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Geistig fit im Beruf

PFIFF – ein Programm zur Förderung geistiger Fähigkeiten älter werdender Arbeitnehmer
Geistig fit im Beruf

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Geistige Fähigkeit­en von Arbeit­nehmern wer­den in der mod­er­nen Arbeitswelt zunehmend gefordert. Um geistige Fähigkeit­en im Beruf­sleben zu erhal­ten und zu fördern, sind sowohl arbeits- als auch per­so­n­en­be­zo­gene Maß­nah­men gefragt. Hier set­zt das Pro­jekt PFIFF an.

Dr. Gabriele Freude, Prof. Dr. Michael Falkenstein

Bei PFIFF wurde ein Gesamtkonzept zur Förderung kog­ni­tiv­er Fähigkeit­en entwick­elt. Es umfasst Work­shops, die Wis­sen darüber ver­mit­teln, wie geistige Fähigkeit­en verbessert wer­den kön­nen, prak­tis­che Train­ings zur Förderung geistiger Fähigkeit­en und eine Wirk­samkeit­süber­prü­fung. Durchge­führt wur­den die Maß­nah­men bei Opel Bochum.
Warum wurde PFIFF initiiert?
Dafür gibt es im Wesentlichen drei Gründe:
  • 1. Geistige Anforderun­gen in der Arbeitswelt nehmen zu. Für viele Beschäftigte gehört es zum Arbeit­sall­t­ag, ver­schiedene Auf­gaben gle­ichzeit­ig zu erledi­gen, unter Ter­min- und Leis­tungs­druck arbeit­en zu müssen oder bei der Arbeit gestört und unter­brochen zu wer­den. Bei diesen Arbeit­san­forderun­gen wer­den unsere kog­ni­tiv­en Fähigkeit­en im starken Maße gefordert. Befra­gun­gen des Bun­desin­sti­tuts für beru­fliche Bil­dung (BIBB) und der BAuA 1998/1999 haben ergeben, dass 42,4 % der Beschäftigten häu­fig ver­schiedene Auf­gaben gle­ichzeit­ig erledi­gen müssen. Acht Jahre später betrug dieser Anteil bere­its 59 %. Auch bei den anderen erfragten Anforderun­gen (unter Ter­min- und Zeit­druck arbeit­en, auf Störun­gen und Unter­brechun­gen reagieren, sehr schnelles Arbeit­en, ständig neue Auf­gaben erledi­gen, Min­destleis­tun­gen erbrin­gen und Zeitvor­gaben erfüllen) waren deut­liche Zunah­men 2005/2006 im Ver­gle­ich zu 1998/1999 zu verzeichnen.
  • 2. Der Zunahme der Anforderun­gen ste­hen alter­sas­sozi­ierte Verän­derun­gen der geisti­gen Leis­tungs­fähigkeit gegenüber. Eine ver­min­derte Leis­tungs­fähigkeit ist im sog. flu­iden Intel­li­genzbere­ich zu verze­ich­nen. Flu­ide Fähigkeit­en beziehen sich ins­beson­dere auf das schnelle Reagieren auf Infor­ma­tio­nen aus der Umwelt oder auf das flex­i­ble Reagieren auf wech­sel­nde Anforderun­gen. Dage­gen verbessern sich die sog. kristalli­nen Fähigkeit­en mit zunehmen­dem Alter, wie z.B. das Erfahrungswis­sen und soziale Kompetenzen.
  • 3. Eine Vielzahl von Fak­toren kön­nen geistige Fähigkeit­en von Beschäftigten pos­i­tiv bee­in­flussen. Dazu gehören sowohl arbeits­be­zo­gene Fak­toren (z.B. Ver­mei­dung von Arbeitsstress, geistig anspruchsvolle Tätigkeit­en, beru­fliche Bil­dung) als auch lebensstil­be­zo­gene Fak­toren (z.B. Ernährung, Sport) sowie das Train­ing kog­ni­tiv­er Fähigkeit­en. Bei PFIFF wer­den Ken­nt­nisse über diese „neu­ro­pro­tek­tiv­en Fak­toren“ in prak­tik­able Konzepte zur Durch­führung wirkungsvoller Maß­nah­men über­führt. Unternehmen wer­den diese Konzepte zur Ver­fü­gung gestellt sowie das notwendi­ge „Know-how“, die Maß­nah­men vor Ort auch durch­führen zu können.
