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Sifa Handlungskompetenz im Arbeitsschutz

Handlungskompetenz im Arbeitsschutz
Welche Kompetenzen braucht eine Sifa?

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Hand­lungskom­pe­tenz ist das Zauber­wort in der weit­er­en­twick­el­ten sicher­heit­stech­nis­chen Qual­i­fizierung (Sifa-Aus­bil­dung). Das ist mehr als nur möglichst viel Fach­wis­sen ange­sam­melt zu haben. Aber was gehört alles dazu, und was macht das Berufs­feld so interessant?

Wenn wir über han­del­nde Akteure im Betrieb reden, definieren wir meis­tens die notwendi­gen Qual­i­fika­tio­nen, zum Beispiel im Rah­men von Stel­lenauss­chrei­bun­gen oder Per­son­al­pro­filen. Um aber erfol­gre­ich in dem Tätigkeits­feld „Arbeitss­chutz“ zu sein, wer­den die richti­gen Kom­pe­ten­zen benötigt. Deshalb wird in mod­er­nen päd­a­gogis­chen Ansätzen weniger von „Qual­i­fizierung“ gesprochen, son­dern mehr von einem „Kom­pe­ten­z­er­werb“. Erkennbar ist aber nur das Han­deln der jew­eili­gen Per­son, also der soga­nen­nte Out­come. Im Rah­men des Kom­pe­ten­z­er­werbs, zum Beispiel im Rah­men ein­er Weit­er­bil­dung, müssen wir also einen unsicht­baren Schritt über­winden: Was sich im Kopf des Jew­eili­gen abspielt, wis­sen wir nicht. Am Ende soll aber das richtige Han­deln herauskommen.

Grundvoraussetzung und Handlungsbefähigung

Unstrit­tig ist, dass eine Fachkraft für Arbeitssicher­heit eine tech­nisch-natur­wis­senschaftlich Grund­kom­pe­tenz benötigt (im Regel­w­erk wird schließlich auch von der „sicher­heit­stech­nis­chen Fachkunde“ gesprochen). Neben dem erforder­lichen Fach­wis­sen gehört dazu auch, ein Gespür für tech­nis­che Zusam­men­hänge zu haben, Kausalket­ten (z.B. bei der Ereignis­analyse) logisch erfassen zu kön­nen und die Fähigkeit, dies alles auch Laien beziehungsweise Fach­frem­den gegenüber erläutern zu kön­nen. Hier­bei muss man sich auf die unter­schiedlich­sten Ziel­grup­pen ein­richt­en können.

Um den Arbeit­ge­ber in allen Fra­gen des Arbeitss­chutzes berat­en und unter­stützen zu kön­nen, muss die Sifa über Hand­lungskom­pe­ten­zen ver­fü­gen. Welche Kom­pe­ten­zen vorhan­den sein müssen, leit­et sich aus dem, im Arbeitssicher­heits­ge­setz (ASiG) und in der DGUV Vorschrift 2 fest­gelegten Beratungs- und Unter­stützungsauf­trag ab. Um diese Auf­gaben erfol­gre­ich bewälti­gen zu kön­nen, benötigt die Sifa das Know-how sowie Fähigkeit­en und Fer­tigkeit­en im Umgang mit sich selb­st und im Umgang mit anderen. Die Sifa muss außer­dem die Bere­itschaft (Hal­tung) entwick­eln, um sich den kom­plex­en und sich ständig verän­dern­den Auf­gaben des betrieblichen Arbeitss­chutzes zu stellen und die Prob­leme erfol­gre­ich zu lösen.

Die eigene Rolle im Betrieb

In dem, im Rah­men der Weit­er­en­twick­lung der Aus­bil­dung zur Fachkraft für Arbeitssicher­heit for­mulierten Kom­pe­tenz- und Rol­lenan­forderun­gen, zulet­zt 2018 fort­geschrieben im Kom­pe­ten­zpro­fil der Fachkraft für Arbeitssicher­heit wird von genau dieser umfassenden Hand­lungskom­pe­tenz gesprochen. Im Rah­men des Umgangs mit sich selb­st muss sich die Sifa über ihre eigene Rolle bewusst sein. Im Rah­men des Umgangs mit anderen sieht sich die Sifa mit den ver­schiede­nen Akteuren im Betrieb kon­fron­tiert, ein­schließlich des „Entschei­ders“, das heißt des Unternehmers und der Führungskräfte, die es zu überzeu­gen gilt. Das kann nur geschehen, wenn die Beratungsleis­tung sach­lich fundiert (Kom­pe­ten­zfeld Know How) geschieht und die Sifa auch selb­st von dem überzeugt ist, was sie berät (Kom­pe­ten­zfeld Haltung).

