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Zu Besuch bei ICL

Wenn­schon, denn­schon: Präven­tion verin­ner­licht

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„Ohne Schutz­klei­dung geht es doch auch, es wird schon nichts passie­ren!“ Diese Einstel­lung ist Marina Fleisch­hauer fremd. Die Sicher­heits­be­auf­tragte aus der Forschungs­ab­tei­lung von ICL Laden­burg leis­tet gerne Über­zeu­gungs­ar­beit in Sachen Präven­tion – denn wenn sie sich einer Sache widmet, dann auch rich­tig.

Petra Jauch

Marina Fleisch­hauer ist schon seit ihrer Ausbil­dung zur Chemi­kan­tin bei ICL beschäf­tigt, inzwi­schen sind es 25 Jahre. „Wer nach der Lehre hier geblie­ben ist, geht nicht mehr fort“, stellt die 43-Jährige fest. Durch die langen Betriebs­zu­ge­hö­rig­kei­ten und den daraus resul­tie­ren­den festen Mitar­bei­ter­stamm ist ihre Firma, die seit 1997 zur globa­len ICL-Gruppe gehört, immer noch fami­liär geprägt: „Im Mikro­kos­mos der einzel­nen Betriebe gehö­ren manche Mitar­bei­ter quasi zum Inven­tar“, schmun­zelt die Sicher­heits­be­auf­tragte. Sie selbst arbei­tete nach der Lehr­zeit zunächst im Labor und dann in der Produk­tion.

Seit ihrer Rück­kehr aus dem Mutter­schutz 2005 hat Marina Fleisch­hauer einen festen Platz in der Forschungs­ab­tei­lung. „Wir haben hier schon viele neue Produkte und Patente entwi­ckelt, beispiels­weise Entschäu­mer für Farben auf pflanz­li­cher Basis“, gibt sie Einblick in ihre Tätig­keit.

Neues „Baby“

Als sie vor zwölf Jahren „aus heite­rem Himmel“ zur Sicher­heits­be­auf­trag­ten bestellt wurde, hatte Marina Fleisch­hauer keine Vorstel­lung von diesem Ehren­amt. „Es hieß einfach: Sie über­neh­men das. Ich hatte keine Ahnung, was ich machen muss – Steck­do­sen prüfen?“, lacht die Entwick­le­rin. Doch ihr Chef wusste vermut­lich schon, wem er diese schein­bar unbe­deu­tende Aufgabe über­trägt: „Ich bin so ein Mensch: Wenn ich etwas mache, dann rich­tig.“ Den Grund­stein dazu erhielt sie in einer Fort­bil­dung.

Eine posi­tive Wende für das gesamte Unter­neh­men in punkto Arbeits­si­cher­heit begann 2003 mit dem Einstieg von Bernd Koch als leitende Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit, Gesund­heit und Umwelt. Das Bewusst­sein für Arbeits­si­cher­heit war zu jenem Zeit­punkt in der Firma weit weni­ger ausge­prägt als heute. Nun wurden über­all Hand­läufe ange­bracht sowie etli­che weitere Sicher­heits­maß­nah­men und ‑aktio­nen ange­sto­ßen. Marina Fleisch­hauer ist froh über diese Entwick­lung. „Das geht jetzt einfach in Fleisch und Blut über.“

Macht der Gewohn­heit

Ein neues Verständ­nis für Sicher­heits­fra­gen bemerkt sie insbe­son­dere bei den Azubis, die von Anfang an in die Präven­ti­ons­kul­tur hinein­wach­sen. „Sie werden ganz anders an das Thema heran­ge­führt.“ Lang­jäh­ri­gen Mitar­bei­ten­den falle das Umden­ken mitun­ter schwer, auch in Hinblick auf den Umgang mit Gefahr­stof­fen. „Sie sind eher mal der Meinung: Mir wird schon nichts passie­ren. Das ist manch­mal etwas schwie­rig.“ Gene­rell wird immer das Gespräch mit der betref­fen­den Person gesucht und, wenn dies völlig wirkungs­los blei­ben sollte, wird der leitende Sicher­heits­in­ge­nieur zu Rate gezo­gen, als Ultima Ratio sozu­sa­gen. „Unsere Sicher­heits­be­auf­trag­ten haben nicht die Aufgabe, sicher­heits­wid­rige Verhal­tens­wei­sen zu melden“, erklärt Bernd Koch. „Sie sind keine Kontrol­leure, sondern Multi­pli­ka­to­ren und Vorbil­der.“

