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Spart Kosten und schützt Leben

Instandhaltung
Spart Kosten und schützt Leben

Inspektion und Wartung gehören zur vorbeugenden Instandhaltung. Foto: © industrieblick - Fotolia.com
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Wegen mangeln­der Instand­hal­tung und verän­der­ten Bedin­gun­gen sind mehr als 10.000 Brücken in Deutsch­land marode und hinfäl­lig. Abbruch oder aufwän­dige Sanie­rungs­ar­bei­ten müssen die aufge­scho­be­nen oder unvoll­stän­di­gen Instand­hal­tun­gen nun ausglei­chen. Auch im Betrieb spielt Instand­hal­tung eine große Rolle, aller­dings können Instand­hal­tungs­ar­bei­ten gefähr­lich sein.

Instand­hal­tung bedeu­tet tech­ni­sche Systeme, Bauele­mente, Geräte und Betriebs­mit­tel oder Teile davon während ihres Lebens­zy­klus in einem funk­ti­ons­fä­hi­gen Zustand zu erhal­ten. Sie kann aber auch bedeu­ten, einen funk­ti­ons­fä­hi­gen Zustand wieder herzu­stel­len. Die Maßnah­men, die zur Instand­hal­tung gehö­ren, sind laut DIN-Norm 31051 Wartung, fach­ge­rechte Instand­set­zung und tech­ni­sche Verbes­se­rung sowie regel­mä­ßige Inspek­tion und sicher­heits­tech­ni­sche Prüfung.

Mit einem vorbeu­gen­den Instand­hal­tungs­kon­zept soll unter ande­rem erreicht werden, dass sich
  • keine System­aus­fälle ereig­nen,
  • Maschi­nen­still­stände inner­halb einer Ferti­gungs­zeit verrin­gern,
  • die Instand­set­zungs­zeit an den Maschi­nen verkürzt,
  • Maschi­nen­still­stands­zei­ten nur gering auf den Ferti­gungs­fluss auswir­ken,
  • die Lebens­dauer von Anla­gen und Maschi­nen erhöht und opti­mal genutzt werden kann,
  • die Anla­gen­ver­füg­bar­keit erhöht,
  • die Betriebs­ab­läufe opti­mie­ren,
  • weni­ger Störun­gen ereig­nen,
  • Kosten planen lassen, und dass sich
  • die Betriebs­si­cher­heit verbes­sert.
Instand­hal­tung ist beson­ders dort wich­tig, wo Menschen gefähr­det sind, wenn tech­ni­sche Systeme versa­gen.
Firmen­ei­ge­nes Wissen als Ergän­zung
Werk­zeug­ma­schi­nen und Produk­ti­ons­an­la­gen wurden in den letz­ten Jahren stetig weiter­ent­wi­ckelt. An moder­nen Anla­gen ist es wesent­lich schwie­ri­ger, Schwach­stel­len zu finden. Außer­dem reagie­ren die Bauteile heute sensi­bler auf Verschleiß­erschei­nun­gen und Defekte.
Kein Unter­neh­men kann sich Anla­gen­aus­fälle erlau­ben. Mit Wartungs- und Instand­hal­tungs­kon­zep­ten soll deshalb eine möglichst hohe Verfüg­bar­keit von Anla­gen gewähr­leis­tet werden. Die Grund­lage für die Konzepte sind stan­dar­di­sierte Maßnah­men. Doch vor allem mit dem firmen­in­ter­nen Know-how erfah­re­ner Mitar­bei­ter gelingt es, Probleme im tägli­chen Umgang mit den Maschi­nen früh­zei­tig zu erken­nen und unter ande­rem zusam­men mit der Herstel­ler­firma passende Lösun­gen zu erar­bei­ten. So muss die Über­gabe der Wartungs­ar­bei­ten an ein frem­des Instand­hal­tungs­un­ter­neh­men nicht immer nur von Vorteil sein.
Das grund­sätz­li­che Ziel der Instand­hal­tung, Maschi­nen und Anla­gen in einem siche­ren und störungs­freien Betrieb zu erhal­ten, ist mit verschie­de­nen Stra­te­gien zu reali­sie­ren. Dazu gehö­ren Planung und Abwick­lung von Instand­hal­tungs­maß­nah­men vor Eintritt eines scha­dens­be­ding­ten Anla­gen­zu­stan­des bezie­hungs­weise eines Anla­gen­aus­falls. Zu den Maßnah­men der vorbeu­gen­den Instand­hal­tung zählen vor allem Inspek­tion und Wartung. Aber auch Maßnah­men wie Repa­ra­tu­ren, Austausch, Schutz­an­stri­che oder Instal­la­tion von Warn­ein­rich­tun­gen zählen zur vorbeu­gen­den Instand­hal­tung. Diese sind unter Abwä­gung betriebs­wirt­schaft­li­cher sowie sicher­heits­tech­ni­scher Krite­rien bei Bedarf durch­zu­füh­ren.
