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ILO-Leitfäden werden nicht durch ISO-Standards ersetzt

Kritik an und Alter­na­ti­ven zur ISO 45001

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Seite März 2018 ist die ISO 45001 veröf­fent­licht. Aber ist sie der Weis­heit letz­ter Schluss? Und gibt es Alter­na­ti­ven? Und was sagt die staat­li­che Aufsicht zur neuen ISO 45001? Um die Entwick­lun­gen zu Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men besser zu verste­hen, ist ein Blick in die Vergan­gen­heit erfor­der­lich.

Bereits Ende der 1990er Jahre gab es, wegen des großen wirt­schaft­li­chen Inter­es­ses der Zerti­fi­zie­rungs­ge­sell­schaf­ten an einer abge­stimm­ten Grund­lage für die Zerti­fi­zie­rung, verschie­denste Bestre­bun­gen Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­teme (AMS) inter­na­tio­nal zu normen.

Die Mitglie­der der inter­na­tio­na­len Normungs­or­ga­ni­sa­tion ISO (Inter­na­tio­nal Orga­ni­za­tion for Stan­dar­di­za­tion) lehn­ten dies jedoch mehr­heit­lich ab. Es wurde befürch­tet, dass das Niveau von Arbeits­schutz­an­for­de­run­gen damit gesenkt und sich im glei­chen Zuge Zerti­fi­zie­rungs­zwänge durch eine Norm erge­ben würden.

Trotz der Ableh­nung der Normung veröf­fent­lichte das briti­sche Normungs­in­sti­tut British Stan­dards Insti­tu­tion (BSI) 1999 die briti­schen Spezi­fi­ka­tio­nen „Occupa­tio­nal health and safety manage­ment systems – Speci­fi­ca­tion OHSAS 18001“ und „OHSAS 18002: Guide­li­nes for the imple­men­ta­tion of OHSAS 18001“. Damit wurden, auch ohne ISO-Norm Spezi­fi­ka­tio­nen, Struk­tu­ren und Inhalte eines Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­tems veröf­fent­licht und eine welt­weite Zerti­fi­zie­rung möglich. In Groß­bri­tan­nien und Polen wurde OHSAS 18001 zudem zur natio­na­len Norm erho­ben.

Entwick­lun­gen in Deutsch­land

Aufgrund der anfäng­lich beschrie­be­nen Bestre­bun­gen nach einer Arbeits­schutz­ma­nagement­norm hatte Deutsch­land bereits 1997 eine gemein­same Stel­lung­nahme aller am Arbeits­schutz betei­lig­ten Kreise zum Thema Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­tem erar­bei­tet. Beson­ders aktiv haben sich damals die Bundes­län­der Bayern (Entwick­lung des Arbeitsschutzmanagementsystem-Konzepts OHRIS, Occupa­tio­nal Health- and Risk-Managementsystem) und Hessen (Entwick­lung von ASCA, Arbeits­schutz und sicher­heits­tech­ni­scher Check in Anla­gen) einge­bracht. Hier­bei ist der „Gemein­same Stand­punkt zu Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men“ entstan­den, der die natio­na­len Vorstel­lun­gen bezüg­lich Erfor­der­nis, Aufbau und Inhalt von Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men darlegt. Ein mit allen Betei­lig­ten einver­nehm­lich fest­ge­leg­tes Arbeitsschutzmanagementsystem-Konzept folgte dem gemein­sa­men Stand­punkt aufgrund unter­schied­li­cher und unver­ein­ba­rer Vorstel­lun­gen nicht. Man konnte sich 1999 ledig­lich auf Eckpunkte zur Entwick­lung und Bewer­tung von Konzep­ten für Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­teme eini­gen.

