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Zu Besuch bei Gore in Putzbrunn

Faible für aufschlussreiche Excel-Tabellen
Zu Besuch bei Gore in Putzbrunn

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Lev­ent Can sorgt sich um die Sicher­heit sein­er Kol­le­gen bei der Fir­ma Gore Werk 4. Für ihn ist dies eine Herzen­san­gele­gen­heit. Damit für jede Tätigkeit die opti­male Schutzaus­rüs­tung genutzt wird, investiert der Sicher­heits­beauf­tragte auch schon mal einige Stun­den sein­er Freizeit.

Math­ias von Hofen

Wer auf das Gelände der Fir­ma Gore in Putzbrunn kommt, dem fällt sofort auf, dass es nicht durch einen Zaun gegen die Nach­bar­grund­stücke abge­tren­nt ist. Gore sig­nal­isiert damit Offen­heit gegenüber den Anwohn­ern. Beson­ders wichtig ist dem Unternehmen zugle­ich die Sicher­heit der Nach­barn – eben­so wie die der eige­nen Mitarbeiter.

Lev­ent Can ist seit 1992 bei der Fir­ma Gore Asso­ciates GmbH in Putzbrunn tätig, davon die let­zten zehn Jahre als Dispo­nent Abfall­wirtschaft und Entsorgung, wobei er auch für Son­der­abfälle ver­ant­wortlich ist. In Putzbrunn wer­den unter anderem Mem­bra­nen für Funk­tion­s­tex­tilien sowie Mem­bra­nen für Be- und Entlüf­tung hergestellt, die in Autoschein­wer­fern oder Elek­tron­ikkom­po­nen­ten zum Ein­satz kommen.

Im Werk 4, für das Lev­ent Can als Sicher­heits­beauf­tragter zuständig ist, arbeit­en ins­ge­samt 170 Kol­le­gen in den Bere­ichen Pro­duk­tion und Labor sowie 40 weit­ere in der Ver­wal­tung. Lev­ent Can küm­mert sich sowohl um die Sicher­heit der Mitar­beit­er in der Pro­duk­tion als auch um das Wohlbefind­en der Ver­wal­tungskräfte. Der Sicher­heits­beauf­tragte unter­stre­icht, dass er diese Auf­gabe gern über­nom­men hat: „Ich wurde vor allem wegen meines großen Inter­ess­es an der Arbeitssicher­heit und der Verbesserung von Schutzaus­rüs­tun­gen aus­gewählt“. Lev­ent Can sieht Gase, Dämpfe und Lösungsmit­tel, aber auch Ver­let­zun­gen durch Schnit­twun­den als größte Gefahren­quellen in seinem Arbeitsumfeld.

Markierung der Fluchtwege veranlasst

Um die Gefahr von Unfällen zu reduzieren, hat er im Werk 4 bere­its einige Verbesserun­gen erzielt. Nicht ganz ohne Stolz erzählt der 56-Jährige, dass die Markierung von Fluchtwe­gen im gesamten Werk auf seine Ini­tia­tive zurück­ge­ht. Eine Maß­nahme, die sich bere­its in der Prax­is bewährt hat: „Die Markierun­gen waren bei einem Großbrand 2016 eine hil­fre­iche Unter­stützung für die Feuer­wehr“, erzählt er. Auf diese Weise kon­nten let­z­tendlich größere Schä­den ver­mieden werden.

Ein Mann der Tat …

Weit­ere Neuerun­gen, die Lev­ent Can im Werk einge­führt hat, sind beispiel­sweise ein „Evakuierung Not­fall-Set“ und IC-Karten mit Notruf­funk­tion für Alleinar­beit­splätze. Zudem hat er mehrere Erste-Hil­fe-Sta­tio­nen im Werk neu aufge­baut. „Die waren nicht mehr alle auf dem neusten Stand“, erk­lärt der Sicherheitsbeauftragte.

Jet­zt befind­en sich an den Ret­tungssta­tio­nen gut aus­ges­tat­tete Erste-Hil­fe-Kof­fer sowie Ret­tungstüch­er. Generell ist es Lev­ent Can sehr wichtig, bei Missstän­den „sofort zu han­deln“. Für eben­so entschei­dend hält er, regelmäßig Kon­trollen durchzuführen, da nur so Gefahren­quellen rechtzeit­ig erkan­nt und die Sicher­heit­stech­nik über­prüft wer­den kön­nten. „Es ist sehr wichtig, mit offe­nen Augen durch die Pro­duk­tion zu gehen“, betont er.

