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Einbeziehung elektrotechnisch unterwiesener Personen sinnvoll?

Prüfung orts­ver­än­der­li­cher elek­tri­scher Arbeits­mit­tel

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Nach­dem sich in der Welt der Gesetze, Verord­nun­gen, Normung und BG-Vorschriften in den vergan­ge­nen Jahren massive Ände­run­gen erge­ben haben, besteht aller­orts eine recht große Unsi­cher­heit, welche Perso­nen­kreise unter welchen Voraus­set­zun­gen orts­ver­än­der­li­che elek­tri­sche Arbeits­mit­tel prüfen dürfen. Insbe­son­dere der aktu­elle Leit­bild­wech­sel von den bisher gebräuch­li­chen berufs­ge­nos­sen­schaft­li­chen Vorschrif­ten hin zu den neuen Vorschrif­ten des staat­li­chen Arbeits­schut­zes, also der Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung und den nach­ge­ord­ne­ten Tech­ni­schen Regeln für Betriebs­si­cher­heit (TRBS), hat maßgeb­lich zu der derzeit herr­schen­den Verun­si­che­rung beigetra­gen.

Inge­nieur­büro SE- Elek­tro­tech­nik Herrn Stefan Euler Hinter der Mühle 9 55576 Baden­heim

  • 1Vergleiche hierzu auch die Tech­ni­sche Regel für Betriebs­si­cher­heit TRBS 1201 „Prüfun­gen von Arbeits­mit­teln und über­wa­chungs­be­dürf­ti­gen Anla­gen“ vom 09. Dezem­ber 2006.
  • 2In der TRBS 1203 Teil 3 ist noch eine dahin­ge­hende Ände­rung vorge­se­hen, dass sich die „Anfor­de­run­gen an die Berufs­aus­bil­dung an der Komple­xi­tät der durch­zu­füh­ren­den Prüf­auf­gabe orien­tie­ren 3 Hier ist es aus Sicht der Autoren ratsam, der forma­len Bestel­lung eine Check­liste beizu­fü­gen, die sowohl fach­li­che wie auch persön­li­che Eignung abfragt und doku­men­tiert.
  • 4Die befä­higte Person für das Prüfen elek­tri­scher Arbeits­mit­tel unter­steht fach­lich in der Regel nur der in der DIN VDE 1000 Teil 10 veran­ker­ten „verant­wort­li­chen Elek­tro­fach­kraft“.
  • 5Die Aufgabe obliegt natür­lich origi­när dem Arbeit­ge­ber bzw. dem Unter­neh­mer. Dieser kann gemäß § 13 (2) Arbeits­schutz­ge­setz zuver­läs­sige und fach­kun­dige Perso­nen damit beauf­tra­gen, ihm oblie­gende Aufga­ben in eige­ner Verant­wor­tung wahr­zu­neh­men. Da hier echte Unter­neh­mer­auf­ga­ben über­tra­gen werden, ist bei der Dele­ga­tion die Schrift­form erfor­der­lich.
  • 6Zu dieser Frage wird es zudem in diesem Jahr auch noch eine – vermut­lich ähnlich lautende – Leit­li­nie in der LASI LV 35 geben.
  • 7Anforderung siehe Tech­ni­sche Regeln für Betriebs­si­cher­heit TRBS 1203 Teil 3 „Befä­higte Perso­nen – Beson­dere Anfor­de­run­gen – Elek­tri­sche Gefähr­dun­gen“ vom 09. Dezem­ber 2006.
  • 8In Kürze wird zu dieser Thema­tik die BG-Information BGI 5190 „Orga­ni­sa­tion wieder­keh­ren­der Prüfun­gen ortver­än­der­li­cher Arbeits­mit­tel – Praxis­tipps für den Unter­neh­mer“ verab­schie­det werden.