Der Länder­aus­schuss für Arbeits­schutz und Sicher­heits­tech­nik (LASI) entwi­ckelte daher im Okto­ber 1999 ein eige­nes Arbeitsschutzmanagementsystem-Konzept, um zum einen den Unter­neh­men in den Bundes­län­dern eine einheit­li­che Struk­tur zur Verfü­gung stel­len zu können und zum ande­ren um über einen abge­stimm­ten Beitrag für die Reak­tion auf die inter­na­tio­na­len Entwick­lun­gen zu verfü­gen. Mit der Erar­bei­tung wurde eine LASI-Arbeitsgruppe aus Vertre­tern der Länder Bayern, Hamburg, Hessen und Nordrhein- West­fa­len beauf­tragt. In diesem Leit­fa­den soll­ten die Forde­run­gen des „Gemein­sa­men Stand­punkts zu Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men“ und der „Eckpunkte“ inhalt­lich voll­stän­dig umge­setzt werden. Man einigte sich darauf, OHRIS als Arbeits­grund­lage für die Entwick­lung des Leit­fa­dens zu verwen­den. So entstand ein Arbeitsschutzmanagementsystem-Konzept, das sowohl struk­tu­rell als auch inhalt­lich die Anfor­de­run­gen der „Eckpunkte“ erfüllt. Die Kompa­ti­bi­li­tät zu OHRIS blieb dabei inhalt­lich voll­stän­dig erhal­ten. Der mit allen Bundes­län­dern abge­stimmte LASI-Leitfaden „Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­teme – Spezi­fi­ka­tion zur frei­wil­li­gen Einfüh­rung, Anwen­dung und Weiter­ent­wick­lung von Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men (AMS)“ wurde im Februar 2000 durch LASI-Beschluss verab­schie­det und im April 2000 als LASI-Veröffentlichung LV 21 heraus­ge­ge­ben.

Etwas später folgte im Septem­ber 2001 zudem die LV 22, eine Hand­lungs­hilfe für die Einfüh­rung von Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men in klei­nen und mitt­le­ren Unter­neh­men. Die Erar­bei­tung erfolgte wieder durch die glei­che Arbeits­gruppe und die bereits in der Praxis erprobte baye­ri­sche Hand­lungs­an­lei­tung (OHRIS) diente als Arbeits­grund­lage.

Zeit­gleich wurde durch die inter­na­tio­nale Arbeits­or­ga­ni­sa­tion ILO (Inter­na­tio­nal Labour Orga­ni­za­tion) mit der Entwick­lung eines Leit­fa­dens für Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­teme begon­nen. Man wollte nach der Ableh­nung einer Normung durch die ISO zunächst die Regie­run­gen, Arbeit­ge­ber und Arbeit­neh­mer als maßgeb­li­che Inter­es­sen­grup­pen für den Arbeits­schutz an einen Tisch brin­gen. Deutsch­land betei­ligte sich aufgrund der Entwick­lun­gen im eige­nen Land bei der Erar­bei­tung sehr enga­giert.

Von 1998 bis 2001 wurde schließ­lich der ILO-Leitfaden Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­teme unter dem Titel „Guide­li­nes on occupa­tio­nal safety and health manage­ment systems ILO-OSH 2001“ erar­bei­tet. Das Konzept sieht eine Anpas­sung an natio­nale Gege­ben­hei­ten durch die Erar­bei­tung eines natio­na­len Leit­fa­dens (NLF) und spezi­fi­scher Hand­lungs­hil­fen vor. In der Bera­ter­kreis­sit­zung „Natio­nale Umset­zung des ILO-Leitfadens zu Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men“ (Bundes­mi­nis­te­rium für Arbeit, oberste Arbeits­schutz­be­hör­den der Länder, Träger der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung, Sozi­al­part­ner) im Septem­ber 2001 wurde die Entwick­lung eines natio­na­len Leit­fa­dens für Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­teme beschlos­sen und eine Redak­ti­ons­gruppe (Länder­ver­tre­ter Bayern und Hessen) einge­setzt. Der natio­nale Leit­fa­den „Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­teme“ berück­sich­tigt die Inhalte der Eckpunkte und auch die des LASI-Leitfadens LV 21. Er wurde mit allen inter­es­sier­ten Krei­sen abge­stimmt und im Bundes­ar­beits­blatt im Januar 2003 veröf­fent­licht.

