Ordnungsliebe minimiert Risiken. Zu Besuch bei der Friatec AG in Mannheim-Friedrichsfeld -
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Zu Besuch bei der Friatec AG in Mannheim-Friedrichsfeld

Ordnungs­liebe mini­miert Risi­ken

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Karl­heinz Kerber ist Indus­trie­meis­ter und Sicher­heits­be­auf­trag­ter beim Werk­stoff­spe­zia­lis­ten Fria­tec. Seine beruf­li­chen Verpflich­tun­gen und die Ernen­nung zum Sicher­heits­be­auf­trag­ten passen gut zusam­men, findet der 51‐Jährige: Wo die einen aufhö­ren und das andere anfängt, ist kaum zu unter­schei­den – schließ­lich denkt der Meis­ter das Thema Sicher­heit ohne­hin immer mit.

Petra Jauch

Schon an der Pforte zum weit­läu­fi­gen Unter­neh­mens­ge­lände wird klar, dass Arbeits­schutz bei der Fria­tec ernst genom­men wird. Jeder Besu­cher bekommt einen Lauf­zet­tel mit Sicher­heits­hin­wei­sen, eine Weste, und in Zukunft vorab ein Sicher­heits­vi­deo zu sehen. Passie­ren darf er zudem nur in Beglei­tung: „Die Leute müssen betreut abge­holt und betreut abge­ge­ben werden“, erklärt Gast­ge­ber Karl­heinz Kerber.

Vom Eingang bis zu seinem Arbeits­platz ist es ein gutes Stück Weg. Vorbei geht es an Gebäu­den unter­schied­li­cher Funk­tion und Bauart. Einige der alten Back­stein­bau­ten stehen unter Denk­mal­schutz – Zeug­nisse der mehr als 150‐jährigen Firmen­ge­schichte. Mitten drin, als unüber­seh­ba­rer Ausdruck der Neuzeit, das hoch­mo­derne Logis­tik­zen­trum: Mit seinen 35 Metern über­ragt das 2015 in Betrieb genom­mene Hoch­re­gal­la­ger die gesamte Umge­bung.

Büro mit Ausblick

Groß gewor­den ist die tradi­ti­ons­rei­che Firma mit der Herstel­lung von Stein­zeug­roh­ren, heute produ­ziert die Divi­sion Tech­ni­sche Kunst­stoffe Verbin­dungs­stü­cke für Rohr­lei­tungs­sys­teme. Karl­heinz Kerber, Indus­trie­meis­ter Produk­tion, ist Herr über drei Werk­hal­len. In einer von ihnen, trepp­auf, befin­det sich sein Büro mit brei­ter Glas­front. „Bitte den Hand­lauf benut­zen! Absturz­ge­fahr!“ warnt ein Schild am Gelän­der. Seit zwei Jahren hat der 51‐Jährige von hier aus alles im Blick, nutzt seinen geho­be­nen Posten aber nicht, um Druck und Kontrolle auszu­üben. „Ich beziehe hier oben keinen Beob­ach­tungs­pos­ten am Fens­ter“, versi­chert er.

An dem neuen, geräu­mi­gen Büro schätzt er statt­des­sen den Wohl­fühl­fak­tor, bedingt zum einen durch die moderne ergo­no­mi­sche Einrich­tung, zum ande­ren durch den vertrau­ten Zimmer­kol­le­gen. „Wir sind wie ein altes Ehepaar – er ist der Planer, ich der Umset­zer!“ schmun­zelt Kerber. Beide traten 1991 in die Firma ein. Karl­heinz Kerber war zu diesem Zeit­punkt ausge­lern­ter Fach­ar­bei­ter „Kunst­stoff­form­ge­ber“, paral­lel besuchte er noch die Meis­ter­schule. 1994 schaffte er den Abschluss und bekam ein Jahr später eine Meis­ter­stelle in seinem Unter­neh­men.

Verant­wor­tung für Maschi­nen­park

Kerber ist ein Handwerker‐Typ, einer, der was mit seinen Händen anfan­gen kann. „Ich hatte klas­si­sche Vorstel­lun­gen, wollte Schlos­ser oder Dreher werden.“ Auf die damals noch ganz neue Ausbil­dung zum Kunst­stoff­form­ge­ber wurde er durch den Vater aufmerk­sam, der bei Natu­rin beschäf­tigt war. „Diese Firma hat die Ausbil­dung damals in Zusam­men­ar­beit mit Freu­den­berg zum ersten Mal in Baden‐Württemberg ange­bo­ten“, erzählt Kerber. Auch heute noch kann der Pionier die Spritz­gieß­ma­schi­nen und Monta­ge­an­la­gen selbst bedie­nen – theo­re­tisch, denn prak­tisch ist er ander­wei­tig gefor­dert: Als Meis­ter hat er Führungs­auf­ga­ben über­nom­men und muss nicht zuletzt auf einen siche­ren und reibungs­lo­sen Betrieb achten.

Kerber trägt Verant­wor­tung für den gesam­ten Maschi­nen­park mit rund 70 Mitar­bei­tern und einer voll­au­to­ma­ti­sier­ten Monta­ge­li­nie. Er ist zustän­dig für die Wartung, Ersatz­teil­be­schaf­fung und mögli­che Repa­ra­tu­ren der Produk­ti­ons­an­lage. Dazu plant und koor­di­niert er die Monteu­r­ein­sätze und ist zum Teil auch an der Beschaf­fung neuer Maschi­nen betei­ligt. Auch die jähr­li­che UVV‐Prüfung für Mitar­bei­ter und Anla­gen zählt zu seinen Verpflich­tun­gen. „Werker, Stap­ler­fah­rer – jeder bekommt seine spezi­elle Unter­wei­sung von mir“, schmun­zelt der 51‐Jährige. Natür­lich wird all dies auch ordnungs­ge­mäß doku­men­tiert.

