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Gewaltprävention - Systematisch vorbeugen

Gewaltprävention
Systematisch vorbeugen

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Um mit Gewalt richtig umge­hen zu kön­nen, braucht es Wis­sen und Kom­pe­tenz. Wie stark sind die Beschäftigten durch mögliche Gewal­tereignisse belastet oder gefährdet? Und mit welchen Maß­nah­men lassen sich Gewalt und Gewal­tat­tack­en verhindern?

Bet­ti­na Brucker

Gewalt ver­hin­dern oder zumin­d­est reduzieren lässt sich in vie­len Fällen durch präven­tive Maß­nah­men. Diese schaf­fen Voraus­set­zun­gen, damit Gewalt­bere­itschaft und über­grif­fige Ver­hal­tensweisen gar nicht erst entste­hen. Bei einem erfol­gre­ichen Präven­tion­skonzept wer­den tech­nis­che, organ­isatorische und auf Per­so­n­en bezo­gene Maß­nah­men passend für den jew­eili­gen Arbeit­splatz entwick­elt und umge­set­zt. Dafür muss der Arbeit­ge­ber in einem ersten Schritt eine Gefährdungs­beurteilung unter dem Aspekt Gewalt und Aggres­sion durchführen.

Technische Maßnahmen …

ver­mit­teln ein Gefühl der Sicher­heit und erschw­eren direk­te Gewal­tat­tack­en. Hier einige Beispiele:

  • Instal­lieren Sie an kri­tis­chen Orten eine Videoüberwachung
  • Pla­nen Sie den Ein­gangs- und Aus­gangs­bere­ich so, dass er gut ein­se­hbar ist und es keine Ver­steck­möglichkeit­en gibt.
  • Rüsten Sie Kassen­räume mit Sicher­heits­glass­cheiben aus.
  • Beleucht­en Sie das Betrieb­s­gelände, Räume, aber auch die Flure aus­re­ichend hell.
  • Führen Sie eine Zugangskon­trolle ein.
  • Lassen Sie eine Beratungs­theke als „Bar­riere“ bauen.
  • Sor­gen Sie für zusät­zliche Fluchtwege.

Organisatorische Maßnahmen …

bedeuten eine extra Por­tion Sicherheit.

  • Acht­en Sie darauf, dass sich keine großen Geld­be­träge am Arbeit­splatz befinden.
  • Ver­mei­den Sie Einze­lar­beit. Polizis­ten und Sicher­heit­skräfte treten immer zu zweit auf, denn das bietet Sicherheit.
  • Stellen Sie sich­er, dass bekan­nt ist, wo ein Mitar­beit­er ger­ade im Ein­satz ist.
  • Erstellen Sie eine Hau­sor­d­nung und hän­gen Sie diese gut sicht­bar auf.
  • Entwick­eln Sie ein Not­fall­man­age­ment und pla­nen Sie eine Rettungskette.
  • Richt­en Sie eine betriebliche Beschw­erdestelle ein.
  • Werten Sie Gewaltvor­fälle sys­tem­a­tisch aus. Mit ein­er voll­ständi­gen Nach­bere­itung lassen sich Maß­nah­men gezielt verbessern, sodass es zu keinen weit­eren ver­gle­ich­baren Gewal­tereignis­sen kom­men kann.

Früherkennung und Intervention

Belei­di­gun­gen und ver­bale Angriffe kön­nen psy­chisch belas­ten. Kör­per­liche Attack­en kön­nen zu Ver­let­zun­gen mit Arbeit­sun­fähigkeit führen. Treten Kon­flik­t­si­t­u­a­tio­nen auf, kann das eigene Auftreten eine entschei­dende Rolle spie­len, damit Gewalt nicht eskaliert. So kann ein selb­st­be­wusstes und über­legtes Auftreten ger­ade zu Beginn ein­er schwieri­gen Sit­u­a­tion für Entspan­nung sor­gen. Mit schwieri­gen Per­so­n­en oder Sit­u­a­tio­nen umzuge­hen, kann man ler­nen. Dafür müssen Mitar­beit­er immer wieder und regelmäßig im Umgang mit Über­grif­f­en geschult wer­den. In speziellen Deeskala­tion­strain­ings kön­nen sie zum Beispiel ler­nen, in solchen Sit­u­a­tio­nen sou­verän zu bleiben.

Personenbezogene Maßnahmen …

stärken den Einzel­nen und die Gemeinschaft.

