Startseite » Sicherheit » Recht »

Kritik an und Alternativen zur ISO 45001

ILO-Leitfäden werden nicht durch ISO-Standards ersetzt
Kritik an und Alternativen zur ISO 45001

Anzeige
Seite März 2018 ist die ISO 45001 veröf­fentlicht. Aber ist sie der Weisheit let­zter Schluss? Und gibt es Alter­na­tiv­en? Und was sagt die staatliche Auf­sicht zur neuen ISO 45001? Um die Entwick­lun­gen zu Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­te­men bess­er zu ver­ste­hen, ist ein Blick in die Ver­gan­gen­heit erforder­lich.

Bere­its Ende der 1990er Jahre gab es, wegen des großen wirtschaftlichen Inter­ess­es der Zer­ti­fizierungs­ge­sellschaften an ein­er abges­timmten Grund­lage für die Zer­ti­fizierung, ver­schieden­ste Bestre­bun­gen Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­teme (AMS) inter­na­tion­al zu nor­men.

Die Mit­glieder der inter­na­tionalen Nor­mung­sor­gan­i­sa­tion ISO (Inter­na­tion­al Orga­ni­za­tion for Stan­dard­iza­tion) lehn­ten dies jedoch mehrheitlich ab. Es wurde befürchtet, dass das Niveau von Arbeitss­chutzan­forderun­gen damit gesenkt und sich im gle­ichen Zuge Zer­ti­fizierungszwänge durch eine Norm ergeben wür­den.

Trotz der Ablehnung der Nor­mung veröf­fentlichte das britis­che Nor­mungsin­sti­tut British Stan­dards Insti­tu­tion (BSI) 1999 die britis­chen Spez­i­fika­tio­nen „Occu­pa­tion­al health and safe­ty man­age­ment sys­tems – Spec­i­fi­ca­tion OHSAS 18001“ und „OHSAS 18002: Guide­lines for the imple­men­ta­tion of OHSAS 18001“. Damit wur­den, auch ohne ISO-Norm Spez­i­fika­tio­nen, Struk­turen und Inhalte eines Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­tems veröf­fentlicht und eine weltweite Zer­ti­fizierung möglich. In Großbri­tan­nien und Polen wurde OHSAS 18001 zudem zur nationalen Norm erhoben.

Entwicklungen in Deutschland

Auf­grund der anfänglich beschriebe­nen Bestre­bun­gen nach ein­er Arbeitss­chutz­man­age­ment­norm hat­te Deutsch­land bere­its 1997 eine gemein­same Stel­lung­nahme aller am Arbeitss­chutz beteiligten Kreise zum The­ma Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­tem erar­beit­et. Beson­ders aktiv haben sich damals die Bun­deslän­der Bay­ern (Entwick­lung des Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­tem-Konzepts OHRIS, Occu­pa­tion­al Health- and Risk-Man­age­mentsys­tem) und Hes­sen (Entwick­lung von ASCA, Arbeitss­chutz und sicher­heit­stech­nis­ch­er Check in Anla­gen) einge­bracht. Hier­bei ist der „Gemein­same Stand­punkt zu Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­te­men“ ent­standen, der die nationalen Vorstel­lun­gen bezüglich Erforder­nis, Auf­bau und Inhalt von Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­te­men dar­legt. Ein mit allen Beteiligten ein­vernehm­lich fest­gelegtes Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­tem-Konzept fol­gte dem gemein­samen Stand­punkt auf­grund unter­schiedlich­er und unvere­in­bar­er Vorstel­lun­gen nicht. Man kon­nte sich 1999 lediglich auf Eck­punk­te zur Entwick­lung und Bew­er­tung von Konzepten für Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­teme eini­gen.

