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Gesundheit ist ein gemeinsamer Prozess

Praxisbeispiel Heidelberger Druckmaschinen AG
Gesundheit ist ein gemeinsamer Prozess

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Im let­zten Drit­tel ihres Arbeit­slebens sind Mitar­beit­er 50 plus keine Tat­ter­greise, son­dern erfahrene und leis­tungs­fähige Experten. Mit ein­er umfassenden betrieblichen Gesund­heits­förderung will Hei­del­berg­er Druck die Arbeits­fähigkeit der älteren Beschäftigten erhal­ten.

Von den rund 5.000 Beschäfti­gen am Stan­dort Wies­loch-Wall­dorf arbeit­en rund 50 Prozent in der Mon­tage, Pro­duk­tion oder Logis­tik, sprich, in Bere­ichen, die mitunter kör­per­lich anstren­gend sind und eine gewisse Fit­ness erfordern. Rund zwei Drit­tel der Belegschaft sind 50 plus; der Alterss­chnitt liegt bei cir­ca 49 Jahren – auf diese demografis­che Sit­u­a­tion haben die Hei­del­berg­er mit einem umfassenden Gesund­heit­sange­bot reagiert. „Uns war klar, dass nur indi­vidu­ell auf die Mitar­beit­er zugeschnit­tene Maß­nah­men zielführend sind und nicht das Gießkan­nen-Prinzip“, sagt der betriebliche Gesund­heits­man­ag­er Alexan­der Berg­er. Das bedeutete im ersten Schritt mith­il­fe eines Tools die Arbeits­fähigkeit des Einzel­nen zu ermit­teln, wobei die Mitar­beit­er anonym und frei­willig befragt wur­den. Auf Basis des errech­neten Work-Abil­i­ty-Index­es wur­den im Fol­gen­den indi­vidu­elle För­der­maß­nah­men zur Verbesserung der Gesund­heit und zur gesund­heits­förder­lichen Arbeits- und Organ­i­sa­tion­s­gestal­tung entwick­elt. Das Ziel: die Arbeits­fähigkeit, die auf den vier Säulen Gesund­heit, Qual­i­fika­tion, Führung und Zusam­me­nar­beit und Arbeits­be­din­gun­gen ste­ht, zu stärken.

Führung im Fokus

Die genan­nten Belas­tun­gen waren unter­schiedlich: So empfind­et der eine zum Beispiel die zu bewälti­gende Arbeits­menge als Über­forderung, während für den anderen die Beziehung zum Vorge­set­zten eine Belas­tung darstellt. Berg­er: „Stellt sich her­aus, dass es in der Führungs­beziehung Prob­leme gibt, bieten wir Führungskräfte­qual­i­fizierun­gen oder auch Coach­ings an. Es geht uns nicht darum, diszi­pli­nar­isch vorzuge­hen, son­dern die Führungskraft weit­er zu entwick­eln.“ Wichtig ist es, die Wirk­samkeit ein­er Maß­nahme zu über­prüfen, also in diesem Fall die betrof­fe­nen Mitar­beit­er im Anschluss an die Weit­er­bil­dung zu befra­gen, ob und wie sich die Führung in ihren Augen verbessert hat.

Individuelle Trainingsprogramme

2017 grün­dete das Unternehmen zudem ein hau­seigenes Train­ings- und Ther­a­piezen­trum. Berg­er: „Wir woll­ten den Mitar­beit­ern ein arbeit­splatz­na­h­es Ange­bot machen, denn der Aufwand für externe Ange­bote mit teil­weise lan­gen Wartezeit­en stellt für viele eine Hürde dar.“ Je nach Bedarf kön­nen die Mitar­beit­er während ihres Arbeit­stages ein indi­vidu­elles, von Physio- und Sport­ther­a­peuten entwick­eltes Train­ing­spro­gramm nutzen oder sich in der hau­seige­nen Phys­io­ther­a­pie behan­deln lassen. Der größte Teil der Beschw­er­den der Mitar­beit­er resul­tiert aus dem Bere­ich Muskel-Skelett, wobei Stu­di­en darauf hin­weisen, dass Rück­en­prob­leme häu­fig auch auf eine psy­chis­che Erkrankung hin­deuten kön­nen. Ins­ge­samt 20 Präven­tion­skurse sollen diesen Erkrankun­gen vor­beu­gen, unter anderem Yoga, achtwöchige Acht­samkeit­skurse und Rück­en­train­ing.