Bisher konnte die elek­tro­tech­nisch unter­wie­sene Person Prüfun­gen nach § 5 Abs. 1 BGV A3 und der Tabelle 1B (elek­tri­sche Wieder­ho­lungs­prü­fun­gen) mit „geeig­ne­ten Mess­ge­rä­ten“ durch­füh­ren. Seit Inkraft­tre­ten der Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung im Jahr 2002 muss jeder Arbeit­ge­ber vorab im Rahmen einer Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung fest­le­gen, welche Prüfun­gen – mecha­ni­sche wie elek­tro­tech­ni­sche – von einer „befä­hig­ten Person“ durch­zu­füh­ren sind und welche (sehr einfa­chen Prüfun­gen) durch eine „unter­wie­sene Person“ (Achtung: hier ist nicht die elek­tro­tech­nisch unter­wie­sene Person gemeint!) erfol­gen können. Die in § 10 Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung genann­ten Prüfun­gen – und hier­un­ter fallen auch eindeu­tig die Prüfun­gen von orts­ver­än­der­li­chen elek­tri­schen Arbeits­mit­teln – dürfen aller­dings ausschließ­lich durch befä­higte Perso­nen im Sinne dieser Vorschrift durch­ge­führt werden.
Es stellt sich also die Frage, ob, und wenn ja, inwie­weit elek­tro­tech­nisch unter­wie­sen Perso­nen unter Berück­sich­ti­gung der heuti­gen „neuen Vorschrif­ten­welt“ sinn­voll in das Prüf­ge­schäft von orts­ver­än­der­li­chen elek­tri­schen Arbeits­mit­teln einbe­zo­gen werden können.
Anfor­de­run­gen an Prüf­per­so­nal
Für eine sichere Durch­füh­rung der Prüfun­gen sowie der Beur­tei­lung des ordnungs­ge­mä­ßen Zustands des zu prüfen­den Arbeits­mit­tels ist eine hohe Quali­fi­ka­tion des Prüf­per­so­nals, also der befä­hig­ten Perso­nen, uner­läss­lich. In vielen Fällen sind neben der elek­tri­schen Sicher­heit auch andere Gefähr­dun­gen bei der Beur­tei­lung durch die prüfende Person zu berück­sich­ti­gen.
Bei der Durch­füh­rung einer Prüfung orts­ver­än­der­li­cher elek­tri­scher Arbeits­mit­tel kann es unter ungüns­ti­gen Umstän­den auch zu einer Gefähr­dung des Prüfers sowie der Prüf­um­ge­bung kommen. Der Prüfer muss so etwas erken­nen können und dementspre­chend berück­sich­ti­gen sowie gege­be­nen­falls geeig­nete Schutz­maß­nah­men tref­fen. Aus diesem Grund dürfen solche Prüfun­gen nur von entspre­chend befä­hig­ten Perso­nen durch­ge­führt werden.
Der Arbeit­ge­ber trägt nach Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung die Auswahl­ver­ant­wor­tung für diese Perso­nen, die von ihm mit der Durch­füh­rung der wieder­keh­ren­den Prüfun­gen zur Erhal­tung des ordnungs­ge­mä­ßen Zustan­des der Arbeits­mit­tel beauf­tragt werden. Die erfor­der­li­che Quali­fi­ka­tion der befä­hig­ten Person ist an die Berufs­aus­bil­dung, die Berufs­er­fah­rung und die zeit­nahe beruf­li­che Tätig­keit gebun­den. Aus diesen Forde­run­gen wird klar, dass zur sicher­heits­tech­ni­schen Beur­tei­lung elek­tri­scher Arbeits­mit­tel dem Grund­satz nach die Quali­fi­ka­ti­ons­merk­male einer (bishe­ri­gen bzw. heuti­gen) Elek­tro­fach­kraft mit fach­li­cher Ausbil­dung, mit prak­ti­schen Kennt­nis­sen und Erfah­run­gen sowie mit der Kennt­nis der einschlä­gi­gen Bestim­mun­gen erfor­der­lich sind. Die TRBS 1203 Teil 3 ergänzt die oben genann­ten Forde­rung um den zeit­na­hen Einsat­zes im entspre­chen­den Tätig­keits­be­reich und setzt zudem eine bestimmte Dauer für die Ausübung der Tätig­keit voraus, damit von „Berufs­er­fah­rung“ gespro­chen werden kann.