Der Län­der­auss­chuss für Arbeitss­chutz und Sicher­heit­stech­nik (LASI) entwick­elte daher im Okto­ber 1999 ein eigenes Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­tem-Konzept, um zum einen den Unternehmen in den Bun­deslän­dern eine ein­heitliche Struk­tur zur Ver­fü­gung stellen zu kön­nen und zum anderen um über einen abges­timmten Beitrag für die Reak­tion auf die inter­na­tionalen Entwick­lun­gen zu ver­fü­gen. Mit der Erar­beitung wurde eine LASI-Arbeits­gruppe aus Vertretern der Län­der Bay­ern, Ham­burg, Hes­sen und Nor­drhein- West­falen beauf­tragt. In diesem Leit­faden soll­ten die Forderun­gen des „Gemein­samen Stand­punk­ts zu Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­te­men“ und der „Eck­punk­te“ inhaltlich voll­ständig umge­set­zt wer­den. Man einigte sich darauf, OHRIS als Arbeits­grund­lage für die Entwick­lung des Leit­fadens zu ver­wen­den. So ent­stand ein Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­tem-Konzept, das sowohl struk­turell als auch inhaltlich die Anforderun­gen der „Eck­punk­te“ erfüllt. Die Kom­pat­i­bil­ität zu OHRIS blieb dabei inhaltlich voll­ständig erhal­ten. Der mit allen Bun­deslän­dern abges­timmte LASI-Leit­faden „Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­teme – Spez­i­fika­tion zur frei­willi­gen Ein­führung, Anwen­dung und Weit­er­en­twick­lung von Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­te­men (AMS)“ wurde im Feb­ru­ar 2000 durch LASI-Beschluss ver­ab­schiedet und im April 2000 als LASI-Veröf­fentlichung LV 21 her­aus­gegeben.

Etwas später fol­gte im Sep­tem­ber 2001 zudem die LV 22, eine Hand­lung­shil­fe für die Ein­führung von Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­te­men in kleinen und mit­tleren Unternehmen. Die Erar­beitung erfol­gte wieder durch die gle­iche Arbeits­gruppe und die bere­its in der Prax­is erprobte bay­erische Hand­lungsan­leitung (OHRIS) diente als Arbeits­grund­lage.

Zeit­gle­ich wurde durch die inter­na­tionale Arbeit­sor­gan­i­sa­tion ILO (Inter­na­tion­al Labour Orga­ni­za­tion) mit der Entwick­lung eines Leit­fadens für Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­teme begonnen. Man wollte nach der Ablehnung ein­er Nor­mung durch die ISO zunächst die Regierun­gen, Arbeit­ge­ber und Arbeit­nehmer als maßge­bliche Inter­es­sen­grup­pen für den Arbeitss­chutz an einen Tisch brin­gen. Deutsch­land beteiligte sich auf­grund der Entwick­lun­gen im eige­nen Land bei der Erar­beitung sehr engagiert.

Von 1998 bis 2001 wurde schließlich der ILO-Leit­faden Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­teme unter dem Titel „Guide­lines on occu­pa­tion­al safe­ty and health man­age­ment sys­tems ILO-OSH 2001“ erar­beit­et. Das Konzept sieht eine Anpas­sung an nationale Gegeben­heit­en durch die Erar­beitung eines nationalen Leit­fadens (NLF) und spez­i­fis­ch­er Hand­lung­shil­fen vor. In der Beraterkreis­sitzung „Nationale Umset­zung des ILO-Leit­fadens zu Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­te­men“ (Bun­desmin­is­teri­um für Arbeit, ober­ste Arbeitss­chutzbe­hör­den der Län­der, Träger der geset­zlichen Unfal­lver­sicherung, Sozial­part­ner) im Sep­tem­ber 2001 wurde die Entwick­lung eines nationalen Leit­fadens für Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­teme beschlossen und eine Redak­tion­s­gruppe (Län­dervertreter Bay­ern und Hes­sen) einge­set­zt. Der nationale Leit­faden „Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­teme“ berück­sichtigt die Inhalte der Eck­punk­te und auch die des LASI-Leit­fadens LV 21. Er wurde mit allen inter­essierten Kreisen abges­timmt und im Bun­de­sar­beits­blatt im Jan­u­ar 2003 veröf­fentlicht.

