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Wunsch und Wirk­lich­keit

Tragezeit von Chemikalienschutzhandschuhen
Wunsch und Wirk­lich­keit

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Bei Tätig­kei­ten mit Chemi­ka­lien und grund­sätz­lich bei Kontak­ten mit haut­ge­fähr­den­den und resorp­ti­ven Stof­fen sollte das Tragen von geeig­ne­ten Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schu­hen obli­gat sein. Allein der Einsatz von Hand­schu­hen ist jedoch nicht gleich­be­deu­tend mit einem ausrei­chen­den Schutz. In der Praxis bestehen einer­seits Probleme in der falschen Einschät­zung des Gefähr­dungs­po­ten­ti­als von Chemi­ka­lien und Gemi­schen, ande­rer­seits aber auch in der oft viel zu langen Anwen­dungs­dauer von Schutz­hand­schu­hen.

Frank Zuther

Das Tragen von Schutz­hand­schu­hen ist bei vielen Beschäf­tig­ten nicht sehr beliebt. Mit Argu­men­ten, dass Schutz­hand­schuhe die Moto­rik, die Grif­fig­keit und das Tast­ge­fühl so stark beein­träch­ti­gen, dass die Arbeit nicht gut oder nicht schnell genug ausge­führt werden kann, wird das Tragen von Hand­schu­hen oft umgan­gen, obwohl dies notwen­dig wäre. Eine Gefähr­dung für die Haut und den Körper wird oft nur dann einge­se­hen, wenn der Kontakt mit der Chemi­ka­lie „die Sinne berührt“. Dazu gehö­ren beispiels­weise anor­ga­ni­sche Säuren, die zu schmerz­haf­ten Verät­zun­gen der Haut führen oder andere spon­tane Verän­de­run­gen der Haut nach Chemi­ka­li­en­kon­takt, z.B. Verfär­bun­gen der Haut. Auch unan­ge­neh­mer Geruch oder Bren­nen in den Augen werden als „Warn­si­gnal“ für ein Gefah­ren­po­ten­tial wahr­ge­nom­men, das den Einsatz von Hand­schu­hen und ande­rer PSA „sinn­voll“ erschei­nen lässt.
Gefähr­dun­gen oft unter­schätzt
Anders verhält es sich mit orga­ni­schen Lösungs­mit­teln, die auf der Haut oder den Schleim­häu­ten nicht unan­ge­nehm spür­bar sind. Das Gefähr­dungs­po­ten­tial wird nicht aktiv wahr­ge­nom­men und die Wirkung der Chemi­ka­lie unbe­wusst verharm­lost. Das Tragen von Hand­schu­hen erscheint in diesen Fällen als „nicht sinn­voll“. Gesund­heits­schä­di­gun­gen sind – manch­mal erst nach vielen Jahren – oftmals die Folge.
Nur eine sorg­fäl­tige Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung kombi­niert mit regel­mä­ßig wieder­keh­ren­den detail­lier­ten Unter­wei­sun­gen unter Erklä­rung mögli­cher Folgen nach Chemi­ka­li­en­kon­takt kann hierzu Abhilfe schaf­fen. Dies gilt insbe­son­dere auch für Chemi­ka­lien, die aus großen Gebin­den in klei­nere Behäl­ter abge­füllt und dann nicht ordnungs­ge­mäß gekenn­zeich­net werden. Dies ist in der Praxis leider oft die Regel. Eine Entschei­dung, welche Schutz­maß­nah­men geeig­net und notwen­dig sind, kann in diesen Fällen nicht getrof­fen werden.
Eine Unter­stüt­zung zur Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung bei Tätig­kei­ten mit Gefahr­stof­fen kann das „Einfa­che Maßnah­men­kon­zept Gefahr­stoffe EMKG“ der Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin geben (www.baua.de/emkg).
Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schuhe werden oft zu lange getra­gen
Wenn Chemi­ka­li­en­kon­takte bestehen und theo­re­tisch geeig­nete Hand­schuhe ausge­wählt wurden, bestehen darüber hinaus oft Diskre­pan­zen in der Schutz­zeit und der Anwen­dungs­dauer des Hand­schuhs. Jeder Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schuh kann nur eine zeit­lich begrenzte Barriere gegen eine Chemi­ka­lie bieten, da diese das Hand­schuh­ma­te­rial über kurz oder lang durch­wan­dern. Dies ist bekannt, so dass bei der Auswahl von Hand­schu­hen auch die durch die Herstel­ler ange­ge­be­nen Durch­drin­gungs­zei­ten (Perme­a­tion / Pene­tra­tion) bestimm­ter Chemi­ka­lien berück­sich­tigt werden.
BTT(Labor) Þ BTT(Praxis)
BTT = breakthrough time (Durch­bruch­zeit)
Vor Jahren bereits begann eine Diskus­sion, dass die im Labor ermit­tel­ten Durch­drin­gungs­zei­ten nach EN 374–3 die Praxis­be­din­gun­gen nicht berück­sich­ti­gen und daher die im Labor fest­ge­stell­ten Durch­bruch­zei­ten nicht der Trage­dauer in der Praxis entspre­chen kann. Hierzu sei ange­führt, dass dies auch nie das Ziel war. Viel­mehr geht es bei Normen­prü­fun­gen um die vergleich­bare Darstel­lung der Leis­tung eines Produk­tes. Dazu müssen stan­dar­di­sierte Verfah­ren heran­ge­zo­gen werden, die die Praxis weder wider­spie­geln können, noch sollen. Die Anga­ben können jedoch bei der Produkt­aus­wahl als wert­volle Orien­tie­rungs­hilfe dienen. Beispiel: Hand­schuh­mo­dell X hat eine um 120 Minu­ten höhere Durch­drin­gungs­zeit gegen Stoff XY, als ein ande­res Hand­schuh­mo­dell. Der sach- und fach­kun­dige Experte kann diese Anga­ben verwer­ten und auch nur er sollte über Schutz­maß­nah­men und über die Verwen­dung von PSA im Bereich Chemi­ka­li­en­schutz entschei­den.
Ermitt­lung der Trage­zeit von Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schu­hen
Mehr­fach wurden „praxis­ge­rechte“ Bedin­gun­gen für die Normen­prü­fung nach EN 374–3 zur Bestim­mung der Durch­bruch­zeit (BTT) disku­tiert, um die „Trage­dauer in der Praxis“ ermit­teln zu können. Man pochte bereits vor vielen Jahren auf eine Versuchs­durch­füh­rung bei 33°C (Haut­ober­flä­chen­tem­pe­ra­tur), anstelle der in der EN 374–3 fixier­ten 23°C (Raum­tem­pe­ra­tur). Exper­ten haben sich jedoch gegen die Ermitt­lung der Durch­bruch­zeit bei 33°C entschie­den. Der maßgeb­li­che Grund war, dass 33°C zur Simu­la­tion der Haut­ober­flä­chen­tem­pe­ra­tur bei der Ermitt­lung der BTT (breakthrough time = Durch­bruch­zeit) nur ein Para­me­ter von vielen ist, der die Durch­bruch­zeit beein­flus­sen kann. Eine Erhö­hung der Prüf­tem­pe­ra­tur um 10°C spie­gelt die Praxis­be­din­gun­gen daher nicht ausrei­chend wider. Zudem ist die Repro­du­zier­bar­keit bei der Prüfung bei 33°C gerin­ger und die Fehler­quote damit höher.
