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Impfungen am Arbeitsplatz: Krankheiten vorbeugen und Epidemien vermeiden

Impfungen am Arbeitsplatz
Krankheiten vorbeugen und Epidemien vermeiden

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Wann wur­den Sie das let­zte Mal geimpft? Darüber machen sich die meis­ten Erwach­se­nen erst Gedanken, wenn sie sich ver­let­zt haben und die Wunde ver­schmutzt ist. Bess­er ist es jedoch, den Impf­schutz spätestens alle zehn Jahre zu über­prüfen. Schutz­imp­fun­gen am Arbeit­splatz kön­nen dies erle­ichtern und somit die Impfquote verbessern.

Einen schnellen Überblick über alle erfol­gten Imp­fun­gen bietet der Imp­fausweis. Er wird schon bei den ersten Imp­fun­gen im Säuglingsalter angelegt und begleit­et uns ein Leben lang. Er sollte so ver­wahrt wer­den, dass man ihn bedarf­sweise sofort zur Hand hat – zum Beispiel im Ord­ner mit den Unter­la­gen der Krankenkasse. Denn im Not­fall, bei Fer­n­reisen, aber auch bei bes­timmten beru­flichen Tätigkeit­en kann es erforder­lich sein, Imp­fun­gen zu bele­gen oder zu über­prüfen, ob der benötigte Impf­schutz voll­ständig vorhan­den ist.

Keine Impfpflicht in Deutschland

Bere­its bei Kindern und Jugendlichen wer­den Imp­fun­gen zum Schutz vor Infek­tion­skrankheit­en wie etwa Keuch­hus­ten, Masern oder Wind­pock­en als Grundim­mu­nisierung durchge­führt. Da es jedoch keine Impf­pflicht in Deutsch­land gibt, kann es sein, dass Eltern dieses Ange­bot nicht wahrnehmen. Welche Prob­lematik das mit sich bringt, zeigen die aktuellen Masern­fälle. Um die hochansteck­ende Infek­tion­skrankheit, die im schlimm­sten Fall tödlich enden kann, endlich aus­rot­ten zu kön­nen, gibt es eine Impfempfehlung für alle Erwach­se­nen, die nach 1970 geboren sind und nicht beziehungsweise in der Kind­heit nur ein­mal gegen Masern geimpft wur­den. Zwar wurde in der DDR bere­its 1963 eine erste frei­willige Masern­imp­fung einge­führt und auch in der BRD gab es zu Stu­dien­zweck­en in kleinerem Maße Imp­fun­gen, aber zu ein­er soge­nan­nten Durchimp­fungsquote der Gesamt­bevölkerung kam es nie.

Infektionsschutz bei der Arbeit

Wenn bei der Arbeit das Infek­tion­srisiko tätigkeits­be­d­ingt erhöht ist, emp­fiehlt sich eine entsprechende Schutz­imp­fung im Rah­men der arbeitsmedi­zinis­chen Vor­sorge. Die Kosten für eine Imp­fung aus beru­flichen Grün­den übern­immt nor­maler­weise der Arbeit­ge­ber. Im Einzelfall kann die Krankenkasse zuständig sein. Ist im Rah­men ein­er Aus­bil­dung eine Imp­fung erforder­lich, ist grund­sät­zlich das Unternehmen beziehungsweise der zuständi­ge Träger für den Impf­schutz ver­ant­wortlich und übern­immt daher auch die Kosten.

Ergibt eine Gefährdungs­beurteilung eine erhöhte Infek­tion­s­ge­fährdung an einem Arbeit­splatz, ist der Arbeit­ge­ber verpflichtet, entsprechende Schutz­maß­nah­men zu tre­f­fen. Das kann unter anderem eine Imp­fung sein, die der Arbeit­ge­ber dann seinem Mitar­beit­er anbi­eten muss. Erfol­gt die Imp­fung, muss er die Kosten dafür übernehmen.

