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Arbeitsplätze im Freien

Schutz vor UV-Strahlung

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Welt­weit ist seit den 1970er Jahren ein Anstieg UV-bedingter Haut­krebs­ra­ten zu verzeich­nen. Als Haupt­ur­sa­che dafür wird das verän­derte Schön­heits­ideal und Frei­zeit­ver­hal­ten der Menschen in den vergan­ge­nen Jahr­zehn­ten ange­nom­men. Eine erhöht schä­di­gende Einwir­kung (Expo­si­tion) gegen­über natür­li­cher und künst­li­cher ultra­vio­let­ter Strah­lung ist aber auch für viele Arbeits­plätze bekannt.

Herrn Frank Zuther Skager­rak­str. 72 46149 Ober­hau­sen

In Deutsch­land arbei­ten ca. drei Millio­nen Beschäf­tigte über­wie­gend oder zeit­weise im Freien und sind damit direk­ter Sonnen­ein­strah­lung ausge­setzt. Hinzu kommen Arbeits­plätze, bei denen leis­tungs­starke UV-Strahlungsquellen einge­setzt werden, zum Beispiel
  • bei der Strahlungstherapie/Fototherapie
  • bei kosme­ti­schen Anwen­dun­gen
  • in der UV-Aushärtung (z.B. Härtung von Acry­lat­kle­ber und Härtung von Zahn­ersatz­ma­te­ria­lien)
  • bei der UV-Lampentrocknung für Druck­far­ben und ‑lacke
  • UV-Lampen in wissen­schaft­li­chen Labo­ra­to­rien
  • bei der Entkei­mung von Raum­luft oder Lebens­mit­tel­ver­pa­ckun­gen
  • bei der Mate­ri­al­prü­fung (Riss­prü­fung, Fluxen)
  • beim Schwei­ßen (Licht­bo­gen)
  • in der Druck­in­dus­trie (Belich­tung von Druck­plat­ten sowie Farb­trock­nung)
  • in der Glas­in­dus­trie beim Arbei­ten mit Gasbren­nern
Eine erhöhte UV-Belastung erfah­ren daher insbe­son­dere
  • Land‑, Garten- und Forst­ar­bei­ter
  • Fischer
  • Straßen‑, Gleis- und Tief­bau­ar­bei­ter
  • Schorn­stein­fe­ger
  • Stahl­bau­schlos­ser, Rohr­schlos­ser, Schwei­ßer
  • Isolie­rer, Beschichter
  • Flug- und Schiffs­per­so­nal
  • Perso­nal für Sport- und Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten im Freien
Auch Mittel­eu­ro­päer, die mehrere Jahre in Ländern mit hoher UV-Exposition (z.B. Afrika, Südame­rika, Indien, Iran, Irak) gear­bei­tet haben, sind der UV-Strahlung in höhe­rem Maße ausge­setzt, als die übrige mittel­eu­ro­päi­sche Bevöl­ke­rung.
Was bewirkt UV-Strahlung?
Die Ultra­vio­lett­strah­lung ist wie die sicht­bare Strah­lung und die Infrarot-Strahlung Teil des elek­tro­ma­gne­ti­schen Wellen­spek­trums. Die verschie­de­nen Wellen­be­rei­che unter­schei­den sich nur in der Frequenz und damit in ihrer spezi­fi­schen Ener­gie.
Die UV-Strahlung liegt im Wellen­län­gen­be­reich von 200 bis 380 nm. Sie wird entspre­chend ihrer unter­schied­li­chen physio­lo­gi­schen Wirkun­gen noch­mals in vier Berei­che unter­teilt:
  • UV‑C (100 – 280 nm)
  • UV‑B (250 – 315 nm)
  • UV-A2 (315 –340 nm)
  • UV-A1 (340 – 400 nm)
Der über­wie­gende Anteil der die Erde errei­chen­den Strah­lung besteht aus sicht­ba­rem Licht (51,8%) und Infra­rot (IR)-Strahlung (42,1%). UV-Strahlung erreicht uns nur zu 6,1%, wobei die nied­ri­ger ener­ge­ti­sche UVA-Strahlung mit 5,6% über­wiegt. Die natür­li­che UV-C-Strahlung der Sonne wird bereits in der Ozon­schicht heraus­ge­fil­tert und kann die Erdober­flä­che nicht errei­chen.