Auch in der Ver­wal­tung achtet Lev­ent Can auf gesunde Arbeit­splätze: „Die Stüh­le sind ergonomisch, eben­so die Tas­taturen. Und es gibt höhen­ver­stell­bare Schreibtis­che“, erk­lärt der Sicher­heits­beauf­tragte. Alle zwei Jahre wird eine Unter­weisung für die Mitar­beit­er im Büro durchge­führt. Und eine Wirk­samkeit­skon­trolle der Ergonomie am Arbeit­splatz erfol­gt mehrmals im Jahr.

… und der Worte

Als Lev­ent Can seine Posi­tion als Sicher­heits­beauf­tragter vor 15 Jahren antrat, gab es noch viel Erk­lärungs­be­darf auf Seit­en der Mitar­beit­er – „beispiel­sweise in Sachen Schutzbrillen und Hand­schuhe.“ Doch dann hät­ten die Beschäftigten die Maß­nah­men zur Arbeitssicher­heit bere­itwillig unter­stützt. Nur bei Änderun­gen in der Per­sön­lichen Schutzaus­rüs­tung bedürfe es manch­mal noch guter Argu­mente. Weil Lev­ent Can beson­deren Wert auf den Kon­takt zu den Kol­le­gen legt, fällt ihm diese Überzeu­gungsar­beit nicht schw­er. „Ich habe einen guten Draht zu den anderen, da wir auf Augen­höhe kom­mu­nizieren“. Eben­so wichtig ist eine „fre­undliche Ansprache“, weiß der 56-Jährige. Das entspricht ohne­hin sein­er Natur: Lev­ent Can ist ein offen­er und kom­mu­nika­tiv­er Men­sch, der keine Prob­leme damit hat, auf andere zuzugehen.

Unterstützung durch Vorgesetzte und Fachkräfte

Die Zusam­me­nar­beit mit der Unternehmensleitung sieht Lev­ent Can pos­i­tiv. Sowohl die Werklei­t­erin als auch die Pro­duk­tion­slei­t­erin wür­den schnell auf neue Auf­gaben und Her­aus­forderun­gen im Bere­ich der Arbeitssicher­heit reagieren. Regelmäßi­gen Kon­takt hat er mit den Fachkräften für Arbeitssicher­heit, die er vierteljährlich trifft. Von ihnen erhält er bei Bedarf auch Unter­stützung. Auch mit dem Betrieb­sarzt ste­ht der Sicher­heits­beauf­tragte in regelmäßigem Aus­tausch. Die Koop­er­a­tion mit den Beruf­sgenossen­schaften, zum Beispiel im Bere­ich von Schu­lun­gen, bew­ertet Lev­ent Can eben­falls als gut. Er greift auch gerne auf aktuelle Lern­mod­ule der Beruf­sgenossen­schaften zurück, die er den Mitar­beit­ern zur Ver­fü­gung stellt. Lev­ent Can besucht mit Sicher­heits­beauf­tragten zusam­men Fachausstel­lun­gen zum Arbeitss­chutz und besichtigt von Zeit zu Zeit die regionale Feuer­wehr, um sich dort über Brand­schutz­maß­nah­men zu informieren.

Schnittverletzungen im Fokus

Zu den häu­fig­sten Arbeit­sun­fällen in Lev­ent Cans Arbeits­bere­ich gehören Schnittver­let­zun­gen. Auch wenn diese oft ver­gle­ich­sweise harm­los und nicht meldepflichtig sind, wid­met er diesem Prob­lem beson­dere Aufmerk­samkeit. So hat er extra eigene Excel Tabellen angelegt, in denen er die Kol­le­gen über beson­ders geeignete Mess­er und Schutzvor­rich­tun­gen informiert. In weit­eren Excel Sheets erhal­ten die Mitar­beit­er Infor­ma­tio­nen zu Schutzhand­schuhen und ‑brillen. Lev­ent Can: „Nicht alle Hand­schuhe und Schutzbrillen sind für unsere Arbeit gle­icher­maßen geeignet. Daher möchte ich den Kol­le­gen einen Überblick ver­schaf­fen, welche Pro­duk­te am besten zu ihrer jew­eili­gen Arbeit passen.“ Lev­ent Can hat sich sog­ar die Mühe gemacht, bei den Her­stellern nachzufra­gen, um zusät­zliche Infos über die Eigen­schaften der Schutzhand­schuhe und ‑brillen zu erhalten.

In Eigenleistung erbracht

So sei beispiel­sweise die Klas­si­fizierung von Hand­schuhen nach den europäis­chen Schutznor­men nicht immer aus­re­ichend. „Diese sagt nicht exakt aus, wie lange die Hand­schuhe ein­er bes­timmten chemis­chen Belas­tung stand­hal­ten“. Auch darüber informiert der Sicher­heits­beauf­tragte seine Kol­le­gen in den von ihm angelegten und regelmäßig aktu­al­isierten Excel Sheets. Um diese wertvollen Infor­ma­tio­nen zusam­men­zu­tra­gen, hat Lev­ent Can nicht wenige Stun­den sein­er Freizeit investiert.

