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Arbeitsunfall: Von Erster Hilfe bis zur Unfallmeldung

Von Erster Hilfe bis zur Unfallmeldung
Was tun bei einem Arbeitsunfall?

Viele Arbeit­sun­fälle sind mit men­schlichem Leid ver­bun­den und haben darüber hin­aus erhe­bliche Auswirkun­gen auf den Betrieb­sablauf. Vor­fälle, bei denen Mitar­bei­t­ende zu Schaden kom­men, sind für alle Beteiligten ein Alb­traum. Entschei­dend ist, dass Kol­le­gen und Vorge­set­zte die näch­sten Schritte ken­nen und unverzüglich han­deln. Dabei geht es nicht nur um die medi­zinis­che Erstver­sorgung, son­dern beispiel­sweise auch um die Pflicht, den Arbeit­sun­fall der Beruf­sgenossen­schaft zu melden.

Dipl.-Ing. Dieter Bachmann

Der Begriff Arbeit­sun­fall bezieht sich auf Unfälle, die Beschäftigte während ihrer Arbeit erlei­den. Das kann zum Beispiel der Sta­pler­fahrer sein, der bei Trans­portar­beit­en verunglückt, oder der Betrieb­ss­chloss­er, der bei Wartungsar­beit­en von der Leit­er stürzt. Bei einem Arbeit­sun­fall erfol­gt – wie bei einem pri­vat­en Unfall – die Not­fal­lver­sorgung durch Ret­tungskräfte, einen Arzt oder im Kranken­haus. Grund­sät­zlich zahlt aber nicht die Krankenkasse die Behand­lungskosten, son­dern die Beruf­sgenossen­schaft, denn jed­er Beschäftigte in Deutsch­land ist geset­zlich unfallversichert.

Schnell handeln

Bei jedem medi­zinis­chen Not­fall sollte die Ret­tungs­kette rei­bungs­los ablaufen. Die Grafik ver­an­schaulicht die fünf Schritte bei der Ver­sorgung eines Verunglück­ten. Damit einem Ver­let­zten bei einem Unfall im Betrieb schnell­st­möglich geholfen wer­den kann, sollte jed­er Beschäftigte wis­sen, wer Ers­thelfer oder Ers­thelferin im Betrieb ist, wo sich der Ver­band­kas­ten befind­et und wie der Notruf abge­set­zt wird.

Durchgangsarzt

Bei einem Arbeit­sun­fall übern­immt nicht der Hausarzt die Behand­lung, son­dern der soge­nan­nte Durch­gangsarzt (D‑Arzt). Als Facharzt für Unfallchirurgie oder Orthopädie ist er für die Behand­lung nach Arbeit­sun­fällen beson­ders qual­i­fiziert. Er oder sie entschei­det, ob eine all­ge­meine Behand­lung aus­re­icht oder eine beson­dere Heil­be­hand­lung notwendig ist. Bei leicht­en Ver­let­zun­gen wer­den Unfal­lver­let­zte vom D‑Arzt zur weit­eren Behand­lung an den Hausarzt über­wiesen. In diesen Fällen überwacht der D‑Arzt das Heil­ver­fahren. Bei kom­plizierten Ver­let­zun­gen erfol­gt unter Umstän­den eine Ver­legung in eine Beruf­sgenossen­schaftliche Unfal­lk­linik oder ein anderes geeignetes Kranken­haus. Eine Aus­nahme gibt es: Bei alleini­gen Augen- oder HNO-Ver­let­zun­gen darf sofort der entsprechende Facharzt aufge­sucht wer­den. Die Adresse des näch­st­gele­ge­nen D‑Arztes enthält der Erste-Hil­fe-Aushang im Betrieb oder die Daten­bank „Durch­gangsärzte“ unter www.dguv.de.

Krankentransport

Darf der Ver­let­zte im Pkw oder mit dem Taxi ins Kranken­haus trans­portiert wer­den? Diese Frage wird oft gestellt und lässt sich wie fol­gt beant­worten: Bei ein­er leicht­en Ver­let­zung – etwa ein­er Prel­lung – kann es aus­re­ichen, wenn ein Kol­lege den Ver­let­zten im Pkw ins Kranken­haus fährt oder ein Taxi gerufen wird. Aber Achtung! Beste­hen Bedenken, dass sich der Gesund­heit­szu­s­tand kurzfristig ver­schlechtern kön­nte, sollte immer ein Ret­tungstrans­port­wa­gen gerufen wer­den, denn er ist für Not­fall­pa­tien­ten ein­gerichtet. Generell gilt, dass bei Arbeit­sun­fällen die Kosten für Kranken­trans­porte von der jew­eili­gen Beruf­sgenossen­schaft über­nom­men werden.