Gülti­ges Konzept der Länder

Der natio­nale Leit­fa­den „Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­teme“ gilt seit­dem für die Arbeits­schutz­be­hör­den der Länder als Rahmen­kon­zept und Hand­lungs­ori­en­tie­rung. Seine Inhalte sind verpflich­tend für alle spezi­fi­schen Arbeitsschutzmanagementsystem-Konzepte der staat­li­chen Arbeits­schutz­be­hör­den. Der LASI hat im März 2011 dies noch­mals durch Beschluss bekräf­tigt. Er stellte weiter­hin fest, dass das zwischen­zeit­lich weiter­ent­wi­ckelte AMS-Konzept OHRIS das Refe­renz­sys­tem für die Arbeits­schutz­be­hör­den der Länder darstellt.

Der NLF und auch OHRIS finden sich insbe­son­dere in der Leit­li­nie Orga­ni­sa­tion des betrieb­li­chen Arbeits­schut­zes (Heraus­ge­ber Natio­nale Arbeits­schutz­kon­fe­renz) im Kapi­tel 4.2.3 „Bera­tung zu Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men und Prüfung von deren Wirk­sam­keit“ und der LASI-Veröffentlichung LV 58 „Bera­tung der Länder und Umgang der Länder mit Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men“ wieder. Mit der Fest­le­gung von OHRIS als Refe­renz­sys­tem waren die LASI-Leitfäden LV 21 „Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­teme – Spezi­fi­ka­tion zur frei­wil­li­gen Einfüh­rung, Anwen­dung und Weiter­ent­wick­lung von Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men (AMS)” und LV 22 „Hand­lungs­hilfe zur frei­wil­li­gen Einfüh­rung und Anwen­dung von Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men (AMS) für kleine und mitt­lere Unter­neh­men (KMU)” über­flüs­sig gewor­den. Daher wurde auf der 61. LASI-Sitzung am 13./14. März 2013 – gleich­zei­tig mit dem Beschluss zur Druck­le­gung der LV 58 – auch die Aufhe­bung der LV 21 und LV 22 beschlos­sen.

Erneu­ter Vorstoß zur Normung von Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men

Im Früh­jahr 2013, zwölf Jahre nach der Veröf­fent­li­chung des ILO-Leitfadens, reichte das BSI einen Vorschlag für die Erar­bei­tung einer ISO Norm zu Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men auf Basis der OHSAS 18001 ein. Unter ande­rem Deutsch­land, unter Feder­füh­rung des DIN (Deut­sches Insti­tut für Normung), lehnte diesen Vorschlag in der natio­na­len Abstim­mung ab. Erst mit der Prämisse, dass Deutsch­land ein natio­na­les Spie­gel­gre­mium zum unter briti­scher Leitung stehen­den Projekt­ko­mi­tee bildet, stimm­ten die ISO-Mitglieder dem Vorschlag zur Erar­bei­tung einer ISO-Norm mehr­heit­lich zu.

Am Normungs­pro­zess betei­lig­ten sich 69 natio­nale Normungs­or­ga­ni­sa­tio­nen als aktive Teil­neh­mer. Weiter­hin waren Beob­ach­ter und Mitglie­der ande­rer ISO-Gremien bei den Sitzun­gen anwe­send. Auf Grund­lage der Grund­satz­ver­ein­ba­rung (Memo­ran­dum of Under­stan­ding) mit der ISO konnte zudem die ILO als Verbin­dungs­or­ga­ni­sa­tion beson­de­ren Einfluss auf das Normungs­pro­jekt nehmen. Dies führte zu teils hefti­gen Debat­ten bei den Sitzun­gen und erschwerte den Prozess der Erar­bei­tung. Anfang des Jahres 2015 erhielt der erste Entwurf einer Norm nicht die notwen­dige Mehr­heit, so dass ein zwei­ter Entwurf unter Berück­sich­ti­gung der weit mehr als 3.000 Kommen­tare erar­bei­tet werden musste.