Die umfas­send verant­wort­li­che befä­higte Person ist zudem nicht nur für die reine Durch­füh­rung der Prüfung zustän­dig, sondern auch für die Fest­le­gung der Prüf­tech­no­lo­gie, der Prüf­art, des Prüf­um­fangs, der Prüf­frist, des Prüf­ge­gen­stands sowie für die Doku­men­ta­tion der Prüf­ergeb­nisse verant­wort­lich. 1
Im Gegen­satz dazu propa­gie­ren die Verkaufs­pro­spekte vieler Messgeräte-Hersteller und abge­schwächt auch die berufs­ge­nos­sen­schaft­li­che Vorschrift BGV A3 einen auto­ma­ti­sier­ten Mess­ab­lauf mit vermeint­lich eindeu­ti­ger Messergebnis-Anzeige (so genannte „Rot-Grün-Anzeige“), mit dem auch eine elek­tro­tech­nisch unter­wie­sene Person diese Prüfung durch­füh­ren können soll.
Der Text der Durch­füh­rungs­an­wei­sung zum § 5 der BGV A3 führt dazu wört­lich folgen­des aus: „Stehen für die Mess- und Prüf­auf­ga­ben geeig­nete Mess- und Prüf­ge­räte zur Verfü­gung, dürfen auch elek­tro­tech­nisch unter­wie­sene Perso­nen unter Leitung und Aufsicht einer Elek­tro­fach­kraft prüfen.“
Leider wurde insbe­son­dere der Formu­lie­rung der letz­ten Passage der Durch­füh­rungs­an­wei­sung, die da lautet: „…unter Leitung und Aufsicht einer Elek­tro­fach­kraft…“ sehr häufig keine Rech­nung getra­gen. So wird beispiels­weise der Haus­meis­ter einer Schule auf ein zwei­tä­gi­ges Semi­nar geschickt und danach komplett eigen­ver­ant­wort­lich mit der Prüfung orts­ver­än­der­li­cher elek­tri­scher Arbeits­mit­tel betraut. Bei dieser nicht rechts­kon­for­men Vorge­hens­weise darf man wohl kaum mit ordnungs­ge­mä­ßen Prüf­ergeb­nis­sen und einer gerichts­si­che­ren Doku­men­ta­tion der Prüf­ergeb­nisse rech­nen. Zur Konkre­ti­sie­rung der Defi­ni­tion der befä­hig­ten Person aus dem § 2 Abs.7 der Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung wurde die TRBS 1203 Teil 3 (Befä­higte Person für elek­tri­sche Gefähr­dun­gen) im Septem­ber 2006 durch das Bundes­mi­nis­te­rium für Arbeit und Sozia­les in Kraft gesetzt. Folgende Anfor­de­run­gen resul­tie­ren im Detail aus der vorge­nann­ten TRBS 1203 Teil 3 an die befä­higte Person für elek­tri­sche Gefähr­dun­gen:
Berufs­aus­bil­dung
Die befä­higte Person für die Durch­füh­rung von Prüfun­gen zum Schutz vor elek­tri­schen Gefähr­dun­gen muss:
  • eine elek­tro­tech­ni­sche Berufs­aus­bil­dung abge­schlos­sen haben, oder
  • eine andere, für die vorge­se­he­nen Prüf­auf­ga­ben, vergleich­bare elek­tro­tech­ni­sche Quali­fi­ka­tion nach­wei­sen.
