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Hand aufs Herz

Serie Volkskrankheiten
Hand aufs Herz

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Herz-Kreis­laufer­krankun­gen sind in Deutsch­land immer noch Todesur­sache Num­mer eins. Die Hälfte aller Todes­fälle hierzu­lande ist auf eine Erkrankung des Herzens oder der Gefäße zurück­zuführen. Während noch in den 80er Jahren haupt­säch­lich ältere Men­schen am Herzen erkrank­ten, sind heute viele Herz-Patien­ten zwis­chen 40 und 50 Jahre alt. „Herzge­sund“ lebt, wer sich regelmäßig bewegt, auf eine aus­ge­wo­gene Ernährung achtet und Risiko­fak­toren wie Rauchen und Übergewicht vermeidet.

Brit­ta Surholt

Das Herz ist Motor unseres Lebens. Uner­müdlich schlägt es und ver­sorgt den gesamten men­schlichen Kör­p­er mit Blut. Die Blut­ge­fäße, durch die das Blut zirkuliert, haben eine Gesamtlänge von mehr als 100.000 Kilo­me­tern. Unglaublich – aber diese Strecke würde etwa zweiein­halb Mal um den gesamten Erd­ball führen! Diese Gefäße durch­läs­sig und „geschmei­dig“ zu hal­ten, ist über­lebens-wichtig. Ein­er Verkalkung der Arte­rien­wände vorzubeu­gen, ist deshalb auch schon in jun­gen Jahren notwendig.
Und: Gerät das Herz aus dem Takt und macht uns spür­bar Prob­leme, ist das ein deut­lich­es Zeichen. Dann soll­ten wir uns wirk­lich um uns kümmern …
Herz­in­farkt
Etwa 300.000 Men­schen erlei­den pro Jahr einen Herz­in­farkt. Ein Engege­fühl oder Schmerzen in der Brust, Atem­not – so kündigt sich der lebens­bedrohliche Not­fall meis­tens an. Ein ver­stopftes Gefäß im Ver­sorgungsnetz zum Herzen löst die Unter­ver­sorgung aus. Eine Veren­gung am Herzkranzge­fäß oder ein Blutpfropf an ein­er Eng­stelle reichen aus – und das Herz erlei­det akute Sauer­stoffnot. Wenn nicht unverzüglich ein Notarzt her­beigerufen wird, kann Gewebe abster­ben und für immer geschädigt bleiben.
Dass ein Herz­in­farkt heute kein „typ­isch männlich­es Prob­lem“ mehr ist, hat sich in den ver­gan­genen Jahren immer deut­lich­er gezeigt. Allein in Deutsch­land erlei­den jährlich etwa 130.000 Frauen einen Infarkt. Nur die Hälfte der betrof­fe­nen Frauen über­lebt ihn. Män­ner ereilt der Herz­in­farkt zwar häu­figer, aber für sie endet er weitaus sel­tener tödlich.
Schla­gan­fall
„Hirn­in­farkt“ müsste die kor­rek­te Beze­ich­nung für einen Schla­gan­fall laut­en. Denn wenn ein Gefäß im Gehirn ver­stopft, kommt es dort zu ein­er Art Kurz­schluss. In der Folge ster­ben Ner­ven­zellen ab, was zu schw­eren Schädi­gun­gen im Sprachver­mö­gen und in der Motorik, aber auch zu Sehstörun­gen führen kann. Je schneller ein Notarzt alarmiert wird, desto bess­er. Das Gerinnsel muss aufgelöst wer­den, um die umliegen­den Ner­ven­zellen nicht weit­er zu gefährden.
Hoher Blut­druck
Zu hoher Blut­druck ist tück­isch. Denn spür­bar ist er zumeist nicht. So macht er wed­er Schmerzen noch verur­sacht er sicht­bare Verän­derun­gen. Bei einem gesun­den Erwach­se­nen beträgt der Blut­druck etwa 120/80 mm Hg.