Dieser bekam schließ­lich Mitte 2017, jedoch mit 1.600 Kommen­ta­ren, die notwen­dige Mehr­heit. Der Schluss­ent­wurf im Novem­ber des glei­chen Jahres berück­sich­tigte diese. Bis zum 5. Januar 2018 erfolg­ten dann nur noch die Mitzeich­nun­gen und geringe redak­tio­nelle Ände­run­gen. Am 12. März 2018 wurde schließ­lich, mehr als 20 Jahren nach dem ersten Vorstoß zur Normung von Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men, die ISO 45001 (Manage­ment­sys­teme für Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit – Anfor­de­run­gen mit Anlei­tung zur Anwen­dung) veröf­fent­licht. Im Juni 2018 folgte dann die gemein­same Über­set­zung für Deutsch­land, Öster­reich und die Schweiz.

Die ISO 45001:2018 wurde zudem in Deutsch­land zur natio­na­len Norm DIN ISO 45001 erho­ben.

Die neue DIN ISO 45001:2018 und die Auswir­kung auf OHRIS

Die bishe­rige Grund­lage für das baye­ri­sche Arbeitsschutzmanagementsystem-Konzept OHRIS ist der NLF für Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­teme. Dieser NLF wurde als natio­nale Umset­zung des inter­na­tio­na­len Leit­fa­dens für Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­teme (ILO-OSH 2001) entwi­ckelt.

Nach der Mitar­beit der ILO an der ISO 45001 und deren Veröf­fent­li­chung stellte sich somit die Frage, ob die ILO nun beab­sich­tigt, den ILO-Leitfaden Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­teme zurück­zu­zie­hen. Damit würden dem NLF und somit auch OHRIS die Basis entzo­gen werden. Dies hätte auch zur Folge gehabt, dass die Baye­ri­sche Gewer­be­auf­sicht OHRIS den baye­ri­schen Unter­neh­men (zurzeit etwa 370 baye­ri­sche Unter­neh­men – mit insge­samt mehr als 187.000 Beschäf­tig­ten) nicht weiter anbie­ten hätte können. Im Rahmen der Sitzung des ILO-Verwaltungsrats im Novem­ber 2017 wurde die Bezie­hung zwischen ILO und ISO bespro­chen. Der Verwal­tungs­rat wurde durch einen Bericht über die Entwick­lun­gen zu ISO 45001 infor­miert (der Bericht ist öffent­lich verfüg­bar und kann unter www.ilo.org/gb/GBSessions/GB331/ins/WCMS_586273/lang–en/index.htm herun­ter­ge­la­den werden).

ILO bleibt kritisch

Der Bericht der ILO ist insbe­son­dere in den Absät­zen 4 und 5 sehr kritisch. Auch die Regio­nal­gruppe der Indus­trie­län­der in der ILO (IMEC), der Deutsch­land ange­hört, hat sich kritisch zur ISO 45001 geäu­ßert. Daher hat der Verwal­tungs­rat den ILO-Generaldirektor ermäch­tigt, eine ILO-Stellungnahme zu ISO 45001 heraus­zu­ge­ben. Diese Stel­lung­nahme wird voraus­sicht­lich klar­stel­len, dass eine Zerti­fi­zie­rung nach ISO 45001 nicht beschei­nigt, dass inter­na­tio­nale Arbeits­nor­men einge­hal­ten werden und die ILO durch ihre Betei­li­gung an der Entwick­lung von ISO 45001 nicht beab­sich­tigte, die ILO-Leitfäden für Arbeits­schutz­ma­nage­ment durch ISO-Standards zu erset­zen.

Die ILO wird viel­mehr in Konsul­ta­tion mit den drei­glied­ri­gen Konsti­tu­en­ten (Regie­run­gen, Arbeit­ge­ber, Arbeit­neh­mer) jeweils auf Länder­ebene beur­tei­len, inwie­weit die Leit­fä­den bereits umge­setzt wurden oder welche weite­ren Maßnah­men notwen­dig sind. Darüber hinaus hat der ILO-Verwaltungsrat aufgrund verfah­rens­tech­ni­scher und grund­le­gen­der Schwie­rig­kei­ten bei der Erar­bei­tung der ISO 45001 entschie­den, das Abkom­men zwischen der ILO und ISO von 2013 zu been­den. Somit blei­ben die Grund­la­gen für OHRIS (ILO-Leitfaden, NLF etc.) weiter­hin bestehen.

