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„Olli“ führt durchs Programm

Unterweisungen im Explosionsschutz
„Olli“ führt durchs Programm

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Unter­weisung ist ein grundle­gen­der und zen­traler Baustein im Arbeitss­chutz. Unter­weisung ist aber nicht nur reine Wis­sensver­mit­tlung, son­dern sie will vielmehr das Ver­hal­ten der Mitar­beit­er verän­dern. Worauf kommt es dabei an?

Dr. Berthold Dyrba

Die Unter­weisung der Beschäftigten besitzt einen so hohen Stel­len­wert, dass die Grund­sätze der Unter­weisung bere­its im Arbeitss­chutzge­setz (§12) for­muliert werden:
  • 1. Der Arbeit­ge­ber hat die Beschäftigten über Sicher­heit und Gesund­heitss­chutz bei der Arbeit während ihrer Arbeit­szeit aus­re­ichend und angemessen zu unter­weisen. Die Unter­weisung umfasst Anweisun­gen und Erläuterun­gen, die eigens auf den Arbeit­splatz oder die Auf­gaben­bere­iche der Beschäftigten aus­gerichtet sind. Die Unter­weisung muss bei der Ein­stel­lung, Verän­derung im Auf­gaben­bere­ich, der Ein­führung neuer Arbeitsmit­tel oder ein­er neuen Tech­nolo­gie vor Auf­nahme der Tätigkeit der Beschäftigten erfol­gen. Die Unter­weisung muss an die Gefährdungsen­twick­lung angepasst sein und erforder­lichen­falls regelmäßig wieder­holt werden.
  • 2. Bei ein­er Arbeit­nehmerüber­las­sung trifft die Pflicht zur Unter­weisung nach Absatz 1 den Entlei­her. Er hat die Unter­weisung unter Berück­sich­ti­gung der Qual­i­fika­tion und der Erfahrung der Per­so­n­en, die ihm zur Arbeit­sleis­tung über­lassen wer­den, vorzunehmen. Die son­sti­gen Arbeitss­chutzpflicht­en des Ver­lei­hers bleiben unberührt.
Auch die Unfal­lver­sicherungsträger regeln auf der Basis des Arbeitss­chutzge­set­zes die Unter­weisung ihrer Ver­sicherten mit der Ergänzung der regelmäßi­gen, aber min­destens ein­mal jährlichen Unter­weisung und der Pflicht zur Dokumentation:
BGV A1 § 4 „Unter­weisung der Versicherten“
  • 1. Der Unternehmer hat die Ver­sicherten über Sicher­heit und Gesund­heitss­chutz bei der Arbeit, ins­beson­dere über die mit ihrer Arbeit ver­bun­de­nen Gefährdun­gen und die Maß­nah­men zu ihrer Ver­hü­tung, entsprechend § 12 Abs. 1 Arbeitss­chutzge­setz sowie bei ein­er Arbeit­nehmerüber­las­sung entsprechend § 12 Abs. 2 Arbeitss­chutzge­setz zu unter­weisen; die Unter­weisung muss erforder­lichen­falls wieder­holt wer­den, min­destens aber
  • 2. Der Unternehmer hat den Ver­sicherten die für ihren Arbeits­bere­ich oder für ihre Tätigkeit rel­e­van­ten Inhalte der gel­tenden Unfal­lver­hü­tungsvorschriften und BG-Regeln sowie des ein­schlägi­gen staatlichen Vorschriften- und Regel­w­erks in ver­ständlich­er Weise zu vermitteln.
Eine Über­sicht über Recht­spflicht­en enthält Tabelle 1 (s. u.).
