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Starke persönliche Motivation als Antrieb

Zu Besuch bei SAP St. Leon-Rot
Starke persönliche Motivation als Antrieb

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Eine beson­dere Gefährdung gibt es im nor­malen Arbeit­sall­t­ag beim Soft­wa­reen­twick­ler SAP kaum: „Wir haben hier zum Beispiel keinen Umgang mit Gefahrstof­fen“, schätzt sich Carsten Kub­ber­nuhs ver­gle­ich­sweise glück­lich. Doch auch in einem Ver­wal­tungs­ge­bäude kann ein motiviert­er Sicher­heits­beauf­tragter wie er einiges bewirken – und die Kol­le­gen wom­öglich vor ein­er eige­nen lei­d­vollen Erfahrung bewahren.

Petra Jauch

Ich war jung, fühlte mich gesund und habe ein­fach nicht darauf geachtet“, erk­lärt Carsten Kub­ber­nuhs rück­blick­end. Die Rede ist von ein­er ergonomisch ungün­sti­gen Arbeit­shal­tung: die Vor­gaben vom Arbeitss­chutz der SAP mis­sach­t­end und aus Bequem­lichkeit, arbeit­ete der aus­ge­bildete Wirtschaftsin­for­matik­er län­gere Zeit an einem Lap­top ohne Maus und ohne zusät­zlichen Bild­schirm. „Ich saß viel im eige­nen Büro und hätte mich bess­er ein­richt­en kön­nen. Aber sowas habe ich gar nicht ernst genom­men“, bedauert der heutige Sicher­heits­beauf­tragte. Diese Nach­läs­sigkeit führte schließlich dazu, dass er an der Hand operiert wer­den musste. „Nur eine kleine OP, die mich aber ein halbes Jahr lang beschäftigt hat.“

Ergonomie unterschätzt

Sei­ther legt Kub­ber­nuhs viel Wert auf einen ergonomis­chen Arbeit­splatz. Auch die Kol­le­gen möchte er dafür sen­si­bil­isieren und ihnen somit schmerzhafte Lek­tio­nen wie seine Hand-OP ers­paren – ein­er der Gründe, warum er Sicher­heits­beauf­tragter gewor­den ist. Ein weit­er­er beste­ht darin, dass er das The­ma Arbeitssicher­heit und die damit ver­bun­de­nen Weit­er­bil­dungsange­bote als per­sön­liche Bere­icherung empfind­et. „Es ist für mich motivierend, abseits des reg­ulären Jobs weit­ere Aspek­te zu sehen und die Fir­ma noch aus einem anderen Blick­winkel zu betra­cht­en.“ Unmit­tel­bare Aus­lös­er für Kub­ber­nuhs Bestel­lung zum Sicher­heits­beauf­tragten war jedoch ein gemein­samer Aufruf von Geschäfts­führung und Betrieb­srat im Jahr 2012: In der Lan­des­ge­sellschaft wur­den Sibes gesucht. „Da hat­te ich gle­ich einige Ansatzpunk­te vor Augen und habe mich gemeldet.“

„Je mehr, desto besser!“

Auch wenn es dem Unternehmen nicht mehr an Sicher­heits­beauf­tragten man­gelt, sind Frei­willige für diese Auf­gabe weit­er­hin willkom­men. „Vor eini­gen Jahren war dieses Ehre­namt noch nicht so bekan­nt. Da war es förder­lich, einen Aufruf zu starten, um mehr Beschäftigte zu erre­ichen“, erk­lärt Armin Schnei­der, Sicher­heits­fachkraft bei SAP SE. Doch diese Zeit­en sind vor­bei: Derzeit gibt es bei SAP rund 78 Sicher­heits­beauf­tragte. „Wir liegen in jedem Fall über Soll, sind aber froh über jeden, der sich meldet. Es gibt hier keine Lim­i­tierung“, bekräftigt der Sicher­heitsin­ge­nieur, wie wichtig und sin­nvoll ihm diese Form der Unter­stützung ist.

