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Spielerisch unterweisen

Lernen mit ungleichen Paaren
Spielerisch unterweisen

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Unter­weisen ist eine Pflicht – und oft ein trock­enes Geschäft. Hart­mut Pletz hat einen spielerischen Ansatz gefun­den, um das The­ma inter­es­sant und effek­tiv zu gestal­ten. Seit über einem Jahr set­zt er auf das selb­stent­wor­fene Unter­weisungs-Memo-Spiel mit Bild­beispie­len aus dem Betrieb.

Die Alpla Werke Lehn­er GmbH & Co. KG in Berlin ist ein Teil­be­trieb der Alpla Unternehmensgruppe und diese ist für die Ver­pack­ungsin­dus­trie inter­na­tion­al tätig. Ins­beson­dere die Fer­ti­gung von Ver­pack­un­gen bringt es mit sich, dass neben der Her­stel­lung auch die Logis­tik einen großen Anteil im Werk ein­nimmt. Hart­mut Pletz ist nicht nur als Aus­bilder für Flur­förderzeuge aktiv, son­dern die gesamte Umset­zung des Arbeitss­chutzes zählt zu seinen Auf­gaben. Er ist gerne in der Aus­bil­dung tätig, das Unter­weisen ist für ihn let­ztlich ein­fach eine beson­dere Form des Lehrens – was den­noch manch­mal ein zäh­es Geschäft sein kann.

Anregungen aus einer Fortbildung

Doch der Fachaus­bilder für Arbeitssicher­heit mit Zer­ti­fikat­en bildet sich sel­ber eben­so gerne fort. Seit eini­gen Jahren ist er bere­its auf jährlichen Weit­er­bil­dun­gen und sucht sich oft neue Felder aus, die seinen Unter­weisungsall­t­ag bere­ich­ern kön­nen. So besuchte er 2016 einen Lehrgang, der sich mit den Möglichkeit­en des spielerischen Unter­weisens befasste. Neben der Anre­gung, nicht immer auss­chließlich auf Folien und Vor­trag zu set­zen, war das, was ander­norts unter das Stich­wort „Gam­i­fi­ca­tion“ fällt, etwas, das ihn reizte. Darunter ver­ste­ht man, bes­timmte Ziele mit spielerischen Meth­o­d­en zu ver­mit­teln und diesen so zu ein­er größeren Akzep­tanz zu verhelfen.

Ein zweit­er Vorteil dieses Ansatzes ist, dass die Ver­mit­tlung von Inhal­ten nicht alleine auf Worten basiert. Ger­ade in Betrieben, bei denen Mitar­beit­er mit unter­schiedlichen Migra­tionsh­in­ter­grün­den tätig sind, ist dies von Vorteil. Mit Bildern und spielerischem Erk­lären wird für viele das The­ma ein­fach­er zu erfassen und somit auch ver­ständlich­er. Hart­mut Pletz ken­nt das aus seinem All­t­ag, schließlich sind auch bei Alpla Men­schen ganz ver­schieden­er Nation­al­itäten und unter­schiedlich­er Grund­bil­dung beschäftigt. Da kann eine Unter­weisung schon ein­mal für bei­de Seit­en anstren­gend sein, wenn die Inhalte nur gesprochen wer­den. Viel Ein­füh­lungsver­mö­gen und eine angepasste Sprache sind dann nötig. Dass es auch anders geht, stellt Pletz seit gut einem Jahr unter Beweis.

Fotos sinnvoll einsetzen

Wieso das Spielerische nicht auch bei Unter­weisun­gen anwen­den, sagte sich Arbeitss­chützer Pletz. So suchte er nach dem Sem­i­nar aus Eigenini­tia­tive her­aus eine Spielidee. Sein Ziel war, damit all­ge­meine Arbeitss­chutz-Regeln und die speziellen Risiken im Logis­tik-Bere­ich ein­fach zu ver­an­schaulichen und spielerisch zu unterweisen.

Die Frage war nur, wie. Darüber grü­belte Pletz: „An einem Son­ntag kam mir die Idee – und ich habe gle­ich am näch­sten Tag mit dem Sam­meln der Bilder begonnen.“ Als Fachkraft für Arbeitssicher­heit ist er viel im Werk unter­wegs. Hart­mut Pletz begeg­net dabei schon mal der einen oder anderen Sit­u­a­tion, die weniger den Vorschriften entspricht, sei es aus Unacht­samkeit oder Unken­nt­nis oder „weil es eben schnell gehen soll“.

Bei seinen Gän­gen ist die Kam­era eigentlich immer dabei – und so begann er, diese Sit­u­a­tio­nen in Bildern festzuhal­ten. Doch dabei blieb es nicht. Er fotografierte auch sichere und richtige Lösun­gen. So ent­standen in der Zeit etliche Gegen­satz­paare, die er für seine Spiel-Idee nutzen konnte.

