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Auszubildende und Arbeitsschutz-Projekte

Praxisbeispiel Freudenberg Performance Materials
Auszubildende und Arbeitsschutz-Projekte

Azubis lernen Arbeitsschutz am besten von Anfang an
Die Ausbildungswerkstatt bei Freudenberg in Kaiserslautern. Foto: BGRCI / Armin Plöger
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In der Lehrw­erk­statt der Freuden­berg Per­for­mance Mate­ri­als SE & Co. KG in Kaiser­slautern ist seit 2009 der Arbeitss­chutz regelmäßig wichtiger Bestandteil von Pro­jek­ten der Auszu­bilden­den. Statt „Weg­w­erf­pro­duk­te“ zu schaf­fen, tüfteln die Azu­bis an konkreten Fragestel­lun­gen aus dem Werk. Ihr Ziel: arbeitssicher­heit­stech­nis­che Prob­leme, die Mitar­beit­er gemeldet haben, durch ihre Über­legun­gen oder konkrete bauliche oder tech­nis­che Neuerun­gen zu beseitigen.

Ralf Schnei­der (Mitar­beit­er bei der Abteilung Health, Safe­ty & Envi­ron­ment) und Chris­t­ian Mit­tereg­ger (Aus­bil­dungsleit­er) zeich­nen für die Auswahl von Pro­jek­ten in der Aus­bil­dung ver­ant­wortlich. Die erfahre­nen Mitar­beit­er sind bere­its seit Jahren dazu überge­gan­gen, die Auszu­bilden­den an möglichst arbeit­sna­hen Lehrstück­en zu schulen. Diese Strate­gie rührt aus den Erfahrun­gen der eige­nen Lehr­jahre, in denen „das U‑Schienen-Feilen nun ein­mal nicht die Lieblings­beschäf­ti­gung der Azu­bis war“, wie auch Dieter Geiß weiß. Er ist ver­ant­wortlich für den Arbeitss­chutz im Werk und daher erster Ansprech­part­ner für Schnei­der und Mit­tereg­ger, wenn es um die Arbeitss­chutz-Pro­jek­te der Azu­bis geht. Doch was ver­birgt sich dahinter?

Verbesserungspotential fast überall

Im Kaiser­slauter­er Werk wer­den indus­trielle Vliesstoffe, die in den ver­schieden­sten Bere­ichen von der Auto­mo­bilin­dus­trie über die Bek­lei­dungsin­dus­trie bis zur Bauwirtschaft einge­set­zt wer­den, hergestellt. Immer wieder gibt es Verbesserungsmöglichkeit­en für den Arbeitss­chutz, die entwed­er den dort arbei­t­en­den Mitar­beit­ern auf­fall­en oder die die Sicher­heits­fachkraft bei ihren regelmäßi­gen Rundgän­gen auf­greift. Dieter Geiß weiß, wovon er spricht, wenn er sagt: „Es gibt viele Arbeit­en, die durch externe Fachkräfte real­isiert wer­den kön­nten. Allerd­ings gin­ge dabei wichtiges Know-how ver­loren. Unsere Azu­bis bekom­men eine sin­nvolle Auf­gabe, die Fachkom­pe­tenz wird erweit­ert und gle­ichzeit­igt wer­den sie für den Arbeitss­chutz sen­si­bil­isiert.“ So war es nur ein klein­er Schritt, solche Verbesserungsan­fra­gen aufzu­greifen und mit den Lehrw­erk­stät­ten als Pro­jek­te abzuarbeiten.

In den Lehrplan integriert

Mit­tler­weile gibt es eine EDV-tech­nis­che Lösung, bei der Mitar­beit­er sel­ber Anre­gun­gen ein­tra­gen kön­nen. Dieter Geiß bringt zudem seine Fälle aus den Werks­bege­hun­gen mit ein. Geiss, Schnei­der und Mit­tereg­ger sicht­en alle Vorschläge regelmäßig und entschei­den gemein­schaftlich, was die Auszu­bilden­den bewälti­gen kön­nen. Es geht dabei vom 1‑Tagesprojekt, etwa der Pro­gram­mierung ein­er Steuerung, bis zu ein­er kom­plex­eren, mehrere Wochen fül­len­den Auf­gaben­stel­lung. Immer im Fokus ste­ht der Bezug zum Arbeitssicher­heit­s­the­ma. Das ist den drei Män­nern wichtig, schließlich „sind die Auszu­bilden­den mit ihren 16 bis 18 Jahren diejeni­gen, die man noch richtig gut sen­si­bil­isieren kann. Wenn wir diese Chance nutzen, sind sie diejeni­gen, die auch später von sich aus auf beste Arbeitssicher­heit acht­en“, sagt Geiß. Mit­tereg­ger ergänzt: „Die Summe der Dinge macht das Pro­jekt ins­ge­samt so erfol­gre­ich. Ein­er­seits, weil wir die Azu­bis qua­si mit dem The­ma impfen, ander­er­seits, weil sie mit den Pro­jek­ten Anerken­nung im Betrieb find­en – jede umge­set­zte Maß­nahme wird deut­lich sicht­bar gekennze­ich­net mit ein­er Plakette; die Team­mit­glieder sind darauf namentlich erwäh­nt.“ Das Pro­jekt hat mit­tler­weile auch einen Namen bekom­men: „Auszu­bildende schaf­fen Sicher­heit (A.s.S.)“.