BTT(Labor, 33°C) Þ BTT(Praxis)
BTT = breakthrough time (Durch­bruch­zeit)
Weiter­hin werden in der Praxis oft Chemi­ka­li­en­ge­mi­sche einge­setzt, deren Einzel­kom­po­nen­ten unter­schied­li­che Durch­drin­gungs­zei­ten haben und sich auch gegen­sei­tig beein­flus­sen können. Dabei stellt sich die Frage, wie sich Schutz­klei­dung bei gemisch­ter Chemi­ka­li­en­ex­po­si­tion verhält und ob viel­leicht Mate­ri­al­ver­än­de­run­gen zu erwar­ten sind. Anhand welcher Para­me­ter kann über einen weite­ren Einsatz der PSA entschie­den werden?
In 2006 wurde von der DGUV (Deut­sche Gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung) das Forschungs­pro­jekt Nr. FF-FP0269 „Entwick­lung und Evalu­ie­rung eines auto­ma­ti­sier­ten, praxis­ori­en­tier­ten Mess­ver­fah­rens zur Bestim­mung der Perme­a­tion von Stoff­ge­mi­schen und Produk­ten durch Persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung, wie Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schuhe, ‑schuhe und ‑klei­dung“ ins Leben geru­fen, das 2010 abge­schlos­sen wurde. Ursprüng­lich ging es in dem Projekt verein­facht gesagt unter ande­rem um Anga­ben, wie lange ein Hand­schuh­trä­ger vor einem Stoff oder Gemisch geeig­net geschützt ist. Darüber hinaus wollte man nicht nur wissen, wann bei Stoff­ge­mi­schen eine Substanz das Hand­schuh­ma­te­rial durch­dringt, sondern auch welche Substanz das Hand­schuh­ma­te­rial wann durch­wan­dert. Weiter­hin sollte geklärt werden, ob die Durch­bruch­zeit eines Stof­fes in einem Stoff­ge­misch mit den Daten der Prüfung nach EN 374–3 über­ein­stimmt. Für die Messun­gen bediente man sich eines sehr aufwän­di­gen und kosten­in­ten­si­ven Mess­ver­fah­rens, das die Arbeits­schritte Probenahme, Analy­tik und Auswer­tung auto­ma­ti­sie­ren sollte.
Die „Praxis­be­din­gun­gen“ erschöpf­ten sich bei diesem Forschungs­pro­jekt auf die schon Jahre vorher als unzu­rei­chend für die Praxis bewer­tete Prüf­tem­pe­ra­tur von 33°C. Man kam zu dem Schluss, dass „…zur Beant­wor­tung weiter­füh­ren­der Fragen, wie nach der Eignung und Empfeh­lung einer maxi­ma­len Trage­dauer von Hand­schu­hen weitere Infor­ma­tio­nen einflie­ßen müssen, die auf der Kennt­nis der Arbeits­be­din­gun­gen (Dauer der Arbeit, Dehnung, Degra­dation, notwen­di­ger Tast­sinn etc.) aufbauen“.
Eine Erhö­hung der Prüf­tem­pe­ra­tur war, ist und bleibt zu „dünn“, um Anga­ben zur tatsäch­li­chen Trage­dauer in der Praxis tref­fen zu können. Die in dem neuen Verfah­ren erhal­te­nen Durch­bruch­zei­ten entspre­chen ebenso wenig der Trage­dauer in der Praxis, wie die Ergeb­nisse der Prüfun­gen nach EN 374–3.
Aus vorhan­de­nen Labor­wer­ten geeig­nete Schutz- oder Trage­zei­ten abzu­lei­ten, wäre sicher eine quali­fi­zierte Forschung wert gewe­sen. Forschung zu betrei­ben, um Bekann­tes fest­zu­stel­len ist jedoch nicht sinn­voll. Dem Abschluss­be­richt des Forschungs­pro­jekts Nr. FF-FP0269 ist eine praxis­nahe Methode, mit der im Labor Durch­bruch­zei­ten ermit­telt werden, die Rück­schlüsse auf reale Gefähr­dun­gen zulas­sen und zu einer siche­ren Nennung eines Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schu­hes führen, nicht zu entneh­men. Das Ziel, die tatsäch­li­che Trage­dauer von Schutz­hand­schu­hen bei Tätig­kei­ten mit Stoff­ge­mi­schen in der Praxis zu ermit­teln, wurde nicht erreicht. Die mit dem aufwän­di­gen Prüfe­quip­ment ermit­tel­ten BTT-Werte entspra­chen denen, die andere Labo­ra­to­rien und Herstel­ler mit ihrem Mess­sys­tem zur EN374–3 ermit­tel­ten.