Augen und Ohren offenhalten

Die Unter­stützung beste­ht vor allem im ver­größerten Blick­feld. „Wir sind das erweit­erte Auge des Arbeitss­chutzes“, verdeut­licht Carsten Kub­ber­nuhs. Entsprechend definiert er seine Haup­tauf­gabe: „Ich laufe mit offe­nen Augen und offe­nen Ohren durch den Betrieb und weise auf poten­zielle Gefahren­quellen hin.“ Das sind zumeist Kleinigkeit­en, die aber schnell großes Unheil anricht­en kön­nen. Zum Beispiel, dass die Sup­pen­ter­rine in der Kan­tine so hoch stand, dass kleinere Per­so­n­en kaum mit der Kelle hinein­re­icht­en und dies Carsten Kub­ber­nuhs an die ver­ant­wortlichen Stellen zur Behe­bung weit­ergeben kon­nte – je mehr sich sein „Faible“ für den Arbeitss­chutz herum­spricht, desto häu­figer wen­den sich die Kol­le­gen mit der­ar­ti­gen Beobach­tun­gen oder Wün­schen an ihn.

ASA und Mittagstisch für Sibes

Erster Ansprech­part­ner für Kub­ber­nuhs wiederum ist Sicher­heitsin­ge­nieur Armin Schnei­der. „Unsere Arbeit hier wird geschätzt. Uns wer­den keine Steine in den Weg gelegt“, lobt er die gute Zusam­me­nar­beit inner­halb der Arbeitss­chut­zor­gan­i­sa­tion. Dazu gehört auch, dass die Sicher­heits­beauf­tragten virtuell und vor Ort zum Arbeitssicher­heit­sauss­chuss ein­ge­laden wer­den, der ein­mal im Quar­tal tagt. Seit einem hal­ben Jahr gibt es zudem regelmäßige Sibe-Tre­f­fen, die zum Erfahrungsaus­tausch vor den Auss­chuss­sitzun­gen dienen. Ein weit­eres spezielles Ange­bot beste­ht im soge­nan­nten „Mit­tagstisch für Sibes“: Inter­essierte Sicher­heits­beauf­tragte tre­f­fen sich vierteljährlich an einem speziellen Tisch in der Kan­tine, um sich in lock­er­er Atmo­sphäre über ihre Auf­gaben zu unter­hal­ten.

Sibe auch auf Reisen

Kub­ber­nuhs ist auf­grund sein­er Tätigkeit viel unter­wegs: „Der Reisean­teil bei mein­er Tätigkeit als Großkun­den­ber­ater beträgt 20 bis 30 Prozent.“ Seit einem Jahr liegt sein Fokus auf „Auto­mo­tive“, sodass er ins­beson­dere Zuliefer­be­triebe und Auto­her­steller ans­teuert. Sein Ehre­namt macht sich dabei auch auf Reisen bemerk­bar: „Kaum im Hotel angekom­men schaue ich gle­ich mal nach den Fluchtwe­gen“, schmun­zelt er. Das erledi­ge er inzwis­chen automa­tisch, empfehle es aber auch allen anderen Beratern. Tat­säch­lich hat er in einem großen Bürokom­plex in Abu Dhabi schon ein­mal eine Evakuierung miter­lebt, die zum Glück auf einen Fehlalarm zurück­ging.

Den Ern­st­fall probt Kub­ber­nuhs auch mit den Kol­le­gen in St. Leon-Rot. „Wir hat­ten hier eben­falls einige Fehlalarme – ein guter Anlass, um die Abläufe zu über­prüfen. Ist der aufge­set­zte Prozess allen klar?“ Her­aus­gekom­men ist unter anderem, dass der Sam­melplatz nicht gut erkennbar war. Außer­dem fehlte eine Mel­dung zum Alar­mende. „Nie­mand wusste, ob nun alles vor­bei war oder nicht.“ Kub­ber­nuhs ist, wie die meis­ten Sibes bei SAP, auch Brand­schutzhelfer. Aus diesem Grund hat er in Team­run­den schon ein­mal eine Sicher­heit­sun­ter­weisung präsen­tiert: „Ich bin auf meinen Chef zuge­gan­gen mit dem Vorschlag, ein Brief­ing zu ver­schiede­nen The­men des Arbeitss­chutzes zu übernehmen.“