  • Nehmen Sie an Sem­i­naren zur Gesprächs­führung teil.
  • Absolvieren Sie ein Deeskala­tion­strain­ing und/oder
  • ein Selb­st­be­haup­tungstrain­ing und/oder
  • eine Fort­bil­dung zu gewalt­freien Selb­stvertei­di­gungs- und Befreiungstechniken.
  • Nehmen Sie das The­ma ernst und fördern Sie die Beschäftigten im sicheren und umsichti­gen Verhalten.
  • Sor­gen Sie für ein offenes, ver­trauensvolles Betrieb­skli­ma eben­so wie für regelmäßige Unter­weisun­gen und Schulungen.

Konfliktsituationen durchspielen

Bei der VBG gibt es für die betriebliche Aus- und Weit­er­bil­dung von Fahrern und Zug­be­gleit­ern ein inter­ak­tives Com­put­er­train­ing. Damit lassen sich anhand typ­is­ch­er Kon­flik­t­si­t­u­a­tio­nen aus dem beru­flichen All­t­ag Hand­lun­gen zur Vor­beu­gung, Früherken­nung und Bewäl­ti­gung von Kon­flik­t­si­t­u­a­tio­nen ein­studieren. Das Pro­gramm bietet zudem Grund­la­gen­wis­sen und ein Lexikon mit Erk­lärung der wichtig­sten Begriffe zum The­ma Kon­flik­te und Konfliktprävention.

Für den Ernstfall gerüstet

Präven­tion set­zt sich auch damit auseinan­der, dass nicht jed­er Unfall beziehungsweise jede Gewalt­tat ver­hin­dert wer­den kann. Hat trotz aller Vorkehrun­gen und Maß­nah­men Gewalt in irgen­dein­er Form stattge­fun­den, ist es gut, wenn man auf diese außergewöhn­liche Sit­u­a­tion vor­bere­it­et ist.

Notfallmappe der BG Verkehr

Von der Beruf­sgenossen­schaft Verkehr­swirtschaft Post-Logis­tik Telekom­mu­nika­tion (BG Verkehr) gibt es die „Not­fallmappe – trau­ma­tisierende Ereignisse“. Damit kön­nen sich Betrof­fene und Führungsver­ant­wortliche aus­führlich und anschaulich informieren. Die Broschüre bietet nüt­zliche Hin­weise zur Bewäl­ti­gung eines trau­ma­tis­chen Ereigniss­es sowie zur Unter­stützung von Mitar­beit­ern nach einem Gewal­ter­leb­nis. Das Mate­r­i­al ist sowohl für die alltägliche beru­fliche Prax­is als auch für Unter­weisun­gen und Schu­lun­gen geeignet. So find­en sich darin unter anderem:

  • Vor­drucke für die geset­zliche Unfal­lanzeige eines Vorkommnisses,
  • ein so genan­ntes „Schock­fax“, mit dem pro­fes­sionelle Hil­fe ange­fordert wer­den kann,
  • eine Ori­en­tierung­shil­fe zur Erstel­lung ein­er Gefährdungs­beurteilung unter dem Aspekt „Trau­ma­tis­che Ereignisse“ sowie
  • eine Unter­weisungskarte zum Thema.

Konflikt als Vorstufe

Kon­flik­t­si­t­u­a­tio­nen lassen sich in der Beruf­swelt nicht immer ver­mei­den, wie fol­gen­des Beispiel verdeutlicht:
Fre­itagabend, es reg­net in Strö­men. An der Hal­testelle ste­hen viele Beruf­stätige, die nach Hause wollen. Der Bus hat schon mehrere Minuten Ver­spä­tung. Die Wartenden regen sich mit jed­er weit­eren Minute mehr auf. Als endlich der Bus kommt und alle eingestiegen sind, tönt durch das Fahrzeug: „Fahrscheinkon­trolle.“ Ein junger, offen­sichtlich alko­holisiert­er Fahrgast ohne Fahrschein schiebt den Kon­trolleur rüde zur Seite und drän­gelt Rich­tung Aus­gang. Die Stim­mung im vollbe­set­zten Bus ist aufge­laden. Jet­zt ist der Kon­trolleur beson­ders gefordert, um bei der Ahn­dung des Verge­hens wed­er sich selb­st, den Schwarz­fahrer oder andere Fahrgäste in Gefahr zu bringen.


