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Gefähr­dungs­pro­gnose zur Risi­ko­mi­ni­mie­rung bei der Planung von Forschungs­ge­bäu­den

Abschlussarbeit an der Technischen Akademie Wuppertal (TAW)
Gefähr­dungs­pro­gnose zur Risi­ko­mi­ni­mie­rung bei der Planung von Forschungs­ge­bäu­den

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Funktions- und Compliance-Anforderungen an Gebäude der naturwissenschaft-lichen Forschung werden immer komple­xer. Inner­halb der anspruchs­vol­len Planungs­pro­zesse gewin­nen Sicher­heits­aspekte zuneh­mend an Bedeu­tung. Werden diese vernach­läs­sigt, erhö­hen sich die Haftungs­ri­si­ken für Bauher­ren, Planer, Betrei­ber und Nutzer. Der folgende Beitrag zeigt, wie Arbeits­si­cher­heit und Faci­lity Manage­ment (FM) bei einem Neubau­vor­ha­ben erfolg­reich verzahnt wurden.

Kers­tin Neurie­der

Die planungs­be­glei­tende Erstel­lung einer Gefähr­dungs­pro­gnose hat zum einen die präven­tive Gestal­tung der Arbeitsumge-bung von Arbeits­sys­te­men zum Ziel, um einen möglichst hohen Grad an intrin-sischer Sicher­heit (baulich-technische Eigen­si­cher­heit) zu gewähr­leis­ten. Zum ande­ren werden Planungs­ri­si­ken berück­sich­tigt, die eine Verfeh­lung von Nutzer­wün­schen und wirt­schaft­li­che Risi­ken betref­fen. Die erst­ma­lig voll­um­fäng­lich und erfolg­reich ange­wandte Gefähr­dungs­pro­gnose für einen komplet­ten Insti­tuts­neu­bau wurde in einer Studie1 am Max-Planck-Institut für Chemi­sche Ener­gie­kon­ver­sion (MPI CEC) in Mülheim an der Ruhr metho­disch und prak­tisch doku­men­tiert und diente dort auch der beglei­ten­den Erstel­lung eines Betriebs- und Sicher­heits­kon­zepts. Im Folgen­den werden die wich­tigs­ten Aspekte für die Inte­gra­tion des Verfah­rens in den Planungs­pro­zess vorge­stellt.
Was bedeu­tet plan­bare Sicher­heit?
Beim Neubau eines natur­wis­sen­schaft­li­chen Forschungs­ge­bäu­des bedeu­tet plan­bare Sicher­heit vor allem die Mini­mie­rung wirt­schaft­li­cher und opera­ti­ver Betriebs­ri­si­ken durch eine best­mög­li­che Vorweg­nahme des späte­ren Betriebs durch den Planer. Damit soll der betrieb­li­che Mehr­wert in Einrich­tun­gen der Grund­la­gen­for­schung durch eine opti­male tech­ni­sche Infra­struk­tur und flexi­ble weitere Unter­stüt­zungs­pro­zesse verbes­sert werden. Konse­quen­ter­weise umfasst der hier verwen­dete Begriff „Kosten“ alle Fakto­ren, die den betrieb­li­chen Mehr­wert sowohl durch Planung und Errich­tung als auch im späte­ren Betrieb einschrän­ken oder verrin­gern können. Unter „Kosten­re­du­zie­rung“ ist also keine einsei­tige Redu­zie­rung von Investitions- oder späte­ren Betriebs­kos­ten – in Euro und Cent ausge­drückt – zu verste­hen, sondern viel­mehr jegli­che Ausschöp­fung an poten­zi­ell mögli­chem betrieb­li­chem Mehr­wert für die Forschung.
Um welche Risi­ken geht es?