Ergo­no­mi­sche Gesichts­punkte

Die Sicher­heits­be­auf­tragte hat aber nicht nur die Gefahr­stoffe im Blick, sondern achtet auch auf die Anwen­dung der vorge­schrie­be­nen PSA. Neben der rich­ti­gen Beklei­dung legt sie Wert darauf, dass im Labor Hand­schuhe und Schutz­brille getra­gen werden. Hinzu kommen ergo­no­mi­sche Gesichts­punkte: „In einer Schu­lung bei Herrn Koch hatte ich erfah­ren, dass Bild­schirme immer seit­lich zum Fens­ter stehen soll­ten. In unse­ren fünf Räumen saßen bis zu diesem Zeit­punkt alle zum Fens­ter hin, demnach also falsch“, erzählt sie. Für eine Umge­stal­tung musste sie zunächst etwas Über­zeu­gungs­ar­beit leis­ten: „Manche Kolle­gen waren nicht gleich begeis­tert und haben sich gefragt: Wozu der Aufwand?“, schmun­zelt Fleisch­hauer. Doch nun profi­tie­ren alle von den besse­ren Licht­ver­hält­nis­sen und besit­zen zudem einen hoch­wer­ti­gen Stuhl mit indi­vi­du­el­len Einstell­mög­lich­kei­ten.

Zur Mode­ra­to­rin ausge­bil­det

Zunächst mit etwas Skep­sis, aber inzwi­schen aus voller Über­zeu­gung beschäf­tigt sich Marina Fleisch­hauer auch mit den soge­nann­ten weichen Fakto­ren: Um die psychi­schen Belas­tun­gen in den verschie­de­nen Schich­ten und Abtei­lun­gen zu ermit­teln, wurden Befra­gun­gen mit anony­men Bewer­tungs­bö­gen durch­ge­führt. Dazu besuch­ten jeweils zwei Firmen­an­ge­hö­rige – ein Mode­ra­tor und ein Beisit­zer – die einzel­nen Betriebe und spra­chen mit den Beschäf­tig­ten über ihre Arbeits­be­din­gun­gen und Wünsche, so etwa über Stress­fak­to­ren, Über­stun­den oder Kommu­ni­ka­ti­ons­pro­bleme. Marina Fleisch­hauer willigte ein, sich als Mode­ra­to­rin ausbil­den zu lassen. „Das war im Prin­zip ein Weiter­bil­dungs­an­ge­bot für alle Mitar­bei­ter“, erklärt Bernd Koch. Etwa 50 Prozent der Mode­ra­to­ren seien Sicher­heits­be­auf­tragte, die ande­ren 50 Prozent inter­es­sierte Beschäf­tigte. „Die Sicher­heits­be­auf­trag­ten sind gut dafür geeig­net, weil sie sich in der Regel trauen, den Mund aufzu­ma­chen.“ In den Befra­gun­gen ging es aller­dings auch ums Zuhö­ren: „Die Aktion ist gut ange­kom­men. Die Leute konn­ten Luft ablas­sen“, bilan­ziert Fleisch­hauer. Sie hat auf diese Weise tiefen Einblick in die Befind­lich­keit der Mitar­bei­ter gewon­nen und auch Wert­schät­zung für ihr Enga­ge­ment erfah­ren: „Ich bin eine Vertrau­ens­per­son.“

