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Feinstaub kann Krebs erzeugen - Bedeutung der MAK-Liste

Zahlreiche Änderungen in der MAK-Werte-Liste
Feinstaub kann Krebs erzeugen!

Foto: BG BAU
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Aus der Prax­is – auch von Lesern dieser Zeitschrift – wird immer wieder die Frage gestellt, welche Bedeu­tung die MAK-Werte-Liste der DFG für die Arbeit der Sicher­heits­fachkräfte hat, da die in Deutsch­land gülti­gen Luft­gren­zw­erte doch heute in der TRGS 900 „Luft­gren­zw­erte“ ste­hen. Der nach­fol­gende Beitrag erläutert die Hin­ter­gründe und beschreibt die Änderun­gen in der aktuellen Liste der DFG, die im Juli dieses Jahres veröf­fentlicht wurde.

Dr. Ulrich Welzbacher

Welche (rechtliche) Bedeutung hat die DFG-Liste?

Die Deutsche Forschungs­ge­mein­schaft übergibt ihre MAK-Werte-Liste – in diesem Jahr als Mit­teilung 47 der Kom­mis­sion – alljährlich dem Bun­desmin­is­teri­um für Arbeit und Soziales (BMAS) als Bestandteil ihrer Politikberatung.
Bis 2005 hat­te der Auss­chuss für Gefahrstoffe (AGS) die Änderun­gen und Ergänzun­gen in der MAK- und BAT-Werte-Liste nach ihrer Veröf­fentlichung im Unter­auss­chuss (UA) III „Bew­er­tung von Gefahrstof­fen“ fach­lich disku­tiert; dabei sollte fest­gelegt wer­den, welche neuen und geän­derten Gren­zw­erte und welche neuen Stoff­be­w­er­tun­gen in das Tech­nis­che Regel­w­erk aufgenom­men wer­den sollen.
Heute haben alle betrof­fe­nen und inter­essierten Kreise nach der alljährlichen Veröf­fentlichung der neuen MAK-Werte-Liste im Juli eines jeden Jahres bis zum Ende des Jahres Gele­gen­heit, zu den Neuerun­gen Stel­lung zu nehmen und Kom­mentare hierzu einzure­ichen. Dabei geht es allerd­ings auss­chließlich um wis­senschaftliche Stel­lung­nah­men. Fra­gen der prak­tis­chen Umset­zung von neuen oder abge­senk­ten Gren­zw­erten wer­den hier­bei nicht berück­sichtigt. Diese Auf­gabe obliegt dem AGS, wenn er im näch­sten Jahr über die Auf­nahme neuer oder geän­dert­er Gren­zw­erte in die TRGS 900 „Luft­gren­zw­erte“ oder geän­dert­er Stoff­be­w­er­tun­gen in die TRGS 905 „Verze­ich­nis kreb­serzeu­gen­der, erbgutverän­dern­der oder fortpflanzungs­ge­fährden­der Stoffe“ beschließt.
Die Kom­mis­sion wird die ein­gere­icht­en Stel­lung­nah­men im nach­fol­gen­den Jahr disku­tieren und ihre Vorschläge ggf. ändern oder ergänzen, bevor diese endgültig ver­ab­schiedet wer­den, erforder­lichen­falls auch zurückziehen. Dies ist in den zurück­liegen­den Jahren auch bere­its mehrfach geschehen (wenn auch nicht in diesem oder im ver­gan­genen Jahr).
Wenn die Über­nahme neuer oder geän­dert­er Gren­zw­erte in die TRGS 900 in der Prax­is Prob­leme bere­it­et, wird der AGS auch hierüber berat­en und ggf. passende Präven­tion­s­maß­nah­men vorschla­gen, erforder­lichen­falls auch spezielle Präven­tion­spro­gramme auflegen.
Aus alle­dem ergibt sich, dass es auch für die betrieblichen Prak­tik­er von Bedeu­tung ist, sich schon beizeit­en mit den neuen Vorschlä­gen der DFG auseinan­derzuset­zen und falls erforder­lich im eige­nen Betrieb zu über­prüfen, ob die neuen Werte einge­hal­ten wer­den kön­nen. Sollte dies offen­sichtlich nicht möglich sein, soll­ten Sie frühzeit­ig mit den Tech­nis­chen Auf­sichts­di­en­sten, z.B. der Unfal­lver­sicherung Kon­takt aufnehmen, um nach geeigneten Lösun­gen zu suchen. Dort wird man erforder­lichen­falls dann auch den AGS einschalten.