Für die Planung, den Bau und den Betrieb von Forschungs­ge­bäu­den spie­len zur Ablei­tung von Risi­ken und Schutz­maß­nah­men beson­ders der forschungsbe-dingte Umgang mit gefähr­li­chen Mate­ria­lien und bestimm­ten Strah­lungs­ar­ten, Hoch- und Unter­druck­si­tua­tio­nen sowie die tech­ni­schen Betriebs­zu­stände der forschungs­be­dingt komple­xen betriebs­tech­ni­schen Anla­gen eine Rolle. Die meis­ten planungs- und baube­ding­ten Sicher­heits­ri­si­ken fallen in den Bereich der techni-schen Risi­ken. Zu diesen Risi­ken gehö­ren unter ande­rem:
  • Situa­tio­nen bei Störun­gen und Strom­aus­fall,
  • Häufig­kei­ten der störungs­aus­lö­sen­den Ereig­nisse (zum Beispiel im Labor),
  • Ausfall­ra­ten und Instand­set­zungs­zei­ten von tech­ni­schen Kompo­nen­ten,
  • Nicht­ver­füg­bar­kei­ten der Teil­sys­teme durch mangelnde vorbeu­gende Instand­hal­tung,
  • Fehler­ra­ten gemein­sam verur­sach­ter Ausfälle redun­dan­ter Kompo­nen­ten,
  • Fehler­ra­ten der Hand­lun­gen von Perso­nen,
  • Unver­träg­lich­keit von Flächen­funk­tion und Ausstat­tung gegen­über der Flächen­nut­zung.
Orga­ni­sa­to­ri­sche Risi­ken bestehen zunächst grund­sätz­lich in der Nutzungs­phase eines Forschungs­ge­bäu­des. Zusätz­li­che orga­ni­sa­to­ri­sche Risi­ken entste­hen immer dann, wenn die Bewäl­ti­gung der tech­ni­schen Risi­ken durch die Planung und den Bau des Gebäu­des keine hinrei­chende Sicher­heit gewähr­leis­tet. Je mehr solche zusätz­li­chen orga­ni­sa­to­ri­schen Risi­ken zu lösen sind, desto größer wird der Aufwand an Exper­tise, Perso­nal, Zeit und Mittel im Betrieb.
Perso­nen­be­zo­gene Risi­ken stel­len beson-ders heraus­for­dernde Risi­ko­ty­pen dar. Sie lassen sich nur durch eine verste­tigte Kontrolle und Korrek­tur durch den Arbeit­ge­ber oder Betrei­ber vermei­den oder dauer­haft unter­drü­cken. Betriebe müssen dazu eine entspre­chende Sicher­heits­kul­tur etablie­ren.
Risi­ko­be­wäl­ti­gung bei der Planung von Betrieb und Sicher­heit
Die Aufga­ben zur Risi­ko­be­wäl­ti­gung verei­ni­gen zahl­rei­che FM-relevante Funk­tio­nen, die über­wie­gend auf Betreiber- und Nutzer­seite liegen. Werden diese plane­ri­schen und struk­tu­rel­len Risi­ken nicht erkannt oder für deren spätere Bewäl­ti­gung keine hinrei­chen­den baulich-technischen Voraus­set­zun­gen geschaf­fen, erschwert dies nicht nur den späte­ren Betrieb, sondern führt häufig auch zu erheb­li­chen Betrei­ber­ri­si­ken und Betriebs­mehr­kos­ten in der Nutzungs­phase. Allge­mein wird in diesem Zusam­men­hang auch verkannt, in welchem Umfang eine Verlet­zung der Regel­kon­for­mi­tät durch Bauherrn und Planer haftungs­recht­li­che Konse­quen­zen für diese haben kann.
Beson­ders greif­bar wird die Tren­nung der Instan­zen in der Bereit­stel­lungs­phase eines neuen Forschungs­ge­bäu­des beim Risi­ko­über­gang von Planern auf den Bauherrn (Leis­tungs­ab­nahme) und vom Bauherrn auf den Betrei­ber und die Nutzer (Gebäu­de­über­gabe). Was der Planer nicht als sicher­heits­re­le­van­ten, baulich-technischen Stan­dard system­im­ma­nent bereit­stellt, müssen Betrei­ber oder Nutzer später nach­rüs­ten oder durch orga­ni­sa­to­ri­sche oder perso­nelle Maßnah­men kompen­sie­ren. Die im Planungs­pro­zess häufig beob­ach­tete Praxis, tech­ni­sche Risi­ken, die eigent­lich planungs- und bausei­tig lösbar sind, nicht oder nicht voll­stän­dig in dieser Phase zu lösen, sondern als tech­ni­sches, orga­ni­sa­to­ri­sches oder personen-bezogenes Risiko auf den späte­ren Nutzer zu über­wäl­zen, ist frag­wür­dig und entspricht nicht der Vorstel­lung über ange­mes­sene Betriebs- und Sicher­heits­kon­zepte. Natur­ge­mäß bestehen also an diesen Schnitt­stel­len Risi­ken für alle Betei­lig­ten. Art und Umfang des dabei vom Bauherrn, Betrei­ber oder Nutzer über­nom­me­nen Risi­kos hängen sowohl von der Quali­tät der Planung und Ausfüh­rung ab als auch von der über­nom­me­nen Objekt­do­ku­men­ta­tion. In dieser Abhän-gigkeit steckt ein enor­mes Poten­zial an Syner­gie: Es wirkt sich insge­samt posi­tiv auf eine realis­ti­sche Bedarfs­er­mitt­lung und auf das Wert­schöp­fungs­po­ten­zial neuer Forschungs­ge­bäude aus, wenn diese Aufga­ben der Risi­ko­be­wäl­ti­gung unmit­tel­bar in den Planungs­pro­zess eines Neubau­vor­ha­bens einbe­zo­gen werden.