Wirksamkeit

Der Zugang zum Betrieb­sleit­er und Unternehmer ist entschei­dend für die Wirk­samkeit der Fachkraft für Arbeitssicher­heit. Dies hat die Sifa-Langzeit­studie gezeigt. Dieser Kom­mu­nika­tion­sprozess ist allerd­ings zwei­seit­ig: Zum einen muss die Fachkraft für Arbeitssicher­heit sich auf die Ebene der jew­eili­gen Führungskraft ein­lassen. Dazu gehört ins­beson­dere auf deren „Management“-Ebene zu argu­men­tieren und zu disku­tieren. Der VDSI hat in diesem Kon­text das Rol­len­bild des „Man­agers für Sicher­heit und Gesund­heit“ in die öffentliche Diskus­sion einge­bracht. Ohne selb­st in die Rolle ein­er ver­ant­wortlichen Führungskraft zu treten, muss die Fachkraft für Arbeitssicher­heit die Sprache der Führungskräfte tre­f­fen. Hier­für wer­den Man­age­ment-Kom­pe­ten­zen benötigt. Dann erhöht sich auch die Chance, dass der oder die Gegenüber auch zuhört und das, was gesagt wird, auch ernst genom­men wird. Das heißt, der Kom­mu­nika­tion­sprozess muss auch seit­ens des Arbeit­ge­bers beziehungsweise Betrieb­sleit­ers angenom­men werden.

Hand­lungskom­pe­tenz ist also mehr als nur fach­lich sich­er zu agieren. Das sich ein­stellen kön­nen auf andere Men­schen, ohne jedoch unter­wür­fig zu wer­den, ist die hohe Kun­st. Men­schenken­nt­nis und Kom­mu­nika­tion­skom­pe­ten­zen gehören mit dazu. Die ein oder andere Meth­ode, die man zum Beispiel in der jet­zi­gen oder weit­er­en­twick­el­ten Sifa-Aus­bil­dung gel­ernt hat, wird auch helfen kön­nen, die Rolle als Fachkraft für Arbeitssicher­heit oder bess­er als Man­ag­er für Sicher­heit und Gesund­heit einzunehmen.

Herausforderungen

Insofern ist die Weit­er­en­twick­lung der jet­zi­gen Sifa-Aus­bil­dung (die bere­its heute schon sehr gut ist) sehr zu begrüßen. Im Rah­men dieser Weit­er­en­twick­lung wer­den sowohl fach­liche Fähigkeit­en, zum Beispiel in Bezug auf die Ein­wirk­fak­toren, gefördert als auch das „sich verkaufen kön­nen“. Zu den fach­lichen Fähigkeit­en gehört aber nicht nur das Ver­ständ­nis über Lärm, Vibra­tio­nen, Gefahrstoffe, Krankheitskeime, Explo­sion­s­ge­fahren, Heben und Tra­gen, psy­chis­che Belas­tun­gen, Strahlung, Wit­terung­se­in­flüsse oder anderes. Es muss auch ein Grund­stock an juris­tis­chen Ken­nt­nis­sen vorhan­den sein (z. B. Anforderun­gen an Arbeitsstät­ten oder an Maschi­nen) aber auch die Fähigkeit, Prozesse im Betrieb zu erfassen, darzustellen und zu gestal­ten. Let­zteres zum Beispiel im Rah­men der Ein­führung eines Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­tems nach DIN ISO 45001.

Das „sich verkaufen kön­nen“ ist, wenn man so will, inter­diszi­plinär. Die Sprache des Geldes gegenüber Geschäfts­führern zu beherrschen, ist sich­er nicht schlecht, eben­so auch diese zu beherrschen und auch Argu­mente über den return of invest bei Arbeitss­chutz­maß­nah­men aus der Tasche ziehen zu kön­nen. Präsen­ta­tion­stech­niken sind auf der soft skill Ebene von großer Bedeu­tung. Die richtige Sprache für die jew­eili­gen Ziel­gruppe zu tre­f­fen benötigt Men­schenken­nt­nis. Und ganz wichtig natür­lich: eine Fachkraft für Arbeitssicher­heit sollte sich immer vor­bildlich ver­hal­ten. Das heißt, in den jew­eili­gen Bere­ichen die Per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung zu tra­gen, die eige­nen Regeln einzuhal­ten und sich eben nicht unsich­er zu verhalten.

Fazit

Die Anforderun­gen an die Hand­lungskom­pe­tenz ein­er Fachkraft für Arbeitssicher­heit sind, wie unschw­er zu erken­nen ist, sehr umfan­gre­ich. Aber vielle­icht ist es ja auch ger­ade das, was diese Tätigkeit so inter­es­sant und abwech­slungsre­ich macht. Und: Es ist eine gute und schöne Auf­gabe, Arbeit sich­er und gesund zu machen. Denn im Mit­telpunkt unseres Han­delns ste­ht der Men­sch. Dies erken­nen auch immer mehr Unternehmen, die Nach­frage nach gut aus­ge­bilde­ten und kom­pe­teneten Fachkräften für Arbeitssicher­heit steigt, und die Werte „Sicher­heit und Gesund­heit“ wer­den immer öfters in Unternehmen glaub­haft gelebt und eingefordert.

 

Autor: Prof. Dr. Arno Weber
Hochschule Furt­wan­gen, Fakultät Gesund­heit, Sicher­heit, Gesellschaft
Vor­sitzen­der des Vor­stands des VDSI e.V.
 
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