Gültiges Konzept der Länder

Der nationale Leit­faden „Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­teme“ gilt seit­dem für die Arbeitss­chutzbe­hör­den der Län­der als Rah­menkonzept und Hand­lung­sori­en­tierung. Seine Inhalte sind verpflich­t­end für alle spez­i­fis­chen Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­tem-Konzepte der staatlichen Arbeitss­chutzbe­hör­den. Der LASI hat im März 2011 dies nochmals durch Beschluss bekräftigt. Er stellte weit­er­hin fest, dass das zwis­chen­zeitlich weit­er­en­twick­elte AMS-Konzept OHRIS das Ref­eren­zsys­tem für die Arbeitss­chutzbe­hör­den der Län­der darstellt.

Der NLF und auch OHRIS find­en sich ins­beson­dere in der Leitlin­ie Organ­i­sa­tion des betrieblichen Arbeitss­chutzes (Her­aus­ge­ber Nationale Arbeitss­chutzkon­ferenz) im Kapi­tel 4.2.3 „Beratung zu Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­te­men und Prü­fung von deren Wirk­samkeit“ und der LASI-Veröf­fentlichung LV 58 „Beratung der Län­der und Umgang der Län­der mit Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­te­men“ wieder. Mit der Fes­tle­gung von OHRIS als Ref­eren­zsys­tem waren die LASI-Leit­fä­den LV 21 „Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­teme — Spez­i­fika­tion zur frei­willi­gen Ein­führung, Anwen­dung und Weit­er­en­twick­lung von Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­te­men (AMS)” und LV 22 „Hand­lung­shil­fe zur frei­willi­gen Ein­führung und Anwen­dung von Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­te­men (AMS) für kleine und mit­tlere Unternehmen (KMU)” über­flüs­sig gewor­den. Daher wurde auf der 61. LASI-Sitzung am 13./14. März 2013 – gle­ichzeit­ig mit dem Beschluss zur Druck­le­gung der LV 58 – auch die Aufhe­bung der LV 21 und LV 22 beschlossen.

Erneuter Vorstoß zur Normung von Arbeitsschutzmanagementsystemen

Im Früh­jahr 2013, zwölf Jahre nach der Veröf­fentlichung des ILO-Leit­fadens, reichte das BSI einen Vorschlag für die Erar­beitung ein­er ISO Norm zu Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­te­men auf Basis der OHSAS 18001 ein. Unter anderem Deutsch­land, unter Fed­er­führung des DIN (Deutsches Insti­tut für Nor­mung), lehnte diesen Vorschlag in der nationalen Abstim­mung ab. Erst mit der Prämisse, dass Deutsch­land ein nationales Spiegel­gremi­um zum unter britis­ch­er Leitung ste­hen­den Pro­jek­tkomi­tee bildet, stimmten die ISO-Mit­glieder dem Vorschlag zur Erar­beitung ein­er ISO-Norm mehrheitlich zu.

Am Nor­mung­sprozess beteiligten sich 69 nationale Nor­mung­sor­gan­i­sa­tio­nen als aktive Teil­nehmer. Weit­er­hin waren Beobachter und Mit­glieder ander­er ISO-Gremien bei den Sitzun­gen anwe­send. Auf Grund­lage der Grund­satzvere­in­barung (Mem­o­ran­dum of Under­stand­ing) mit der ISO kon­nte zudem die ILO als Verbindung­sor­gan­i­sa­tion beson­deren Ein­fluss auf das Nor­mung­spro­jekt nehmen. Dies führte zu teils hefti­gen Debat­ten bei den Sitzun­gen und erschw­erte den Prozess der Erar­beitung. Anfang des Jahres 2015 erhielt der erste Entwurf ein­er Norm nicht die notwendi­ge Mehrheit, so dass ein zweit­er Entwurf unter Berück­sich­ti­gung der weit mehr als 3.000 Kom­mentare erar­beit­et wer­den musste.

Dieser bekam schließlich Mitte 2017, jedoch mit 1.600 Kom­mentaren, die notwendi­ge Mehrheit. Der Schlussen­twurf im Novem­ber des gle­ichen Jahres berück­sichtigte diese. Bis zum 5. Jan­u­ar 2018 erfol­gten dann nur noch die Mitze­ich­nun­gen und geringe redak­tionelle Änderun­gen. Am 12. März 2018 wurde schließlich, mehr als 20 Jahren nach dem ersten Vorstoß zur Nor­mung von Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­te­men, die ISO 45001 (Man­age­mentsys­teme für Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit – Anforderun­gen mit Anleitung zur Anwen­dung) veröf­fentlicht. Im Juni 2018 fol­gte dann die gemein­same Über­set­zung für Deutsch­land, Öster­re­ich und die Schweiz.