Hier stellt sich die Frage, warum der Gesetz­ge­ber im ersten Satz die harte Formu­lie­rung „muss“ wählt, um anschlie­ßend im nächs­ten Satz eine sehr weiche „Öffnungs­klau­sel“ zu formu­lie­ren, die aussagt, dass es gege­be­nen­falls ausrei­chen kann, eine „vergleich­bare elek­tro­tech­ni­sche Quali­fi­ka­tion“ nach­zu­wei­sen. Hier sollte seitens des Gesetz­ge­bers im Rahmen der nächs­ten Aktua­li­sie­rung des Regel­werks Klar­heit geschaf­fen werden.2
Der Arbeit­ge­ber bzw. der Unter­neh­mer hat weiter­hin zu prüfen,
  • ob die elek­tro­tech­ni­schen und die darüber hinaus notwen­di­gen Kennt­nisse ausrei­chen, um die durch­zu­füh­ren­den Arbei­ten zu beur­tei­len und die entste­hen­den Gefah­ren zu erken­nen sowie ob
  • ein Doku­ment vorliegt, das die rele­van­ten Inhalte der Quali­fi­ka­tion, also sowohl fach­li­che wie auch persön­li­che Eignung, wiedergibt.3
Berufs­er­fah­run­gen
Die befä­higte Person muss Erfah­run­gen im prak­ti­schen Umgang mit zu prüfen­den Arbeits­mit­teln während eines nach­ge­wie­se­nen Zeit­rau­mes gesam­melt haben. Die TRBS 1203 Teil 3 legt – ausnahms­weise erfreu­lich konkret – fest, dass eine mindes­tens einjäh­rige Erfah­rung bei der Errich­tung, dem Zusam­men­bau oder der Instand­hal­tung von elek­tri­schen Arbeits­mit­teln und/oder Anla­gen notwen­dig ist, um die zu befä­hi­gende Person in die Proble­ma­tik der Prüfung von elek­tri­schen Arbeits­mit­teln einzu­ar­bei­ten. Während der prak­ti­schen Tätig­keit muss die befä­higte Person Erfah­run­gen gesam­melt haben:
  • mit intak­ten elek­tri­schen Arbeits­mit­teln (Aufbau, bestim­mungs­ge­mä­ßer Betrieb, mögli­cher Fehl­ge­brauch, Prüf­um­fang, Prüf­ab­lauf),
  • mit diesen Arbeits­mit­teln in Störungs- und Instand­set­zungs­si­tua­tio­nen und
  • bei der Durch­füh­rung wieder­keh­ren­der oder vergleich­ba­rer Prüfun­gen sowie bei ihrer Bewer­tung.
Zeit­nahe beruf­li­che Tätig­keit
Die befä­higte Person muss eine zeit­nahe beruf­li­che Tätig­keit entspre­chend der Prüf­auf­gabe ausge­übt haben. Das bedeu­tet, dass prak­ti­sche und vor allem aktu­elle Berufs­er­fah­run­gen im betrach­te­ten Tätig­keits­feld vorlie­gen müssen. Sie muss über die für die vorge­se­he­nen Prüf­auf­ga­ben im Einzel­nen erfor­der­li­chen Kennt­nisse der Elek­tro­tech­nik sowie der rele­van­ten und neues­ten tech­ni­schen Regeln verfü­gen.
Außer­dem muss die befä­higte Person eine für elek­tri­sche Gefähr­dun­gen ange­mes­sene eigene Weiter­bil­dung betrei­ben, um die vorhan­de­nen Kennt­nisse zu festi­gen und zu aktua­li­sie­ren. Die Weiter­bil­dung kann z. B. durch Teil­nahme an Schu­lun­gen oder an einem einschlä­gi­gen Erfah­rungs­aus­tausch erfol­gen. An dieser Stelle gibt die TRBS 1203 Teil 3 dem Arbeit­ge­ber recht große Frei­heit bei der Auswahl der erfor­der­li­chen und sinn­vol­len Weiter­bil­dungs­maß­nah­men. Im Ergeb­nis ist es wich­tig, dass Arbeit­ge­ber wie befä­higte Person für den „worst case“ gerüs­tet sind, damit im Falle eines Unfal­les oder eines Scha­dens klar und deut­lich die erfor­der­li­che Befä­hi­gung des Prüfers beleg­bar ist.