Abhän­gig von ihrer Ener­gie kann elek­tro­ma­gne­ti­sche Strah­lung unter­schied­lich tief in die Haut eindrin­gen. Je höher die Ener­gie, umso gerin­ger ist die Eindring­tiefe. Die Eindring­tiefe begrün­det auch die Art der Auswir­kun­gen.
Die nied­rig ener­ge­ti­sche UV-A-Strahlung gelangt bis tief in die Leder­haut und ist nach chro­ni­scher Expo­si­tion mitver­ant­wort­lich für die vorzei­tige Alte­rung der Haut. Sie schä­digt die elas­ti­schen Binde­ge­webs­fa­sern, so dass die Haut­elas­ti­zi­tät nach­lässt.
Als akute, also sofort einset­zende Reak­tio­nen sind die Sofort­pig­men­tie­rung sowie photo­to­xi­sche und photo­all­er­gi­sche Reak­tio­nen, die poly­mor­phe Licht­der­ma­tose und Lich­tur­tika­ria zu nennen.
UV-B-Strahlung dringt weni­ger tief in die Haut ein und bewirkt die Haut­bräu­nung, die durch eine gestei­gerte Pigment­bil­dung entsteht. Unter lang­sam zuneh­men­der UV-B-Exposition entwi­ckelt sich eine „Licht­schwiele“, eine Verdi­ckung der Horn­haut, die den körper­ei­ge­nen UV-Schutz um das 3- bis 4‑fache stei­gert.
Bei zu star­ker Sonnen­ex­po­si­tion ist die UV-B-Strahlung zu 98% für den Sonnen­brand verant­wort­lich. UV‑A und IR-Strahlung können dabei jedoch die durch UV‑B hervor­ge­ru­fene entzünd­li­che Haut­re­ak­tion verstär­ken.
UV-B-Strahlung hat weiter­hin auch schon bei nied­ri­ge­rer UV-B-Strahlendosis eine Schwä­chung des Immun­sys­tems zur Folge
Haut­krebs durch UV-Strahlung
Beim Haut­krebs werden drei verschie­dene Formen unter­schie­den:
  • Basal­zell­kar­zi­nom (Basal­zel­len­krebs, Basa­liom)
  • Plat­ten­epi­thel­kar­zi­nom (Spina­liom, Stachel­zell­kar­zi­nom)
  • Mali­gnes Mela­nom (schwar­zer Haut­krebs).
Das Basal­zell­kar­zi­nom stellt die häufigste Haut­krebs­art bei Weißen dar. Es handelt sich um einen halb-bösartigen Tumor, der nach jahre­lan­ger UV-Exposition entste­hen kann. Beson­ders betrof­fen sind daher v.a. hell­häu­tige, ältere Perso­nen. Der Tumor wächst zu über 80% im Gesicht (Kopf oder Hals, Nase, Lidwin­kel). Basa­liome können durch eine recht­zei­tige, voll­stän­dige Entfer­nung endgül­tig geheilt werden. Eine Absied­lung in entfernte Organe (Meta­stasie­rung) tritt nur sehr selten auf.
Das Plat­ten­epi­thel­kar­zi­nom ist die zweit­häu­figste Haut­krebs­art. Wie beim Basa­liom wird es am häufigs­ten bei hell­häu­ti­gen, älte­ren Perso­nen, die über lange Jahre der Sonne ausge­setzt waren, beob­ach­tet. Im Gegen­satz zu Basa­lio­men sind Spina­liome jedoch bösar­tig. Eine Meta­stasie­rung in andere Organe ist bei Plat­ten­epi­thel­kar­zi­no­men rela­tiv selten und wird vor allem bei dicke­ren, fort­ge­schrit­te­nen Tumo­ren (ab ca. 2 mm Dicke) sowie bei Schleim­haut­be­fall (z.B. im Mund oder Kehl­kopf) beob­ach­tet. Durch eine früh­zei­tige, voll­stän­dige Entfer­nung können Plat­ten­epi­thel­kar­zi­nome der Haut in der Regel endgül­tig und voll­stän­dig geheilt werden.