Dringender Handlungsbedarf in Notaufnahmen

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Foto: © Brad Pict — stock.adobe.com

Eine Studie der Hochschule Ful­da zeigt, wie hoch das Gewal­trisiko durch Patien­ten oder Ange­hörige für Per­son­al von Notauf­nah­men ist. Die Studie wurde an 51 Notauf­nah­men in Hes­sen durchge­führt. 354 Per­so­n­en nah­men daran teil.

  • Gewalt ist zur Nor­mal­ität geworden

Inner­halb der let­zten zwölf Monate hat­ten fast alle Befragten ein Gewalterlebnis.

- 97 Prozent wur­den ver­bal attackiert.

- 76 Prozent waren kör­per­lichen Angrif­f­en aus­ge­set­zt und

- 62 Prozent gaben an, von min­destens ein­er Form sex­u­al­isiert­er Gewalt betrof­fen gewe­sen zu sein.

- 77 Prozent erk­lärten, dass Gewalt gegen die eigene Per­son für sie zur Nor­mal­ität an ihrem Arbeit­splatz gehören würde.

  • Am häu­fig­sten wird mit Worten verletzt

Ver­bale Gewalt erlebt nahezu jed­er Beschäftigte in ein­er Notauf­nahme. Fast 62 Prozent müssen damit täglich oder min­destens wöchentlich rech­nen. Mehr als 24 Prozent sind in dieser Zeit zudem kör­per­lich­er beziehungsweise rund 21 Prozent sex­u­al­isiert­er Gewalt ausgesetzt.

  • Nachts fühlen sich viele Beschäftigte nicht sicher

Notauf­nah­men sind rund um die Uhr beset­zt. Am Tag fühlen sich fast alle Pflegekräfte dort sich­er. Nachts sieht das jedoch anders aus: 39 Prozent fühlen sich dann bei ihrer Arbeit meist nicht oder nie sicher.

  • Aus­lös­er kön­nen Alko­holkon­sum oder die Arbeit­sor­gan­i­sa­tion sein

Zu den Aus­lösern für Gewal­tat­tack­en in der Notauf­nahme gehören unter anderem der Ein­fluss von Alko­hol oder Dro­gen sowie die Ver­wirrtheit von Patien­ten. Aber auch lange Wartezeit­en, Unzufrieden­heit mit der Ver­sorgung oder Ver­ständi­gung­sprob­leme spie­len eine Rolle.

Quelle: Studie zu Gewalt in der Notauf­nahme – GINA,
www.hs-fulda.de


Linktipps zum Thema

  • Einen Überblick über ver­schiedene For­men von Gewalt bietet das Lexikon Gewalt (Infor­ma­tion BGI/GUV‑I 8638), zu find­en unter www.dguv.de.
  • Die Hand­lung­shil­fe „Präven­tion von Gewalt und Aggres­sion gegen Beschäftigte“ der Beruf­sgenossen­schaft für Gesund­heits­di­enst und Wohlfahrt­spflege erle­ichtert eine Gefährdungs­beurteilung zum The­ma „Gewalt und Aggres­sion“ und hil­ft dabei, ein Präven­tion­skonzept zu entwickeln.
    Die Broschüre kann herun­terge­laden wer­den unter www.bgw-online.de (DGUV Infor­ma­tion 207–025).
  • Die „Not­fallmappe – trau­ma­tisierende Ereignisse“ der BG Verkehr ste­ht unter www.bg-verkehr.de (Web­code 16782095) zur Verfügung.
  • Die Kurz­in­for­ma­tion „Mob­bing – Organ­i­sa­tion­shil­fe zum kon­struk­tiv­en Umgang mit Kon­flik­ten am Arbeit­splatz“ des DGUV Fach­bere­ichs „Organ­i­sa­tion von Sicher­heit und Gesund­heit“ konzen­tri­ert sich auf organ­isatorische Maß­nah­men. Sie ist erhältlich unter www.dguv.de (Web­code p021374).

Geschulte Ersthelfer

Beste­ht an einem Arbeit­splatz ein erhöht­es Risiko für gewalt­tätige Über­griffe, soll­ten psy­chol­o­gisch geschulte Ers­thelfer aus­ge­bildet wer­den. Sie kön­nen im Notfall …

  • Gewal­topfer vom Ort des Geschehens wegbringen,
  • ihnen Gesellschaft leis­ten und
  • gesprächs­bere­it sein, ohne ein Gespräch aufzudrängen.
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