Prozess­qua­li­tät bei Planung sichern
Ein konse­quent und planungs­be­glei­tend geführ­tes Betriebs- und Sicherheitskonzept2 erfüllt alle Anfor­de­run­gen an dieses Schlüs­sel­kri­te­rium. Ein Betriebs- und Sicher­heits­kon­zept ist Teil einer konzept­ge­steu­er­ten Baupla­nung. Es gestat­tet einer­seits den Planern eine möglichst einfa­che Inte­gra­tion von Sicher­heits­aspek­ten in den Planungs­pro­zess sowie ande­rer­seits dem späte­ren Nutzer die weni­ger aufwän­dige Verwirk­li­chung eines siche­ren Betriebs. Dahin­ter steht die Idee, dass Betriebs- und Sicher­heits­kon­zept nicht mehr vonein­an­der getrennt sind, sondern inein­an­der­grei­fen (vgl. Abbil­dung 1). Dabei gibt das Betriebs­kon­zept zunächst die Nutzungs­zu­ord­nung der Räume und diffe­ren­zierte Nutzungs­pro­file für ein Gebäude vor. Auf dieser Basis stuft das Sicher­heits­kon­zept die jewei­lige Situa­tion nach Gefähr­dungs­po­ten­zial ein und stellt die dafür anzu­wen­den­den Gesetze, Verord­nun­gen, Tech­ni­schen Regeln und Normen bereit. Daraus entwi­ckeln sich dann eine vorläu­fige sicher­heits­tech­ni­sche Einstu­fung der Räume, andere gebäu­de­spe­zi­fi­sche Konzepte (zum Beispiel Explo­si­ons­schutz, Brand­schutz, Ver- und Entsor­gungs­lo­gis­tik, Objekt­schutz, Nach­bar­schafts­schutz) und die damit verbun­de­nen, spezi­el­len Anfor­de­run­gen an die Planungs­ge­werke. Die Ergeb­nisse sind ein sicher­heits­tech­nisch korrek­tes und planungs­tech­nisch verwert­ba­res Raum­buch sowie die konsis­tente planungs­be­glei­tende Fort­schrei­bung der Teil­kon­zepte. Darauf aufbau­end lässt sich ein Betriebs- und Sicher­heits­kon­zept als Arbeits­do­ku­ment für den Nutzer verwen­den, um die nach der Über­gabe anschlie­ßen­den weite­ren Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen, Risi­ko­be­ur­tei­lun­gen oder Bedro­hungs­ana­ly­sen fort­zu­schrei­ben.
Gefähr­dungs­pro­gnose durch­füh­ren
Ähnlich wie bei der Ermitt­lung der Baukos­ten kommt die Gefähr­dungs­pro­gnose bei einer schritt­wei­sen Anwen­dung von aufein­an­der­fol­gen­den Planungs­pha­sen zu einem verbes­ser­ten Ergeb­nis (vgl. Abbil­dung 2). Jeder Anlauf­punkt für das Sicher­heits­kon­zept erfor­dert die Fort­schrei­bung der soge­nann­ten Gefähr­dungs­pro­gnose, um das Sicher­heits­kon­zept an die fortge-schrittene Planung anzu­pas­sen und even­tu­ell notwen­dig werdende Anpas­sun­gen von bauli­chen oder tech­ni­schen Schutz­maß­nah­men wieder im Planungs­pro­zess zu berück­sich­ti­gen (vgl. Abbil­dung 3). In vielen Fällen gibt es bei der Gefähr­dungs­pro­gnose für eine hinrei­chende Risi­ko­mi­ni­mie­rung nicht nur eine einzige Lösung. Aus der Viel­falt der Vari­an­ten ist dann eine Auswahl als Fest­le­gung für die weitere Planung zu tref­fen. Dieser Entschei­dung liegen oft mehrere rele­vante Entschei­dungs­kri­te­rien zugrunde, die ein komple­xes Bewer­tungs­mus­ter erfor­dern. Solche Entschei­dun­gen lassen sich durch das Verfah­ren der Nutzwertanalyse3 erheb­lich verkür­zen und dennoch effek­tiv gestal­ten.