Die ISO 45001:2018 wurde zudem in Deutsch­land zur nationalen Norm DIN ISO 45001 erhoben.

Die neue DIN ISO 45001:2018 und die Auswirkung auf OHRIS

Die bish­erige Grund­lage für das bay­erische Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­tem-Konzept OHRIS ist der NLF für Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­teme. Dieser NLF wurde als nationale Umset­zung des inter­na­tionalen Leit­fadens für Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­teme (ILO-OSH 2001) entwick­elt.

Nach der Mitar­beit der ILO an der ISO 45001 und deren Veröf­fentlichung stellte sich somit die Frage, ob die ILO nun beab­sichtigt, den ILO-Leit­faden Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­teme zurück­zuziehen. Damit wür­den dem NLF und somit auch OHRIS die Basis ent­zo­gen wer­den. Dies hätte auch zur Folge gehabt, dass die Bay­erische Gewer­beauf­sicht OHRIS den bay­erischen Unternehmen (zurzeit etwa 370 bay­erische Unternehmen – mit ins­ge­samt mehr als 187.000 Beschäftigten) nicht weit­er anbi­eten hätte kön­nen. Im Rah­men der Sitzung des ILO-Ver­wal­tungsrats im Novem­ber 2017 wurde die Beziehung zwis­chen ILO und ISO besprochen. Der Ver­wal­tungsrat wurde durch einen Bericht über die Entwick­lun­gen zu ISO 45001 informiert (der Bericht ist öffentlich ver­füg­bar und kann unter www.ilo.org/gb/GBSessions/GB331/ins/WCMS_586273/lang–en/index.htm herun­terge­laden wer­den).

ILO bleibt kritisch

Der Bericht der ILO ist ins­beson­dere in den Absätzen 4 und 5 sehr kri­tisch. Auch die Region­al­gruppe der Indus­trielän­der in der ILO (IMEC), der Deutsch­land ange­hört, hat sich kri­tisch zur ISO 45001 geäußert. Daher hat der Ver­wal­tungsrat den ILO-Gen­eraldirek­tor ermächtigt, eine ILO-Stel­lung­nahme zu ISO 45001 her­auszugeben. Diese Stel­lung­nahme wird voraus­sichtlich klarstellen, dass eine Zer­ti­fizierung nach ISO 45001 nicht bescheinigt, dass inter­na­tionale Arbeit­snor­men einge­hal­ten wer­den und die ILO durch ihre Beteili­gung an der Entwick­lung von ISO 45001 nicht beab­sichtigte, die ILO-Leit­fä­den für Arbeitss­chutz­man­age­ment durch ISO-Stan­dards zu erset­zen.

Die ILO wird vielmehr in Kon­sul­ta­tion mit den drei­gliedri­gen Kon­stituenten (Regierun­gen, Arbeit­ge­ber, Arbeit­nehmer) jew­eils auf Län­derebene beurteilen, inwieweit die Leit­fä­den bere­its umge­set­zt wur­den oder welche weit­eren Maß­nah­men notwendig sind. Darüber hin­aus hat der ILO-Ver­wal­tungsrat auf­grund ver­fahren­stech­nis­ch­er und grundle­gen­der Schwierigkeit­en bei der Erar­beitung der ISO 45001 entsch­ieden, das Abkom­men zwis­chen der ILO und ISO von 2013 zu been­den. Somit bleiben die Grund­la­gen für OHRIS (ILO-Leit­faden, NLF etc.) weit­er­hin beste­hen.

