklen bestimmt wird, bis eine Rund­klinge nach wieder­hol­tem Aufbrin­gen auf den Prüf­ling das Gewebe durch­schnit­ten hat, wird gemäß ISO 13997 die Kraft bestimmt, mit der das Proben­ma­te­rial um 20 mm zertrennt wird.
Im Unter­schied zur Methode nach EN 388 wird die Klinge nicht wieder­holt über den Prüf­ling bewegt, so dass sich der Stör­ein­fluss einer je nach Härte und Faser­ma­te­rial stumpf werden­den Klinge weni­ger stark auswirkt. Inso­fern scheint diese Methode im oberen Schnittlevel-Segment (Level 4 und 5) bessere Vergleichs­werte, insbe­son­dere bei Hybrid­fa­sern mit anor­ga­ni­schen Bestand­tei­len, zu liefern. Zudem sind die zum Einsatz kommen­den Messer offen­sicht­lich besser geeig­net, als die in der EN 388 beschrie­be­nen, bzw. derzeit in Prüfung befind­li­chen Messer, da sie mit ausrei­chend glei­chen Eigen­schaf­ten beschaff­bar sind.
Das Problem ist, dass sich die Methode nach EN 388 in Europa etabliert hat und die beiden Prüf­me­tho­den nicht mitein­an­der vergleich­bar sind. Dies betrifft auch die Leis­tungs­le­vel, die zwar bei beiden Metho­den von 1 bis 5 reichen, aber keine Rela­tion zuein­an­der haben.
Fakt ist, dass bei Hybrid­fa­sern mit anor­ga­ni­schen Bestand­tei­len eine von der EN 388 abwei­chende Prüf­me­thode notwen­dig ist, um akzep­ta­ble repro­du­zier­bare Werte zur verglei­chen­den Beur­tei­lung des Wider­stan­des gegen scharfe Klin­gen zu gewähr­leis­ten.
Empfeh­lung:
In der aktu­el­len Situa­tion gehen die Ergeb­nisse der Prüfun­gen nach EN 388 insbe­son­dere hinsicht­lich Abrieb­fes­tig­keit und Schnitt­schutz nicht mit dem eigent­li­chen Ziel der (frei­wil­lig durch­zu­füh­ren­den) Norm konform. Sie entspre­chen damit nicht der Forde­rung des Gesetz­ge­bers und den Forde­run­gen von Exper­ten nach geeig­ne­ter Leis­tungs­be­schrei­bung, um den Schutz­hand­schuh in eine geeig­nete Anwen­dung zu brin­gen.
Diskus­si­ons­grund­lage
Es wurde deut­lich:
Die EN 388 kann den vorge­se­he­nen Zweck nicht für alle schnitt­fes­ten Gestri­cke erfül­len. Sie sollte daher drin­gend über­ar­bei­tet werden. Akti­vi­tä­ten dazu gibt es bereits seit Jahren, jedoch ohne wesent­li­che Fort­schritte.
Die Ergeb­nisse der Prüf­me­tho­den zur Bestim­mung der Schnit­tre­sis­tenz nach EN 388 und ISO 13997 sind nicht vergleich­bar. Beide Prüf­me­tho­den lassen keine Rück­schlüsse auf die reale Schnit­tre­sis­tenz bei Tätig­kei­ten zu.
Für eine verglei­chende Leis­tungs­be­schrei­bung von Schutz­hand­schu­hen aus rein orga­ni­schem Mate­rial (ohne anor­ga­ni­sche Bestand­teile) ist die etablierte Prüf­me­thode zur Bestim­mung der Schnitt­fes­tig­keit nach EN 388 durch­aus geeig­net – sofern alle Prüf­in­sti­tute die glei­che Prüf­ma­schine und das glei­che Schneid­werk­zeug mit iden­ti­schen Eigen­schaf­ten (Rund­mes­ser) verwen­den, wie in der Norm beschrie­ben und die Prüfung gleich­sam quali­fi­ziert und im Sinne der Norman­wen­dung durch­ge­führt wird. Die meis­ten Hand­schuhe werden nach der Methode der EN 388 getes­tet und bewer­tet. Damit bleibt der Vergleich bis zur mitt­le­ren Schnitt­fes­tig­keit (Level 3).
Wie in der EN 388 jedoch bereits vermerkt ist, ist die Methode nicht für Fasern mit Antei­len aus Glas oder Metall (Stahl) anzu­wen­den, da das aktu­ell zum Einsatz kommende Rund­mes­ser schon nach kurzem Kontakt stumpf wird. Das Ergeb­nis der Schnitt­fes­tig­keits­prü­fung nach EN 388 mit einem ausschließ­lich aus orga­ni­schen poly­me­ren Fasern bestehen­den Gestrick kann nicht mit dem Ergeb­nis vergli­chen werden, das mit einem aus Hybrid­fa­sern bestehen­den Gestricks erhal­ten wird.