Was ist PFIFF?
PFIFF ist ein ganzheitlich­es Pro­gramm zur Förderung geistiger Fähigkeit­en älter wer­den­der Arbeit­nehmer. Dabei ste­ht PFIFF für das „Pro­gramm zur Förderung intellek­tueller Fähigkeit­en für ältere Arbeitnehmer“.
Ini­ti­iert wurde das Pro­jekt 2007 von der Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin (BAuA) und der Ini­tia­tive Neue Qual­ität der Arbeit (INQA). Ver­schiedene Pro­jek­t­part­ner waren beteiligt: das Leib­nitz-Insti­tut für Arbeits­forschung (IfA­Do), die Ruhruni­ver­sität Bochum, die BAuA, die Uni­ver­sität Dort­mund, die Gesellschaft für Gehirn­train­ing (Phase 1) und die Fir­ma Kopf hoch (Phase 2). Mod­ell­be­trieb war der Auto­mo­bil­her­steller Opel, bei dem alle Maß­nah­men zur Verbesserung geistiger Fähigkeit­en durchge­führt wurden.
In der ersten Phase von PFIFF1 wurde ein umset­zungs­fähiges Work­shop­konzept auf Basis des aktuellen Stands der Wis­senschaft entwick­elt. Ins­beson­dere war die Frage von Inter­esse „Welche Fak­toren wirken sich pos­i­tiv auf die Entwick­lung geistiger Fähigkeit­en aus?“. Eine wis­senschaftliche Begleit­forschung hat­te zum Ziel, den Ein­fluss beru­flich­er Tätigkeit­en (z.B. monot­o­ne Fließban­dar­beit vs. Instand­hal­tungsar­beit­en) auf die geistige Leis­tungs­fähigkeit von Arbeit­nehmern zu unter­suchen. Für die Unter­suchung dieser Fragestel­lung wur­den sowohl psy­chol­o­gis­che Testver­fahren als auch mod­erne neu­ro­phys­i­ol­o­gis­che Unter­suchungsmeth­o­d­en genutzt. In der zweit­en Phase (PFIFF 2) stand die betriebliche Umset­zung der in PFIFF 1 entwick­el­ten Maß­nah­men bei Beschäftigten von Opel Bochum und die wis­senschaftliche Bew­er­tung der Wirk­samkeit dieser Maß­nah­men im Hin­blick auf die Verbesserung geistiger Fähigkeit­en im Vorder­grund. Darüber hin­aus sollte im Rah­men ein­er Prozes­se­val­u­a­tion, für die die BAuA ver­ant­wortlich war, gek­lärt wer­den, welche Fak­toren sich förder­lich bzw. hem­mend auf die Durch­führung betrieblich­er Maß­nah­men auswirken und welche Fak­toren für den Erfolg ein­er Inter­ven­tion­s­maß­nahme wichtig sind.
Was wurde bei PFIFF erreicht?
Im Rah­men von PFIFF wurde zum einen ein hil­fre­ich­es Infor­ma­tion­s­ma­te­r­i­al für Arbeit­nehmer und „Küm­mer­er“ in Betrieben erar­beit­et, das über die Frage Auskun­ft gibt, „Wie kann geistige Leis­tungs­fähigkeit im Arbeit­sleben erhal­ten wer­den?“ Darüber hin­aus wurde ein Maß­nah­menkat­a­log erstellt und ein Work­shop­konzept, ein­schließlich von Mate­ri­alen für die Durch­führung der Work­shops erar­beit­et. Die Maß­nah­men wur­den bei Opel Bochum durchge­führt und hin­sichtlich ihrer Wirk­samkeit evaluiert.
