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Zu Besuch bei der FFR

Schnell, schnell birgt die größte Gefahr“

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Grün­pfle­ge­rin Frauke Rühl­mann ist bei der FFR, einer Toch­ter der FES Frank­fur­ter Entsorgungs- und Service GmbH, seit zwei Jahren auch als Sicher­heits­be­auf­tragte aktiv. Vor allem bei Bepflan­zun­gen entlang von Stra­ßen ist höchste Vorsicht gebo­ten.

Kirs­ten Rein

Bis zum „großen Tag“ sind’s keine zwei Wochen mehr: Zum RMB-Komposttag, einem Tag der offe­nen Tür in der Bioab­fall­be­hand­lungs­an­lage, muss die gesamte Bepflan­zung stehen. „Seit März arbei­ten wir daran, die Pläne des Garten­ar­chi­tek­ten und unsere eige­nen Ideen umzu­set­zen“, sagt Frauke Rühl­mann. „Glück­li­cher­weise befin­den wir uns jetzt in den letz­ten Zügen.“ Beson­ders freut sich die 40-Jährige, dass „die Pflan­zen die neue Umge­bung akzep­tiert haben“. Alles ist gut ange­gan­gen. Das war nicht selbst­ver­ständ­lich, denn als Rühl­mann mit ihrem Team die Arbei­ten dazu aufnahm, gab es noch Frost und immer wieder fiel Schnee. Mitt­ler­weile aber stehen die Forsy­thien in voller Pracht und verde­cken unter ande­rem den großen Strom­kas­ten.

Gerade recht­zei­tig, denn schon über­mor­gen beginnt ein neuer Auftrag, zu dem der kleine Gärt­ner­trupp aufbricht – ein Groß­auf­trag beim Frank­fur­ter Flug­ha­fen. Und auch weitere Betriebs­stät­ten der FES wollen mit Blumen verschö­nert, Stra­ßen­rän­der begrünt werden.

Grün gegen Orange getauscht

In ihrer Eigen­schaft als Sicher­heits­be­auf­tragte ist Rühl­mann beim Bepflan­zen von Grün­strei­fen an Stra­ßen beson­ders gefragt: Alle müssen ihre Sicher­heits­schuhe und die entspre­chende Klei­dung tragen. Darüber hinaus ist gute Sicht­bar­keit enorm wich­tig. „Deshalb haben wir vor zwei Jahren auch unsere tradi­tio­nell grüne Gärt­ner­klei­dung gegen die oran­ge­far­be­nen Sachen mit Reflex­strei­fen getauscht“, erklärt sie.

Bei Arbei­ten an öffent­li­chen Stra­ßen muss außer­dem das Fahr­zeug beleuch­tet sein. Alle vier bis fünf Meter müssen die Kolle­gen einen Leucht­ke­gel aufstel­len. „Bei größe­ren Einsät­zen haben wir sogar einen eige­nen Schil­der­wa­gen mit blin­ken­dem Pfeil dabei.“ Schließ­lich muss die reso­lute Frau aus Main­tal, einer Stadt zwischen Frank­furt am Main und Hanau, genau darauf achten, dass alle mit ihren Maschi­nen nur im abge­sperr­ten Bereich arbei­ten.

Viel Erfah­rung mitge­bracht

Worauf Menschen im Zwei­fels­fall nicht acht­ge­ben oder was alles bei der Arbeit passie­ren kann, damit hat Rühl­mann schon einige Erfah­rung. Die gelernte Grün­pfle­ge­rin war schon vor ihrem Wech­sel zur FFR über viele Jahre in Garten­pro­jek­ten tätig – zunächst mit behin­der­ten Menschen, später auch mit ehema­li­gen Gefäng­nis­in­sas­sen in Wies­ba­den. „Das hat mir sehr gut gefal­len“, sagt sie, „aber irgend­wann wurden mir die langen Anfahr­ten zu viel.“

Nun ist sie seit 2014 bei der FFR, einer Toch­ter der FES Frank­fur­ter Entsorgungs- und Service GmbH. Auf 1800 Mitar­bei­ter kommen im Unter­neh­men rund 70 Sicher­heits­be­auf­tragte. Die meis­ten haben mit dem Kern­ge­schäft des regio­na­len Markt­füh­rers zu tun: Entsor­gung, Reini­gung und Recy­cling. Bei der Grün­pflege, einem Teil­be­reich der gewerb­li­chen Dienst­leis­tungs­toch­ter FFR, enga­gie­ren sich Frauke Rühl­mann und ein Kollege für die Sicher­heit eines etwa zwölf Mitar­bei­ter großen Teams. Die Sicher­heits­be­auf­trag­ten der gesam­ten Gruppe werden betreut von der Stab­stelle Arbeits­si­cher­heit, einer Einheit mit sechs Fach­kräf­ten, die wiederum direkt der Geschäfts­füh­rung unter­stellt ist.