Als Vorläu­fer der Plat­ten­epi­thel­kar­zi­nome gelten die akti­ni­schen Kera­to­sen. Dabei handelt es sich um scharf begrenzte, gerö­tete Haut­areale, die in der Regel eine fest haftende Schuppe tragen und oft für eine „trockene Haut­stelle“ gehal­ten werden. Sie entwi­ckeln sich auf stark und dauer­haft über Jahr­zehnte sonnen­ex­po­nier­ter Haut (Gesicht, nicht-behaarte Kopf­haut, Unter­arme, Hände), so dass v.a. ältere Perso­nen betrof­fen sind. Akti­ni­sche Kera­to­sen lassen sich leicht durch Verei­sung oder ober­fläch­li­che Abtra­gung entfer­nen. Sie sind ein Zeichen eines ausge­präg­ten und blei­ben­den Licht­scha­dens und machen regel­mä­ßige Kontrol­len der Haut erfor­der­lich.
Das mali­gne Mela­nom ist ein bösar­ti­ger Tumor, der rela­tiv leicht Meta­sta­sen bildet und daher eine der aggres­sivs­ten Tumor­ar­ten ist. Mali­gne Mela­nome können sich spon­tan auf völlig norma­ler Haut oder auf dem Boden eines vorbe­stehen­den Nävus­zell­nä­vus (Leber­fleck, Mutter­mal) entwi­ckeln. Ausgangs­punkt sind meis­tens die pigment­bil­den­den Zellen in der Basal­zell­schicht der Ober­haut, die entar­ten und – da sich Pigment­zel­len rela­tiv frei in der Haut bewe­gen können – in den angren­zen­den Gewe­ben rela­tiv rasch Meta­sta­sen bilden. Als wesent­li­che Ursa­che wird eine zu inten­sive UV-Belastung gese­hen, wobei insbe­son­dere ausge­prägte und häufige Sonnen­brände ursäch­lich sind.
Das mali­gne Mela­nom entsteht im Unter­schied zu den ande­ren Haut­krebs­ar­ten nicht nur an UV-exponierten Körper­stel­len, sondern auch an beklei­de­ten Area­len, z.B. Rücken, Bauch, Beine oder Arme, manch­mal auch an schlecht einseh­ba­ren Körper­stel­len wie unter­halb eines Nagels, in den Zwischen­ze­hen­räu­men oder an den Schleim­häu­ten.
Betrof­fen sind über­wie­gend hell­häu­tige Perso­nen vom Haut­typ I und II sowie Perso­nen mit einer hohen Anzahl an Mutter­ma­len. Da ein vermehr­tes Auftre­ten von schwar­zem Haut­krebs in eini­gen Fami­lien regis­triert wurde, geht man von einer gewis­sen erbli­chen Veran­la­gung aus.
Bereits 1993 wurden präven­tive Maßnah­men bei beruf­li­cher UV-Exposition gefor­dert. Im Jahr 2007 präsen­tierte die BAuA (Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin) eine Studie unter dem Titel „Perso­nen­be­zo­gene Messung der UV-Exposition von Arbeit­neh­mern im Freien“, in der perso­nen­be­zo­gene Messun­gen der UV-Expositionen von Beschäf­tig­ten im Freien durch­ge­führt wurden. Ergeb­nis: Beschäf­tigte, die stän­dig im Freien arbei­ten, sind im Jahr 3,5 bis 5 mal höher UV-belastet, als Beschäf­tigte, die nur in Gebäu­den tätig sind. Auch kommt man zu dem Schluss, dass die arbeits­täg­li­chen UV-Expositionen den Schwer­punkt als Anteil an der Jahres­ex­po­si­tion bilden.
Das Bundes­amt für Strah­len­schutz berich­tet, dass im Falle von Basa­lio­men und Spina­lio­men ein eindeu­ti­ger Zusam­men­hang mit der UV-Exposition bewie­sen werden konnte. Demge­gen­über ist die Daten­lage bei dem schwar­zen Haut­krebs nicht so eindeu­tig, da beispiels­weise noch nicht klar ist, warum dieser auch an nicht expo­nier­ten Area­len auftritt und hinsicht­lich der Häufig­keit nicht mit der UV-Belastung korre­liert. Dennoch spre­chen, so das Bundes­amt für Strah­len­schutz, epide­mio­lo­gi­sche Daten für einen bedeu­ten­den UV-Einfluss.