Quali­fi­ka­ti­ons­ge­fälle
Durch die gefor­derte und natür­lich auch unbe­dingt notwen­dige Weiter­bil­dung ist es nahezu ausge­schlos­sen, dass eine Person, die ausschließ­lich einen – mögli­cher­weise viele Jahre alten – Gesellen- bzw. Fach­ar­bei­ter­brief besitzt, eine befä­higte Person im Sinne der TRBS 1203 Teil 3 darstel­len kann. Somit ist auch verständ­lich, dass eine elek­tro­tech­nisch unter­wie­sene Person, die maxi­mal einige Tage unter­wie­sen wurde, natür­lich noch viel weni­ger die gefor­derte Befä­hi­gung nach TRBS 1203 Teil 3 besit­zen kann. Gemäß DIN VDE 1000-10 Abschnitt 3.3 ist eine elek­tro­tech­nisch unter­wie­sene Person, „…wer durch eine Elek­tro­fach­kraft über die ihr über­tra­ge­nen Aufga­ben und die mögli­chen Gefah­ren bei unsach­ge­mä­ßem Verhal­ten unter­rich­tet und erfor­der­li­chen­falls ange­lernt sowie über die notwen­di­gen Schutz­ein­rich­tun­gen und ‑maßnah­men belehrt wurde.“ Hier­aus wird deut­lich, dass von der elek­tro­tech­nisch unter­wie­se­nen Person ledig­lich unter­wei­sungs­kon­for­mes Verhal­ten und keine Selbst­stän­dig­keit verlangt wird.
Für die befä­higte Person für das Prüfen orts­ver­än­der­li­cher Arbeits­mit­tel ist verant­wort­li­ches selb­stän­di­ges Handeln jedoch von grund­le­gen­der Bedeu­tung. Wie oben bereits beschrie­ben ist sie für das gesamte „Prüf­ge­schäft“ verant­wort­lich, was die Fest­le­gung der Prüf­tech­no­lo­gie, der Prüf­art, des Prüf­um­fangs, der Prüf­frist, des Prüf­ge­gen­stands sowie die Doku­men­ta­tion der Prüf­ergeb­nisse umfasst. In diesem Zusam­men­hang legt die TRBS 1203 Teil 3 zudem fest: „Die befä­higte Person unter­liegt bei ihrer Prüf­tä­tig­keit keinen fach­li­chen Weisungen.4 Sie darf wegen dieser Prüf­tä­tig­keit auch nicht benach­tei­ligt werden.“ Auch aus diesen Aussa­gen der TRBS 1203 Teil 3 geht klar hervor, dass die Kompe­tenz der befä­hig­ten Person in diesem Bereich „sehr hoch aufge­han­gen“ wird und nicht durch eine elek­tro­tech­nisch unter­wie­sene Person abge­deckt werden kann.
Schluss­fol­ge­rung
Die umfas­send verant­wort­li­che befä­higte Person kann grund­sätz­lich andere Perso­nen mit ihr oblie­gen­den Aufgaben5 beauf­tra­gen – so beispiels­weise auch eine elek­tro­tech­nisch unter­wie­sene Person mit der reinen Prüfungs­durch­füh­rung von über­schau­ba­ren Prüf­ab­läu­fen. Die befä­higte Person muss sich anschlie­ßend die Mess­ergeb­nisse der elek­tro­tech­nisch unter­wie­se­nen Person zu Eigen machen.6 Die Verant­wor­tung für die Prüfung bleibt bei dieser Vorge­hens­weise ganz klar bei der befä­hig­ten Person, die dann dementspre­chend auch die Aufzeich­nun­gen über die Prüfung doku­men­tiert. Es muss auf jeden Fall sicher­ge­stellt werden, dass elek­tro­tech­nisch unter­wie­sene Perso­nen ausschließ­lich unter der sorg­fäl­ti­gen Leitung und Aufsicht einer befä­hig­ten Person7 für das Prüfen (im Sinne der reinen Prüf­durch­füh­rung gemäß einer vorge­ge­be­nen Prüf­an­wei­sung) orts­ver­än­der­li­cher elek­tri­scher Arbeits­mit­tel einge­setzt werden. In diesem Sinne ist es vorstell­bar, dass in einer Art „Prüf­team“ die elek­tro­tech­nisch unter­wie­sene Person im Rahmen der Wieder­ho­lungs­prü­fun­gen Tätig­kei­ten über­nimmt und damit die befä­higte Person unterstützt.8 Das ist auch gut so. Wer nicht nur „Alibi-Plaketten“ auf seinen elek­tri­schen Arbeits­mit­teln kleben haben möchte, um damit eine lästige Pflicht­maß­nahme „abha­ken“ zu können, sondern sicher­stel­len will, dass den Beschäf­tig­ten nur elek­tri­sche Arbeits­mit­tel zur Verfü­gung stehen, die Sicher­heit und Gesund­heits­schutz gewähr­leis­ten, der muss die Prüfung vor elek­tri­schen Gefähr­dun­gen zwin­gend von einer für diese Aufgabe befä­hig­ten Person oder unter deren Leitung und Aufsicht durch­füh­ren lassen.