OHRIS bleibt aktuell

OHRIS ist ein von der Bay­erischen Gewer­beauf­sicht zusam­men mit der Wirtschaft aus der Prax­is und für die Prax­is entwick­eltes „Man­age­mentsys­tem-Konzept für Arbeitss­chutz und Anla­gen­sicher­heit“. OHRIS ist unab­hängig von der Betrieb­s­größe und Branche anwend­bar und lässt sich prob­lem­los in andere Man­age­mentsys­teme, wie zum Beispiel in ein Qual­itäts- oder Umwelt­man­age­mentsys­tem, inte­gri­eren. OHRIS ist seit 20 Jahren ein Erfol­gs­fak­tor. Unternehmen, die OHRIS einge­führt haben, verze­ich­nen nach­weis­lich eine geringe Unfall­häu­figkeit und haben weniger Betrieb­sstörun­gen als Betriebe ohne AMS. Damit trägt OHRIS nach­haltig zu sicheren Arbeit­splätzen und zufriede­nen Arbeit­nehmern in Bay­ern bei. Die Bay­erische Gewer­beauf­sicht berät und unter­stützt inter­essierte Unternehmen kosten­frei bei der Ein­führung von OHRIS.

Unternehmen, die ein AMS auf der Grund­lage von OHRIS einge­führt haben, erhal­ten auf Wun­sch und nach ein­er erfol­gre­ichen Prü­fung der Wirk­samkeit ein OHRIS-Zer­ti­fikat über die Anerken­nung. Dieses ist drei Jahre gültig und kann nach erneuter behördlich­er Prü­fung jew­eils um weit­ere drei Jahre ver­längert wer­den. Zusät­zlich erfol­gt eine Veröf­fentlichung der Unternehmen mit gültigem OHRIS-Zer­ti­fikat im Inter­net (Anerken­nungsreg­is­ter) unter: www.lgl.bayern.de/downloads/arbeitsschutz/ohris/doc/anerkannte_unternehmen_liste.pdf

OHRIS wurde seit seinem Beste­hen kon­tinuier­lich an die Entwick­lun­gen von inter­na­tionalen Nor­men angepasst. Es erfüllt die Anforderun­gen an ein mod­ernes Man­age­mentsys­tem und hat sich nation­al zum Ref­eren­zsys­tem für die Arbeitss­chutzbe­hör­den der Län­der entwick­elt.

OHRIS-Revision 2018

Die Aktu­al­isierung der Nor­men für Qual­itäts- (ISO 9001) und Umwelt­man­age­mentsys­teme (ISO 14001) sowie die erst­ma­lige Veröf­fentlichung der Norm für Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­teme (ISO 45001) bed­ingten die in 2018 durchge­führte Über­ar­beitung und Anpas­sung von OHRIS. Dabei wur­den Ter­mi­nolo­gien aus der neuen Arbeitss­chutz­man­age­ment­norm sowie geän­derte Begrif­flichkeit­en aus dem Bere­ich der Umwelt- und Qual­itäts­man­age­mentsys­teme eingear­beit­et. Die Grund­struk­tur von OHRIS wurde bei der Revi­sion beibehal­ten (vgl. Abb. 1). Das hat zum Vorteil, dass Unternehmen, die es bere­its anwen­den, nur einen min­i­malen Anpas­sungs­be­darf bei der Umstel­lung auf die aktuelle Ver­sion haben. Aber auch bei ein­er Neue­in­führung lässt sich OHRIS:2018, auf­grund von Verknüp­fungsta­bellen prob­lem­los in beste­hende Man­age­mentsys­teme und deren High-Lev­el-Struc­ture (HLS) inte­gri­eren.

Mit System

Unternehmen, die über ein AMS ver­fü­gen, verbessern in hohem Maß, unter aktiv­er Beteili­gung aller Beschäftigten, gezielt und sys­tem­a­tisch die Sicher­heit und den Gesund­heitss­chutz der Beschäftigten in ihrem Betrieb. Sie ver­mei­den darüber hin­aus Störun­gen im Betrieb­sablauf, die beispiel­sweise durch Arbeit­sun­fälle, arbeits­be­d­ingte Erkrankun­gen und Schadens­fälle entste­hen. Ungestörte Prozesse sich­ern auch die Qual­ität der Pro­duk­tion sowie der Pro­duk­te und damit die Kun­den­zufrieden­heit.