Schutz vor UV-Strahlung
Die Haut reagiert auf UV-Exposition mit zwei Eigen­schutz­funk­tio­nen:
  • Haut­bräu­nung durch UV‑A (Direkt­pig­men­tie­rung) ↦ absor­biert einen Teil der auf die Haut auftref­fen­den UV-Strahlung, verblasst jedoch rasch
  • Verdi­ckung der Horn­schicht (Licht­schwiele) ↦ schützt darun­ter liegende Haut­schich­ten vor der einfal­len­den UV-Strahlung.
Auch bei einer nur gerin­gen Bestrah­lungs­do­sis findet die Haut­bräu­nung bei gleich­zei­ti­gem Aufbau der Licht­schwiele statt, wodurch der natür­li­che Eigen­schutz der Haut aufge­baut wird.
Auch bei Aufent­halt im Schat­ten findet eine UV-Exposition statt, da ein Teil der Strah­lung reflek­tiert wird. Weiter­hin ist zu beach­ten, dass auch bei bewölk­tem Himmel UV-Strahlen auf die Erde gelan­gen.
Beklei­dung schützt nur in gewis­sem Maße vor UV-Strahlung. Das Ausmaß des Schut­zes ist abhän­gig vom Mate­rial und dessen Verar­bei­tung (dunkle, bedruckte, dicht­ge­webte Klei­dung schützt besser).
Durch Bräu­nung und Aufbau der Licht­schwiele kann sich die Haut in gewis­sem Maße selbst vor UV-Strahlung schüt­zen. Die Zeit­spanne, die man in der Sonne verbrin­gen kann, bis gerade eine erste Haut­rö­tung auftritt, wird als Eigen­schutz­zeit bezeich­net. Sie ist abhän­gig von dem Haut­typ und kann durch UV-Schutzmittel verlän­gert werden.
UV-Schutzmittel wirken chemisch durch orga­ni­sche UV-Filtersubstanzen, die die UV-Strahlung absor­bie­ren und in Form von weni­ger ener­gie­rei­cher und damit unschäd­li­cher Strah­lung wieder abge­ben. Die orga­ni­schen Filter­sub­stan­zen können je nach­dem, in welchem Wellen­län­gen­be­reich ihr Absorp­ti­ons­spek­trum liegt, gezielt Berei­che der UV‑A, bzw. UV-B-Strahlung absor­bie­ren. Weiter­hin stehen soge­nannte Breit­band­fil­ter zur Verfü­gung, die im UV-A- und UV-B-Bereich wirk­sam sind.
In UV-Schutzprodukten sind meist mehrere Filter kombi­niert, um eine möglichst breite Schutz­wir­kung zu erzie­len.
Ein weite­res Schutz­prin­zip besteht in dem Einsatz von Mikro­pig­men­ten, z.B. Titan­di­oxid oder Zink­oxid, die in der Träger­sub­stanz (z. B. Creme) prak­tisch unlös­lich sind. Sie drin­gen nicht in die Haut ein, sondern verblei­ben auf der Haut­ober­flä­che, so dass die einfal­lende Strah­lung an den Parti­keln gestreut und reflek­tiert wird. Der ausschließ­li­che Einsatz von Mikro­pig­men­ten ist ein physi­ka­li­scher (oder mine­ra­li­scher) UV-Schutz. Mikro­pig­mente werden aber auch in Kombi­na­tion mit UV-Schutzfiltern einge­setzt.
Wirk­sam­keit von UV-Schutzmitteln
Die Wirk­sam­keit von UV-Schutzmitteln wird durch den UV-Schutzfaktor (LSF – Licht­schutz­fak­tor oder SPF – sun protec­tion factor) ange­ge­ben. Der UV-Schutzfaktor gibt an, um welchen Faktor sich die Eigen­schutz­zeit der Haut gegen UVB-Strahlen durch die Anwen­dung des betref­fen­den UV-Schutzmittels verlän­gert.
Die Bestim­mung des UV-B-Schutzfaktors erfolgt unter stan­dar­di­sier­ten Bedin­gun­gen am Menschen (in vivo) nach einer inter­na­tio­nal einheit­li­chen Methode, die von der COLIPA, dem Dach­ver­band der euro­päi­schen Körper­pfle­ge­mit­tel­in­dus­trie, veröf­fent­licht wurde. Die Proban­den werden dabei unter kontrol­lier­ten Labor­be­din­gun­gen dem UV-Licht ausge­setzt. Belich­tet wird die unbe­han­delte Haut sowie die Haut nach Auftra­gen von 2 mg/cm² UV-Schutzmittel. Gemes­sen wird die Zeit bis zum Auftre­ten der ersten Haut­rö­tung (Erythem­schwel­len­zeit, mini­male Erythem-Dosis MED).