Infor­ma­tion­s­ma­te­r­i­al
Nüt­zliche Infor­ma­tio­nen über PFIFF sind in der Broschüre „Geistig fit im Beruf – Wege für ältere Arbeit­nehmer zur Stärkung der grauen Zellen“ enthal­ten. Es wer­den zahlre­iche wis­senschaftlich fundierte Infor­ma­tio­nen und Tipps gegeben, wie geistige Fähigkeit­en im Beruf erhal­ten und gefördert wer­den kön­nen. Diese INQA-Broschüre ist als Print­aus­gabe ver­füg­bar. Die Broschüren kön­nen über info-zen trum@baua.bund.de bezo­gen wer­den. Umfassende Infor­ma­tio­nen erhal­ten Sie auch auf der PFIFF web­site (www.pfiffpro jekt.de), die the­o­retis­ches Wis­sen zum The­ma „Arbeit und geistige Leis­tungs­fähigkeit“ ver­mit­telt. Fra­gen, wie z.B. „Welchen Ein­fluss hat Stress auf unsere grauen Zellen?“, „Wie kön­nen wir durch unsere Ernährung etwas für unsere geistige Leis­tungs­fähigkeit tun?“, „Wie kann uns Sport beim Erhalt der geisti­gen Fit­ness helfen?“, „Welche Bedeu­tung hat lebenslanges Ler­nen für die geistige Fit­ness?“ wer­den auf der Web­site behan­delt. Es sind auch eine Rei­he von Infor­ma­tio­nen über den Maß­nah­menkat­a­log enthal­ten, der im Rah­men von PFIFF entwick­elt wurde. Eben­so wer­den die Work­shops vorgestellt. Die dafür erforder­lichen Unter­la­gen und Schu­lungs­ma­te­ri­alien kön­nen von der Web­site herunter geladen werden.
Work­shops
Das Work­shop­konzept wurde von Mitar­beit­ern der Ruhr-Uni­ver­sität Bochum entwick­elt. Die Inhalte des Work­shops reichen von Empfehlun­gen zu ein­er gesun­den Lebens­führung (kog­ni­tions­förder­liche Lebensstil­fak­toren) über die Ver­mit­tlung von Wis­sen zur Entste­hung von Stress und seinen Auswirkun­gen auf die geistige Leis­tungs­fähigkeit sowie möglichen Bewäl­ti­gungsstrate­gien bis hin zum Train­ing zur Steigerung der kog­ni­tiv­en Leis­tungs­fähigkeit. Fol­gende Mod­ule sind im Work­shop­konzept enthal­ten: Stress und Stress­be­wäl­ti­gung, die Rolle von Kog­ni­tio­nen im Stress­geschehen, die Rolle sozialer Unter­stützung im Stress­geschehen, Ernährung, Sport, Lebens­führung, kog­ni­tives Train­ing (MAT) sowie Empfehlun­gen zur Arbeits­gestal­tung. Die Inhalte des Work­shops sollen sowohl Unternehmer, das betriebliche Gesund­heits­man­age­ment und Per­son­alver­ant­wortliche als auch einzelne Arbeit­nehmer ansprechen, um der Ver­ant­wortlichkeit der Organ­i­sa­tio­nen als auch des Einzel­nen für die Erhal­tung der Leis­tungs­fähigkeit Rech­nung zu tragen.
Pro­gramm „Kog­ni­tives Training“
Das Kog­ni­tive Train­ing wurde von Kol­le­gen des IfA­Do entwick­elt. Ziel des Pro­gramms „Kog­ni­tives Train­ing“ ist es, die geistige Leis­tungs­fähigkeit von Beschäftigten zu erhal­ten und zu fördern, Infor­ma­tio­nen über Verän­derun­gen von ver­schiede­nen men­tal­en Leis­tun­gen, wie Gedächt­nis und Aufmerk­samkeit, mit zunehmen­dem Alter zu ver­mit­teln, eigene Ressourcen zu erken­nen, Ein­blick in ver­schiedene For­men des kog­ni­tiv­en Train­ings zu geben, und Hin­weise zur Inte­gra­tion von kog­ni­tivem Train­ing in den All­t­ag zu geben.
Bei der Auswahl des Train­ing­spro­grammes wurde darauf geachtet, dass eine Fort­führung des Train­ings für die Teil­nehmer auch zu Hause möglich ist. Das Train­ing bein­hal­tete das Men­tale Aktivierungstrain­ing mit Paper & Pen­cil (GfG ‑Ebers­berg), Übun­gen aus dem Klauer Train­ing­spro­gramm „Denksport für Ältere“, Sudoku und einzelne Übun­gen aus PC- oder Inter­net­basierten Pro­gram­men (z.B. Hap­py Neu­ron, Fresh-Min­der 2, USM Brain-Train­er, Ahano PEDS 3). Das Train­ing­spro­gramm wurde aus ver­schiede­nen Kom­po­nen­ten zusam­menge­set­zt, um möglichst viele unter­schiedliche Bere­iche des Gehirns zu aktivieren und unter­schiedliche kog­ni­tive Funk­tio­nen zu trainieren. Bei der Auswahl der Übun­gen war es auch wichtig, dass sie wichtige im Alter nach­lassende men­tale Funk­tio­nen trainieren, dass sie her­aus­fordernd sind und den­noch hin­re­ichend Spaß machen. Hier­durch soll die Moti­va­tion zum dauer­haften Trainieren max­imiert werden.