Die fort­laufende Aufk­lärung der Mitar­beit­er genießt bei Gore Deutsch­land generell einen hohen Stel­len­wert: Sämtliche Infor­ma­tio­nen und Unter­la­gen zur Arbeitssicher­heit sind für die Beschäftigten auch online ver­füg­bar. Auch über den Schutz am Arbeit­splatz hin­aus achtet das Unternehmen am Stan­dort Putzbrunn auf Sicher­heit. So wer­den die Anwohn­er ein­mal im Jahr bei einem „Tag der offe­nen Tür“ über Maß­nah­men im Bere­ich des Umweltschutzes und der Luftrein­hal­tung informiert.

Vorbild und Ansprechpartner

Und was macht für Lev­ent Can einen guten Sicher­heits­beauf­tragten aus? Darauf antwortet er ohne zu zögern: „Sich selb­st stets an die Sicher­heitsvorschriften zu hal­ten und zugle­ich auch Fehlver­hal­ten immer anzus­prechen.“ Durch sein Ehre­namt hat er seine Ken­nt­nisse im Bere­ich der Arbeitssicher­heit in den let­zten Jahren stetig weit­er­en­twick­elt. Der Haup­tantrieb beste­ht für ihn darin, „dass jed­er am Ende des Tages gesund und sich­er nach Hause fahren kann.“ Seit 1992 gab es im Werk 4 nur einen mit­telschw­eren Arbeit­sun­fall, bei dem ein Mitar­beit­er eine Fin­gerkuppe ver­lor. Angesichts der vie­len Risiken, die mit der Arbeit in der Kun­st­stoff­pro­duk­tion ver­bun­den sind, eine gute Bilanz, die den Sicher­heits­beauf­tragten dur­chaus mit Stolz erfüllt.

Freizeitverhalten angepasst

Lev­ent Can lebt das The­ma Sicher­heit dabei nicht nur auf der Arbeit: „Auch in mein­er Freizeit achte ich stark auf meine per­sön­liche Sicher­heit, beispiel­sweise beim Aut­o­fahren oder beim Kochen. Auch gegenüber Reini­gungsmit­teln im Haushalt bin ich sen­si­bler gewor­den“, erk­lärt er. Kochen ist eine sein­er lieb­sten Freizeitbeschäf­ti­gun­gen, gefol­gt von Wan­dern – und nicht zulet­zt die Beschäf­ti­gung mit Excel. Wom­it sich der Kreis zur Arbeit wieder schließt – denn Lev­ent Can ist eben mit Leib und Seele Sicherheitsbeauftragter.


Steckbrief

  • Lev­ent Can
  • 56 Jahre
  • Dispo­nent Entsorgung und Abfall­wirtschaft für den Stan­dort Putzbrunn / Schichtmeister
  • Sicher­heits­beauf­tragter seit 2005
  • Branche: Kun­st­stof­fver­ar­beitung

W. L. Gore & Associates GmbH

Das Tech­nolo­gie­un­ternehmen Gore hat in sein­er mehr als 60-jähri­gen Unternehmensgeschichte zahlre­iche Pro­duk­te zur Steigerung der Leben­squal­ität entwick­elt. Ins­beson­dere die Ent­deck­ung des viel­seit­i­gen Poly­mer Poly­te­tra­flu­o­rethylen (PTFE) eröffnete neue Anwen­dun­gen in zahlre­ichen Indus­trien. W. L. Gore & Asso­ciates GmbH ist die deutsche Tochterge­sellschaft von W. L. Gore & Asso­ciates, Inc. An den Stan­dorten in Deutsch­land wer­den Mem­bra­nen, Fil­ter und Belüf­tungse­le­mente unter anderem für Elek­tron­ik, Klei­dung und Medi­z­in­pro­duk­te hergestellt.

  • Grün­dung der Mut­terge­sellschaft: 1958 in Newark, Delaware, von Wilbert L. (Bill) und Genevieve (Vieve) Gore
  • Stan­dorte in mehr als 25 Ländern
  • Fer­ti­gungsstät­ten in den USA, Deutsch­land, Großbri­tan­nien, Chi­na und Japan
  • Mehr als 10.500 Mitar­beit­er weltweit.
  • Haupt­sitz von Gore Deutsch­land: Putzbrunn (bei München)
  • Cir­ca 1.600 Beschäftigte in Deutsch­land, davon 900 in Putzbrunn
  • www.gore.de
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