Sinn­voll wäre eine Studie, die klärt, ob Gestri­cke mit anor­ga­ni­schen Faser­be­stand­tei­len in prak­ti­schen Gefähr­dungs­si­tua­tio­nen tatsäch­lich eine derart geeig­ne­tere und bessere Schnit­tre­sis­tenz bieten, als dass sie die Einbu­ßen im Trage­kom­fort recht­fer­ti­gen. Harte Faser­be­stand­teile machen ein Gestrick stei­fer. Eine schlech­tere Finger­be­weg­lich­keit und eine raschere Hand­er­mü­dung sind die Folgen.
Es sollte weiter­hin eine Methode gefun­den und beschrie­ben werden, mit der eine verglei­chende Bewer­tung der Schnit­tre­sis­tenz von Hand­schu­hen möglich ist. Zwei­fels­ohne kann dies nur eine grund­le­gend neue Methode sein.
Für Gewebe mit harten anor­ga­ni­schen Bestand­tei­len (Hybrid­garne) könnte eine Methode in Anleh­nung an die ISO 13997 reproduzier- und vergleich­bare Ergeb­nisse liefern. Auch hier gilt: Weder die Metho­dik noch die Prüf­ergeb­nisse können mit denen, die aus der EN 388 ermit­telt werden, vergli­chen werden. Ein „Umrech­nungs­fak­tor“ exis­tiert bisher nicht.
Um eine Brücke zwischen den beiden stan­dar­di­sier­ten Prüf­ver­fah­ren zu bilden, könnte für die ISO 13997 als Refe­renz ein schnitt­fes­tes orga­ni­sches Gewebe (Aramid, z.B. Kevlar oder ultra­hoch­mo­le­ku­la­res Poly­ethy­len, z.B. Dyneema) mit Schnitt­schutz­le­vel 3 verwen­det werden. Die Klinge sollte sehr hart sein und ihre eindeu­tig fest­ge­legte Schärfe während der Testung nicht merk­lich verän­dert werden können (z.B. +/- 5%). Dazu sollte die Klin­gen­schärfe vor und nach der Prüfung ermit­telt und die Werte vergli­chen werden. Ist die Abwei­chung zu groß, kann die Methode zur Ermitt­lung der Schnit­tre­sis­tenz nicht ange­wen­det werden. Die Prüf­pa­ra­me­ter, wie Art und Beschaf­fen­heit des Schnei­de­werk­zeugs, Kraft des Aufbrin­gens und Geschwin­dig­keit beim Schnitt­ab­lauf müss­ten müssen disku­tiert und geeig­net ange­passt werden.
Es ist an der Zeit, dass basie­rend auf den vermit­tel­ten Fakten zeit­nah eine brauch­bare Prüf­me­thode erar­bei­tet wird, deren Prüf­be­din­gun­gen und Ergeb­nisse vor Exper­ten stand­hält. Darüber soll­ten sich alle einig sein und Prüf­la­bo­ra­to­rien die EN 388 nur unter genann­ten Bedin­gun­gen anwen­den.
Empfeh­lung:
Wenn Sie aktu­ell Schnitt­schutz­hand­schuhe benö­ti­gen, dann wenden Sie sich an quali­fi­zierte Herstel­ler und den Vertrieb, die die Möglich­keit haben, durch geeig­nete Anga­ben zur Schutz­leis­tung ihrer Produkte gleich­zei­tig auch einen Praxis­be­zug schaf­fen, vor Ort quali­fi­ziert bera­ten und Sie bei der Auswahl des geeig­ne­ten Schutz­hand­schuhs unter­stüt­zen. Verant­wor­tungs­volle Herstel­ler fördern und beglei­ten auch quali­fi­ziert den Praxis­test, der die Wahl des Schutz­hand­schuhs immer bestä­ti­gen sollte.
Autor
Frank Zuther E‑Mail: zuther@six-senses.de

Hinweis
Die Prüfung der Schnitt­fes­tig­keit nach EN 388 machte (offen­sicht­lich) lange Zeit den Leis­tungs­ver­gleich schnitt­fes­ter Hand­schuh­ma­te­ria­lien möglich. Mit den Jahren haben sich jedoch zahl­rei­che Neuentwicklungen/ Möglich­kei­ten auf dem Gebiet der Bauar­ten und Fasern, die für die Herstel­lung von Schnitt­schutz­hand­schu­hen Anwen­dung finden, etabliert. Heute exis­tie­ren etli­che Faser­kon­struk­tio­nen (Hybride), mit denen die Eigen­schaf­ten und die Leis­tung des gestrick­ten Hand­schuhs in gewis­sem Maße gelenkt werden können.

Die Methode zur Bestim­mung der Schnitt­fes­tig­keit nach EN 388 hat mit der Zeit an Aussa­ge­kraft verlo­ren. Dies gilt spezi­ell für Fasern mit anor­ga­ni­schen Bestand­tei­len (Glas, Metall, Hybrid­fa­sern) und ist somit nur bedingt geeig­net, um verschie­dene Faser­ty­pen in ihrer Schnitt­fes­tig­keit zu verglei­chen.
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