Ein Beispiel: Treten OHNE Schutz nach 15 Minu­ten UV-Exposition erste Haut­rö­tun­gen auf (was die meis­ten Mitteleuropäer/ ‑innen betrifft) und MIT Schutz erst nach 150 Minu­ten, so erhält man einen Schutz­fak­tor von 10.
Der so ermit­telte SPF wird nach unten gerun­det als ganze Zahl ange­ge­ben und das Schutz­pro­dukt Schutz­ka­te­go­rien zuge­ord­net (siehe Tab. 1)
Mit dem UV-Schutzfaktor können UV-Schutzmittel vergli­chen werden. Zu beach­ten ist jedoch, dass in der Praxis immer mit einer um ca. 30% gerin­ge­ren Schutz­zeit gerech­net werden sollte, insbe­son­dere weil UV-Schutzmittel oft zu spär­lich aufge­tra­gen werden. Beach­tet werden sollte auch, dass die Schutz­zeit bei sehr inten­si­ver Sonnen­be­strah­lung z.B. im Hoch­ge­birge, in den Tropen oder am Meer, kürzer ist.
Die Faust­re­gel „Schutz­zeit = Eigen­schutz­zeit x SPF“ gilt weiter­hin nur im unte­ren SPF-Bereich. Ein SPF von 50 bedeu­tet nicht, dass die Eigen­schutz­zeit um das 50-fache verlän­gert werden kann. Selbst bei einem SPF von 100 trifft noch 1% der Strah­lung auf die Haut. Einen „Sunblo­cker“ gibt es daher nicht!
Beach­ten Sie bei der Planung aller Akti­vi­tä­ten im Freien auch den aktu­el­len UV-Index (UVI) (www.uv-index.de). Es handelt sich dabei um ein inter­na­tio­nal einheit­lich fixier­tes Maß für die sonnen­brand­wirk­same UV-Strahlung. Je höher der UVI, umso höher ist das Sonnen­brand­ri­siko. Die UVI-Zahlenwerte reichen von 0 bis 12, wobei in Deutsch­land die höchs­ten Werte etwa bei 8 liegen. Bereits ab einem UVI von 3 soll­ten dem Haut­typ entspre­chende Schutz­maß­nah­men ergrif­fen werden.
Der SPF gibt weiter­hin nur die Schutz­wir­kung gegen­über UV-B-Strahlung an. UV-Schutzmittel müssen jedoch auch vor UV-A-Strahlung schüt­zen. Im April 2007 wurde eine euro­pa­weit abge­stimmte in-vitro-Methode zur Messung der UV-A-Schutzleistung von Sonnen­schutz­mit­teln veröf­fent­licht, die von der euro­päi­schen Kosme­tik­in­dus­trie als einheit­li­che Bestim­mungs­me­thode empfoh­len wird. Bei dieser Methode wird die „UV-A-Bilanz“ berech­net, die das Verhält­nis von UV-A-Schutz zum ausge­wie­se­nen SPF angibt. Entspricht der UV-A-Schutz 1/3 des dekla­rier­ten UV-B-Schutzes, darf das Produkt die UV-A-Kennzeichnung (UVA als Buch­sta­ben im Kreis) tragen.
Die UV-C-Strahlung ist die ener­gie­reichste Strah­lung und gefähr­lich für die mensch­li­che Haut! Sie erreicht zwar nicht durch das Sonnen­licht die Erde, muss aber bei künst­li­chen Strah­lungs­quel­len, wie z.B. dem Elek­tro­licht­bo­gen beim Schwei­ßen oder Quecksilber- Hoch­druck­lam­pen beim Härten von Kunst­stof­fen, Trock­nen von Farben oder steri­len Arbeits­plät­zen beach­tet werden.