Das prozes­sori­en­tierte Man­age­mentsys­tem OHRIS (Abb. 2) hil­ft dabei Fes­tle­gun­gen zu sys­tem­a­tisieren, Führung­sprozesse zu lenken und Entschei­dun­gen sowie Vorge­hensweisen in ein­er Organ­i­sa­tion nachvol­lziehbar und wieder­hol­bar zu machen. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Min­imierung von Arbeit­sun­fällen, Beruf­skrankheit­en und arbeits­be­d­ingten Krankheit­en
  • höhere Moti­va­tion der Beschäftigten
  • opti­male Anla­gen- und Maschi­nen­ver­füg­barkeit
  • gesteigerte Kun­den­zufrieden­heit
  • wirtschaftliche Vorteile.

Ausblick

Mit der Anwen­dung von einem betrieblichen AMS wird ein nach­haltiger Weg im Arbeitss­chutz beschrit­ten: Weg vom staatlichen Zwang zur Ein­hal­tung des Ord­nungsrechts, hin zur Eigen­ver­ant­wor­tung der Unternehmen.

Die Beratung zur Ein­führung und die Sys­tem­prü­fung, im Rah­men der­er die erfol­gre­iche Ein­führung eines betrieblichen AMS auf der Basis von OHRIS in einem Unternehmen festzustellen ist, stellen weit­er­hin eine wichtige Auf­gabe der Bay­erischen Gewer­beauf­sicht dar.

Quellen:

  • OHRIS – Gesamtkonzept. Man­age­mentsys-teme für Arbeitss­chutz und Anla­gen­sich­er-heit, Bay­erisches Staatsmin­is­teri­um für Fam­i­lie, Arbeit und Soziales, Juni 2018
  • Beratung der Län­der zu und Umgang der Län­der mit Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­te­men, LASI-Veröf­fentlichung LV 58, Juni 2013
  • www.ilo.org/gb/GBSessions/GB331/ins/WCMS_586273/lang–en/index.htm

OHRIS (Occupational Health- and Risk-Managementsystem)

OHRIS ist ein in Bay­ern und Sach­sen zer­ti­fizier­bares, aber inter­na­tion­al anerkan­ntes Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­tem für mehr Gesund­heit bei der Arbeit und die Sicher­heit tech­nis­ch­er Anla­gen. Das Ergeb­nis der jüng­sten Revi­sion wurde im Juni 2018 in der Pub­lika­tion „Das OHRIS-Gesamtkonzept“ veröf­fentlicht. In dieser Broschüre sind sowohl das Sys­temkonzept als auch die Hil­f­s­mit­tel zusam­menge­fasst. Diese Veröf­fentlichung bietet in einem Werk alle erforder­lichen Hin­weise und Hil­f­s­mit­tel für die Ein­führung und Anwen­dung eines betrieblichen Arbeitss­chutz­man­age­mentsys­tems. Der Vorteil des Sys­tems ist, dass alle Zer­ti­fizierung­sun­ter­la­gen kosten­los bezo­gen wer­den kön­nen und dass auch die Beratung und Zer­ti­fizierung kosten­los durch die Gewer­beauf­sicht­sämter (in Bay­ern und Sach­sen) durchge­führt wer­den. Sinn dieses Son­der­weges im Arbeitss­chutz, ist die Eigen­ver­ant­wor­tung der Unternehmen zu stärken und die direk­te Überwachung durch eine überwachte Eigenüberwachung zu erset­zen.


Foto: pri­vat

Autor: Dipl.-Ing. Alexan­der Bertram

Regierung von Ober­bay­ern – Gewer­beauf­sicht­samt München

Leit­er Dez­er­nat 1D – Organ­i­sa­tion des Arbeitss­chutzes

Anzeige
Newsletter

Jet­zt unseren Newslet­ter abon­nieren

Meistgelesen

Jobs
Sicherheitsbeauftragter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 9
Ausgabe
9.2020
ABO
Sicherheitsingenieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 9
Ausgabe
9.2020
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de