Die Abhän­gig­keit der Inte­gra­ti­ons­schritte vom zeit­li­chen Fort­gang der Gesamt­pla­nung verbie­tet einen „eige­nen Zeit­plan“, sondern erfor­dert viel­mehr eine immer engere Synchro­ni­sa­tion mit den erreich­ten Planungs­pha­sen. Durch­füh­rende von Gefähr­dungs­pro­gno­sen müssen sich deshalb auf uner-wartete Anfra­gen und unver­züg­li­che Informations- und Ressour­cen­be­reit­stel­lung im Planungs­ver­lauf einstel­len, wenn sie effek­tiv zur Risi­ko­mi­ni­mie­rung beitra­gen wollen. Dieser für die Praxis der planungs­be­glei­ten­den Gefähr­dungs­pro­gno­sen oft nach­tei­lige Effekt kann aller­dings durch einen geord­ne­ten und verste­tig­ten Infor­ma­ti­ons­fluss über den jewei­li­gen Planungs­stand zwischen allen Planungs­be­tei­lig­ten deut­lich verrin­gert werden.
Schreib­ar­beits­plätze im Labor
Das folgende Praxis­bei­spiel zu Schreib­ar­beits­plät­zen im Labor bezieht sich auf das Neubau­vor­ha­ben des MPI CEC; weitere Praxis­bei­spiele sind in der Studie enthal­ten. Im Kontext von Labor­pla­nung ist es üblich, Schreib­ar­beits­plätze nahe beim Expe­ri­ment bereit­zu­stel­len. Dies ist einer­seits unter dem Aspekt der hohen flächen­spe­zi­fi­schen Kosten eines Labors abso­lut unwirt­schaft­lich, da Schreib­ar­beits­plätze eben nicht die hohen Instal­la­ti­ons­kos­ten für Luft­wech­sel­ra­ten und tech­ni­sche Infra­struk­tur eines norma­len Labor­ar­beits­plat­zes erfor­dern. Ande­rer­seits müssen Beschäf­tigte an Schreib­ar­beits­plät­zen im Labor vor Gefahr­stof­fen geschützt werden.
Bei der Planung des Labor­ge­bäu­des wurden deshalb Vari­an­ten der Ausla-gerung von Schreib­ar­beits­plät­zen aus den Labo­ra­to­rien in nahe­ge­le­gene Groß­raum­bü­ros in die Diskus­sion gebracht:
  • Vari­ante A: neben jedem Abzug im Labor ein Schreib­ar­beits­platz.
  • Vari­ante B: Ausla­ge­rung von 50 Prozent der Schreib­ar­beits­plätze aus dem Labor in ein benach­bar­tes Büro­ge­bäude.
  • Vari­ante C: Ausla­ge­rung aller Schreib­ar­beits­plätze aus dem Labor in ein benach­bar­tes Büro­ge­bäude.
Für den Vergleich der Inves­ti­ti­ons­kos­ten dieser Vari­an­ten wurde die Schlüs­sel­größe Kosten­flä­chen­art (KFA)4 heran­ge­zo­gen. Die Stufen KFA 1 bis KFA 13 sind nach bestimm­ten Nutzungs­ar­ten geglie­dert. Zur KFA 3 gehö­ren unter ande­rem die hier disku­tier­ten Büro­räume; KFA 7 beinhal­tet zum Beispiel chemisch-technische Labors mit beson­de­ren Anfor­de­run­gen. Zur KFA 8 gehö­ren beispiels­weise einfa­che Isoto­pen­la­bors und zur KFA 9 chemi­sche Labors mit spezi­el­len Hygiene- und Sicher­heits­an­for­de­run­gen. Jede KFA-Stufe entspricht einem zeit­ab­hän­gi­gen Kosten­kenn­wert. Ein Vergleich (vgl. Abbil­dung 4) zeigt, dass sich diese Kosten­kenn­werte einer­seits zwar mit der Zeit syste­ma­tisch erhö­hen, ande­rer­seits bleibt ihre Rela­tion unter­ein­an­der zeit­lich konstant.