Nicht ord­nungs­gemäß durchge­führte oder unter­lassene Unter­weisun­gen kön­nen arbeit­srechtliche, zivil­rechtliche oder gar strafrechtliche Fol­gen nach sich ziehen. Die Unter­weisung ist die Anweisung und Erläuterung der Beschäftigten im Hin­blick auf die Sicher­heit und den Gesund­heitss­chutz bei der Arbeit, die auf den konkreten Arbeit­splatz oder den Auf­gaben­bere­ich aus­gerichtet ist. Sie muss von den Vorge­set­zten bei der Ein­stel­lung, bei Verän­derun­gen der Auf­gaben­bere­iche, der Ein­führung neuer Arbeitsmit­tel oder ein­er neuen Tech­nolo­gie vor der Auf­nahme der Tätigkeit erfol­gen. Sie ist an die Gefährdun­gen anzu­passen und regelmäßig zu wieder­holen. Arbeitss­chutzun­ter­weisun­gen sind durchzuführen:
  • bei Neue­in­stel­lun­gen,
  • bei Ver­set­zun­gen,
  • bei Änderun­gen an den Arbeit­splätzen und der Arbeitsumgebung,
  • bei Änderun­gen von Vorschriften und Anweisungen,
  • als Wieder­hol­ung­sun­ter­weisung in min­destens jährlichen Zeitab­stän­den (bei Auszu­bilden­den, z.B. halbjährlich)
Der Arbeit­ge­ber kann die Pflicht der Unter­weisung delegieren. Empfehlenswert ist die Del­e­ga­tion auf Führungskräfte und Vorgesetzte.
Die Fachkräfte für Arbeitssicher­heit unter­stützen die Vor­bere­itung der Unter­weisung unter anderem durch Infor­ma­tion der Vorge­set­zten über Arbeits- und Gesund­heits­ge­fahren. Nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG hat der Betrieb­srat bei der Unter­weisung der Arbeit­nehmer über die Sicher­heit und den Gesund­heitss­chutz im Rah­men der geset­zlichen Vorschriften mitzubestimmen.
Für aus­ländis­che Arbeit­nehmer, soweit sie nicht hin­re­ichend deutsch sprechen und ver­ste­hen, sind die Unter­weisungsin­halte in ihrer Lan­dessprache zu ver­mit­teln. Die Auszüge der unter­wiese­nen Inhalte aus dem Unter­weisungs­buch sind in der Lan­dessprache abz­u­fassen. Die erfol­gte Unter­weisung ist mit Inhalt und Zeit­punkt festzuhal­ten und von den Unter­wiese­nen zu unter­schreiben. Zur Nach­we­is­führung durchge­führter Unter­weisun­gen kann ein Unter­weisungs­buch dienen, z.B. Merk­blatt A 011 der BG RCI „Nach­weis über durchge­führte Unter­weisun­gen im Ver­ant­wor­tungs­bere­ich“ (http://bgc.shop.jedermann.de/shop/).
Unter­weisung bei Arbeitsaufnahme
Notwendig ist die Unter­weisung über die für den Bere­ich zutr­e­f­fend­en Unfal­lver­hü­tungsvorschriften, staatlichen und betrieblichen Regelungen.
Der Ver­sicherte wird darüber hin­aus informiert über den zuständi­gen Unfal­lver­sicherungsträger, das Ver­hal­ten bei Unfällen, über Notruf, Ein­rich­tun­gen sowie Per­son­al der Ersten Hil­fe, Arzt und Kranken­haus; seine Pflicht­en bei der Umset­zung der UVVen, die am Arbeit­splatz vorhan­de­nen Feuer­löschgeräte und deren Bedi­enung; explo­sion­s­ge­fährdete Bere­iche; die Anwen­dung per­sön­lich­er Schutzmit­tel, den für ihn zuständi­gen Sicher­heits­beauf­tragten. Es bietet sich an über einen län­geren Zeitraum einen Plan für Unter­weisun­gen zu erar­beit­en (siehe Tab. 2).
Für das The­ma „Explo­sion­ss­chutz“ wer­den spezielle Pow­er-Point-Präsen­ta­tio­nen für die betriebliche Prax­is zur Unter­weisung von Mitar­beit­ern ange­boten. Dabei führt die Com­ic-Fig­ur „Olli“ durch das Programm.
Sowohl für die jährlich vorgeschriebene Unter­weisung von Beschäftigten als auch die Erstun­ter­weisung für neue Mitar­beit­er oder Auszu­bildende – die neuen Schu­lung­sun­ter­la­gen sind in jedem Fall bestens geeignet. Jede der zehn – auch einzeln erhältlichen – CD-ROMs behan­delt eines von zehn rel­e­van­ten The­men des Explo­sion­ss­chutzes in ein­er prax­isori­en­tierten 20-minüti­gen Unter­weisung. So kön­nen Nutzer über die konkreten Gefährdun­gen und Ursachen möglich­er Explo­sio­nen sowie Maß­nah­men zu deren Ver­mei­dung motivierend und anschaulich aufklären.