Unfall melden

Jed­er Arbeit­sun­fall, der voraus­sichtlich eine Arbeit­sun­fähigkeit von mehr als drei Kalen­derta­gen zur Folge hat, muss an die zuständi­ge Beruf­sgenossen­schaft gemeldet wer­den. Der Unfall­t­ag selb­st zählt bei der Drei-Tage-Frist nicht, entschei­dend ist die Zahl der Kalen­dertage der Arbeit­sun­fähigkeit. Es ist die Pflicht des Arbeit­ge­bers den Unfall mit der Unfal­lanzeige an die Beruf­sgenossen­schaft zu melden. Der Verun­fallte und mögliche Unfal­lzeu­gen haben zur Aufk­lärung des Unfall­her­gangs beizu­tra­gen, indem sie den Her­gang genau und wahrheits­ge­treu schildern.

Zuständige Berufsgenossenschaft

In Deutsch­land gibt es für die gewerbliche Wirtschaft neun, nach Branchen gegliederte Beruf­sgenossen­schaften. Für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, für Schüler, Stu­den­ten und Kinder in Tage­sein­rich­tun­gen sind die 19 Unfal­lka­ssen zuständig. Des Weit­eren gibt es vier Feuer­wehr-Unfal­lka­ssen sowie die Unfal­lver­sicherung Bund und Bahn. Der Arbeit­ge­ber ist verpflichtet seine Beschäftigten durch einen Mit­glied­saushang zu informieren, welche Beruf­sgenossen­schaft für das Unternehmen zuständig ist. Ist dies nicht der Fall, kann die Per­son­al­abteilung entsprechende Auskun­ft erteilen. Ver­schiedene Beruf­sgenossen­schaften bieten den Arbeit­ge­bern für ihre Beschäftigten Ver­sichertenkarten an, die alle nöti­gen Kon­tak­t­dat­en enthal­ten. Damit haben die Beschäftigten nach einem Arbeit­sun­fall alle Angaben für den Arzt parat.

Kleine Verletzungen dokumentieren

Bagatel­lun­fälle müssen der Beruf­sgenossen­schaft nicht angezeigt wer­den, sind aber im Betrieb zu doku­men­tieren. Hierzu kann entwed­er das Ver­band­buch (DGUV Infor­ma­tion 204–020) oder der Melde­block (DGUV Infor­ma­tion 204–021) ver­wen­det wer­den. Die Aufze­ich­nun­gen erbrin­gen den Nach­weis, dass die Ver­let­zung bei ein­er beru­flichen Tätigkeit einge­treten ist. Das ist beson­ders dann wichtig, wenn Spät­fol­gen, beispiel­sweise eine Blutvergif­tung nach ein­er kleinen Schnittver­let­zung, ein­treten sollten.

Daten vertraulich behandeln

Bei der Doku­men­ta­tion von Erste-Hil­fe-Leis­tun­gen han­delt es sich um per­so­n­en­be­zo­gene Dat­en, die gegen den Zugriff Unbefugter zu sich­ern sind. Das Ver­band­buch sollte daher nicht für jeden zugänglich im Ver­band­kas­ten, son­dern etwa in einem ver­schlosse­nen Schrank auf­be­wahrt wer­den. Eine gle­ich­w­er­tige Möglichkeit beste­ht darin, den Melde­block mit Doku­men­ta­tions­bö­gen zu ver­wen­den. Die aus­ge­füll­ten Vor­drucke wer­den beispiel­sweise in einen dafür vorge­se­henen Briefkas­ten zur Weit­er­leitung an die entsprechende Stelle, etwa den Ers­thelfer gewor­fen. In bei­den Fällen müssen die Aufze­ich­nun­gen min­destens fünf Jahre auf­be­wahrt werden.

Unfallanalyse – aus Unfällen lernen

Kurz vor Schich­t­ende bekam Sta­pler­fahrer Flo­ri­an B. den Auf­trag, eine Fer­ti­gungsan­lage mit Kun­st­stof­f­gran­u­lat zu ver­sor­gen. Hastig nahm er die Palette auf und steuerte durch die Halle auf sein Ziel zu; in der Eile über­sah er jedoch einen Kol­le­gen. Mit der Palette traf er dessen Fuß – eine kom­plizierte Mit­tel­fußfrak­tur war die Folge. Schon kurz nach dem Unfall begann der Pro­duk­tion­sleit­er das Geschehen gemein­sam mit den Beteiligten aufzuar­beit­en. Flo­ri­an B. und der Verun­fallte durften vor Ort schildern, welche Tätigkeit­en sie zum Unfal­lzeit­punkt ausübten und welche Beson­der­heit­en oder Schwierigkeit­en es gab. Gle­ichzeit­ig wur­den die beste­hen­den Sicher­heits­maß­nah­men kri­tisch hin­ter­fragt. Wie sich her­ausstellte, waren zwar die Wege für Per­so­n­en- und Lastverkehr durch gelbe Boden­markierun­gen optisch getren­nt; diese wur­den aber von den Fußgängern meist nicht beachtet. Fol­gerichtig wur­den nach dem Unfall mas­sive Verkehrs­bar­ri­eren instal­liert, um Zusam­men­stöße zukün­ftig zu verhindern.