Unterschiede zwischen DFG-Kriterien und Europäischem Recht

Darüber hin­aus ist der Hin­weis von Bedeu­tung, dass der AGS die Vorschläge der DFG-Kom­mis­sion bezüglich der Ein­stu­fung als kreb­serzeu­gend, erbgutverän­dernd oder fortpflanzungs­ge­fährdend anhand der Kri­te­rien und Vor­gaben der ein­schlägi­gen EG-Regelun­gen – heute also der CLP-Verord­nung (GHS) – prüfen wird; dies bedeutet ins­beson­dere, dass zum Beispiel kreb­serzeu­gende Stoffe der (DFG)-Kategorien 4 und 5 sowie Keimzell­mu­ta­gene der Kat­e­gorien 4 und 5 möglicher­weise anderen Grup­pen zuge­ord­net oder gar nicht über­nom­men wer­den, solange es diese Kat­e­gorien der DFG nach EG-Recht nicht gibt.
Allerd­ings sind auch die DFG-Kri­te­rien im Fluss. So ver­wen­det die Kom­mis­sion seit dem ver­gan­genen Jahr für Gren­zw­erte, die aus Tierver­suchen mit oraler Auf­nahme von Stof­fen abgeleit­et wer­den, Umrech­nungs­fak­toren (Kor­re­la­tionsver­fahren), wie sie in ähn­lich­er Form auch im europäis­chen Bere­ich, zum Beispiel im Zusam­men­hang mit der REACH-Verord­nung ver­wen­det wer­den [1].
Wie für alle Stoffe hat die Kom­mis­sion für jede Bew­er­tung eine aus­führliche wis­senschaftliche Begrün­dung erar­beit­et, die einige Monate nach der MAK-Liste in ein­er Ergänzungsliefer­ung zu den „Toxikol­o­gisch-arbeitsmedi­zinis­che Begrün­dun­gen von MAK-Werten und Ein­stu­fun­gen“ [2] veröf­fentlicht werden.

Zahlreiche Änderungen in 2011

Was hat sich aber nun in diesem Jahr geändert?
Die Liste enthält in diesem Jahr mit ins­ge­samt 57 neuen oder geän­derten Ein­trä­gen – davon 46 Posi­tio­nen bei den Luft­gren­zw­erten (MAK-Werte-Liste) und 11 bei den biol­o­gis­chen Werten – ungewöhn­lich viele Ein­träge. Darüber hin­aus wurde die Bew­er­tung von 13 Stof­fen über­prüft, ohne dass Änderun­gen erforder­lich wur­den. Schw­er­punkt bei 11 von 13 dieser Über­prü­fun­gen war in diesem Jahr die Schwanger­schafts­gruppe C, bei der eine fruchtschädi­gende Wirkung bei Ein­hal­tung des MAK- und BAT-Wertes nicht befürchtet wer­den braucht.
Wegen des Bezuges dieser Schwanger­schafts­gruppe zum MAK- und BAT-Wert bezieht die Ein­stu­fungsüber­prü­fung auch immer die jew­eili­gen Gren­zw­erte mit ein.

