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Grundlagen und physische Faktoren

Serie: Ergonomie im Büro
Grundlagen und physische Faktoren

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Die neue Sicher­heitsin­ge­nieur-Serie „Ergonomie im Büro“ beleuchtet inten­siv den Arbeitss­chutz im Büroum­feld – ein dringlich­es Vorhaben angesichts von 18 Mil­lio­nen Bild­schir­mar­beit­splätzen in Deutsch­land und der Tat­sache, dass das Büro die Keimzelle unternehmerisch­er Kreativ­ität und Inno­va­tion ist und damit maßge­blich den Wirtschafts­stan­dort Deutsch­land sichert. Einzelne Aspek­te, die in den kom­menden Fol­gen näher betra­chtet wer­den, sind Akustik, Licht, visuelle Wahrnehmung/Beleuchtung, Kli­ma sowie elek­trische und mech­a­nis­che Fak­toren. Diese erste Folge befasst sich zunächst mit grundle­gen­den Begrif­f­en und Analysemeth­o­d­en und wirft dann den Blick auf zwei wichtige Fak­toren, die physis­chen und psy­chis­chen Belas­tun­gen am Büroar­beit­splatz.

Arbeitss­chutz bein­hal­tet Sicher­heit und Gesund­heitss­chutz, umfasst die Gesamtheit der Maß­nah­men zur Ver­hü­tung von Unfällen und arbeits­be­d­ingten Erkrankun­gen ein­schließlich der Maß­nah­men zur men­schen­gerecht­en Gestal­tung und ständi­gen Verbesserung der Arbeit.
Der Arbeitss­chutz befasst sich darüber hin­aus mit den vielfälti­gen Wirkun­gen der tech­nis­chen und organ­isatorischen sowie sozialen Arbeits­be­din­gun­gen. Arbeitss­chutz ist damit eine ständi­ge Auf­gabe, die nicht nur die kör­per­liche, geistige und seel­is­che Unversehrtheit (Integrität) der Beschäftigten bewahren, son­dern ihre Arbeit­skraft dauer­haft und langfristig erhal­ten soll.
Auf­gaben der Fachkraft für Arbeitssicher­heit
Bei der Büroar­beit­splatz- und Büro­raumgestal­tung erfol­gt die Unter­stützung durch die Fachkraft für Arbeitssicher­heit vor allem dann, wenn es um die Analyse der Arbeits­be­din­gun­gen und das Fes­tle­gen von Maß­nah­men geht. Dazu gehört:
Beurteilung der Arbeits­be­din­gun­gen (Bild­schir­mar­beitsverord­nung):
Kör­per­liche Belas­tung
Belas­tung der Augen und des Sehver­mö­gens
Psy­chis­che Belas­tun­gen
Gesund­heits­fördernde Fak­toren:
Wech­sel­nde Tätigkeit­en (Mis­char­beit), visueller Belas­tungswech­sel
Sitzen, Ste­hen und Bewe­gung im Büro (Hal­tungswech­sel)
Akustis­che und visuelle Abschir­mung (geistige Konzen­tra­tion)
Arbeit­sor­gan­i­sa­tion (regelmäßige Pausen)
Gestal­tung sicher­er und gesund­heits­gerechter Arbeitssys­teme
Bei der Gestal­tung eines Arbeitssys­tems soll­ten die ergonomis­chen Bedürfnisse frühzeit­ig berück­sichtigt wer­den. Ide­al ist eine Berück­sich­ti­gung bere­its im Sta­di­um der Fes­tle­gung der Meth­ode, da dies inno­v­a­tive Änderun­gen in der Konzepten­twick­lung bewirkt.
Die Prax­is zeigt, dass im Bürobere­ich über­wiegend reak­tiv gehan­delt wird, wenn Mängel/Defizite fest­gestellt wur­den oder es bere­its zu Unfällen oder arbeits­be­d­ingten Erkrankun­gen gekom­men ist. Meist wer­den erst bei Beschw­er­den der Mitar­beit­er Kor­rek­tiv­maß­nah­men ver­an­lasst.
Tat­sache ist auch, dass die Berück­sich­ti­gung aller Geset­ze und Regel­w­erke noch lange keine Garantie dafür ist, dass sich die Men­schen im Büro wohlfühlen.
Lei­der wird die ISO 6385 „Prinzip­i­en der Ergonomie in der Ausle­gung von Arbeitssys­te­men“ sel­ten berück­sichtigt. Die Mitar­beit­er wer­den nur sehr sel­ten in den Pla­nung­sprozess ein­be­zo­gen. Ein Auszug aus ISI 6385:
4.2 Gestal­tung der Arbeit­sumge­bung (Stand 1981)
Die Arbeit­sumge­bung soll so gestal­tet und erhal­ten wer­den, dass physikalis­che, chemis­che und biol­o­gis­che Bedin­gun­gen keine schädlichen Auswirkun­gen auf die Men­schen besitzen, son­dern dazu beitra­gen, ihre Gesund­heit, Arbeits­fähigkeit und Arbeits­bere­itschaft zu gewährleis­ten. Dabei sollen objek­tiv mess­bare Sachver­halte und sub­jek­tive Ein­schätzun­gen berück­sichtigt wer­den.