Jeder kommt zu Wort

Sein Ein­fall, ein Memo-Spiel zu erstellen, nahm mit einem eigens mit den Bildern gedruck­ten Spiel Gestalt an. Dieses aus ins­ge­samt 72 Paaren beste­hende Spiel set­zt er ein, um die Mitar­beit­er in kleinen Grup­pen passende Gegen­satz­paare aufdeck­en zu lassen. Dann sind sie zunächst sel­ber gefragt: Sie müssen beschreiben, was auf den Bildern falsch ist. Damit auch jed­er zu Wort kommt, hat Pletz eine Regel aufgestellt: Jed­er sam­melt für sich, aber diejeni­gen mit den meis­ten Paaren geben min­destens ein Paar an ihre Kol­le­gen mit keinen oder weni­gen Paaren ab. So kom­men alle an die Rei­he, Fehler aufzudeck­en. Das ist dem Aus­bilder wichtig: „Es gibt ja immer welche, die nicht so aktiv mit­machen. Durch die Paare der Kol­le­gen kom­men sie nicht ohne Beteili­gung weg. Und das wird in der Regel gut angenom­men“, weiß Pletz.

Par­al­lel dazu hat Pletz die Fotos in eine Präsen­ta­tion einge­baut, die zum tiefer­ge­hen­den Erk­lären eben­falls noch herange­zo­gen wer­den kann. Ein Frage­bo­gen, bei dem die Teil­nehmer anschließend noch den Nach­weis erbrin­gen, tat­säch­lich etwas aus der Schu­lung an Wis­sen mitzunehmen, run­det die Unter­weisung ab.

Bilder sind für jeden verständlich

Beson­ders reizvoll ist für Pletz, dass es egal ist, ob sich Auszu­bildende oder Mitar­beit­er ander­er Nation­al­ität und Mut­ter­sprache in der Gruppe befind­en: „Es ist erstaunlich ein­fach, für jeden zu erken­nen, was falsch ist. Man muss nur manch­mal mehrmals nach­fra­gen, was genau gemeint ist.“ So erfol­gen die Unter­weisun­gen in kleinen Gespräch­srun­den mit viel Fra­gen und Erk­lären statt durch einen Monolog mit Präsen­ta­tion. Die Res­o­nanz aus dem Betrieb ist durch­weg pos­i­tiv – so pos­i­tiv, dass Hart­mut Pletz mit seinem Memo-Spiel sog­ar „auf Tour“ geht und gele­gentlich in anderen Werken der Fir­men­gruppe für Unter­weisun­gen zu Gast ist. Die Stim­men aus der Belegschaft zeigen deut­lich, dass die Unter­weisung mit Memo-Spiel gut ankommt und gerne gemacht wird.

Beispiel für andere Betriebe

Zwar ist Hart­mut Pletz mit seinen Unter­weisun­gen auch außer­halb des Berlin­er Werkes unter­wegs, sein Memo-Spiel ist und bleibt jedoch ein­ma­lig. „Aber ich bin immer dabei, es auf andere The­men auszuweit­en, aktuell ist es vor allem für die Lager- und Sta­pler-Bere­iche aus­gelegt, aber auch all­ge­meine Arbeitss­chutzthe­men sind dabei. Es ist mir wichtig, die echt­en Sit­u­a­tio­nen darzustellen, das ver­ste­ht jed­er dann viel ein­fach­er, weil er es vielle­icht schon ein­mal gese­hen hat, hier im Betrieb, auf Bildern oder in Fil­men.“ Je mehr bildlich dargestellt wird, umso ein­fach ist es, das zu ver­mit­teln. Und das „Erlernte bleibt bess­er im Gedächt­nis haften“, ist er überzeugt.

Das Engage­ment von Hart­mut Pletz wurde durch die BG RCI, Beruf­sgenossen­schaft Rohstoffe und chemis­che Indus­trie, gewürdigt, die ihm dafür den „Förder­preis 2017 Organ­i­sa­tion“ verlieh.

Seine Idee ist auf viele Betriebe über­trag­bar, so dass auch andere diese Meth­ode ein­set­zen kön­nen. Lediglich die Karten müssen selb­st erstellt wer­den. Das hat den zusät­zlichen Anreiz, dass die Spiel­er die Sit­u­a­tio­nen vor Ort (wieder)erkennen können.


Autorin: Dipl.-Ing.

Susanne C. Steiger, Fachjournalistin

Foto: privat

Ken­nith Dar­four-Lind­ner (Sta­pler­fahrer)

„Man ist mit Begeis­terung dabei. Die Konzen­tra­tion wird gefördert.“


Nor­man Buß (Auszu­bilden­der)

„Da ich beim Bild richtig oder falsch erk­lären muss, mache ich mir die per­sön­lichen Gefahren bei falsch­er Hand­habung bess­er bewusst.“

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