Mit diesem Pro­jekt wur­den die Ini­tia­toren nicht nur im ver­gan­genen Jahr mit dem „Förder­preis 2016 Auszu­bildende“ der BG RCI aus­geze­ich­net, son­dern überzeugten zuvor auch schon unternehmensweit bei der inter­nen Sicher­heitsini­tia­tive „We all take care“. Beson­ders schön für Aus­bilder und Azu­bis daran war, dass Freuden­berg dieses Engage­ment mit ein­er Förder­summe von 15000 Euro hon­ori­erte. Diese investierten die Gewin­ner in Maschi­nen und Geräte für die Aus­bil­dung sowie Arbeitssicher­heits-Schu­lun­gen für die Auszubildenden.

Gepaart mit den gesam­melten Erfahrun­gen trägt die Ausze­ich­nung dazu bei, dass die Betreuer das Pro­jekt fort­set­zen und dass die jun­gen Mitar­beit­er sich weit­er engagieren, auch, wenn sie die Lehr­jahre hin­ter sich haben. Ein früher­er Azu­bi, jet­zt Fachar­beit­er, meint dazu: „Man achtet viel mehr auf das The­ma Sicher­heit und gibt auch Tipps, wenn man etwas sieht.“

Interdisziplinär arbeiten

Schnei­der lobt zudem die Möglichkeit, je nach Pro­jekt die Azu­bis auch inter­diszi­plinär zusam­me­nar­beit­en zu lassen: „Die Mate­ri­albeschaf­fung kann ein Azu­bi aus dem ersten Lehr­jahr übernehmen, schwierigere Schal­tun­gen entwick­elt der Elek­trik-Auszu­bildende im drit­ten Lehr­jahr und das Gehäuse baut dann ein weit­er­er Azu­bi. Wenn sie die fer­ti­gen Pro­jek­te dann den Kol­le­gen als sin­nvoll und nüt­zlich präsen­tieren, prof­i­tieren die Azu­bis außer­dem durch die Stärkung ihres Selb­st­be­wusst­seins.“ Über­haupt ist die Überzeu­gungsar­beit ein wichtiger Bestandteil, schließlich sind die Auszu­bilden­den direkt im Gespräch mit der Werk­sleitung, wenn es um die Finanzierung von Mate­r­i­al geht, und begutacht­en die Sit­u­a­tio­nen im Betrieb vor Ort eben­falls sel­ber, wenn sie etwas entwickeln.

Arbeitssicher­heit als Pro­jek­te in Lehrw­erk­stät­ten einzubeziehen, ist „unab­hängig vom Pro­duk­tions­bere­ich eines Betriebs immer möglich“, ist sich Geiß sich­er. „Es kommt darauf an, den Nutzen für alle zu verdeut­lichen und das Pro­jekt kon­se­quent durchzuführen. Dann sind alle Beteiligten auch bei der Umset­zung voll motiviert.“

 


Praxis-Tipps

So kön­nen Sie Auszu­bildende in den Arbeitss­chutz einbinden:

  • Schaf­fen Sie ein elek­tro­n­is­ches Board für Prob­lem­mel­dun­gen aus dem Betrieb.
  • Bilden Sie ein über­greifend­es Team aus Sicher­heits­fachkraft, Aus­bilder und Azubi-Betreuung.
  • Klären Sie im Team, welche Prob­lem­stel­lung im Rah­men der Aus­bil­dung als Projekt
    bear­beit­et wer­den kann.
  • Schaf­fen Sie Anreize und Anerken­nung durch Kennze­ich­nung der Lösun­gen (Plakette, Namen­snen­nung etc.)

 


Autorin: Dipl.-Ing.

Susanne C. Steiger

Foto: privat

 

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