Präven­tiv­er Arbeits- und Gesund­heitss­chutz
Arbeitss­chutz muss von seinem Wesen her vorauss­chauend sein. Daher muss der Arbeit­ge­ber bei der Vor­bere­itung, der Pla­nung und Ein­rich­tung von Arbeit­splätzen frühzeit­ig die notwendi­gen Vorkehrun­gen tre­f­fen, um das Entste­hen von Unfällen und arbeits­be­d­ingten Erkrankun­gen zu ver­mei­den. Somit kommt es beson­ders in der Pla­nungsphase darauf an, frühzeit­ig alle rel­e­van­ten Aspek­te zu berück­sichti­gen, mögliche Fehlerquellen weitest­ge­hend auszuschließen und Arbeitss­chutz- und Gesund­heitss­chutzan­forderun­gen in das Grobkonzept ein­brin­gen.
Durch­führung der prospek­tiv­en Gefährdungser­mit­tlung
Wer­den gestal­ter­ische Maß­nah­men bei der Büro‑, Arbeit­splatz- und Raumgestal­tung geplant, z.B. eine Änderung des Standes der Tech­nik (Beleuch­tung, Akustik, Innenaus­bau, etc.), die Anschaf­fung neuer Arbeit­splätze oder eine Änderung der Arbeit­sor­gan­i­sa­tion, sollte eine prospek­tive Gefährdungser­mit­tlung durchge­führt wer­den.
Bere­its bei der Pla­nung eines Arbeitssys­tems soll­ten die Risiken möglich­er arbeits­be­d­ingter Gefährdun­gen beurteilt wer­den. Von beson­derem Inter­esse ist nach der NORM DIN EN ISO 100075–2 der „Ansatzpunkt Arbeit“, der sich auf die Gestal­tung der Arbeits­be­din­gun­gen bezieht. Ziel ist es, die sich aus den Arbeits­be­din­gun­gen ergeben­den Belas­tun­gen so zu gestal­ten, dass die Gesund­heit­srisiken auf ein akzept­a­bles Restrisiko reduziert wer­den.
Büroar­beit als Belas­tung
In den let­zten Jahren wuchs bei den Men­schen die Sen­si­bil­ität für die Belas­tungs­fak­toren im Büro: Lärm, unzure­ichende Beleuch­tung, visuell unruhige Umge­bung oder Mobil­iar, das zu wenig kör­per­liche Gegeben­heit­en des Men­schen berück­sichtigt (Anthro­pome­trie). Viele Mitar­beit­er im Büro lei­den nicht nur tagtäglich darunter, Belas­tungs­fak­toren am Arbeit­splatz kön­nen kör­per­liche und seel­is­che Krankheit­en fördern oder gar verur­sachen: stress­be­d­ingte Herz-Kreis­lauf-Erkrankun­gen, lang­wierige Lei­den des Bewe­gungsap­pa­rates oder Neu­rosen. Beson­ders diese drei Krankheits­bilder sind bei Büroangestell­ten über­durch­schnit­tlich aus­geprägt.
Ungenü­gend gestal­tete Arbeit­splatz- und Arbeit­sumge­bungs­be­din­gun­gen
In vie­len Fällen unter­stützt die Arbeit­splatz- und Arbeit­sumge­bungs­be­din­gun­gen nicht die Arbeit­splatz­in­hab­er bei ihrer Tätigkeit die Fähigkeit­en und Fer­tigkeit­en opti­mal zu nutzen. Psy­chis­che Fehlbe­las­tun­gen sind mögliche Fol­gen, die mit hoher Wahrschein­lichkeit bei den Beschäftigten zu gesund­heitlichen Beein­träch­ti­gun­gen führen.
Anthro­pome­trie im Büro
Ver­al­tete Stüh­le, starre Tis­chkon­struk­tio­nen, man­gel­nde Bewe­gungs- und Bein­frei­heit, zu wenig Platz für Bild­schirm und Tas­tatur, Zwang­shal­tung und Dauerver­renkung bei der Arbeit,
Azu geringer
Sehab­stand zum
Bild­schirm – all das ist Real­ität in vie­len Büros. Die an den Kör­per­maßen des Men­schen ori­en­tierte Gestal­tung des Arbeit­splatzes hat bei Men­schen im Büro eine hohe Pri­or­ität. Hin­ter Lärm und visueller Störung rang­iert Anthro­pome­trie an drit­ter Stelle aller Fak­toren des Büroum­feldes. Dabei wuchs ihre Wichtigkeit seit Anfang der 80er Jahre bis heute stark an: sich­er ein­er Reak­tion auf die steigende Zahl von Bild­schir­mar­beit­splätzen im Büro. Denn die Arbeit vor dem Bild­schirm fordert ein hohes Maß anspruchsvoller anthro­pometrisch­er Gestal­tung.
Autor
Karl Heinz Lauble
Geschäfts­führer der Lauble Con­sult info@lauble-consult.de www.lauble-consult.de
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