Effek­ti­ven Schutz bieten hier nur tech­ni­sche Schutz­maß­nah­men sowie das Tragen der vorge­schrie­be­nen, geeig­net ausge­wähl­ten Schutz­klei­dung. UV-Schutzmittel können für unbe­deckte Körper­par­tien als zusätz­li­cher Schutz vor „Hinter­grund­strah­lung“ einge­setzt werden.
Wasser­fes­tig­keit
Ein UV-Schutzmittel sollte wasser­fest sein, damit es seine Schutz­wir­kung auch bei Wasser­kon­takt oder Schwit­zen nicht verliert. Übli­cher­weise wird die Wasser­fes­tig­keit in Europa nach einer vom COLIPA im Jahr 2005 erar­bei­te­ten Empfeh­lung bestimmt und ausge­lobt. Die Wasser­fes­tig­keit des Produkts wird über das Verhält­nis von «nassem» zu «trocke­nem» In-vivo-SPF ermit­telt. Mindes­tens 50% der Schutz­leis­tung nach der Wässe­rung sind für eine entspre­chende Auslo­bung erfor­der­lich. Je nach Dauer der Wasser­be­las­tung und unter Einhal­tung der 50-Prozent-Schwelle sind zwei verschie­dene Auslo­bun­gen möglich:
  • Wasser­fest: Nach 2 x 20 Minu­ten Wasser­kon­takt sind noch mindes­tens 50% des SPF vorhan­den
  • extra wasser­fest: Nach 2 x 40 Minu­ten Wasser­kon­takt sind noch mindes­tens 50% des SPF vorhan­den
Ausblick
Mäßige Sonnen­ex­po­si­tion ist notwen­dig für unser Wohl­be­fin­den, aber: Ein Zuviel an UV-Strahlung kann auch nega­tive Folgen haben, wobei insbe­son­dere die Entste­hung von Haut­krebs zu nennen ist. Besteht an einem Arbeits­platz die Möglich­keit einer Gefähr­dung durch UV-Strahlung, muss die Höhe der Expo­si­tion ermit­telt werden, um die Gefähr­dung abschät­zen zu können.
Derzeit gibt es in der Bundes­re­pu­blik Deutsch­land keine verbind­li­che Fest­le­gung zu Grenz­wer­ten und Schutz­maß­nah­men für inko­hä­rente opti­sche Strah­lung einschließ­lich Sonnen­strah­lung. Die Entschei­dung, welche UV-Belastung notwen­dig ist, um einen Haut­krebs zu entwi­ckeln, ist schwie­rig, zudem – wie erwähnt – mögli­cher­weise auch persön­li­che Fakto­ren, wie Frei­zeit­ver­hal­ten, gene­ti­sche Vorbe­las­tung und Haut­typ eine wesent­li­che Rolle spie­len können.
Es ist hinrei­chend bekannt, dass häufige Sonnen­brände in der Kind­heit zu Haut­krebs in späte­ren Lebens­jah­ren führen. Eine Abgren­zung ist kompli­ziert und die Daten­lage zur Entschei­dung, in welchem der Berei­che die über­wie­gende Expo­si­tion statt­ge­fun­den hat, ist immer noch nicht ausrei­chend. Dies erschwert das Verfas­sen von Rege­lun­gen für Arbeit­neh­mer, die im Freien tätig sind oder künst­li­chen UV-Strahlungsquellen ausge­setzt sind, enorm.
Die Bewer­tung der Haut­krebs­ent­ste­hung durch berufs­be­dingt erhöhte UV-Exposition ist eine Heraus­for­de­rung für Gesetz- und Verord­nungs­ge­ber, Medi­zi­ner und Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger. Aufgrund der noch unzu­rei­chen­den Daten­lage und der langen Latenz­zeit bis zum Auftre­ten der Erkran­kung kann bisher nur eine Einzel­fall­be­trach­tung vorge­nom­men werden. Seit eini­ger Zeit schon wird disku­tiert, UV-Strahlung als eigene Berufs­krank­heit in die Berufs­krank­hei­ten­liste aufzu­neh­men. Sollte es dazu kommen, wird der UV-Schutz am Arbeits­platz zu einer gesetz­li­chen Verpflich­tung.
Autor
Frank Zuther E‑Mail: zuther@ six-senses.de

Sowohl UV-A- als auch UV-B-Strahlung spie­len bei der Entste­hung von Haut­krebs eine wich­tige Rolle.

