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Ersthelfer

Wich­tige Helfer im Ernst­fall

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Dr. Bernd Trauth, Vice President Corporate Health Management, BASF SE Foto: BASF SE
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Im Inter­view verrät Dr. Bernd Trauth, Vice Presi­dent Corpo­rate Health Manage­ment von BASF, warum Erst­hel­fer uner­läss­lich für die Arbeit des Werks­ret­tungs­diens­tes sind und wie sie für ihren Einsatz im Ernst­fall vorbe­rei­tet werden.

Das Inter­view führte Jörg Hensiek.

Herr Trauth, welche Inhalte werden den Erst­hel­fern in den Schu­lun­gen (Grund­kur­sen) vermit­telt? Unter­schei­den sich die Inhalte abhän­gig von den Abtei­lun­gen, in denen die Erst­hel­fer arbei­ten?

Die Kurse folgen grund­sätz­lich einem einheit­li­chen Curri­cu­lum, das von der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung vorge­ge­ben wird. Unser BASF-Werkrettungsdienst ist eben­falls eine entspre­chend akkre­di­tierte Ausbil­dungs­stätte. Dabei ist es uns wich­tig, dass die Trai­ner auch selbst aus unse­rem Team stam­men und das Werk, die Abläufe im Notfall und die Beson­der­hei­ten der chemi­schen Indus­trie genau kennen. Wir gehen bei den Kursen daher auch beson­ders auf Themen wie Alar­mie­rung, Eigen­schutz und Dekon­ta­mi­na­tion ein. Über die Ausbil­dung der Erst­hel­fer hinaus bieten wir aber auch Kurse und Semi­nare vor Ort
in den Betrie­ben oder Einhei­ten an, in denen wir dann sehr spezi­fisch auf die dorti­gen Belange einge­hen können.

Haben sich die Inhalte der Schu­lun­gen in den vergan­ge­nen Jahren verän­dert? Wenn ja, woran liegt dies?

Seit 2015 werden alle betrieb­li­chen Erst­hel­fer auch in der Benut­zung eines Auto­ma­ti­schen Exter­nen Defi­bril­la­tors geschult. Damit wird auch bei der Erst­hel­fer­schu­lung der Bedarf an Perso­nen mit Kompe­tenz in der Laien­re­ani­ma­tion in der Gesell­schaft geför­dert. BASF hat 2018 mit der an allen Stand­or­ten welt­weit durch­ge­führ­ten Gesund­heits­ak­tion Helden.Retten.Leben das Thema Laien­re­ani­ma­tion noch einmal zusätz­lich unter­stützt und insge­samt mehr als 40.000 Mitar­bei­ter, darun­ter mehr als 10.000 in Ludwigs­ha­fen in frei­wil­li­gen 45-Minuten Kursen in Herz­druck­mas­sage geschult. Für uns war bei diesem Projekt insbe­son­dere die enge Zusam­men­ar­beit mit exter­nen Part­nern wich­tig. Beispiel­haft möchte ich hier die BG-Unfallklinik in Oggers­heim, das Klini­kum Ludwigs­ha­fen, die Ärzte­or­ga­ni­sa­tion Go-Lu und das German Resus­ci­ta­tion Coun­cil nennen.

Wie stel­len sie sicher, dass in einem so komple­xen Werk wie dem der BASF in Ludwigs­ha­fen die erfor­der­li­che Zahl an Erst­hel­fern in jedem Betrieb ausge­bil­det wird?