Wer kog­ni­tives Train­ing in seinem Unternehmen anbi­eten möchte, melde sich ein­fach bei Prof. Dr. M. Falken­stein (falken stein@ala-institut.de).
Forschung im Rah­men von PFIFF
Die wis­senschaftliche Begleit­forschung im Rah­men von PFIFF hat­te zum Ziel, den Zusam­men­hang zwis­chen Arbeit­stätigkeit und kog­ni­tiv­er Leis­tungs­fähigkeit von Beschäftigten zu unter­suchen. Ins­beson­dere wur­den die kog­ni­tiv­en Basis- und Kon­troll­funk­tio­nen, wie z.B. Wahrnehmung, Entschei­dung, Vor­bere­itung, Auf­gaben­wech­sel, Arbeits­gedächt­nis und Reak­tion­shem­mung in den Blick genom­men. Diese Fähigkeit­en wer­den durch Hirn­funk­tio­nen real­isiert, die man mit Hil­fe des EEG (Elek­troen­zephalo­gramm) messen kann. Hauptver­ant­wortlich für diesen Teil war das Leib­nitz Insti­tut für Arbeits­forschung an der TU-Dort­mund (IfA­Do). Im arbeit­spsy­chol­o­gis­chen Teil der Unter­suchung wur­den die Fak­toren Arbeitssi­t­u­a­tion, Lebensstil, Ernährung, Stresskom­pe­tenz und deren Ein­fluss auf die geistige Fit­ness mith­il­fe ein­er Frage­bo­gen­bat­terie unter­sucht. Für den Fak­tor Lebensstil wur­den vor­wiegend Infor­ma­tio­nen über Ernährung und sportliche Aktiv­ität erhoben. Für die Frage­bo­ge­nun­ter­suchung war das ISE (Lehrstuhl für Indus­tri­al Sales Engi­neer­ing) der Ruhr-Uni­ver­sität Bochum verantwortlich.
Um die alters- und arbeit­splatzbe­glei­t­en­den Verän­derun­gen der geisti­gen Fähigkeit­en zu analysieren, haben an der Studie junge (unter 30-jährige) und ältere (über 48-jährige) Beschäftigte des Auto­mo­bil­her­stellers Opel in Bochum teilgenom­men (ins­ge­samt 90 Teil­nehmer). Jede Alters­gruppe wurde hin­sichtlich ihrer Tätigkeit­sart in eine tak­t­ge­bun­dene (Produktion/Montage) und flex­i­ble Tätigkeit (Qualitätssicherung/ Instand­hal­tung) unterteilt.
Für die Unter­suchun­gen wur­den psy­chome­trische Auf­gaben konzip­iert, die eine Rei­he von wichti­gen Auf­gaben messen, wie z.B. die Flex­i­bil­ität beim Wech­sel zwis­chen unter­schiedlichen Auf­gaben, die Vor­bere­itung auf bevorste­hende Auf­gaben, das Arbeits­gedächt­nis und die Wahrnehmung eigen­er Fehler als Grund­lage für das Ler­nen und die Ver­mei­dung zukün­ftiger Fehler.
Ins­ge­samt deuteten die Ergeb­nisse darauf hin, dass ältere Lin­ien­ar­beit­er offen­sichtlich kog­ni­tive Defizite aufweisen. Die Leis­tungspa­ra­me­ter weisen auf ver­min­derte Reak­tion­s­geschwindigkeit­en und höhere Fehler­rat­en bei älteren Lin­ien­ar­beit­ern hin. Die neu­ro­phys­i­ol­o­gis­chen Unter­suchun­gen weisen auf eine eingeschränk­te Fähigkeit hin, Ressourcen für die Bear­beitung von Auf­gaben zur Ver­fü­gung zu stellen. Ins­beson­dere ist auch die Fehler­wahrnehmung beein­trächtigt (Abb.5).2,3
Diese Ergeb­nisse dien­ten als Aus­gangs­ba­sis für das PFIFF 2 Pro­jekt. Ziel war es, durch ein Bün­del von Maß­nah­men Verbesserun­gen in den beein­trächtigten kog­ni­tiv­en Funk­tio­nen zu erzielen.