Denn wer die Sicher­heit von elek­tri­schen Gerä­ten prüft, muss nicht nur die reine Mess­tech­nik beherr­schen und die Grenz­werte „auswen­dig“ kennen, er muss vor allem die erfass­ten Mess­werte auch inter­pre­tie­ren können.
Ein Mess­wert, der noch unter dem zuläs­si­gen Grenz­wert liegt (entsprä­che der Anzeige „grün“ am „Einfachst-Messgerät“) kann aber durch­aus bedeu­ten, dass das Gerät nicht mehr in Ordnung ist, da der Mess­wert gege­be­nen­falls ein Viel­fa­ches des eigent­lich tech­nisch ange­mes­se­nen Wertes beträgt und beispiels­weise auf eine schlei­chende Verschlech­te­rung hinweist. Der auto­ma­ti­sierte mess­tech­ni­sche Ablauf wertet diesen Sach­ver­halt dann trotz­dem als „bestan­de­nen Prüf­schritt“. Die Entschei­dung, ob die gemes­se­nen Werte zu einem ordnungs­ge­mä­ßen Zustand des Prüf­lings passen, muss jedoch der umsich­tige und fach­kun­dige Prüfer tref­fen. Das kann keine „auf die Schnelle“ ange­lernte Kraft, das kann nur eine, wie im vorlie­gen­den Arti­kel ausge­führt, für diese Aufgabe beson­ders befä­higte Person sein. Sie muss neben einer fundier­ten Grund­aus­bil­dung in der Elek­tro­tech­nik für diese Prüfun­gen beson­ders geschult und die rele­van­ten elek­tro­tech­ni­schen Regeln und Vorschrif­ten sehr gut kennen und vor allem in der tägli­chen Prüf­pra­xis sinn­voll zur Anwen­dung brin­gen.
Schutz­lei­ter­wi­der­stand einer Verlän­ge­rungs­lei­tung
Geräte-Anschlussleitungen oder Verlän­ge­rungs­lei­tun­gen mit einer Länge von bis zu 5 Metern dürfen gemäß der DIN VDE 0701–0702 bei Strom­stär­ken bis 16 A einen Schutz­lei­ter­wi­der­stand von maxi­mal 0,3 Ohm aufwei­sen. Bei einer Über­prü­fung einer Verlän­ge­rungs­lei­tung (5m, 250V 16 A, H07RN‑F 3 G 1,5), wie in der Abb. 3 Bild darge­stellt, wurde bei einer mess­tech­ni­schen Über­prü­fung ein Schutz­lei­ter­wi­der­stand von 0,28 Ohm gemes­sen.
Die Forde­rung der Norm DIN VDE 0701–0702 ist damit prin­zi­pi­ell erfüllt, da der Grenz­wert von 0,3 Ohm einge­hal­ten wurde. Die zur befä­hig­ten Person weiter­qua­li­fi­zierte Elek­tro­fach­kraft müsste hier aber trotz­dem auf jeden Fall mit Skep­sis reagie­ren:
Bei einem Leiter­quer­schnitt von 1,5 Quadrat­mil­li­me­tern beträgt der Leiter­wi­der­stand für Kupfer bei einer Tempe­ra­tur von 30°C rund 0,01258 Ohm pro Meter. Somit ergäbe sich ein Schutz­lei­ter­wi­der­stand von 0,063 Ohm für eine fünf Meter lange Leiter. Addiert man noch 0,0500 Ohm für die Über­gangs­wi­der­stände an den Kontakt­stel­len hinzu, so ergibt sich ein zu erwar­ten­der Gesamt­wi­der­stand von rund 0,113 Ohm. Der rech­ne­risch zu erwar­tende Wert entspricht rund 40 % des tatsäch­lich gemes­se­nen Wertes und macht deut­lich, dass eine nähere Unter­su­chung des Prüf­lings sinn­voll und notwen­dig ist. Diese Analyse und Inter­pre­ta­tion der Mess­ergeb­nisse sind bei der Betriebs­mit­tel­prü­fung uner­läss­lich und können – in den viel­fäl­ti­gen in der Mess­pra­xis auftre­ten­den Facet­ten – nur von einer fach­kun­di­gen Person geleis­tet werden.