Wartun­gen und Kontrol­len sparen lang­fris­tig Kosten. Im Beispiel der Brücken ist davon auszu­ge­hen, dass sich die jetzt notwen­di­gen Arbei­ten über Jahre hinzie­hen werden. Schät­zun­gen gehen davon aus, dass mit 1 Mrd. Euro weni­ger als 80 Brücken saniert werden können. Das würde bedeu­ten, dass weit über 100 Mrd. Euro für die Brücken inves­tiert werden müssen.
Geräte in opti­ma­lem tech­ni­schem Zustand beugen Unfäl­len und Ausfäl­len mit ihren hohen Folge­kos­ten vor. Die betrieb­li­chen Kosten, die für den Wartungs- und Instand­hal­tungs­be­reich anfal­len, lassen sich kalku­lie­ren und budge­tie­ren. Anders sieht das bei einem Maschi­nen­aus­fall oder auch einem Arbeits­un­fall aus. Hier lassen sich die Folge­kos­ten unter ande­rem für Repa­ra­tur­ar­bei­ten oder Neuan­schaf­fung defek­ter Bauteile sowie Ferti­gungs­aus­fall, Schwie­rig­kei­ten bei der Termin­treue oder dem Erhal­tung der Produkt­qua­li­tät nur schät­zen.
Gefähr­dun­gen rich­tig einschät­zen
Die Gewähr­leis­tung funk­ti­ons­tüch­ti­ger Maschi­nen und Anla­gen ist nur ein Teil­aspekt erfolg­rei­cher betrieb­li­cher Instand­hal­tung. Denn sie ist auch für die Arbeits­si­cher­heit ausschlag­ge­bend. Bereits vor den Instand­hal­tungs­ar­bei­ten müssen die Gefähr­dun­gen rich­tig einge­schätzt werden, denn dabei ereig­nen sich 21 Prozent aller tödli­chen Arbeits­un­fälle. Das sind mehr als in der Produk­tion. Um eine Instand­hal­tung sicher durch­zu­füh­ren, müssen Arbeits­ab­läufe gut orga­ni­siert und die Mitar­bei­ter ausrei­chend quali­fi­ziert sein. Basis ist eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung. Sie wird bei der Instand­hal­tung durch wech­selnde Arbeits­plätze, viel­fäl­tige Risi­ko­fak­to­ren und unre­gel­mä­ßig wieder­keh­rende Arbei­ten erschwert. Im Anhang 1 Nr. 2.12 der Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung findet sich eine 4‑Stufen-Methode, die als „Grund­satz für eine sichere Instand­hal­tung“ ange­se­hen werden kann. Werden die vier Stufen konse­quent ange­wandt und die einschlä­gi­gen Vorschrif­ten und Regel­werke berück­sich­tigt, sinkt das Unfall­ri­siko deut­lich.
Vor Aufnahme der Instand­hal­tung soll­ten der Unter­neh­mer und der betrieb­li­che Vorge­setzte die Arbei­ten in der Rang­folge der 4‑Stufen-Methode bewer­ten (siehe Tabelle 2). Damit ist gewähr­leis­tet, dass das höchste Schutz­ni­veau einge­hal­ten wird.
Sicher und sicht­bar
Laut Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung müssen Arbeits­mit­tel – ob Maschi­nen oder Fahr­zeuge – bei Änderungs‑, Instandsetzungs- und Wartungs­ar­bei­ten still­ste­hen. Indus­trie, Hand­werk und Bauwe­sen setzen dabei auf Verrie­ge­lun­gen, Blockier- und Kenn­zeich­nungs­sys­teme. Sie verhin­dern Personen- und Sach­schä­den. Ordnung und Über­sicht erleich­tern es, dass mit weni­gen Hand­grif­fen für Sicher­heit gesorgt werden kann. Inter­valle und Prüfun­gen müssen doku­men­tiert werden und zusam­men mit den wich­tigs­ten Maschi­nen­da­ten für alle sicht­bar auf einem Hinweis­schild vermerkt sein.
Während Repa­ra­tur, Über­ho­lung oder Reini­gung ist am Arbeits­mit­tel klar erkenn­bar ein Warn­hin­weis anzu­brin­gen. Diese Kenn­zeich­nung wird auch Tagout genannt.