Neue Luftgrenzwerte 2011

In die Liste der MAK-Werte wur­den in diesem Jahr 12 Stoffe neu aufgenom­men; dabei wur­den für fünf neue Stoffe und für zwei bere­its vorhan­dene Ein­träge erst­mals MAK-Werte festgelegt:
  • tert-Butyl-4-hydrox­yanisol (BHA) 20 mg/m³ (E) (neuer MAK, Schwanger­schafts­gruppe C)
  • iso-Butylvinylether 20 mL/m³ = 83 mg/m³ (Neuein­trag, Schwanger­schafts­gruppe D).
  • Des­til­late (Erdöl), mit Wasser­stoff behan­delte leichte 20 mL/m³ = 140 mg/m³ (Neuein­trag, Schwanger­schafts­gruppe C),
  • Di-tert-dode­cylpen­ta­sul­fid und Di-tert-dode­cylpoly­sul­fid 100 mg/m³ (E) (Neuein­trag, Schwanger­schafts­gruppe C),
  • Eth­yl­ben­zol 20 mL/m³ = 88 mg/m³ (neuer MAK, Schwanger­schafts­gruppe C),
  • Methenamin-3-chlo­ral­lylchlo­rid 2 mg/m³ (E) (Neuein­trag, Schwanger­schafts­gruppe B) und
  • Methylvinylether 200 mL/m³ = 480 mg/m³ (Neuein­trag, Schwanger­schafts­gruppe C).
Der bish­erige MAK-Wert für Port­landze­ment (5 mg/m³) wurde wegen der Zuord­nung zu kreb­serzeu­gen­den Stof­fen Kat­e­gorie 3B (Anhalt­spunk­te für eine kreb­serzeu­gende Wirkung, die jedoch zur Einord­nung in eine andere Kat­e­gorie nicht aus­re­ichen – so genan­nte „echte“ Kreb­sver­dachtsstoffe) ausgesetzt.
Damit hat sich in diesem Jahr in die Anzahl der MAK-Werte ins­ge­samt um sechs erhöht.
Für den Neuein­trag „Uran und seine anor­gan­is­chen Verbindun­gen“ hat die Kom­mis­sion eine Beziehung zwis­chen der Konzen­tra­tion in der Luft und dem Gren­zw­ert der Strahlen­schutzkom­mis­sion von 20 mSv/Jahr bzw. 400 mSv/Arbeitsleben) hergestellt, was in der Prax­is mit einem MAK-Wert gle­ichgestellt wer­den kann.
Sechs Neuein­träge – davon drei Kühlschmier­stof­fkom­po­nen­ten (Hin­weis auf Abschnitt Xc) – kon­nten lediglich dem Abschnitt IIb zuge­ord­net wer­den, in dem Stoffe aufge­führt sind, für die derzeit keine MAK-Werte aufgestellt wer­den können.
Die bish­eri­gen MAK für ins­ge­samt zehn Stoffe wur­den abge­senkt, und zwar
dreimal um den Fak­tor 5:
All­ge­mein­er Staub­gren­zw­ert (alve­olengängige Frak­tion [A]),
Hexamethylenbis(3-(3,5‑di-tert-butyl-4-hydroxyphenyl)propionat) und
Phos­phor, weiß/gelb.
ein­mal um den Fak­tor 4 (D‑Limonen),
ein­mal um den Fak­tor 3 (Cyanamid) sowie
fünf­mal um den Fak­tor 2:
Butyl­hy­drox­y­tolu­ol (BHT),
Dipropy­leng­lykol,
Endrin,
2‑Ethylhexanol und
n‑Octylzinnverbindungen.
All­ge­mein­er Staub­gren­zw­ert (A‑Fraktion)
Die größte prak­tis­che Bedeu­tung dürfte wohl die Absenkung des All­ge­meinen Staub­gren­zw­ertes (alve­olengängige Frak­tion) – einem der wichtig­sten Gren­zw­erte über­haupt – von bish­er 1,5 mg/m³ auf 0,3 mg/m³ haben. Der Gren­zw­ert in der DFG-MAK-Werte-Liste bezieht sich allerd­ings auf eine Dichte von 1 g/cm³, der entsprechende Gren­zw­ert in der TRGS 900 „Arbeit­splatz­gren­zw­erte“ von 3 mg/m³ dage­gen auf den in der Prax­is eher rel­e­van­ten Wert von 2,5 g/cm³.
Diese Absenkung des Gren­zw­ertes ste­ht im Zusam­men­hang mit der Zuord­nung von „gran­ulären biobeständi­gen Stäuben (GBS)“ als Bestandteil der alve­olengängi­gen Frak­tion im All­ge­meinen Staub­gren­zw­ert zu kreb­serzeu­gen­den Stof­fen Kat­e­gorie 4 (keine geno­tox­is­chen Wirkun­gen mit der Möglichkeit zur Fes­tle­gung eines MAK-Wertes). Diese Ein­stu­fung ist der End­punkt ein­er jahre­lan­gen Diskus­sion über die generelle Bew­er­tung von alve­olengängi­gen Stäuben als krebserzeugend.
Dieses Ergeb­nis bedeutet aber auch, dass die DFG-Arbeitsstof­fkom­mis­sion bei Über­schre­itung des MAK-Wertes ein Kreb­srisiko für die exponierten Per­so­n­en sieht.
Der AGS wird nun entschei­den müssen, wie er auf die Absenkung bei der DFG und die Zuord­nung zu den kreb­serzeu­gen­den Stof­fen Kat­e­gorie 4 (die es im staatlichen Recht nicht gibt) reagieren will; diese Frage ist vor dem Hin­ter­grund bedeu­tend, dass schon heute die Ein­hal­tung des beste­hen­den Gren­zw­ertes in der Prax­is oft Prob­leme bereitet.