Steckenpferd Ergonomie

Ein Steck­enpferd von Kub­ber­nuhs ist und bleibt die Ergonomie. Wenn er im Kol­le­genkreis Sätze auf­schnappt wie „Mir tut alles weh, wenn ich beim Kun­den gear­beit­et habe“, wird er sofort hell­hörig. Dann rät er, mit dem Kun­den über Verbesserungsmöglichkeit­en zu sprechen oder ergonomis­che Hil­f­s­mit­tel einzuset­zen – schließlich weiß ger­ade er, dass solche Dinge nicht auf die leichte Schul­ter zu nehmen sind. Kub­ber­nuhs benutzt heute beispiel­sweise eine Ver­tikalmaus, die er sich inzwis­chen auch pri­vat zugelegt hat. Doch jed­er
Arbeit­splatz muss auf die indi­vidu­ellen Bedürfnisse seines Nutzers abges­timmt wer­den. Hierzu ste­ht den SAP-Beschäftigten auch ein haus­in­tern­er Ser­vice zur Ver­fü­gung. „Man kann hier jed­erzeit eine Ergonomieber­atung vom Arbeitss­chutz oder Health Man­age­ment bekom­men.“

Nicht von oben herab

Wenn er Ratschläge von sich gibt, achtet Kub­ber­nuhs darauf, dass dies im lock­eren Gespräch­ston geschieht und nicht etwa besser­wis­serisch oder belehrend wirkt. „Das hat natür­lich eine psy­chol­o­gis­che Kom­po­nente.“ Ohne­hin sei er nicht weisungs­befugt und könne nur argu­men­ta­tiv überzeu­gen. „Ich frage mich also: Wo kann ich helfen, wo Hil­festel­lung geben?“ Außer­dem ist ihm bewusst, dass er selb­st auch nicht immer per­fekt han­delt. „Ich ertappe mich schon mal bei Sachen, die nicht so geschickt sind, etwa bei der Han­dynutzung auf ein­er Treppe.“ Seinen Fahrstil hat er allerd­ings schon an sein neues Sicher­heits­be­wusst­sein angepasst: „Ich fahre jet­zt defen­siv­er – das ist ein­fach entspan­nter.“

Motivation als Motor

Man müsse das The­ma Arbeitss­chutz aktiv ange­hen, weiß Kub­ber­nuhs. „Ich habe gle­ich nach der ersten Fort­bil­dung gemerkt, dass dieses Amt von der eige­nen Moti­va­tion lebt.“ Für ihn kein Prob­lem, denn daran man­gelt es ihm sichtlich nicht. Außer­dem lasse sich die Auf­gabe gut steuern: „Man wird aktiv, wenn man Luft hat und muss nicht regelmäßig mehrere Stun­den dafür erübri­gen. Meine Auf­gaben als Sicher­heits­beauf­tragter laufen ein­fach neben­her, das ist für mich keine Arbeit beziehungsweise Arbeit­szeit in dem Sinn.“


Steckbrief

  • Carsten Kub­ber­nuhs
  • 34 Jahre
  • Posi­tion: Prin­ci­pal Sup­port Engi­neer, SAP Dig­i­tal Busi­ness Ser­vices
  • Branche: Soft­ware
  • Sicher­heits­beauf­tragter seit 2012

SAP SE

Die SAP SE ist ein deutsch­er Soft­ware­hersteller mit Haupt­sitz im baden-würt­tem­ber­gis­chen Wall­dorf. Tätigkeitss­chw­er­punkt ist die Entwick­lung von Soft­ware zur Opti­mierung sämtlich­er Geschäft­sprozesse eines Unternehmens wie zum Beispiel Buch­führung, Con­trol­ling, Ver­trieb, Einkauf, Pro­duk­tion, Lager­hal­tung und Per­son­al­we­sen.

  • Das Unternehmen wurde 1972 von fünf ehe­ma­li­gen Mitar­beit­ern der IBM – Claus Wellen­reuther, Hans-Wern­er Hec­tor, Klaus Tschi­ra, Diet­mar Hopp und Has­so Plat­tner – als SAP Sys­te­m­analyse und Pro­gram­men­twick­lung GbR in Wein­heim gegrün­det.
  • SAP SE beschäftigt heute weltweit rund 95.000 Mitar­beit­er an 130 Stan­dorten, davon cir­ca 15.000 am Haupt­sitz in Walldorf/ St. Leon-Rot.
  • www.sap.de
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