Kollegen als Multiplikatoren

Um Beschw­er­den in beson­ders gefährde­ten (gewerblichen) Bere­ichen vorzubeu­gen, kom­men Sportwissenschaftler auch direkt an den Arbeit­splatz und führen beispiel­sweise achtwöchige kurze Train­ing­sein­heit­en für Mon­teure oder Ser­vicetech­niker durch. Aktive Bewe­gungspausen sind weit­ere Maß­nah­men, die gut in den Arbeit­sall­t­ag inte­gri­ert wer­den kön­nen. Dabei fungieren Kol­le­gen als Übungsleit­er, die von Sportwissenschaftlern geschult wer­den. Berg­er: „Kol­le­gen sind gute Mul­ti­p­lika­toren für eine gesund­heits­förder­liche Kul­tur. Wir wollen den Prozess nicht von oben verord­nen, son­dern set­zen auf Par­tizipa­tion und die gemein­same Gestal­tung unseres Umfelds. So erzeu­gen wir ein nach­haltiges Gesund­heits­be­wusst­sein, wodurch Moti­va­tion und Wohlge­fühl gestärkt wer­den kön­nen.“


Präventive Maßnahmen für eine alternde Belegschaft

Sollen Mitar­beit­er möglichst lange gesund und leis­tungs­fähig bleiben, sind fol­gende Maß­nah­men auf der Ver­hal­tens- und der Ver­hält­nisebene sin­nvoll:

Maß­nah­men der Ver­hal­tenspräven­tion

  • Die kör­per­liche und men­tale Fit­ness stärken, zum Beispiel durch Train­ings zur Förderung der Merk- und Konzen­tra­tions­fähigkeit.
  • Bewusst Pausen machen und arbeits­freie Zeit­en ein­pla­nen.
  • Mul­ti­task­ing ver­mei­den und Zeit­druck min­imieren, indem sich Mitar­beit­er zum Beispiel Abga­beter­mine nicht zu eng set­zen.
  • Teil­nahme an Acht­samkeits- oder anderen Entspan­nungstrain­ings, um schädliche Effek­te von Stress zu ver­min­dern.
  • Sem­i­nare zur Entwick­lung ein­er pos­i­tiv­en Ein­stel­lung gegenüber dem Älter­w­er­den anbi­eten.

Ziel: die indi­vidu­ellen Ressourcen älter­er Mitar­beit­er stärken.

Maß­nah­men der Ver­hält­nis­präven­tion

  • Mitar­beit­ern her­aus­fordernde Auf­gaben zutrauen und Erfahrungswis­sen wertschätzen.
  • Hand­lungsspiel­räume ermöglichen und Entschei­dungskom­pe­ten­zen stärken.
  • Sinns­tif­tende Tätigkeit­en unter Berück­sich­ti­gung indi­vidu­eller Wün­sche ermöglichen, zum Beispiel als Men­tor, Spezial­ist in der Kun­den­ber­atung oder intern­er Change-Berater.
  • Gen­er­a­tionsüber­greifende Net­zw­erke inner­halb des Unternehmens etablieren, zum Beispiel durch Gen­er­a­tio­nen-Tandems den Wis­sensaus­tausch und die gegen­seit­ige Wertschätzung fördern.
  • Mitar­beit­er von per­ma­nen­ter Stress aus­lösender Erre­ich­barkeit ent­las­ten, unter anderem freie Tage für Enkelzeit oder ehre­namtliche Auf­gaben respek­tieren.
  • Ser­viceleis­tun­gen anbi­eten, die den Zeit­stress ver­ringern, zum Beispiel warme Gerichte zum Take-away oder Wäscheser­vice.
  • Führungskräfte zum The­ma alterns­gerechte Führung schulen.
  • Ins­beson­dere für ältere Schichtar­beit­er wichtig: belas­tende Nachtschicht­en ver­mei­den, Bere­it­stel­lung ergonomis­ch­er Möbel, Hil­f­s­mit­tel für den Trans­port von Las­ten, gute Beleuch­tung und Lärm­schutz in Räu­men.

Ziel: ein alters- und alterns­gerecht­es Arbeit­sum­feld fördern.

Quelle: UBGM — Unternehmens­ber­atung für Betrieblich­es Gesund­heits­man­age­ment, Berlin

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