Ein weite­res, im Vorfeld bereits bekann­tes Ergeb­nis des Forschungs­pro­jek­tes war, dass sich mit einem Massen­spek­tro­me­ter fest­stel­len lässt, welche Chemi­ka­lie aus einem Gemisch das Hand­schuh­ma­te­rial durch­wan­dert. Die Detek­tion von Stof­fen wird seit über 10 Jahren verwen­det, um etwaige flüch­tige orga­ni­sche Stoffe in Schutz­hand­schu­hen nach Art und Menge fest­zu­stel­len. Der Abschluss­be­richt zum Forschungs­pro­jekt Nr. FFFP0269 sollte unter www.dguv.de zugäng­lich sein.
Hinweis: Durch­drin­gungs­zei­ten können grund­sätz­lich nur einen orien­tie­ren­den Charak­ter haben. Die dabei ange­ge­bene maxi­male Durch­drin­gungs­zeit sollte niemals völlig ausge­nutzt werden, da der Hand­schuh, auch wenn er sich nicht sicht­bar verän­dert, mit hoher Wahr­schein­lich­keit bereits lange vorher keinen ausrei­chen­den Schutz mehr bietet. Die Trage­zeit ist immer kürzer als die im Labor ermit­telte Durch­drin­gungs­zeit zu unter­stel­len! Einen „Umrech­nungs­fak­tor“ gibt es derzeit dafür nicht.
Dane­ben wird leider noch zu oft davon ausge­gan­gen, dass die Trage­zeit eines Hand­schuhs auf mehrere Tage verteilt werden kann. Man nimmt an, dass ein Hand­schuh, der beispiels­weise 30 Minu­ten gegen eine Chemi­ka­lie bestän­dig ist, auch an drei Tagen für jeweils 10 Minu­ten ausrei­chend schützt. Das ist jedoch falsch. Die Zeit „läuft“ direkt nach Chemi­ka­li­en­kon­takt und wird durch das Nicht-Tragen des Hand­schuhs nicht unter­bro­chen. Inso­fern ist jeder Hand­schuh zur einma­li­gen Verwen­dung bestimmt, sofern der Herstel­ler keine ande­ren Anga­ben trifft.
Hinweis: Jeder flüs­sig­keits­dichte Hand­schuhe (getes­tet im Luft-Leck- / Wasser-Leck-Test nach EN 374–2) schützt über eine mehr oder weni­ger kurze Zeit gegen Chemi­ka­lien und flüs­sige Zube­rei­tun­gen. Jeder Schutz­hand­schuh, der diese Auslo­bung besitzt, ist ein Kate­go­rie 3 Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schuh nach den Verständ­nis der PSA Richt­li­nien 89/686. Der Herstel­ler beschreibt die Schutz­leis­tung gegen Stoffe und trägt Sorge, dass nur Hand­schuhe mit dieser ausge­lob­ten Leis­tung zum Anwen­der gelan­gen. Mit einer Baumus­ter­prü­fung und Beur­tei­lung der Ferti­gung ist eine noti­fi­zierte Prüf­stelle zu beauf­tra­gen. Der Herstel­ler des Schutz­hand­schuhs, bzw. gemäß neuer Gesetz­ge­bung der „Bereit­stel­ler zum Verbrau­cher“ hat die geeig­nete und die unschäd­li­che Verwen­dung durch ange­mes­sene Infor­ma­tio­nen und weite­res Enga­ge­ment (Service) zu unter­stüt­zen.
Degra­dation: Anga­ben zur Wieder­ver­wen­dung?