OHRIS bleibt aktu­ell

OHRIS ist ein von der Baye­ri­schen Gewer­be­auf­sicht zusam­men mit der Wirt­schaft aus der Praxis und für die Praxis entwi­ckel­tes „Managementsystem-Konzept für Arbeits­schutz und Anla­gen­si­cher­heit“. OHRIS ist unab­hän­gig von der Betriebs­größe und Bran­che anwend­bar und lässt sich problem­los in andere Manage­ment­sys­teme, wie zum Beispiel in ein Qualitäts- oder Umwelt­ma­nage­ment­sys­tem, inte­grie­ren. OHRIS ist seit 20 Jahren ein Erfolgs­fak­tor. Unter­neh­men, die OHRIS einge­führt haben, verzeich­nen nach­weis­lich eine geringe Unfall­häu­fig­keit und haben weni­ger Betriebs­stö­run­gen als Betriebe ohne AMS. Damit trägt OHRIS nach­hal­tig zu siche­ren Arbeits­plät­zen und zufrie­de­nen Arbeit­neh­mern in Bayern bei. Die Baye­ri­sche Gewer­be­auf­sicht berät und unter­stützt inter­es­sierte Unter­neh­men kosten­frei bei der Einfüh­rung von OHRIS.

Unter­neh­men, die ein AMS auf der Grund­lage von OHRIS einge­führt haben, erhal­ten auf Wunsch und nach einer erfolg­rei­chen Prüfung der Wirk­sam­keit ein OHRIS-Zertifikat über die Aner­ken­nung. Dieses ist drei Jahre gültig und kann nach erneu­ter behörd­li­cher Prüfung jeweils um weitere drei Jahre verlän­gert werden. Zusätz­lich erfolgt eine Veröf­fent­li­chung der Unter­neh­men mit gülti­gem OHRIS-Zertifikat im Inter­net (Aner­ken­nungs­re­gis­ter) unter: www.lgl.bayern.de/downloads/arbeitsschutz/ohris/doc/anerkannte_unternehmen_liste.pdf

OHRIS wurde seit seinem Bestehen konti­nu­ier­lich an die Entwick­lun­gen von inter­na­tio­na­len Normen ange­passt. Es erfüllt die Anfor­de­run­gen an ein moder­nes Manage­ment­sys­tem und hat sich natio­nal zum Refe­renz­sys­tem für die Arbeits­schutz­be­hör­den der Länder entwi­ckelt.

OHRIS-Revision 2018

Die Aktua­li­sie­rung der Normen für Qualitäts- (ISO 9001) und Umwelt­ma­nage­ment­sys­teme (ISO 14001) sowie die erst­ma­lige Veröf­fent­li­chung der Norm für Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­teme (ISO 45001) beding­ten die in 2018 durch­ge­führte Über­ar­bei­tung und Anpas­sung von OHRIS. Dabei wurden Termi­no­lo­gien aus der neuen Arbeits­schutz­ma­nagement­norm sowie geän­derte Begriff­lich­kei­ten aus dem Bereich der Umwelt- und Quali­täts­ma­nage­ment­sys­teme einge­ar­bei­tet. Die Grund­struk­tur von OHRIS wurde bei der Revi­sion beibe­hal­ten (vgl. Abb. 1). Das hat zum Vorteil, dass Unter­neh­men, die es bereits anwen­den, nur einen mini­ma­len Anpas­sungs­be­darf bei der Umstel­lung auf die aktu­elle Version haben. Aber auch bei einer Neuein­füh­rung lässt sich OHRIS:2018, aufgrund von Verknüp­fungs­ta­bel­len problem­los in bestehende Manage­ment­sys­teme und deren High-Level-Structure (HLS) inte­grie­ren.

Mit System

Unter­neh­men, die über ein AMS verfü­gen, verbes­sern in hohem Maß, unter akti­ver Betei­li­gung aller Beschäf­tig­ten, gezielt und syste­ma­tisch die Sicher­heit und den Gesund­heits­schutz der Beschäf­tig­ten in ihrem Betrieb. Sie vermei­den darüber hinaus Störun­gen im Betriebs­ab­lauf, die beispiels­weise durch Arbeits­un­fälle, arbeits­be­dingte Erkran­kun­gen und Scha­dens­fälle entste­hen. Unge­störte Prozesse sichern auch die Quali­tät der Produk­tion sowie der Produkte und damit die Kunden­zu­frie­den­heit.