Zunächst ist das natür­lich Teil der soge­nann­ten Betrei­ber­pflich­ten. Wir unter­stüt­zen unsere Führungs­kräfte aber in der Erfül­lung dieser Pflicht, indem wir, und auch die Kolle­gen der Arbeits­si­cher­heit, bei den regel­mä­ßi­gen Bege­hun­gen und Inspek­tio­nen die vorge­schrie­bene Erst­hel­fer­quote über­prü­fen. Die Zahl der durch­ge­führ­ten Schu­lun­gen gibt uns eine grobe Einschät­zung fürs Werk insge­samt. Da liegen wir mit über 17 Prozent in einem guten Bereich. Um das auf Betriebs­ebene herun­ter zu brechen, berech­nen wir die Erst­hel­fer­quote für jeden Melde­bau, indem wir die Infor­ma­tion über das Vorlie­gen gülti­ger Erst­hel­fer­zer­ti­fi­kate mit der Gesamt­zahl der dort gemel­de­ten Mitar­bei­ter verknüp­fen. So können wir auf den digi­ta­len Werks­plan für alle Melde­bau­ten die entspre­chend aktu­ell erreichte Quote visua­li­sie­ren und bei Bedarf eine direkte Rück­mel­dung geben.

Was machen Erst­hel­fer in den ersten Minu­ten nach dem Unfall im Falle einer durch eine Chemi­ka­lie verur­sach­ten Verlet­zung?

Soweit es der Eigen­schutz zulässt helfen sie den Verletz­ten den Gefah­ren­be­reich zu verlas­sen. Ist dies nicht risi­ko­los möglich, wird unsere Werk­feu­er­wehr zur Rettung alar­miert. Weitere Aufga­ben der Erst­hel­fer sind die Unter­stüt­zung bei der Dekon­ta­mi­na­tion unter der Notdu­sche und gege­be­nen­falls die sach­ge­rechte Lage­rung und Betreu­ung der Betrof­fe­nen, bis der Rettungs­dienst eintrifft. Dieser wird vom Betrieb mit genauen Gefahr­stoff­in­for­ma­tio­nen versorgt und über­nimmt dann die weitere Versor­gung der Verletz­ten sowie den Trans­port.

Nehmen Erst­hel­fer auch an
Alarm­übun­gen teil?

Unbe­dingt! Es ist uns sehr wich­tig, dass alle Teile der Rettungs­kette in
Notfall­übun­gen regel­mä­ßig über­prüft werden. Und da kommt den Erst­hel­fern eine sehr entschei­dende Aufgabe zu. Wir haben in der BASF die Regel, dass auch kleine Stand­orte, die über keinen eige­nen Rettungs­dienst verfü­gen wie im Stamm­werk in Ludwigs­ha­fen mindes­tens einmal im Jahr eine Notfall­übung zur Über­prü­fung der Rettungs­kette durch­füh­ren. Auch an unse­ren Groß­scha­dens­übun­gen nehmen regel­mä­ßig Erst­hel­fer teil, denn neben ihren übli­chen Aufga­ben als Erst­hel­fer dienen sie auch im Groß­scha­dens­fall als direkte Unter­stüt­zung der Einsatz­kräfte am Verband­platz oder zur Betreu­ung von Leicht­ver­letz­ten.

Werden bei solchen Groß­übun­gen die Erst­hel­fer dann schon vorher infor­miert?

Nein. Ihre Alar­mie­rung entspricht der in einem Real­fall und läuft über das zentrale Infor­ma­ti­ons­sys­tem am Stand­ort. Wir haben in frühe­ren Übun­gen fest­ge­stellt, dass es auch zum Schutz der Erst­hel­fer erfor­der­lich ist, dies zu koor­di­nie­ren. Daher alar­miert unsere BASF-Leitstelle nur Erst­hel­fer aus Betrie­ben und Gebäu­den, die sich in nahe gele­ge­nen Block­fel­dern zum ange­nom­men Scha­dens­ort befin­den und von wo aus sie sich mit der Wind­rich­tung nähern können. Am Rand des Einsatz­be­reichs baut die Werk­feu­er­wehr einen Sammel­punkt für die eintref­fen­den Erst­hel­fer auf, wo sie infor­miert werden und von wo aus sie gezielt zum Beispiel als Trage­hilfe und für den Verband­platz abge­ru­fen werden können. Zur Erken­nung tragen sie eine Armbinde, und viele brin­gen auch noch ihren Erste­hil­fe­kas­ten mit, so dass sie schon mit Schutz­hand­schu­hen und Verband­ma­te­rial „bewaff­net“ sind.

Vielen Dank für das Gespräch.

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