Zehn The­men auf 10 CD-ROMs
CD 1: Schutz vor Explosionsgefahren
CD 2: Richtiges Ver­hal­ten beim Umgang
mit brennbaren Flüssigkeiten
CD 3: Richtiges Ver­hal­ten beim Umgang
mit brennbaren Gasen
CD 4: Richtiges Ver­hal­ten beim Umgang
mit brennbaren Stäuben
CD 5: Richtiges Ver­hal­ten beim Umgang
mit brennbaren Flüs­sigkeit­en – Spe-
zialthe­ma Fassexplosion
CD 6: Explo­sion durch Brem­sreiniger mit
Nach­fol­ge­brand
CD 7: Ver­mei­den von Zündquellen
CD 8: Explo­sion­ss­chutz in Biogasanlagen
CD 9: Aus Unfällen lernen
CD 10: Elek­tro­sta­tis­che Zündgefahren
sich­er beherrschen
Darüber hin­aus gibt es Pow­er-Point-Präsen­ta­tio­nen für Fach- und Führungskräfte.
Als Vorar­beit­er, Meis­ter, Sicher­heits­beauf­tragter oder Führungskraft aus Indus­trie, Forschung, Lehre oder Behörde bieten die Pow­er-Point-Präsen­ta­tio­nen opti­male Unter­la­gen für die betrieblichen Fort­bil­dungs­maß­nah­men. Neben den direkt ein­satzfähi­gen Präsen­ta­tion­s­ma­te­ri­alien ste­ht zusät­zlich ein kom­plettes, zeits­paren­des Rede­manuskript – je nach Dauer der einzel­nen Maß­nahme – über 30 bis 60 Minuten zur Ver­fü­gung. Darüber hin­aus bieten die Mod­ule auch für die eigene Fort­bil­dung eine opti­male Stoffaufbereitung.
Sechs The­men auf CD-ROMs
CD 1: Rechts­grund­la­gen des Explosions
schutzes
CD 2: Tech­nis­che Grund­la­gen des Explo-
sion­ss­chutzes
CD 3: Gefährdungs­beurteilung und Explo-
sion­ss­chutz­doku­ment
CD 4: Die neuen Tech­nis­chen Regeln für
Betrieb­ssicher­heit (TRBS) zum Ex-
plo­sion­ss­chutz – Hil­fen für die Pra xis
CD 5: Ein­teilung explosionsgefährdeter
Bere­iche in Zonen
CD 6: Prü­fun­gen im Explosionsschutz
nach Betriebssicherheitsverordnung/
Befähigte Per­so­n­en
Ver­hal­tensregeln für den Unterweiser
Der Unter­weis­er sollte bei der Durch­führung der Unter­weisung fol­gende Punk­te unbe­d­ingt beachten:
  • Bei den Tat­sachen bleiben!
  • Den Mitar­beit­ern Fachkom­pe­tenz zugestehen.
  • Den Mitar­beit­ern Schwächen zugestehen.
  • Die Mitar­beit­er zu Äußerun­gen auffordern.
  • Nicht nur immer sel­ber reden!
  • W‑Fragen ein­set­zen (Wer, Wie, Wo, Warum usw.).
  • Unbe­queme Ein­wände nicht abwürgen.
  • Auf Äußerun­gen der Mitar­beit­er stets eingehen.
  • Ein­wände als Frage for­mulieren und an die Mitar­beit­er zurückgeben.
  • Auch falsche Aus­sagen als Frage umfor­muliert an die Mitar­beit­er zurückgeben.
Weit­ere Infor­ma­tio­nen sind auf dem Explo­sion­ss­chutz­por­tal der BG RCI unter www.exinfo.de, Seit­en-ID: 1247.0.2 erhältlich.
Autor
Dr. Berthold Dyr­ba, BG RCI E‑Mail: berthold.dyrba@bgrci.de
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