Anhebung von MAK-Werten

Dies­mal gab es auch – ent­ge­gen der üblichen Entwick­lung – auch einige MAK-Anhebungen:
  • um ca. 30 % für Sulfotep,
  • um den Fak­tor 1,8 für 2‑Butin‑1,4‑diol,
  • um den Fak­tor 2,5 für m‑Phthalsäure sowie
  • um den Fak­tor 50 (!) für p‑Phthalsäure.
Während die Ein­stu­fungsüber­prü­fung für o‑Phthalsäure keine Änderun­gen ergab (Ver­weis auf Abschnitt IIb bleibt beste­hen), beträgt der MAK-Wert für die bei­den anderen Iso­mere nun­mehr ein­heitlich 5 mg/m³ in der einatem­baren Staubfrak­tion (E). Kurzzeitwertkat­e­gorie I(2) und Schwanger­schafts­gruppe C blieben dabei unverändert.

Kurzzeitwerte

Bei den neuen MAK hat die Kommission
  • 1 x die Kurzzeitwertkat­e­gorie I(1) (iso-Butylvinylether),
  • 1 x die Kurzzeitwertkat­e­gorie II(1) (tert-Butyl-4-hydrox­yanisol [BHA]) und
  • 5 x die Kat­e­gorie II(2):
Des­til­late (Erdöl), mit Wasser­stoff behan­delte leichte,
Di-tert-dode­cylpen­ta­sul­fid und Di-tert-dodecylpolysulfid,
Eth­yl­ben­zol,
Methenamin-3-chlo­ral­lylchlo­rid und
Methylvinylether.
vergeben.
Änderun­gen bei beste­hen­den Kurzzeitwertkat­e­gorien sind meist – aber nicht immer – mit Absenkun­gen des jew­eili­gen MAK-Wertes ver­bun­den. In diesem Jahr gab es hier neun Änderungen:
  • 1 x I(2) (Eisen­pen­tacar­bonyl – bish­er II(2)),
  • 1 x II(1) (Cyanamid – bish­er II(2)),
  • 4 x II(2) (bish­er 2 x II(1) – Kohlen­monox­id, n‑Octylzinnverbindungen und 2 x II(4) – Dimethyl­for­mamid, Tri-n-butylphosphat,
  • 2 x II(4) (Butyl­hy­drox­y­tolu­ol (BHT), D‑Limonen – bish­er II(2)) sowie
  • 1 x II(8) (All­ge­mein­er Staub­gren­zw­ert (A‑Fraktion) – bish­er ohne Kurzzeitwertkategorie).
Die Bedeu­tung der bei­den Kat­e­gorien wird im nach­fol­gen­den Kas­ten erläutert:
Die Zahl in Klam­mern hin­ter der Kat­e­gorie beze­ich­net den zuläs­si­gen Über­schre­itungs­fak­tor; dabei ist eine solche Über­schre­itung höch­stens vier­mal pro Arbeitss­chicht als Mit­tel­w­ert für jew­eils 15 Minuten zuläs­sig. Der zeitliche Abstand der einzel­nen Über­schre­itungspe­ri­o­den soll dabei min­destens eine Stunde betragen.

