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SiO2 — das Chamäleon unter den Gefahrstoffen

Lungenschädigungen vorprogramiert
SiO2 — das Chamäleon unter den Gefahrstoffen

Foto: arnowssr – Fotolia.com
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Siliz­ium­diox­id (SiO2) bildet als Teil von Silikat­en wie z.B. Feldspat und Ton­min­er­alien, aber auch in freier Form als Quarz den Hauptbe­standteil der Erd­kruste. Dieser weit ver­bre­it­ete Stoff kann in ver­schiede­nen Mod­i­fika­tio­nen vor­liegen, von denen ganz unter­schiedliche Gesund­heits­ge­fahren ausgehen!

Dr. Peter Krommes

Kristalline Kieselsäure

Seit langer Zeit ist bekan­nt, dass die „kristalline Kiesel­säure“ (Quarz!) als Fein­staub für die Lun­genkrankheit „Silikose“ ver­ant­wortlich ist. Durch die Ein­wirkung von Quarzfe­in­staub – also der Staubfrak­tion, die beim Einat­men nicht durch den natür­lichen Fil­ter in der Nase abgeschieden wird, son­dern bis in die fein­sten Lun­gen­bläschen gelan­gen kann – kommt es zu einem irrepara­blen Schaden der Lunge. Der Sauer­stof­faus­tausch wird dadurch erschw­ert, das Leben der Betrof­fe­nen wird mas­siv eingeschränkt. Sie lei­den an per­ma­nen­ter „Luft­not“ und sind kaum noch zu kör­per­lichen Leis­tun­gen fähig.
In neuer­er Zeit wurde fest­gestellt, dass sich in etlichen Fällen aus dem durch die Silikose vernarbten Lun­gengewebe ein Lun­genkrebs entwick­elte. Der Geset­zge­ber hat daher in der TRGS 906 fest­gelegt: Tätigkeit­en oder Ver­fahren, bei denen Beschäftigte alve­olengängi­gen Stäuben aus kristallinem Siliz­ium­diox­id in Form von Quarz und Cristo­balit aus­ge­set­zt sind, gel­ten als kreb­serzeu­gend. Die in der TRGS 559 – Min­er­alis­ch­er Staub – genan­nten Schutz­maß­nah­men müssen beachtet werden.
Bis zu dieser Fes­tle­gung galt für kristalline Kiesel­säure ein MAK-Wert von 0,15 mg /m3. Da für kreb­serzeu­gende Gefahrstoffe alle Gren­zw­erte zurück­ge­zo­gen wur­den, wurde auch dieser Wert annulliert.

„Amorphe“ oder „hochdisperse Kieselsäure“

Eine weit­ere Mod­i­fika­tion von Siliz­ium­diox­id ist die „amor­phe „ oder „hochdis­perse Kiesel­säure“, eine weit ver­bre­it­ete Indus­triechemikalie. Viele Stu­di­en bele­gen, dass von ihr keine Silikose verur­sacht wird! Für diese Mod­i­fika­tion gilt ein Gren­zw­ert von 4 mg/m3. Erkrankun­gen durch dieses Mate­r­i­al sind bish­er nicht bekan­nt geworden.

Kieselrauch

Beim ther­mis­chen Bear­beit­en von ele­mentarem Siliz­ium (z.B. beim Auf­schmelzen aber auch beim Bear­beit­en mit Lasern!) entste­ht eine dritte Mod­i­fika­tion von Siliz­ium­diox­id, der sog. „Kiesel­rauch“. Von diesem Stoff ist bekan­nt, dass er auch mas­siv die Lunge schädigt. Eine ganze Rei­he von Beschäftigten sind in Deutsch­land bere­its durch diesen Gefahrstoff erkrankt! Für ihn gilt ein Gren­zw­ert von 0,3 mg/m3. Während aber Lun­gen­schädi­gun­gen durch kristalline Kiesel­säure (s.o.) unter der „BK Nr. 4101: Quarzs­taublun­generkrankung (Silikose)“ schon lange als Beruf­skrankheit­en anerkan­nt wer­den, fehlt unver­ständlicher­weise, trotz zahlre­ich­er Erkrankun­gen durch „Kiesel­rauch“, bish­er eine Auf­nahme dieses Gefahrstoffs in die Anlage zur Beruf­skrankheit­en-Verord­nung, die BK-Liste!
Autor
Dr. Peter Krommes
Öffentlich bestell­ter und verei­digter Sachver­ständi­ger für Arbeits- und Gesund­heitss­chutz bei Tätigkeit­en mit Gefahrstof­fen in der Industrie.
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