Allge­meine Regeln für UV-exponierte Perso­nen
  • Inten­sive Mittags­sonne meiden
  • Die Haut durch Klei­dung schüt­zen. Texti­lien bieten einen effek­ti­ven Sonnen­schutz, abhän­gig von der Art und der Dicke des Gewe­bes. Kopf­be­de­ckung und Sonnen­brille nicht verges­sen.
  • Beach­ten Sie: Effek­ti­ven Schutz bieten hier nur tech­ni­sche Schutz­maß­nah­men sowie das Tragen der vorge­schrie­be­nen, geeig­net ausge­wähl­ten Schutz­klei­dung. UV-Schutzmittel können für unbe­deckte Körper­par­tien als zusätz­li­cher Schutz vor „Hinter­grund­strah­lung“ einge­setzt werden.
  • Möglichst häufig Schat­ten aufsu­chen
  • Den Schutz­fak­tor abhän­gig vom Haut­typ, der Inten­si­tät der UV-Strahlung (geogra­fi­sche Breite, Tages­zeit, Jahres­zeit etc.), der Art und Dauer der UV-Exposition auswäh­len.
  • Produkte mit ausge­wo­ge­nem UVA/UVB-Schutz verwen­den.
  • Wasser­feste Produkte verwen­den, damit auch bei Wasser­kon­takt oder Schwit­zen die Schutz­wir­kung erhal­ten bleibt.
  • Die Zube­rei­tungs­form (Emul­sion, Lotion, Creme, Gel etc.) auf den Haut­zu­stand abstim­men.
  • Sonnen­schutz­mit­tel vor der UV-Exposition auftra­gen
  • Denken Sie auch daran, Ohren, Gesicht (Nase!) und ggf. Kopf­haut sowie den Nacken einzu­cre­men.
  • Beach­ten Sie: Die durch UV-Schutzmittel verlän­gerte Eigen­schutz­zeit kann durch mehr­fa­ches Auftra­gen nicht verlän­gert werden! Tragen Sie das Produkt trotz­dem mehr­fach täglich auf, um den Schutz aufrecht zu erhal­ten (nicht zu verlän­gern!).
  • Ausrei­chende Mengen auftra­gen (gerin­gere Auftrags­men­gen redu­zie­ren die Schutz­leis­tung)
  • Auch UV-Schutzmittel mit hohem SPF bieten keinen hundert­pro­zen­ti­gen Schutz vor UV-Strahlung

  • Häufige Fragen und Antwor­ten zum UV-Schutz
    Schützt das Vorbräu­nen im Sola­rium vor Sonnen­brand?
    Nein. Die Sola­ri­ums­bräune schützt nicht vor Sonnen­brän­den. Der Sola­ri­um­be­such stimu­liert zwar die Mela­nin­bil­dung und bräunt die Haut, jedoch kann die Schutz­leis­tung des entstan­de­nen Mela­nins bei weitem nicht die hohen UV-Dosen im Freien abweh­ren. Zudem kann der Besuch von Sola­rien vor dem drei­ßigs­ten Lebens­jahr das Risiko der Melanom­bil­dung erhö­hen. Darüber hinaus wird die Haut­al­te­rung durch die zusätz­li­che Strah­len­be­las­tung beschleu­nigt.
    Schüt­zen Selbst­bräu­ner die Haut vor UV-Strahlung?
    Nein. Selbst­bräu­ner enthal­ten den Wirk­stoff Dihy­dro­x­yace­ton, der mit Amino­grup­pen von Prote­inen der Horn­schicht reagiert und so die oberste Schicht der Haut braun verfärbt. Dihy­dro­x­yace­ton hat selbst eine ganz geringe Schutz­wir­kung (SPF <3) und die braun verfärbte Haut absor­biert nur einen sehr gerin­gen Anteil der UVA-Strahlung. Selbst­bräu­ner haben daher eine völlig unge­nü­gende Schutz­leis­tung.
    Was sagt der Sonnen­schutz­fak­tor aus?