Sensibilisierende Stoffe und Aufnahme durch die Haut

Drei (Neu)Einträge erhal­ten in der diesjähri­gen Liste die Anmerkung „Sh“ für Sen­si­bil­isierung bei Hautkontakt:
  • 2,2‑Dibrom-2-cyanacetamid,
  • Dipen­tamethy­len­thi­u­ramdisul­fid und
  • Methenamin-3-chlo­ral­lylchlo­rid.
Die Neuauf­nahme 2‑Chloracetamid erhielt die Anmerkung Sh in Kom­bi­na­tion mit der Anmerkung „H“ für Gefährdung durch Hautkontakt.
Die Anmerkung „Sa“ für „sen­si­bil­isierend beim Einat­men“ wurde in diesem Jahr nicht vergeben.
Port­landze­mentstaub erhält eine neue Fußnote zur Spalte „H;S“, die keinen Hin­weis auf sen­si­bil­isierende Eigen­schaften enthält: „Gilt nur für chro­matarme Zemente mit einem Chrom(VI)-Gehalt von unter 2 ppm (2 mg/kg). Für Zemente mit einem höheren Chrom(VI)-Gehalt siehe Chrom(VI)-Verbindungen“.
Die Anmerkung „H“ für Gefährdung durch Hautkon­takt wurde in diesem Jahr für fünf beste­hende Posi­tio­nen sowie für zwei Neuauf­nah­men vergeben; bei diesen Stof­fen trägt die Auf­nahme durch die Haut wesentlich zum tox­is­chen Gefährdungspoten­zial bei:
  • Amitrol,
  • Chlorde­con,
  • Dipropy­leng­lykol,
  • Eisen­pen­tacar­bonyl,
  • D‑Limonen,
  • Uran und seine anor­gan­is­chen Verbindun­gen (Neuauf­nahme) und
  • Zinkpyrithion (Neuauf­nahme).