Das prozess­ori­en­tierte Manage­ment­sys­tem OHRIS (Abb. 2) hilft dabei Fest­le­gun­gen zu syste­ma­ti­sie­ren, Führungs­pro­zesse zu lenken und Entschei­dun­gen sowie Vorge­hens­wei­sen in einer Orga­ni­sa­tion nach­voll­zieh­bar und wieder­hol­bar zu machen. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Mini­mie­rung von Arbeits­un­fäl­len, Berufs­krank­hei­ten und arbeits­be­ding­ten Krank­hei­ten
  • höhere Moti­va­tion der Beschäf­tig­ten
  • opti­male Anlagen- und Maschi­nen­ver­füg­bar­keit
  • gestei­gerte Kunden­zu­frie­den­heit
  • wirt­schaft­li­che Vorteile.

Ausblick

Mit der Anwen­dung von einem betrieb­li­chen AMS wird ein nach­hal­ti­ger Weg im Arbeits­schutz beschrit­ten: Weg vom staat­li­chen Zwang zur Einhal­tung des Ordnungs­rechts, hin zur Eigen­ver­ant­wor­tung der Unter­neh­men.

Die Bera­tung zur Einfüh­rung und die System­prü­fung, im Rahmen derer die erfolg­rei­che Einfüh­rung eines betrieb­li­chen AMS auf der Basis von OHRIS in einem Unter­neh­men fest­zu­stel­len ist, stel­len weiter­hin eine wich­tige Aufgabe der Baye­ri­schen Gewer­be­auf­sicht dar.

Quel­len:

  • OHRIS – Gesamt­kon­zept. Managementsys-teme für Arbeits­schutz und Anlagensicher-heit, Baye­ri­sches Staats­mi­nis­te­rium für Fami­lie, Arbeit und Sozia­les, Juni 2018
  • Bera­tung der Länder zu und Umgang der Länder mit Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men, LASI-Veröffentlichung LV 58, Juni 2013
  • www.ilo.org/gb/GBSessions/GB331/ins/WCMS_586273/lang–en/index.htm

OHRIS (Occupa­tio­nal Health- and Risk-Managementsystem)

OHRIS ist ein in Bayern und Sach­sen zerti­fi­zier­ba­res, aber inter­na­tio­nal aner­kann­tes Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­tem für mehr Gesund­heit bei der Arbeit und die Sicher­heit tech­ni­scher Anla­gen. Das Ergeb­nis der jüngs­ten Revi­sion wurde im Juni 2018 in der Publi­ka­tion „Das OHRIS-Gesamtkonzept“ veröf­fent­licht. In dieser Broschüre sind sowohl das System­kon­zept als auch die Hilfs­mit­tel zusam­men­ge­fasst. Diese Veröf­fent­li­chung bietet in einem Werk alle erfor­der­li­chen Hinweise und Hilfs­mit­tel für die Einfüh­rung und Anwen­dung eines betrieb­li­chen Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­tems. Der Vorteil des Systems ist, dass alle Zerti­fi­zie­rungs­un­ter­la­gen kosten­los bezo­gen werden können und dass auch die Bera­tung und Zerti­fi­zie­rung kosten­los durch die Gewer­be­auf­sichts­äm­ter (in Bayern und Sach­sen) durch­ge­führt werden. Sinn dieses Sonder­we­ges im Arbeits­schutz, ist die Eigen­ver­ant­wor­tung der Unter­neh­men zu stär­ken und die direkte Über­wa­chung durch eine über­wachte Eigen­über­wa­chung zu erset­zen.


Foto: privat

Autor: Dipl.-Ing. Alex­an­der Bertram

Regie­rung von Ober­bay­ern – Gewer­be­auf­sichts­amt München

Leiter Dezer­nat 1D – Orga­ni­sa­tion des Arbeits­schut­zes

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