Exper­ten der Bran­che und Poly­mer­kun­dige verwei­sen und infor­mie­ren seit 20 Jahren über die Notwen­dig­keit, auch die durch Kontakt­che­mi­ka­lien poten­ti­ell statt­fin­dende Degra­dation (Verän­de­rung der physikalisch-mechanischen Eigen­schaf­ten des Hand­schuhs nach Kontakt mit Chemi­ka­lien) zu bewer­ten und diese in der Auswahl und Einsatz­emp­feh­lung zu berück­sich­ti­gen.
Nun ist der Teil 4 der EN 374 mit dem Thema und der Beschrei­bung einer stan­dar­di­sier­ten Methode zur Degra­dati­ons­be­wer­tung auf dem Weg. Es ist zu erwar­ten, dass die EN374–4 bald veröf­fent­licht wird und damit gilt. In der Über­ar­bei­tung der EN374–1 fordert man die Bewer­tung der Degra­dation nach EN374–4.
Herstel­ler werden diese Bewer­tung dann erklä­ren und in die Einsatz­emp­feh­lung einflie­ßen lassen. Je nach Ausmaß der Mate­ri­al­ver­än­de­run­gen, spezi­ell der blei­ben­den (irrever­si­blen) Verän­de­run­gen, kann der Hand­schuh nach Nutzung mit Chemi­ka­li­en­kon­takt wieder­ver­wen­det oder entsorgt werden.
Eignung in der Praxis
Grund­sätz­lich soll­ten immer nur dann Schutz­hand­schuhe zum Einsatz kommen, wenn ihre Eignung für eine bestimmte Tätig­keit durch einen Praxis­test belegt wurde. Dies ist im Falle eines Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schuhs jedoch kaum möglich. Zwar kann in einem derar­ti­gen Test beur­teilt werden, ob sie hinsicht­lich des Komforts (Trage­ei­gen­schaf­ten, Grif­fig­keit etc.) geeig­net sind, die Tätig­kei­ten zu verrich­ten. Es ist jedoch nicht möglich zu beur­tei­len, ob der Hand­schuh den Kontakt zwischen Chemi­ka­lie und Haut unter­bin­det. Die Durch­wan­de­rung der Chemi­ka­lie durch das Hand­schuh­ma­te­rial geschieht meis­tens nicht spür­bar und ohne Verän­de­rung des Hand­schuhs.
Genau genom­men muss auch bei Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schu­hen, beispiels­weise durch Prüfung und Erfah­rungs­be­richte ein beleg­ba­rer Beweis geführt werden, dass der Hand­schuh auch in defi­nier­ten Arbeits­si­tua­tio­nen (Kontakt­zeit beach­tend) geeig­net schützt. Er muss über die Kontakt­zeit eine ausrei­chende Barriere gegen die Kontakt­stoffe bieten und darüber hinaus auch eine geeig­nete mecha­ni­sche Wider­stands­fä­hig­keit haben. Es wäre fatal, wenn der Hand­schuh während der Anwen­dung reißt und die Chemi­ka­lie auf die Haut trifft.
Hinweis: Bisher muss­ten, um den Vorga­ben der EN 374 zu entspre­chen, auch bei Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schu­hen die mecha­ni­schen Leis­tun­gen nach EN 388 geprüft und ange­ge­ben werden. In jüngs­ter Zeit scheint gewünscht zu sein, dass diese Prüfun­gen und Anga­ben bei Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schu­hen künf­tig nicht weiter obli­ga­to­risch sind. Abso­lut korrekt ist, dass man diese Anga­ben nicht benö­tigt, um die Barrie­re­zeit einer poly­me­ren Mate­ri­al­probe zu ermit­teln. Es ist aber auch ganz klar, dass ein Anwen­der nie einen Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schuh für den Einsatz ohne die stan­dar­di­sierte (verglei­chende Betrach­tung) der mecha­ni­schen Eigen­schaf­ten zur Verwen­dung auswäh­len sollte. Die Anga­ben der mecha­ni­schen Leis­tung von Chemi­ka­li­en­hand­schu­hen sollen daher nur noch frei­wil­lig als Option in der Norm erklärt werden. Aus Grün­den eines möglichst guten Chemi­ka­li­en­schut­zes in der Praxis bleibt die Hoff­nung, dass Verbrau­cher weiter Hand­schuhe auswäh­len, die geeig­net in der mecha­ni­schen und chemi­schen Schutz­leis­tung beschrie­ben sind.