Lästige Doku­men­ta­ti­ons­pflicht

Kein Zwei­fel, Marina Fleisch­hauer liebt ihren Arbeits­platz im Labor und ist gerne Sicher­heits­be­auf­tragte. Nur eine Sache berei­tet ihr wenig Vergnü­gen: „Diese Büro­kra­tie: Das ist das Einzige, was mir nicht so viel Spaß macht“, bekennt die 43-jährige. In enger Zusam­men­ar­beit mit Bernd Koch und dem TÜV muss sie monat­lich eine Auflis­tung der Gefahr­stoffe vorneh­men, den Bestand der Gefahr­stoff­schränke prüfen und die Gefähr­dungs­ana­lyse vorbe­rei­ten. Dazu wird immer mehr Doku­men­ta­tion verlangt. Doch immer­hin darf sich die Sicher­heits­be­auf­tragte ihre Aufga­ben selbst eintei­len. „Ich kann das mit meinem Chef gut regeln: Er lässt mir Zeit für diese Sicher­heits­as­pekte.“ Die Rolle der Sicher­heits­be­auf­trag­ten kann sie somit gut mit ihrer Arbeit verbin­den. Dabei hilft auch eine struk­tu­rierte Arbeits­weise: „Ich bin zum Glück gut orga­ni­siert.“

Alle zwei Jahre tref­fen sich die Sicher­heits­be­auf­tra­gen der ICL in Laden­burg und Ludwigs­ha­fen zum Erfah­rungs­aus­tausch. Marina Fleisch­hauer findet es gut, sich mit ihren Mitstrei­tern aus den ande­ren Betrie­ben über Aufga­ben, mögli­che Probleme und Lösungs­an­sätze zu unter­hal­ten. Auf diese Weise erhält sie Anre­gun­gen für den eige­nen Betrieb und kann sich für bestimmte Frage­stel­lun­gen Rat holen. Die stän­dige Ausein­an­der­set­zung mit Sicher­heits­as­pek­ten färbt aber auch auf das Privat­le­ben ab: „Kürz­lich hat ein Dach­de­cker bei uns Papier ausge­legt. Da habe ich sofort gedacht: Achtung, Rutsch­ge­fahr!“, gibt Fleisch­hauer ein Beispiel. Durch ihre Mode­ra­to­ren­tä­tig­keit sei sie zudem sehr offen für psychi­sche Fakto­ren gewor­den. Doch die Sensi­bi­li­sie­rung für diese Thema­tik empfin­det sie keines­falls als Fluch. „Das hat sich posi­tiv auf mein Leben ausge­wirkt.“


Steck­brief

  • Marina Fleisch­hauer
  • 43 Jahre
  • Qualitätskontrolle/Forschungsabteilung
  • Bran­che: Chemi­sche Indus­trie
  • Sicher­heits­be­auf­tragte seit 2006

ICL Laden­burg

ICL ist ein globa­ler Herstel­ler von Spezi­al­che­mi­ka­lien auf mine­ra­li­scher Basis für die drei Kern­be­rei­che Land­wirt­schaft, Lebens­mit­tel­her­stel­lung und tech­ni­sche Werk­stoffe (Engi­nee­red Mate­ri­als). Die BK Giulini GmbH ist als ICL Laden­burg Teil der globa­len ICL-Gruppe.

  • ICL-Gruppe: rund 12.000 Beschäf­tigte
  • sechst­größ­ter Kalisalz-Produzent welt­weit sowie führen­der Anbie­ter von reiner Phos­phor­säure, Spezi­al­dün­gern, Spezi­al­ty­pen von Phos­pha­ten und Flamm­schutz­mit­teln
  • Stand­ort Laden­burg: rund 460 Beschäf­tigte
  • Zwei Geschäfts­be­rei­che: ICL Food Specia­li­ties (Lebens­mit­tel­zu­sätze für Back­wa­ren, Fleisch, Getränke und Milch­pro­dukte) sowie ICL Advan­ced Addi­ti­ves (Zusätze für Baustoffe, Farben und Kosme­tik)
  • www.icl-group.com
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