Vergleich der Inves­ti­ti­ons­kos­ten und Schluss­fol­ge­run­gen
Für den Vergleich der Inves­ti­ti­ons­kos­ten der Planungs­va­ri­an­ten A, B und C werden deshalb nur die Rela­tio­nen unter den KFA-Stufen verwen­det, die durch einen Kosten­fak­tor rela­tiv zur KFA 3 für Büro­räume darge­stellt werden. Das Produkt aus Kosten­fak­tor und Fläche für eine KFA-Stufe ist ein Wert, der sowohl für die Labor-Schreibflächen als auch die Büro­raum­flä­che einer jeden Vari­ante eine Kenn­zahl liefert. Die Summe dieser Kenn­zah­len ergibt für jede Vari­ante eine Summen­kenn­zahl, aus der die rela­tive Abwei­chung zur reinen Labor­lö­sung abge­lei­tet wird. Betrach­tet man also ausschließ­lich die Inves­ti­ti­ons­kos­ten, würde dieser Vergleich eindeu­tig für die Planungs­va­ri­ante C spre­chen, die um rund 67 Prozent gerin­gere Inves­ti­ti­ons­kos­ten aufweist (vgl. Abbil­dung 5). Dies wäre jedoch eine sehr einsei­tige Betrach­tung. Aber auch aus der Nutz­wert­ana­lyse (vgl. Abbil­dung 6) folgt bei Berück­sich­ti­gung aller Bewer­tungs­kri­te­rien die Präfe­renz für Vari­ante C. Die Nutz­wert­ana­lyse stärkt damit die Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dung eben­falls aus Sicht der Risi­ko­blö­cke Sicher­heit und Funk­tio­nen.
Die Verbin­dung der Informations- und Kommunikations-Technologie (IKT) zu den weit­ge­hend vernetz­ten Labor­ar­beits­plät­zen erlaubt eine Online-Dokumen-tation von Expe­ri­men­ten außer­halb des Labors, was die Nutz­werte im Risi­ko­block bei einer Ausla­ge­rung der Schreib­plätze aus dem Labor nicht schmä­lert, sondern wegen der Zugangs­ver­ein­fa­chung zu den Schreib­plät­zen sogar leicht erhöht. Expe­ri­ment­un­ab­hän­gige Schreib­ar­bei­ten gehö­ren ohne­hin nicht ins Labor. Diese Möglich­keit wird bei voll­stän­di­ger Ausla­ge­rung der Schreib­plätze von vorn­her­ein unter­drückt. Ein klarer Nutz­wert­zu­wachs erfolgt somit im Risi­ko­block Sicher­heit. Im Labor werden nunmehr kost­spie­lige Flächen der Kosten­flä­chen­art entspre­chend besser genutzt. Dies erzeugt wiederum die bereits aus Abbil­dung 4 bekann­ten Vorteile im Risi­ko­block Kosten. Gleich­zei­tig können Schreib­ar­bei­ten auf Kosten­flä­chen­ar­ten mit erheb­lich gerin­ge­ren Kosten­kenn­wer­ten und für die Betrof­fe­nen siche­rer durch­ge­führt werden. Inter­es­san­ter­weise ergibt sich für die voll­stän­dige Ausla­ge­rung der Schreib­ar­beits­plätze in ein benach­bar­tes Büro­ge­bäude für alle Risi­ko­blö­cke der höchste Nutz­wert. Das Beispiel zu den Schreib­ar­beits­plät­zen im Labor zeigt, dass sich gleich­zei­tig ein hohes Maß an Sicher­heit und Kosten­ein­spa­run­gen erzie­len lassen.