Da es in Deutsch­land keine Impf­pflicht gibt, muss der Arbeit­nehmer das Imp­fange­bot jedoch nicht wahrnehmen. Er kann also nicht zur Imp­fung gezwun­gen wer­den. Außer­dem darf der Betrieb­sarzt im Fall ein­er Impfweigerung keine gesund­heitlichen Bedenken gegen den Beschäftigten äußern. Allerd­ings sollte der Arzt schriftlich fes­thal­ten, dass eine Imp­fung ange­boten, aber trotz aus­führlich­er, arbeitsmedi­zinis­ch­er Beratung abgelehnt wurde.

Ausnahme Krankenhaus

Bei Beschäftigten in Kranken­häusern kann allerd­ings bei der Ein­stel­lung eines neuen Mitar­beit­ers darauf bestanden wer­den, dass er geimpft ist beziehungsweise das Imp­fange­bot annimmt. Damit wird ein Beschäf­ti­gungsver­bot auf­grund arbeitss­chutzrechtlich­er Vorschriften ver­mieden, zum Beispiel nach dem Mut­ter­schutzge­setz (MuSchG) wegen fehlen­den Immun­schutzes gegen Röteln.

Schutzimpfungen am Arbeitsplatz

Bei den Imp­fun­gen, die ein Betrieb­sarzt anbi­eten und durch­führen kann, unter­schei­det man zwis­chen beru­flich bed­ingten Imp­fun­gen und all­ge­meinen Schutz­imp­fun­gen. Das 2015 in Kraft getretene Präven­tion­s­ge­setz sieht aus­drück­lich vor, dass Schutz­imp­fun­gen auch durch Betrieb­särzte erfol­gen kön­nen, um die Impfquote in der All­ge­mein­bevölkerung zu verbessern.

Die Kosten für Imp­fun­gen, die am Arbeit­splatz zum Beispiel Pflegeper­son­al vor Infek­tio­nen wie Hepati­tis schützen sollen, muss der Arbeit­ge­ber übernehmen. Die all­ge­meinen Schutz­imp­fun­gen, wie zum Beispiel gegen Grippe, gehen hinge­gen zulas­ten der geset­zlichen Krankenkassen.

Impfquote verbessern

„Mit über 45 Mil­lio­nen Beschäftigten in Deutsch­land ist die Arbeitswelt das größte Präven­tion­s­set­ting in unser­er Gesellschaft und bietet einen her­vor­ra­gen­den Rah­men für Präven­tion­s­maß­nah­men“, unter­stre­icht Dr. Thomas Nes­sel­er, Haupt­geschäfts­führer der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedi­zin und Umweltmedi­zin e.V. (DGAUM), die Bedeu­tung von gesund­heits­fördern­den Maß­nah­men direkt am Arbeit­splatz. Schutz­imp­fun­gen durch Betrieb­särzte seien ein wichtiger Bestandteil der Gesund­heits­förderung und kön­nten dazu beitra­gen, den Impf­schutz in der Bevölkerung nach­haltig zu verbessern.


Foto: pri­vat

Autorin: Bet­ti­na Bruck­er

Fachjour­nal­istin


Drei Fragen an Dr. Anette Wahl-Wachendorf

Mit Arbeitszeit vereinbar

Mit Ein­führung des Präven­tion­s­ge­set­zes kön­nen sich Beschäftigte am Arbeit­splatz vom Betrieb­sarzt nicht nur im Rah­men der arbeitsmedi­zinis­chen Ver­sorgung, son­dern auch all­ge­mein berat­en und impfen lassen. Dr. Anette Wahl-Wachen­dorf, Vizepräsi­dentin des Ver­bands Deutsch­er Betriebs- und Werk­särzte e. V., erk­lärt, warum das Ange­bot so wichtig ist.

Frau Dr. Wahl-Wachen­dorf, hal­ten Sie das Impfen am Arbeit­splatz für sin­nvoll?

Abso­lut – nicht alle Beschäftigten küm­mern sich regelmäßig um ihre Gesund­heit. Mit dem erweit­erten Imp­fange­bot wer­den sie am Arbeit­splatz erre­icht.

Kann jed­er Betrieb­sarzt in einem Unternehmen all­ge­meine Schutz­imp­fun­gen anbi­eten?

Ja, jed­er Betrieb­sarzt kann Imp­fun­gen anbi­eten. Neben Hepati­tisimp­fun­gen wer­den zum Beispiel Grippeschutz­imp­fun­gen, aber auch FSME Imp­fun­gen von Betrieb­särzten durchge­führt.