Von einem Bluthochdruck (Hyper­tonie) spricht man, wenn der Druck in den Arte­rien über län­gere Zeit auf mehr als 140/90 mm HG erhöht ist. Eine alleinige Ursache für zu hohen Blut­druck gibt es nicht. Er wird sowohl von psy­chis­chen als auch von physis­chen Belas­tun­gen bee­in­flusst. In jedem Fall haben Men­schen mit Bluthochdruck ein mas­siv erhöht­es Herzinfarkt-Risiko.
Zuviel Fett im Blut führt zu Arteriosklerose
Die Arte­riosklerose ist mit zunehmen­dem Alter ein natür­lich­er Vor­gang. Im Volksmund spricht man auch von der „Verkalkung“ der Adern, wenn man eigentlich die Zer­störung der Arte­rien­wände meint. Bei ein­er Arte­riosklerose bilden sich in den Arte­rien Ablagerun­gen aus Fett und Kalk. Dadurch veren­gen sich die Gefäßwände und der Blut­fluss ist nicht mehr ungestört möglich. Die Arte­rien, die nor­maler­weise elastisch und muskulös sind, ver­härten sich immer mehr.
Die Durch­blu­tungsstörun­gen, die daraus resul­tieren, kön­nen schlimm­sten­falls zu einem Herz­in­farkt oder auch zu einem Schla­gan­fall führen.
Das Risiko an Arte­riosklerose zu erkranken, steigt, wenn der Cho­les­terin­spiegel über lange Zeit sehr hoch ist. Dazu die Ärztin Dr. Susanne Griem-Schlicht: „Übergewicht abzubauen, und sich aus­ge­wogen zu ernähren, ist also die richtige Waffe gegen zu viel Fett im Blut. Auch bei Rauch­ern und Men­schen, die an Dia­betes lei­den, ist das Erkrankungsrisiko erhöht.“
Um an einzel­nen Stellen im Kör­p­er die Gefäße wieder durchgängig für einen guten Blut­fluss zu machen, arbeit­en Ärzte heute mit soge­nan­nten Stents. Diese winzig kleinen Gefäßstützen aus Git­terge­flecht wer­den mit Hil­fe eines Bal­lonka­theters an die verengte Stelle geset­zt. So verbessert man die Durch­blu­tung wieder, vor allem am Herzen ist diese Form der Behand­lung weit verbreitet.
Wis­senschaftler gehen davon aus, dass Arte­riosklerose 2020 weltweit die Todesur­sache Num­mer eins sein wird. Heute sind etwa acht Mil­lio­nen Bun­des­bürg­er von der Arte­rien­verkalkung betroffen.
Frauen­herzen schla­gen anders
Warum der Herz­tod (wie im Kapi­tel Herz­in­farkt beschrieben) vor allem Frauen trifft, ist eine Frage, an der in den USA schon seit vie­len Jahren geforscht wird. Bei genaueren Stu­di­en kam her­aus, dass es geschlechtsspez­i­fis­che Unter­schiede gibt – und sich ein Infarkt bei Män­nern mit ganz anderen Warn­symp­tomen ankündigt als bei Frauen.
So erken­nen Frauen eher einen Herz­in­farkt bei ihrem Part­ner als bei sich selb­st. Denn bei Män­nern kündigt sich ein Schla­gan­fall oder Herz­in­farkt meist „lehrbuch­mäßig“ mit Schmerzen an, die vom Herzen zum linken Arm ausstrahlen. Zusät­zlich treten oft ein Gefühl der Enge oder Schmerzen in der Brust auf.
Frauen bericht­en über ganz andere Symp­tome, die viel weniger ein­deutig sind. So wer­den Übelkeit (mit und ohne Erbrechen), Appeti­t­losigkeit, extreme Müdigkeit und Schwäche, Schlaf­störun­gen, Kurzat­migkeit, schwere Schwindel­ge­füh­le und Schmerzen im Ober­bauch beschrieben. Aber auch im Rück­en- oder Schul­ter­bere­ich kön­nen Schmerzen emp­fun­den werden.
Diese Mehrdeutigkeit kann schlimme Fol­gen haben, da wom­öglich zu spät oder gar nicht erst ein Arzt hinzugerufen wird. Dabei ist schnelle Hil­fe nötig, um das Leben zu retten.