    Die Schutz­leis­tung eines UV-Schutzmittels wird als Sonnen­schutz­fak­tor (SSF oder SPF) ange­ge­ben, wobei sich dieser Wert auf die Schutz­leis­tung gegen UVB-Strahlen bezieht. Oft wird ange­nom­men, dass man z.B. sich mit SPF 15 die 15-fach längere Zeit in der Sonne aufhal­ten darf, ohne einen Sonnen­brand zu bekom­men. Bei SSF 30 würde sich diese Zeit noch­mals verdop­peln. Das stimmt so nicht, da die Expo­si­ti­ons­zeit nur in den unte­ren Berei­chen mit dem Sonnen­schutz­fak­tor korre­liert!
    Bei einer Verdopp­lung des SPF von 15 auf 30 steigt der prozen­tuale Anteil an heraus­ge­fil­ter­ter UV-Strahlung von 93,3 auf 96,7%, also nur um 3,4%. Die Schutz­leis­tung bezieht sich jedoch nicht auf die heraus­ge­fil­terte Strah­lung, sondern auf die Strah­lung, die die Haut erreicht. Bei SPF 15 errei­chen ca. 6,7% und bei SPF 30 ca. 3,3% der UV-Strahlung die Haut. Dies entspricht einer Verdop­pe­lung der UV-Schutzleistung, ist jedoch nicht gleich­zu­set­zen mit der Verdopp­lung der Expo­si­ti­ons­zeit!
    Welche Zube­rei­tungs­for­men bieten den besten Schutz?
    Die Zube­rei­tungs­form eines UV-Schutzmittels, z.B. Spray oder Creme, sagt grund­sätz­lich nichts über die Schutz­wir­kung aus, da diese nach inter­na­tio­nal stan­dar­di­sier­ten Tests bestimmt wird. Die Konsis­tenz eines UV-Schutzmittels kann jedoch in der Praxis zu unter­schied­li­chen Schutz­er­geb­nis­sen führen. Beispiels­weise können Anwen­der Sprays weni­ger gut kontrol­liert vertei­len, so dass es leich­ter zu einer Unter­do­sie­rung und damit zu einer vermin­der­ten Schutz­leis­tung kommt. Wich­tig ist immer, das Produkt in ausrei­chen­den Mengen aufzu­tra­gen, um die maxi­male Schutz­wir­kung zu errei­chen.
    Wie wasser­fest sind wasser­feste UV-Schutzmittel?
    Die Wasser­fes­tig­keit von UV-Schutzmitteln wird nach inter­na­tio­nal stan­dar­di­sier­ten Tests bestimmt. Ein UV-Schutzmittel gilt als wasser­fest, wenn nach zwei 20-minütigen Bade­durch­gän­gen mindes­tens 50% der dekla­rier­ten Schutz­leis­tung erhal­ten bleibt. „Extra wasser­fest“ ist ein Produkt, wenn dies nach vier Bade­durch­gän­gen noch gilt. Zwischen den Bade­durch­gän­gen werden die Proban­den luft­ge­trock­net.
    In der Praxis trock­nen sich die Anwen­der übli­cher­weise nach dem Baden ab, was gleich­zei­tig mit dem (teil­wei­sen) Entfer­nen von Schutz­mit­tel und damit mit einem Verlust an Schutz­leis­tung einher­geht. Ähnlich verhält es sich, wenn Schweiß abge­wischt wird. Um die produkt­spe­zi­fi­sche Schutz­leis­tung zu erhal­ten, sollte der UV-Schutz nach dem Baden oder star­kem Schwit­zen grund­sätz­lich erneu­ert werden. Damit wird der Schutz nur aufrecht erhal­ten. Die maxi­mal mögli­che Aufent­halts­dauer wird nicht verlän­gert.
    Kann man im Schat­ten einen Sonnen­brand bekom­men?
    Ja, denn auch bei bewölk­tem Himmel erreicht ein Teil der UV-Strahlung die Erde. Auch durch Schat­ten, z.B. unter Bäumen oder Sonnen­schir­men ist man nur teil­weise geschützt, da ein Teil der Strah­lung reflek­tiert wird.
    Schüt­zen Texti­lien vor Sonne?
    Beklei­dung schützt abhän­gig vom Mate­rial und der Verar­bei­tung in gewis­sem Maße vor UV-Strahlung. Insbe­son­dere bei dünner Klei­dung kann ein Teil der UV-Strahlung die Haut errei­chen. Vor allem hell­häu­tige, sonnen­emp­find­li­che Perso­nen soll­ten daher trotz Klei­dung Sonnen­schutz­mit­tel anwen­den.
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