Als sie ihr Chef vor zwei Jahren gefragt hat, ob sie sich nicht als Sicher­heits­be­auf­tragte enga­gie­ren wolle, schlug Frauke Rühl­mann sofort ein. „Ich habe schon in meiner Ausbil­dung viel zum Thema Sicher­heit gelernt. Außer­dem bin ich sensi­bi­li­siert, weil ich mir selbst schon mal mit der Hecken­schere ins Knie geschnit­ten habe. Das hat echt wehge­tan und ich musste zum Nähen der Wunde ins Kran­ken­haus. Glück­li­cher­weise ist alles gut verheilt.“

Männer sensi­bi­li­sie­ren

Als Sicher­heits­be­auf­tragte star­tete sie mit einem Erste-Hilfe-Kursus, es folgte ein einwö­chi­ger Lehr­gang. Vier­mal im Jahr kommen alle Sibes der FES zusam­men. Meist gibt es dann einen allge­mei­nen Beitrag zum Thema Arbeits­si­cher­heit.

Beim letz­ten Tref­fen sprach ein Arbeits­psy­cho­loge zum Thema „Wie rede ich mit meinen Leuten, damit sie tun, was ich möchte?“ Wobei das für Frauke Rühl­mann kein Problem darstellt: „Meine Kolle­gen sind zum Glück sehr verständ­nis­voll.“ Männer seien manch­mal etwas schwe­rer zu über­zeu­gen, wenn es um die eigene Gesund­heit geht. Bei even­tu­el­len Schwie­rig­kei­ten würde Rühl­mann zu ihrem Chef gehen. Aber das war in den vergan­ge­nen zwei Jahren noch nicht nötig.

Das Haupt­pro­blem ist, wenn zu schnell gear­bei­tet wird, denn das birgt ein höhe­res Verlet­zungs­ri­siko – vor allem, wenn wir mit der Säge arbei­ten. Aber die Leute sollen natür­lich auch nicht trödeln“, sagt die reso­lute Gärt­ne­rin. Auf das rich­tige Maß kommt es eben an. Das gilt beruf­lich wie privat, weiß die passio­nierte Sport­le­rin. Ob beim Berg­wan­dern, Kanu­fah­ren oder Reiten – Beson­nen­heit ist wich­tig.

Wie wich­tig, erlebt sie täglich im Umgang mit ihrem Western­pferd: Bei nassem Boden werden keine schnel­len Manö­ver gerit­ten. Und ins Gelände geht die erfah­rene Reite­rin nie ohne Helm.

Gesund alt werden

Zur Sicher­heits­be­auf­trag­ten vorge­schla­gen zu werden, hat Rühl­mann schon mit etwas Stolz erfüllt. Im Betrieb würde sie gerne Grup­pen­lei­te­rin werden. „Da muss man sich bewäh­ren.“

Die Arbeit macht ihr Spaß, auch weil sie sich im Laufe der Zeit deut­lich verän­dert hat. „Heute wird viel mehr mit Maschi­nen gear­bei­tet, die einem die Arbeit wirk­lich erleich­tern. Wir hatten hier beispiels­weise auch einen klei­nen Trak­tor, um das Funda­ment und schließ­lich die Kuhlen zum Pflan­zen der Forsy­thien auszu­he­ben.“ Trotz­dem bleibt die Gärt­ne­rei eine vergleichs­weise harte, körper­li­che Arbeit.

Geduld und natür­li­che Auto­ri­tät

Damit die Mitar­bei­ter gesund und fit blei­ben, gibt es bei FES neben der Sicher­heits­ar­chi­tek­tur auch ein eige­nes Betriebsärzte-Team, ein eige­nes Fitness-Studio sowie die Möglich­keit, bei den Frank­fur­ter Bäder­be­trie­ben kosten­los zu trai­nie­ren. Ein akti­ves Demografie-Management ermög­licht älte­ren Mitar­bei­tern zudem, von der Müll­ent­sor­gung in einen Betriebs­hof oder zur Stra­ßen­rei­ni­gung zu wech­seln. Gesund alt werden, so lautet das Motto von Rühl­mann. Mit Geduld und einer gewis­sen natür­li­chen Auto­ri­tät lebt sie das vor und setzt auch Anfor­de­run­gen wie zum Beispiel den Gehör­schutz bei neuen Kolle­gen durch. „Man muss halt wissen, wie man’s erklärt.“


Steck­brief

  • Frauke Rühl­mann
  • 40 Jahre
  • Gärt­ne­rin
  • Bran­che: Grün­schnitt und ‑pflege
  • Sicher­heits­be­auf­tragte seit zwei Jahren

FES-Gruppe – Die Rhein-Main-Macher

  • Mitar­bei­ter: rund 1800, davon circa 12 Grün­pfle­ger
  • Stand­orte: 25 im gesam­ten Rhein-Main-Gebiet
  • Umsatz: rund 240 Millio­nen Euro
  • www.fes-frankfurt.de
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