Meldesystem für Beinahe-Unfälle

Mit dem Hand­hub­wa­gen belud Markus F. einen an der Lader­ampe ste­hen­den Lkw. Als er mit der let­zten Palette in den Lader­aum ein­fahren wollte, zog der Lkw plöt­zlich von der Rampe ab. Nur im let­zten Moment kon­nte Markus F. seinen Absturz von der Lader­ampe samt Arbeits­gerät ver­hin­dern. Dieses Beispiel zeigt einen Beina­he-Unfall, wie er sich in Betrieben täglich ereignet. Auch wenn nichts passiert ist, soll­ten diese Vor­fälle im Betrieb besprochen und daraus geeignete Maß­nah­men abgeleit­et wer­den. Mitar­beit­er soll­ten ermuntert wer­den, Beina­he-Unfälle, unsichere Zustände oder ver­steck­te Gefahren zu melden. Hier­für haben sich Melde­for­mu­la­re bewährt, die im Betrieb zen­tral gesam­melt und durch eine entsprechende Stelle aus­gew­ertet wer­den. Mitar­beit­er wer­den zur Mitwirkung motiviert, wenn die Auswer­tung und die ergrif­f­e­nen Maß­nah­men im Betrieb kom­mu­niziert werden.


Arbeitsunfall
Jede Erste-Hil­fe-Leis­tung ist zu doku­men­tieren.
Foto: Bach­mann

Checkliste: Erste Hilfe

  • Ist für Notrufe ein Tele­fon oder Mobil­tele­fon zugänglich?
  • Sind auf dem Erste-Hil­fe-Aushang die Notrufnum­mern und die Anschrift des D‑Arztes angegeben und aktuell?
  • Ist geregelt, wer die Ver­band­kästen regelmäßig auf Voll­ständigkeit kontrolliert?
  • Sind die Stan­dorte der Ver­band­kästen, gegebe­nen­falls der Defib­ril­la­toren und der Erste-Hil­fe-Raum mit dem weißen Kreuz auf grünem Grund gekennzeichnet?
  • Ste­hen Ers­thelfer in der vorgeschriebe­nen Anzahl zu Verfügung?
  • Ist sichergestellt, dass auf allen Schicht­en eine aus­re­ichende Anzahl an Ers­thelfern anwe­send ist?
  • Wer­den die Ers­thelfer alle zwei Jahre fortgebildet?
  • Sind die Ers­thelfer in den jew­eili­gen Arbeits­bere­ichen durch einen Aushang bekan­nt gemacht?
  • Wer­den Erste-Hil­fe-Maß­nah­men doku­men­tiert und ver­traulich behandelt?
  • Wer­den die Beschäftigten regelmäßig zur Ersten Hil­fe unter­wiesen? Hierzu bieten die Beruf­sgenossen­schaften Unter­weisung­shil­fen zum richti­gen Ver­hal­ten im Not­fall an.

Arbeitsunfall
Ers­thelfende müssen unter anderem wis­sen, wo sich der Erste Hil­fe Kas­ten befind­et.
Foto: © Fokussiert — stock.adobe,com

Ersthelfer im Betrieb

In Unternehmen muss es eine Min­destzahl von Ers­thelfern geben. Sind zwei bis 20 Beschäftigte anwe­send, ist ein Ers­thelfer erforder­lich. Bei mehr als 20 Per­so­n­en müssen in Ver­wal­tungs- und Han­dels­be­trieben fünf Prozent, in son­sti­gen Betrieben zehn Prozent der Anwe­senden Ers­thelfer sein.

  • Die Aus­bil­dung umfasst neun Unter­richt­sein­heit­en, alle zwei Jahre müssen sich Ers­thelfer fortbilden.
  • Lehrgänge bieten Insti­tu­tio­nen, wie Arbeit­er-Samarit­er-Bund oder Deutsches Rotes Kreuz an. Ermächtigte Stellen für die Ers­thelfer­aus­bil­dung find­en sich unter www.bg-qseh.de.
  • Die Beruf­sgenossen­schaften übernehmen die Lehrgangs­ge­bühren und rech­nen direkt mit dem Ver­anstal­ter ab.
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