Schutz­lei­ter­strom eines Plot­ters
Ein im Jahr 2006 ange­schaff­ter Groß-Plotter (U = 230 V; Schutz­klasse I) in einem Indus­trie­un­ter­neh­men in Süddeutsch­land fiel bei der drit­ten Wieder­ho­lungs­prü­fung, die jähr­lich durch­ge­führt wurden, durch. Der Extrakt des Mess­pro­to­kolls (s. Abb. 4), das erfreu­li­cher­weise auch die histo­ri­schen Werte der Vorjahres-Prüfungen enthält, sieht wie folgt aus:
Einer umsich­ti­gen befä­hig­ten Person wäre aufge­fal­len, dass der Wert des Schutz­lei­ter­stro­mes inner­halb nur eines Jahres von 0,02 mA auf 1,5 mA ange­stie­gen ist. Das entspricht dem 75-fachen des Mess­werts des Vorjah­res. Trotz­dem ist der Grenz­wert hier „offi­zi­ell“ noch nicht erreicht. Hier hätte die befä­higte Person bereits handeln müssen: Sie hätte aufgrund der Inter­pre­ta­tion der Mess­werte den begrün­de­ten Verdacht gehegt, dass das Arbeits­mit­tel aufgrund des extrem verschlech­ter­ten Mess­werts in Kürze in einen Fehler hinein­lau­fen könnte und der Grenz­wert dann auch entspre­chend über­schrit­ten werden würde. Bei dem oben beschrie­be­nen Prüf­ling darf der Schutz­lei­ter­strom gemäß DIN VDE 0701–0702 einen Grenz­wert von 3,5 mA nämlich nicht über­schrei­ten.
Nach­dem der Prüf­ling bei der Wieder­ho­lungs­prü­fung im Jahr 2008 mit einem Mess­wert von 4,21 mA die Prüfung dann nicht mehr bestan­den hat, wurde das Gerät auf Anwei­sung der befä­hig­ten Person geöff­net und besich­tigt. Die Abbil­dun­gen 5./6. zeigen, dass bedingt leit­fä­hi­ger Toner-Staub, der sich auf elek­tri­schen Bautei­len abge­legt hatte, für die Erhö­hung des Schutz­lei­ter­stro­mes verant­wort­lich war.
Nach dem Absau­gen des Toner-Staubes und einer anschlie­ßen­den erneu­ten mess­tech­ni­schen Über­prü­fung wurde wieder ein annehm­ba­rer Mess­wert knapp über 0,02 mA – wie bei der ersten Über­prü­fung – erreicht.
Auch dieses Praxis­bei­spiel macht deut­lich, dass das Prüf­ge­schäft „nicht auf die leichte Schul­ter“ zu nehmen ist und nur befä­higte Perso­nen (mit „echtem Elektrofachkraft-Background“) hierzu in der Lage sind. Die elek­tro­tech­nisch unter­wie­sene Person kann hier maxi­mal unter­stüt­zende Funk­tio­nen unter Leitung und Aufsicht der feder­füh­ren­den befä­hig­ten Person wahr­neh­men.
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Autoren:
Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing.
Ralf Ensmann VDE VDI
Ensmann Consul­ting Köln
BDSH-geprüfter Sach­ver­stän­di­ger für
Unter­neh­mens­or­ga­ni­sa­tion im Elektro-bereich
Lehr­be­auf­trag­ter an der Fach­hoch­schule Köln und an der Rhei­ni­schen Fach­hoch­schule Köln
Tel.: 0211/1707918
Stefan Euler
BDSH geprüf­ter Sach­ver­stän­di­ger
für das Prüfen elek­tri­scher
Arbeits­mit­tel
Tel.: 06701/911425
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