Krebserzeugende Stoffe

Zwei Neuein­träge wur­den in diesem Jahr als kreb­serzeu­gend eingestuft:
  • leichte Erdöldes­til­late, mit Wasser­stoff behan­delt (Kat­e­gorie 3B – so genan­nte „echte“ Kreb­sver­dachtsstoffe, s.o.)
  • Uran und seine anor­gan­is­chen Verbindungen:
schw­er lös­lich: Kat­e­gorie 2 (kreb­serzeu­gend im Tierversuch)
lös­lich: Kat­e­gorie 3B (Kreb­sver­dachtsstoffe, s.o.)
Bei den vorhan­de­nen Ein­trä­gen wurde eine ganze Rei­he von Stof­fen umgestuft:
  • Bei Chrom(VI)-Verbindungen wur­den die Aus­nah­men für Bar­i­um- und Ble­ichro­mat gestrichen, so dass auch diese Stoffe jet­zt als kreb­serzeu­gend beim Men­schen (Kat­e­gorie 1) gelten;
  • Chlorde­con wurde von Kat­e­gorie 3B (Kreb­sver­dachtsstoffe, s.o.) umgestuft nach Kat­e­gorie 2 (kreb­serzeu­gend im Tierversuch);
  • tert-Butyl-4-hydrox­yanisol und Port­landze­mentstaub, die bish­er keine Ein­stu­fung hin­sichtlich kreb­serzeu­gen­der Eigen­schaften hat­ten, erhiel­ten die Bew­er­tung: Kat­e­gorie 3B (Kreb­sver­dachtsstoffe, s.o.);
  • drei Stoffe erhiel­ten eine Zuord­nung zu Kat­e­gorie 4 (keine geno­tox­is­chen Wirkun­gen mit der Möglichkeit zur Fes­tle­gung eines MAK-Wertes):
Die Ein­stu­fung von gran­ulären biobeständi­gen Stäuben (GBS) wurde vorste­hend im Zusam­men­hang mit der Absenkung des MAK-Wertes für die alve­olengängige Frak­tion im All­ge­me­in­staub bere­its erwähnt;
Amitrol (bish­er Kat­e­gorie 3B (Kreb­sver­dachtsstoffe, s.o.) sowie
Eth­yl­ben­zol (bish­er kreb­serzeu­gend Kat­e­gorie 3A mit Stof­fen, für die die Voraus­set­zun­gen erfüllt wären, um sie in Kat­e­gorie 4 oder 5 einzustufen, für die aber (bish­er) keine aus­re­ichen­den Infor­ma­tio­nen zur Fes­tle­gung eines MAK- oder BAT-Wertes vorlagen).
Bei Port­landze­mentstaub weist eine neue Fußnote darauf hin, dass Quarzan­teil und Chro­matan­teil sep­a­rat zu bew­erten sind. Der bish­erige Hin­weis auf Abschnitt V (Aerosole) entfällt.
Wie für alle Stoffe hat die Kom­mis­sion für jede Zuord­nung eine aus­führliche wis­senschaftliche Begrün­dung erar­beit­et, die einige Monate nach der MAK-Liste in ein­er Ergänzungsliefer­ung zu der Lose­blattsamm­lung „Toxikol­o­gisch-arbeitsmedi­zinis­che Begrün­dun­gen von MAK-Werten und Ein­stu­fun­gen“ [2] veröf­fentlicht werden.

Keimzellmutagene

Bei den Keimzell­mu­ta­ge­nen gibt es in diesem Jahr nur einen neuen Ein­trag bei Uran und seinen anor­gan­is­chen Verbindun­gen (Neuauf­nahme), das der Kat­e­gorie 3A zuge­ord­net wurde, in der Stoffe mit nachgewiesen­er Schädi­gung der Keimzellen im Tierver­such aufge­führt sind.