Was ist der Vorteil von Schutz­imp­fun­gen im Betrieb?

Der Betrieb­sarzt kann erweit­erte Leis­tun­gen anbi­eten und erre­icht damit Beschäftigte, die zum Teil nicht zum Arzt gehen.

Die Schutz­imp­fung am Arbeit­splatz erle­ichtert es den Beschäftigten, Arzt­ter­min und Arbeit­szeit­en unter einen Hut zu brin­gen. Sicher­lich für den einen oder anderen ein Argu­ment, das seine Impf­bere­itschaft erhöht.

Und je mehr Men­schen sich gegen Krankheit­en wie beispiel­sweise Masern impfen lassen, desto bess­er kann man diesen Krankheit­en vor­beu­gen und Epi­demien ver­mei­den.


Impfungen allgemein

Für Erwach­sene gel­ten fol­gende Empfehlun­gen des Bun­des­ge­sund­heitsmin­is­teri­ums …

  • Masern­imp­fung für Per­so­n­en, die nach 1970 geboren sind und nicht beziehungsweise in der Kind­heit nur ein­mal gegen Masern geimpft wur­den;
  • Imp­fung gegen Poliomyelitis (Kinder­läh­mung), bei nicht grundim­mu­nisierten Erwach­se­nen und Per­so­n­en ohne ein­ma­lige Auf­frischimp­fung

… sowie alle zehn Jahre fol­gende Auf­frischungsimp­fun­gen:

  • Diph­therie,
  • Tetanus (Wund­star­rkrampf) sowie
  • Per­tus­sis (Keuch­hus­ten).

Erwach­sene ab 60 Jahre soll­ten sich zudem impfen lassen gegen:

  • Influen­za (Grippe),
  • Pneumokokken (Bak­te­rien, die Lun­genentzün­dun­gen aus­lösen kön­nen) sowie
  • Her­pes zoster (Gürtel­rose).

Beruflich begründete Impfempfehlungen

Sich selb­st oder andere durch Imp­fun­gen zu schützen, ist etwa bei beste­hen­dem Kinder­wun­sch, chro­nis­chen Krankheit­en oder an bes­timmten Arbeit­splätzen sin­nvoll. Einige Beispiele dafür:

  • Für Tätigkeit­en, bei denen die Beschäftigten mit Blut in Kon­takt kom­men kön­nen – also zum Beispiel in ein­er Arzt- oder Zah­narzt­prax­is sowie im Not­fall- und Ret­tungs­di­enst, aber auch im Polizei­di­enst oder bei der Mül­lentsorgung – ist eine Imp­fung zum Schutz vor Hepati­tis B sin­nvoll.
  • Für Ärzte und Per­son­al im Gesund­heits­di­enst, aber auch für Küchen­per­son­al oder Per­son­al in Kindergärten und Kindertagesstät­ten kommt zudem eine Hepati­tis A‑Impfung in Frage.
  • Eine Grippe-Imp­fung ist empfehlenswert für Per­son­al mit hohem Pub­likumsverkehr, wie zum Beispiel für Angestellte in Behör­den, Bus­fahrer, Lehrer sowie Per­son­al in Alten- und Pflege­heimen.
  • Für Wal­dar­beit­er, Land­wirte und Gärt­ner, die in einem Gebi­et arbeit­en, in dem ein erhöht­es Risiko zur Über­tra­gung der Früh­som­mer-Menin­goen­zephali­tis beste­ht, wird eine entsprechende FSME-Imp­fung emp­fohlen. Die Viren gelan­gen durch einen Zeck­en­stich in die Blut­bahn des Men­schen und kön­nen dort die gefährliche Hirn­haut- und Gehir­nentzün­dung aus­lösen.

Weiterführende Informationen

Aus­führlichere Empfehlun­gen zu Imp­fun­gen

  • …für bes­timmte Beruf­s­grup­pen gibt das Deutsche Grüne Kreuz e. V. unter www.dgk.de
  • … durch den Betrieb­sarzt gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedi­zin und Umweltmedi­zin e.V. (DGAUM) unter www.dgaum.de The­men  Imp­fun­gen durch Betrieb­särzte
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