Instand­hal­tungs­ar­bei­ten können gefähr­lich sein und die Gesund­heit belas­ten. Die meis­ten Unfälle ereig­nen sich, wenn etwas repa­riert oder ein defek­tes Teil ausge­tauscht werden muss. Zu den Gefähr­dun­gen bei der Instand­hal­tung zählen:
  • Lärm, Vibra­tion oder Hitze,
  • hohe körper­li­che Belas­tun­gen,
  • chemi­sche Gefähr­dun­gen etwa durch Gefahr­stoffe,
  • biolo­gi­sche Gefähr­dun­gen durch Viren und Bakte­rien, aber auch
  • psycho­so­ziale Gefähr­dun­gen, wenn beispiels­weise die Arbeits­or­ga­ni­sa­tion mangel­haft ist.
Zu den Berufs­krank­hei­ten und berufs­be­ding­ten gesund­heit­li­chen Proble­men von Arbeit­neh­mern, die Instand­hal­tun­gen durch­füh­ren, zählen vor allem Asbes­tose, Krebs, Schwer­hö­rig­keit und Muskel- und Skelet­ter­kran­kun­gen.
Instand­hal­ter im Betrieb und ihre Aufga­ben
Die klas­si­sche Lauf­bahn eines „Instand­hal­ters“ im Betrieb ist die Lehre mit anschlie­ßen­der Meis­ter­aus­bil­dung. Doch in größe­ren Indus­trie­be­trie­ben muss der Instand­hal­ter auch Planungs- und Führungs­auf­ga­ben über­neh­men und Instand­hal­tungs­maß­nah­men und ‑leis­tun­gen mit der Geschäfts­lei­tung disku­tie­ren. Denn nicht nur die Arbeits­mit­tel sind auf Funk­ti­ons­fä­hig­keit zu prüfen, sondern zum Beispiel auch
  • die Persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung (PSA) durch den Mitar­bei­ter. Eine kolle­giale Bera­tung durch den Sicher­heits­be­auf­trag­ten kann hier­bei moti­vie­rend wirken.
  • die Feuer­lösch­an­lage durch einen quali­fi­zier­ten und einge­wie­se­nen Betriebs­an­ge­hö­ri­gen. Über die Kontrol­len muss Buch geführt werden. Außer­dem müssen regel­mä­ßige Über­prü­fun­gen durch unab­hän­gige Sach­ver­stän­dige z. B. vom VdS, der Dekra oder dem TÜV erfol­gen. Instand­hal­tung und Wartung soll­ten stets von zerti­fi­zier­ten Firmen durch­ge­führt werden.
  • Alle Dienst­fahr­zeuge, ob Auto oder Fahr­rad. Es empfiehlt sich einen Wartungs­ver­trag mit der Werk­statt abzu­schlie­ßen.
  • Aufzüge, für die nach der Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung (Betr­SichV) seit 2015 stren­gere Pflich­ten bei den Anfor­de­run­gen an die Instand­hal­tung und Prüfung gelten.
Weitere Infor­ma­tio­nen erhal­ten Sie u. a.
  • in Geset­zen und Verord­nun­gen wie z. B. Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung (Betr­SichV) unter https://www. gesetze-im-internet.de/bundesrecht/betrsichv_2015/gesamt.pdf,
  • in Normen wie DIN 31051: Instand­hal­tung oder DIN EN 13306: Begriffe der Instand­hal­tung
  • bei der Euro­päi­schen Agen­tur für Sicher­heit und Gesund­heits­schutz am Arbeits­platz (OSHA) in „Bedeu­tung der Instand­hal­tung für Sicher­heit und Gesund­heits­schutz bei der Arbeit aus statis­ti­scher Sicht“, Facts 90, unter http://osha.europa.eu/de/publications/factsheets/de_90.pdf/view,
  • bei der Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin (BAuA) in den Tech­ni­schen Regeln für Betriebs­si­cher­heit, TRBS 1112: Instand­hal­tung, TRBS 1201: Prüfung von Arbeits­mit­teln u. über­wa­chungs­be­dürf­ti­gen Anla­gen sowie TRBS 1203: Befä­higte Person unter www.baua.de/de/Themen-von-A‑Z/Anlagen-und-Betriebssicherheit/TRBS/TRBS.html
  • bei den Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten in Fach­se­mi­na­ren und Infor­ma­ti­ons­bro­schü­ren sowie
  • in der Dokumenten-Bibliothek „Instand­hal­tung“ unter www.bghm.de/arbeitsschuetzer/wissen-kompakt/instandhaltung/
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