Schwangerschaftsgruppen

Die Zuord­nung zu Schwanger­schafts­grup­pen ist mit ins­ge­samt 27 neuen Bew­er­tun­gen (bei ins­ge­samt 59 Ein­trä­gen) ein Schw­er­punkt der diesjähri­gen MAK-Werte-Liste. Neben der bere­its erwäh­n­ten Über­prü­fung von 11 Ein­trä­gen zur Schwanger­schafts­gruppe C wurde
  • ein Neuein­trag (Methenamin-3-chlor- allylchlo­rid) der Schwanger­schafts­gruppe B (Stoffe, bei denen mit ein­er fruchtschädi­gen­den Wirkung nach den vor­liegen­den Infor­ma­tio­nen auch bei Ein­hal­tung des MAK- und BAT-Wertes gerech­net wer­den muss),
  • vier Neuein­träge der Schwanger­schafts­gruppe C (Stoffe, bei denen eine fruchtschädi­gende Wirkung bei Ein­hal­tung des MAK- und BAT-Wertes nicht befürchtet wer­den braucht) und
  • ein Neuein­trag (iso-Butylvinylether) der Schwanger­schafts­gruppe D (Stoffe, bei denen die vor­liegen­den Dat­en für eine Ein­stu­fung in eine der Grup­pen A, B oder C nicht ausreichen)
zuge­ord­net (siehe auch oben bei der Beschrei­bung der neuen MAK-Werte).
Bei den vorhan­de­nen Stof­fein­trä­gen ergaben sich ins­ge­samt 10 Änderungen:
Sieben Mal wurde die Schwanger­schafts­gruppe B (fruchtschädi­gende Wirkung auch bei Ein­hal­tung des MAK- und BAT-Wertes möglich) für Stoffe vergeben, die zuvor der Schwanger­schafts­gruppe C (keine fruchtschädi­gende Wirkung zu erwarten) zuge­ord­net waren:
Di-n-butylzin­nverbindun­gen/ Tri-n-butylzinnverbindungen,
  • 1,3‑Dioxolan (Diox­a­cy­clopen­tan),
  • 2‑Ethylhexanol,
Natri­um­flu­o­rac­etat,
Natri­umpyrithion,
Per­flu­o­roc­tan­säure und ihre anor­gan­is­chen Salze sowie
Tri­ethyleng­lykol;
dreimal wurde die Schwanger­schafts­gruppe C für Stoffe vergeben, die zuvor hin­sichtlich dieser Eigen­schaft nicht klas­si­fiziert waren:
All­ge­mein­er Staub­gren­zw­ert (A‑Fraktion; Gran­uläre biobeständi­ge Stäube (GBS)),
tert-Butyl-4-hydrox­yanisol (BHA)
Eth­yl­ben­zol.
Nach­dem im ver­gan­genen Jahr die Schwanger­schafts­grup­pen für n‑Octylzinnverbindungen dif­feren­ziert wur­den, waren 2011 die n‑Butylzinnverbindungen an der Reihe:
  • Für Mono- und Tetra-n-butylzin­nverbindun­gen blieb die bish­erige Schwanger­schafts­gruppe C erhalten;
  • für Di- und Tri-n-butylzin­nverbindun­gen wurde jet­zt die Schwanger­schafts­gruppe B (bish­er Schwanger­schafts­gruppe C) vergeben (s.o.).
Die in diesem Jahr auf­fäl­lig häu­fi­gen Umstufungen
  • von Schwanger­schafts­gruppe C: fruchtschädi­gende Wirkung bei Ein­hal­tung des MAK- und BAT-Wertes nicht zu erwarten
  • nach Schwanger­schafts­gruppe B: fruchtschädi­gende Wirkung auch bei Ein­hal­tung des MAK- und BAT-Wertes möglich
unter­stre­ichen deut­lich, dass MAK-Werte und Ein­stu­fun­gen immer nur den gegen­wär­ti­gen Stand der wis­senschaftlichen Erken­nt­nisse wider­spiegeln und keines­falls „ewige Wahrheit­en“ darstellen.
Biol­o­gis­che Werte
Bei den biol­o­gis­chen Werten gibt es in diesem Jahr Ein­träge für ins­ge­samt 11 Stoffe oder Stof­f­grup­pen, davon 6 neue Stoffe oder Stof­f­grup­pen mit zwei neuen BAT-Werten für Hexa­m­ethylendi­iso­cyanat und Vit­a­min K‑Antagonisten sowie vier BAR-Werten (Biol­o­gis­ch­er Arbeitsstoff-Ref­erenz-Wert) für
  • 1,2‑Epoxypropan (zwei Parameter),
  • Poly­chlo­ri­erte Biphenyle (drei Parameter),
  • Uran (natür­lich und abgere­ichert) und seine schw­er lös­lichen anor­gan­is­chen Verbindun­gen (nicht fest­gelegt, vgl. Abschn. XV.2) sowie
  • lös­liche anor­gan­is­che Uran­verbindun­gen (nicht fest­gelegt, vgl. Abschn. XV.2).
Für Uran und Uran­verbindun­gen kon­nte kein Biol­o­gis­ch­er Arbeitsstoff-Ref­erenz-Wert fest­gelegt wer­den, da die natür­liche Hin­ter­grund­be­las­tung in Deutsch­land region­al stark schwankt – entsprechend dem Uranan­teil im Grund und Boden.
Vit­a­min K‑Antagonisten erhiel­ten die neue Fußnote „Ableitung des BAT-Wertes als Höchst­wert wegen akut tox­is­ch­er Effek­te“, die im Übri­gen erst­mals auch für Acetyl­cholinesterase-Hem­mer, Methä­mo­glo­bin-Bild­ner und Kohlen­monox­id vergeben wurde.
Bei den beste­hen­den Ein­trä­gen wurde ein BAT-Wert (Eth­yl­ben­zol), zwei neue BAR-Werte (bei­de für Acry­lamid mit unter­schiedlichen Para­me­tern) und ein BLW (Biol­o­gis­ch­er Leitwert) für 4,4’-Diaminodiphenylmethan hinzugefügt.
Für Eth­yl­ben­zol bedeutet dies, dass für diesen Stoff neben dem neuen BAT-Wert EKA-Tabellen für zwei unter­schiedliche Para­me­ter beste­hen (EKA = Expo­si­tion­säquiv­a­lente für kreb­serzeu­gende Arbeitsstoffe wer­den def­i­n­i­tion­s­gemäß nur für solche Stoffe aufgestellt; vielle­icht hat die Kom­mis­sion ein­fach vergessen, die Tabellen zu stre­ichen?). Beim EKA-Probe­nah­mezeit­punkt wurde dabei der Hin­weis auf Langzei­t­ex­po­si­tion © gestrichen. Es verbleibt lediglich die Angabe „Expo­si­tion­sende oder Schich­t­ende“ (b).
Ins­ge­samt vier­mal wurde bei den Neuein­trä­gen und den Änderun­gen in der Spalte „Para­me­ter“ ein Hin­weis auf vorherge­hende Hydrol­yse eingefügt.