Die besten Ergeb­nisse bei der Behand­lung eines akuten Herz­in­fark­ts wer­den inner­halb der ersten Stunde nach Auftreten der Krankheit­sze­ichen erre­icht. Dabei wer­den die ersten Maß­nah­men bere­its zu Hause oder im Notarzt­wa­gen getrof­fen. So kön­nen unverzüglich blutverdün­nende Medika­mente verabre­icht, ein so genan­ntes EKG (Elek­trokar­dio­gramm bzw. Herzstromkurve) geschrieben und natür­lich auch alle weit­eren lebenser­hal­tenden Maß­nah­men ergrif­f­en werden.
An ein­er wis­senschaftlichen Erk­lärung dafür, warum die kör­per­lichen Reak­tio­nen so strikt nach „typ­isch männlich beziehungsweise weib­lich“ unter­schieden wer­den müssen, ste­ht noch aus. Aber man geht davon aus, dass die Sex­u­al­hor­mone – unter ihnen vor allem das Östro­gen – eine entschei­dende Rolle spielen.
Risiko­fak­toren minimieren
Beson­ders tück­isch ist die Kom­bi­na­tion aus Rauchen und Ein­nahme der Antibabyp­ille. Rauchen senkt den schützen­den Östro­gen­spiegel und die hor­monelle Ver­hü­tung verän­dert den Blut­fett-Fak­tor. Das Risiko für einen Herz­in­farkt steigert sich somit um das 20-Fache!
Bevor Frauen in die Wech­sel­jahre kom­men, haben sie eine Art natür­lichen „Herz­schutz“ durch das Hor­mon Östro­gen. Indem die Östro­gen­pro­duk­tion abn­immt (das ist etwa ab 50 Jahren der Fall), steigt das Infark­trisiko jedoch stetig an. Einige Risiko­fak­toren wie z.B. die famil­iäre Ver­an­la­gung lassen sich nicht bee­in­flussen. Andere jedoch lassen sich dur­chaus reduzieren. Dazu gehören die Ver­mei­dung von Übergewicht (was auch dem Blut­druck gut­tut), regelmäßige Bewe­gung, das Rauchen einzustellen und eine aus­ge­wo­gene Ernährung.
Stress ver­mei­den
Nicht umson­st heißt es gern mal „Hör doch auf Dein Herz!“. Nur lei­der tun wir das viel zu sel­ten. Son­st kön­nten uns Stress, Ärg­er in der Fam­i­lie und im Beruf längst nicht so viel anhab­en. Auch schlechte Gefüh­le wie Wut und Angst hät­ten dann weniger Chan­cen, unser Wohlbefind­en zu stören. Neg­a­tive Emo­tio­nen schaden dem Herzen – denn sie schwächen auf Dauer das Immun­sys­tem. Wer immerzu Stress hat, nie zur Ruhe kommt, pro­duziert ständig Stresshormone. Und die kön­nen dem Herzen mas­siv gefährlich werden.
Trainieren für ein gesun­des Herz
Nor­maler­weise wiegt das Herz eines Erwach­se­nen etwa 350 Gramm. Bei sportlich aktiv­en Men­schen ver­größert sich das Herz – und kann auf bis zu 500 Gramm anwach­sen. Aus­dauer­train­ing lässt nicht nur den Herz­muskel stärk­er wer­den – auch die Arte­rien weit­en sich. Zusät­zlich bilden sich mehr kleine Herzkranzge­fäße. So bleibt das Herz fit und richtig gesund.
Und da das Herz bei ein­er niedri­gen Herzfre­quenz weniger Sauer­stoff ver­braucht, macht es Sinn, entsprechend zu trainieren: Mit Aus­dauer­train­ing lässt sich die Herzfre­quenz am besten senken. Vor allem dann, wenn wirk­lich regelmäßig trainiert wird. Diese Form der „Behand­lung“ eines Bluthochdrucks ist bess­er als jedes Medika­ment. Ziel des Train­ings sollte es sein, die Ruhe­herzfre­quenz auf 55 bis 60 Schläge pro Minute zu senken.
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