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Heute: Einfach mal schulen lassen

Achtung, jetzt wird’s einfach!
Heute: Einfach mal schulen lassen

Kinder und Führungskräfte stehen total auf Süßigkeiten. Foto: © StefanieB. – Fotolia.com
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Ken­nen Sie das? Sie sitzen bei ein­er Führungskraft, haben ihr die ganze let­zte Stunde expliz­it die geset­zlich vorgeschriebene Durch­führung ein­er Gefährdungs­beurteilung erläutert. Sie haben dieser Führungskraft Ihre nahezu bedin­gungslose Unter­stützung bei der Erstel­lung ange­boten. Die Führungskraft nickt abwe­send und plöt­zlich pras­selt eine lockere Aneinan­der­rei­hung mehrerer Totschla­gar­gu­mente auf Sie ein.

Schön, aber warum soll ich das machen? Das wäre ja noch schön­er! Dafür habe ich abso­lut keine Zeit. Sie sind doch hier der Fach­ex­perte!“, so die Führungskraft.
Das ist frus­tri­erend, doch Ihre Führungskraft kann nicht anders. Sie ist, auch wenn Sie es vielle­icht nicht glauben wollen, auch nur ein Men­sch und Men­schen ver­ste­hen in der Regel nur das, was sie ver­ste­hen wollen. Kleine Kinder und Führungskräfte denken beispiel­sweise immer nur an eine Sache: Sie selb­st reden beispiel­sweise vom Aufräu­men (Adres­sat Kind) oder von der Organ­i­sa­tion des Arbeitss­chutzes (Adres­sat Führungskraft) und Ihr jew­eiliges Gegenüber denkt die ganze Zeit nur an Süßigkeit­en!
Was hat das jet­zt mit der Gefährdungs­beurteilung und der Ver­ant­wor­tung zu tun? Sehr viel! Knöpfen wir uns doch mal den § 13 des Arbeitss­chutzge­set­zes vor. In Absatz 1 geht es um die grund­sät­zliche Ver­ant­wortlichkeit. Da kom­men die meis­ten Führungskräfte ger­ade noch mit. Doch schon beim zweit­en Absatz ver­ste­ht der gemeine Ver­ant­wortliche (das gibt wieder Schimpfe…) dann oft nur noch „Süßigkeit“.
Wie ich darauf komme? Nun, in § 13 Arb­SchG ste­ht im zweit­en Absatz:
  • „(2) Der Arbeit­ge­ber kann zuver­läs­sige und fachkundi­ge Per­so­n­en schriftlich damit beauf­tra­gen, ihm obliegende Auf­gaben nach diesem Gesetz in eigen­er Ver­ant­wor­tung wahrzunehmen.“
Haben Sie es erkan­nt? Die erträumte Süßigkeit ist der Begriff „fachkundi­ge Per­son“ und das sind in den Augen viel­er Führungskräfte … Sie als Fachkraft für Arbeitssicher­heit!
Lei­der hat Ihr verträumtes Gegenüber bei der „fachkundi­gen Per­son“ vol­lkom­men abgeschal­tet. Im weit­eren Text spricht der Geset­zge­ber näm­lich von „eigen­er Ver­ant­wor­tung“ und somit sind Sie – zumin­d­est als ein­fache Fachkraft für Arbeitssicher­heit ohne Führungsrolle – aus der Sache raus. Sie sind näm­lich weisungs­frei und somit frei von Ver­ant­wor­tung (außer im Hin­blick auf Ihre fach­lichen Aus­sagen). Der Geset­zge­ber hat einen anderen Adres­sat­en im Blick: Die Führungskraft!
Basierend auf § 13(2) Arb­SchG kommt die klas­sis­che Pflicht­enüber­tra­gung nach BGR A1 ins Spiel:
  • „Der Unternehmer hat vor der Beauf­tra­gung zu prüfen, ob die für die Pflicht­enüber­tra­gung vorge­se­henen Per­so­n­en zuver­läs­sig und fachkundig sind. Zuver­läs­sig sind die für die Pflicht­enüber­tra­gung vorge­se­hen Per­so­n­en, wenn zu erwarten ist, dass diese die Auf­gaben des Arbeitss­chutzes mit der gebote­nen Sorgfalt aus­führen. Fachkundig sind die für die Pflicht­enüber­tra­gung vorge­se­henen Per­so­n­en, die das ein­schlägige Fach­wis­sen und die prak­tis­che Erfahrung aufweisen, um die ihnen obliegen­den Auf­gaben sachgerecht auszuführen.
Beauf­tragte Per­so­n­en kön­nen z.B. sein:
  • Betriebs- und Ver­wal­tungsleit­er,
  • Abteilungsleit­er,
  • Prokuris­ten,
  • Objek­tleit­er,
  • Bauleit­er,
  • Meis­ter,
  • Poli­er,
  • Schicht­führer aber auch
  • betrieb­s­fremde Dien­stleis­ter.“
An kein­er Stelle im vor­ge­nan­nten Text ist von der Fachkraft für Arbeitssicher­heit die Rede!
Wie ich bere­its erwäh­nte, ist die Fachkraft für Arbeitssicher­heit für die Voll­ständigkeit und Richtigkeit Ihrer Infor­ma­tio­nen und Beratun­gen ver­ant­wortlich. Der Geset­zge­ber weiß das, doch darum geht es ihm in § 13(2) Arb­SchG nicht. Hier wer­den die Führungskräfte ange­sprochen, denn nur sie ver­fü­gen in den Unternehmen über den notwendi­gen Entschei­dungsspiel­raum und die nöti­gen Detailken­nt­nisse im Zuständigkeits­ge­bi­et und sind darüber hin­aus regelmäßig vor Ort.
Nur die Führungskräfte kön­nen die Arbeits­be­din­gun­gen – gerne auch unter Ein­satz des gesun­den Men­schen­ver­standes – umfassend beurteilen. Die Fachkraft für Arbeitssicher­heit hil­ft ihnen dabei gerne, doch der Geset­zge­ber erwartet, dass sich auch die Führungskräfte ein Grundgerüst an Infor­ma­tio­nen rund um den Arbeitss­chutz zule­gen. Oder frei nach dem Mot­to:
  • „Wer keine Ahnung hat, ein­fach mal schulen lassen!”
Das war’s mit den erhofften Süßigkeit­en…
Prax­is­tipp: Geben Sie Ihren Führungskräften hin und wieder das Schu­lung­spro­gramm Ihrer zuständi­gen Beruf­sgenossen­schaft oder Unfal­lka­sse in die Hand. Da ste­hen nicht nur Sem­i­nare für Fachkräfte für Arbeitssicher­heit, Betrieb­särzte oder Sicher­heits­beauf­tragte drin.
Ihr
Heiko Mit­tel­staedt
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