Untersuchungsmaterial: BE statt E

Von langfristiger und über­greifend­er Bedeu­tung ist die Änderung des bish­eri­gen Unter­suchungs­ma­te­ri­als „Ery­throzyten“ (E) in „Ery­throzyten­frak­tion des Voll­blutes“ (BE), das bei den diesjähri­gen Neuein­trä­gen und Änderun­gen ins­ge­samt fünf­mal zur Anwen­dung kam.
Allerd­ings wur­den bei den Änderun­gen in diesem Jahr auch der BLW für Acry­lamid sowie der BAR für 4,4’-Diaminodiphenylmethan von bish­er „Voll­blut“ (B) auf den neuen BE umgestellt, let­zter­er ohne Anpas­sung des Zahlen­wertes, was de fac­to wohl ein­er Absenkung des Wertes gleichkommt.
Weit­ere Informationen:
Alle Neuauf­nah­men und Änderun­gen im Einzel­nen kön­nen auf der Inter­net­seite der DFG unter der Adresse www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/gremien/senat/arbeitsstoffe/aenderungen_und_neuaufnahmen_2011.pdf nachge­le­sen wer­den. Die gedruck­te Fas­sung der Liste (mit CD-ROM) kann beim Wiley-VCH-Ver­lag, Boschstrasse 12, D‑69469 Wein­heim, Tele­fon 06201/606–0, Fax 06201/606–328, E‑Mail: info@wiley-vch.de oder im Buch­han­del käu­flich erwor­ben wer­den (59,– Euro).
Unter der Adresse www.mak-collection.com beste­ht auch Zugang zu ein­er (englis­chsprachi­gen und kostenpflichti­gen) Online-Ver­sion der aktuellen MAK-Werte-Liste.
Lit­er­aturhin­weise:
  • 1. Bekan­nt­machung zu Gefahrstof­fen (BekGS) 901 „Kri­te­rien zur Ableitung von Arbeit­splatz­gren­zw­erten“, GMBl. 2010 Nr. 32 vom 21.05.2010 S. 691–696
  • 2. Hartwig, Andrea (Hrsg.) „Gesund­heitss­chädliche Arbeitsstoffe – Toxikol­o­gisch-arbeitsmedi­zinis­che Begrün­dun­gen von MAK-Werten und Ein­stu­fun­gen“, 50. Liefer­ung MAK-Werte Begrün­dun­gen (DFG) (Band 50) April 2011 II, 476 Seit­en, Lose­blat­twerk: Ergänzungsliefer­ung – Handbuch/Nachschlagewerk (ISBN-10: 3–527–32572–7; ISBN-13: 978–3–527–32572–6); Wiley-VCH, Wein­heim, 219,– Euro
Autor
Dr. Ulrich Welzbacher
Sankt Augustin
Autor@ Gefahrstoffinformation.de
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