Inter­ven­tion und Eval­u­a­tion bei PFIFF 2
Zen­trale Auf­gaben von PFIFF 2 waren die prak­tis­che Umset­zung der bei PFIFF 1 entwick­el­ten Maß­nah­men und die Wirk­samkeit­sprü­fung von Train­ings­maß­nah­men zum Erhalt der geisti­gen Fit­ness älter­er Arbeitnehmer.
Mitar­beit­er aus dem Pro­duk­tions­bere­ich der Bochumer Opel-Werke nah­men an den Train­ings­maß­nah­men teil. Über einen Zeitraum von drei Monat­en trainierten sie anhand PC-basiert­er Auf­gaben beispiel­sweise Infor­ma­tionsver­ar­beitungs­geschwindigkeit, Erin­nerungs­fähigkeit, Kurzzeitgedächt­nis und räum­liche Aufmerk­samkeit. Das sind Fähigkeit­en, die im Alter häu­fig nach­lassen, aber durch entsprechende „Auf­frischung“ wieder gestärkt wer­den können.
Im Stress-Mod­ul lern­ten die Teil­nehmer aktuelle Stresskonzepte ken­nen und wur­den über die prak­tis­che Bedeu­tung der Fol­gen von Stress informiert. Danach wur­den ver­schiedene Ansätze zur erfol­gre­ichen Stress­be­wäl­ti­gung vorgestellt und erprobt (z.B. Entspan­nungstrain­ing, das Konzept des Kohären­zge­fühls oder der erfol­gre­iche Umgang mit stressver­stärk­enden Gedanken).
Die beglei­t­en­den Unter­suchun­gen, die vor und nach den Train­ings erfol­gten, dienen auss­chließlich dazu, die Wirk­samkeit des Train­ings zu belegen.
In Frage­bö­gen wur­den stress­rel­e­vante Fak­toren wie das pri­vate Umfeld, das Freizeitver­hal­ten, die Moti­va­tion, die Per­sön­lichkeitsmerk­male, der Umgang mit Stress, die Ein­stel­lung zum Arbeit­splatz oder die generelle Zufrieden­heit mit der aktuellen Arbeits- und Lebenssi­t­u­a­tion erfasst. Ver­schiedene neu­ropsy­chol­o­gis­che Ver­fahren dien­ten der Erfas­sung von Aufmerk­samkeits­funk­tio­nen und Gedächtnisleistung.
EEG-Unter­suchun­gen dien­ten der Mes­sung der Hir­nak­tiv­ität während der Bear­beitung von Aufmerk­samkeits- und Gedächt­nisauf­gaben. Anhand sog. ereignisko­r­re­liert­er Poten­ziale kön­nen Lern­ef­fek­te oder Kom­pen­sa­tion­s­mech­a­nis­men aufgedeckt wer­den, die bei anderen Meth­o­d­en nicht sicht­bar gewor­den wären.
Die Unter­suchung der Wirk­samkeit erfol­gte im Rah­men ein­er ran­domisierten Kon­troll­studie. 121 Teil­nehmer wur­den zufäl­lig ein­er Inter­ven­tions- oder Warte­gruppe zugewiesen. Das Design der Unter­suchung ist in Abb. 6 dargestellt.
Zur Wirk­samkeit des kog­ni­tiv­en Trainings
Ins­ge­samt belegt die Inter­ven­tion­sstudie, dass kog­ni­tives Train­ing alleine oder in Kom­bi­na­tion mit Stress­be­wäl­ti­gungs- bzw. Entspan­nungstrain­ing bei älteren Pro­duk­tions- und Fließban­dar­beit­ern zu Verän­derun­gen men­taler Prozesse führt. Die train­ings­be­d­ingten Verän­derun­gen kom­men sowohl auf der Ver­hal­tens- als auch auf der neu­ro­phys­i­o­gis­chen Ebene zum Aus­druck. Die Verbesserun­gen sind beson­ders auf­fal­l­end beim Arbeits­gedächt­nis (beson­ders bei hoher Gedächt­nis­be­las­tung), bei der Entschei­dungs­find­ung und Fehler­wahrnehmung. Dies sind genau diejeni­gen Bere­iche, die in der Vorun­ter­suchung bei älteren Fließban­dar­beit­ern beein­trächtigt waren.