Fazit
Über den Einsatz von Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schu­hen soll­ten grund­sätz­lich nur sach- und fach­kun­dige Perso­nen entschei­den. Ein Entschei­der, dem die grund­le­gen­den chemi­schen Kennt­nisse fehlen, spielt mit den Anwen­dern Roulette. Er sollte sich immer „chemi­schen Beistand“ in Form von Exper­ten holen.
Beim Schutz vor Chemi­ka­lien geht es nicht nur um akute Wirkun­gen, wie Verät­zun­gen. Jahre­lange Einwir­kun­gen von Chemi­ka­lien können zu erns­ten syste­mi­schen Erkran­kun­gen führen, die meis­tens nicht heil­bar sind.
Bei der Auswahl geeig­ne­ter Schutz­maß­nah­men sind nicht nur die Chemi­ka­lie, das Gemisch oder das Hand­schuh­ma­te­rial rele­vant. Viel­mehr spie­len die Tätig­keit an sich, Art, Dauer und Häufig­keit des Kontak­tes sowie die Arbeits­um­ge­bung eine maßgeb­li­che Rolle. Voraus­set­zung für die Auswahl eines ausrei­chen­den Chemi­ka­li­en­schut­zes ist daher immer eine quali­fi­zierte Gefähr­dungs­er­mitt­lung unter Beach­tung des S‑T-O‑P Prin­zips (Rang­folge der Schutz­maß­nah­men: Substitution- tech­ni­sche, orga­ni­sa­to­ri­sche, persön­li­che Schutz­maß­nah­men). Schutz­hand­schuhe sind damit zwar als nach­ran­gige Schutz­maß­nahme anzu­se­hen, jedoch muss deren Auswahl zur Mini­mie­rung der Gefähr­dung quali­fi­ziert für die tatsäch­li­chen Gefah­ren und Risi­ken erfol­gen. Dabei ist dem Anspruch an Komfort genauso wie dem Schutz­be­darf Rech­nung zu tragen.
Darüber hinaus sollte der ausge­wählte Hand­schuh keine Stoffe enthal­ten, die bei der Anwen­dung frei­ge­setzt werden und zu uner­wünsch­ten Wirkun­gen führen können. Glei­ches gilt für haut­re­sorp­tive Stoffe, die über die Haut in den Körper aufge­nom­men werden und mögli­cher­weise die Gesund­heit schä­di­gen können. Quali­ta­tiv hoch­wer­tige Produkte von verant­wor­tungs­be­wuss­ten Herstel­lern zahlen sich dabei aus!
Ziehen Sie bei der Auswahl immer auch den PSA-Hersteller (Bereit­stel­ler der Produkte)mit ein. Er sollte Ihnen den notwen­di­gen Service liefern und Sie bei der Auswahl tatkräf­tig unter­stüt­zen. Fragen zur Durchdringungs- und mögli­chen Trage­zeit sowie zur Mate­ri­al­ver­än­de­rung nach Chemi­ka­li­en­kon­takt (Degra­dation) und Wieder­ver­wen­dung soll­ten beant­wor­tet werden können. Ist das nicht der Fall, so wech­seln Sie den Herstel­ler.
Fakt ist, dass eine „Liste zur Trage­zeit“ von Chemi­ka­li­en­schutz­hand­schu­hen eine Illu­sion blei­ben wird. Kein Labor­ver­such wird jemals alle in der Praxis auftre­ten­den Para­me­ter erfas­sen können.
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