Fazit
Beim Bau von Gebäu­den für die natur­wis­sen­schaft­li­che Forschung sind die planungs­be­glei­tende Erstel­lung von Gefähr­dungs­pro­gno­sen und die Fort­schrei­bung eines Betriebs- und Sicher­heits­kon­zepts bis zur Über­gabe an den Nutzer reif für die Anwen­dung in der Praxis. Sie bieten schlüs­sige Antwor­ten auf die immer komple­xer werden­den Funktions- und Compliance-Anforderungen. Ein entspre­chend gestal­te­ter Planungs­pro­zess kann bei voller Fokus­sie­rung auf die Nutzer­wün­sche über den Lebens­zy­klus des Gebäu­des hinweg einen hohen Grad an Eigen­si­cher­heit ohne zeit­li­che Verzö­ge­run­gen und Mehr­kos­ten gewähr­leis­ten. Dies führt auch zu einer erheb­li­chen Vermin­de­rung der Haftungs­ri­si­ken von Bauher­ren, Planern, Betrei­bern und Nutzern für die Beauf­tra­gung, Planung, Erstel­lung, Bereit­stel­lung bzw. den Betrieb von Forschungs­ge­bäu­den. Das vorge­stellte Konzept lässt sich für belie­bige Frage­stel­lun­gen bei der Planung von Labor­ge­bäu­den einset­zen. Anwen­dungs­bei­spiele im laufen­den Planungs­pro­zess sind unter ande­rem Barrie­re­frei­heit, Vari­an­ten von Alarm‑, Explosionsschutz‑, Abfall- und Ersatz­strom­kon­zep­ten, die Konfi­gu­ra­tion eines Sicher­heits­la­bors sowie Secu­rity und Zutritts­kon­trol­len. Eine frühe Einbin­dung aller rele­van­ten Arbeits­schutz­ak­teure, ihre Ausstat­tung mit entsprech-enden Zeit­res­sour­cen und ein gut funk­tio­nie­ren­des Planungs­team können zu plan­ba­rer Sicher­heit in Bauvor­ha­ben erheb­lich beitra­gen. Über­dies erhält der spätere Nutzer ein indi­vi­du­ell erstell­tes, pass­ge­naues Betriebs- und Sicher­heits­kon­zept, das er mit gut einschätz­ba­rem Aufwand fort­schrei­ben kann
Lite­ra­tur
  • Bundes­mi­nis­te­rium für Umwelt, Natur­schutz, Bau und Reak­tor­si­cher­heit (BMUB): Bewer­tungs­sys­tem Nach­hal­ti­ges Bauen (BNB). BNB-Laborgebäude, Version 2013_4, Kapi­tel 1.2.3, S. 2 und Kapi­tel 5.3.7, Bewer­tungs­kri­te­rien.
  • Girm­scheid, Gerhard: Projekt­ab­wick­lung in der Bauwirt­schaft, 2. aktua­li­sierte und erwei­terte Auflage, Berlin/Heidelberg, 2007.
  • Neurie­der, Kers­tin: Gefähr­dungs­pro­gnose zur Risi­ko­mi­ni­mie­rung im Lebens­zy­klus von Forschungs­ge­bäu­den „Teil­neu­bau Insti­tuts­ge­bäude“. Projekt­ar­beit im Zertifikats-Lehrgang Fachwirt/-in Faci­lity Manage­ment (GEFMA). TAW Wupper­tal, 2015.

Fußno­ten:

1 Neurie­der (2015). Die Studie wurde im Herbst 2015 von der German Faci­lity Manage­ment Asso­cia­tion (GEFMA) mit einem Förder­preis ausge­zeich­net.

2 Der Begriff „Betriebs- und Sicher­heits­kon­zept“ wurde ursprüng­lich im „Leit­fa­den Nach­hal­ti­ges Bauen“ des Bundes­mi­nis­te­ri­ums für Umwelt, Natur­schutz, Bau und Reak­tor­si­cher­heit (BMUB) (Stand: April 2013) verwen­det und dann in die Regel­be­rei­che der Deut­schen Gesell­schaft für Nach­hal­ti­ges Bauen (DGNB) und des Bewer­tungs­sys­tems Nach­hal­ti­ges Bauen (BNB) für Bundes­ge­bäude des Bundes­bau­mi­nis­te­ri­ums über­nom­men.

3 Dabei werden die wesent­li­chen und rele­van­ten Entschei­dungs­kri­te­rien erfasst und nach ihrer Bedeu­tung für die anste­hende Vari­an­ten­aus­wahl gewich­tet. Bewährt haben sich die drei Risi­ko­blö­cke „Funk­tio­nen“, „Sicher­heit“ und „Kosten“ mit jeweils fünf Entschei­dungs­kri­te­rien.

4 Die Zuord­nungs­ta­bel­len der Nutzungs­codes zu Kosten­flä­chen­ar­ten bzw. Kosten­wer­ten werden für die Bauver­wal­tun­gen der öffent­li­chen Hand zentral von der Staat­li­chen Vermögens- und Hoch­bau­ver­wal­tung Baden-Württemberg verwal­tet und fort­ge­schrie­ben. Sie gelten deutsch­land­weit.

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