Im vor­liegen­den Pro­jekt war eine hohe Akzep­tanz und Moti­va­tion für die Teil­nahme an den Train­ings­maß­nah­men zu verzeichnen.4 Alle Teil­nehmer waren nach einiger Zeit beim Train­ing hoch motiviert, kaum ein Teil­nehmer fiel aus, und die Mehrzahl trainiert auch weit­er zu Hause. Um zu erre­ichen, dass sich beson­ders viele Beschäftigte an der Inter­ven­tion­s­maß­nahme beteili­gen, ist eine gezielte Ansprache der Beschäftigten erforder­lich (z.B. durch Mund­pro­pa­gan­da) oder durch all­ge­meinere Infor­ma­tion im Rah­men von Werk­szeitun­gen. Wichtig ist es, den „Spaß­fak­tor“ und zugle­ich den Nutzen der Maß­nahme für die Teil­nehmer her­vorzuheben. Während des gesamten Prozess­es sind Maß­nah­men zur Aufrechter­hal­tung der Moti­va­tion beson­ders wichtig (z.B. durch inner­be­triebliche Wet­tbe­werbe zur men­tal­en Fitness).
Wie geht es weit­er mit PFIFF?
Dazu wer­den mit Hil­fe der AOK Nieder­sach­sen Gesund­heit­sak­teure aus unter­schiedlichen Unternehmen aus­gewählt und gemäß des Leitgedankens „Train the Train­er“ geschult. Auf der Basis dieser Schu­lung trainieren die neuen Train­er dann als „Mul­ti­p­lika­toren“ die Mitar­beit­er ihrer Unternehmen. Über das Insti­tut für Arbeit, Ler­nen, Altern (ALA) in Bochum wer­den Train­ing­spro­gramme weit­er entwick­elt und Train­er aus­ge­bildet, wom­it ver­schiedene Fir­men in NRW und darüber hin­aus mit der Train­ings­maß­nahme erre­icht wer­den sollen. Das Konzept des Train­ings und der Schu­lung betrieb­sin­tern­er „Küm­mer­er“ und Train­er (Train-the-Train­er) soll auch hier­bei ver­fol­gt werden.
Faz­it
Ins­ge­samt liefert PFIFF grundle­gende Erken­nt­nisse und Möglichkeit­en, mit denen sich die geisti­gen Fähigkeit­en älter­er Beschäftigter erhal­ten und verbessern lassen. Daraus lassen sich Ansätze zur Präven­tion und Gesund­heits­förderung ableit­en, die dem demographis­chen Wan­del Rech­nung tra­gen und den Ein­satz älter­er Beschäftigter fördern.
PFIFF ist ein gutes Beispiel für die Entwick­lung inno­v­a­tiv­er betrieblich­er Maß­nah­men, mit denen sich Gesund­heit und Leis­tungs­fähigkeit der Beschäftigten erhal­ten und fördern lassen. Ger­ade die Kom­bi­na­tion fundiert­er Forschung und betrieblich­er Umset­zung durch Schu­lung betrieb­sin­tern­er Train­er ist eine wichtige Grund­lage für die Nach­haltigkeit der Maß­nah­men von PFIFF.
  • 1 (PFIFF 1, Freude, G., Falken­stein, M., Zülch, A.: Förderung und Erhalt intellek­tueller Fähigkeit­en für ältere Arbeit­nehmer. Abschluss­bericht des Pro­jek­tes PFIFF, INQA (Hrsg.) 2009)
  • 2 Gajew­s­ki, P. & Falken­stein, M.: Flu­ide kog­ni­tive Funk­tio­nen bei Beschäftigten in der Auto­mo­bilin­dus­trie. In: Abschluss­bericht des Pro­jek­tes PFIFF, INQA (Hrsg.) 2009
  • 3 Gajew­s­ki, P., Wild-Wall, N., Schap­kin, S., Erd­mann, U., Freude, G. Falken­stein, M. (2010): Effects of aging and job demands on cog­ni­tive flex­i­bil­i­ty assessed by task switch­ing. Bio­log­i­cal Psy­chol­o­gy, 85, 187–192.
  • 4 Haas, K.: Prozes­se­val­u­a­tion. In: Abschluss­bericht PFIFF 2 (2011) (in Vorbereitung)
Autoren
Dr. Gabriele Freude E‑Mail: freude.gabriele@ baua.bund.de Prof. Dr. Michael Falken­stein E‑Mail: falkenstein@ifado.de
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