Zusatz­amt keine Last

Seit Ende der 90er Jahre ist Karl­heinz Kerber auch als Sicher­heits­be­auf­trag­ter unter­wegs. „Der dama­lige Produk­ti­ons­lei­ter hat bestimmt, dass alle Meis­ter Sicher­heits­be­auf­tragte werden. Es gab zwar schon Sicher­heits­be­auf­tragte, aber es waren wohl zu wenig.“ Kerber absol­vierte den obli­ga­to­ri­schen Grund­kur­sus und einige Nach­schu­lun­gen. Gerade war wieder eine Auffri­schung fällig. Wie er zu dieser Zusatz­auf­gabe steht? „Ich hatte zwar keine Wahl, sehe das aber nicht als Last. Sicher­heit ist für mich als Meis­ter ja ohne­hin ein Thema, das ich stän­dig mitdenke.“

Tatsäch­lich sind Maßnah­men zur Unfall­prä­ven­tion erkenn­bar ein aktu­el­les Thema in Kerbers Einsatz­be­reich – einen ersten Hinweis darauf gibt bereits das Warn­schild am Trep­pen­auf­gang. Dies ist jedoch nur ein klei­nes Puzzle­teil unter vielen, zudem werden es immer mehr: Aus Bege­hun­gen, Gefähr­dungs­ana­ly­sen und Beinahe‐Unfällen erge­ben sich immer wieder neue Sicher­heits­vor­keh­run­gen sowie tech­ni­sche oder orga­ni­sa­to­ri­sche Verbes­se­run­gen. In diesen Ange­le­gen­hei­ten arbei­tet Kerber eng mit der Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit sowie mit dem Werks­arzt und Betriebs­rat zusam­men. Das Mitein­an­der funk­tio­niert, auch in der Arbeitssicherheitsausschuss‐Sitzung mit den ande­ren Sicher­heits­be­auf­trag­ten.

Schnitt­schutz und Westen

Was dabei heraus­kommt? Zum Beispiel dies: Nach­dem sich im letz­ten Jahr ein Arbei­ter Schnitt­ver­let­zun­gen mit einem Messer zuge­zo­gen hat, müssen bei diesem Arbeits­gang Schnitt­schutz­hand­schuhe getra­gen werden. „Spezi­elle Bauteile von uns können nur mit dieser Art Messer bear­bei­tet werden. Deshalb muss­ten wir eine derar­tige Lösung finden.“ Zunächst wurden Muster­hand­schuhe bestellt und geprüft, dann die Anwei­sung zum Tragen der PSA erteilt und jedem Mitar­bei­ter zum Unter­zeich­nen vorge­legt.

Ganz aktu­ell sind zudem die Neue­run­gen für die Stap­ler­fah­rer: Laut den frisch über­ar­bei­te­ten Schu­lungs­un­ter­la­gen müssen sie ab sofort vor jeder Kurve die Hupe betä­ti­gen und zudem Warn­wes­ten tragen. „Da war der Aufschrei zunächst groß“, gibt Kerber zu – nicht immer tref­fen neue Sicher­heits­vor­keh­run­gen gleich auf Gegen­liebe. Wie der Rund­gang in der Halle zeigt, hat sich die Neue­rung aber inzwi­schen durch­ge­setzt: Hupe und Westen sind eindeu­tig in Gebrauch. Und wenn nicht? „Dann ruf ich mir die Leute her und sage: Achtung, du weißt Bescheid.“

Ordnung macht den Meis­ter

Bislang ist es Kerber immer gelun­gen, die Betref­fen­den auf diese Art zu sensi­bi­li­sie­ren. „Ich musste noch keine Mahnung ausspre­chen.“ Dabei kommt ihm auch seine ausge­prägte Ordnungs­liebe entge­gen: „Ich bin zuhause ein Ordnungs­freak, habe die Dinge gern an ihrem Platz. Keller, Vorrats­raum, Garage, bei mir ist alles pico­bello aufge­räumt – ein Para­dies“, bekennt er lachend. Auch in den Werk­hal­len sind ihm Nach­läs­sig­kei­ten ein Dorn im Auge – schließ­lich stel­len sie eine poten­zi­elle Gefähr­dung dar. Bemerkt er zum Beispiel Öl‐ oder Wasser­la­chen, die von einer Montage zurück­ge­blie­ben sind, weist er den zustän­di­gen Mitar­bei­ter sogleich auf den Miss­stand hin – freund­lich, aber bestimmt.

Kein Pardon gibt es für ihn auch, wenn Kunst­stoff­gra­nu­lat verschüt­tet wurde. „Das kann passie­ren. Aber es muss weg, denn das wirkt wie Glatt­eis.“ Bei ihm sei zwar noch niemand ausge­rutscht, aber das soll auch so blei­ben. Deshalb achtet er darauf, dass konse­quent aufge­räumt wird – zum Beispiel Förder­bän­der oder Wasser­schläu­che nach ihrem Einsatz in der Produk­tion. „Wir haben hier immer wieder mit klei­nen Bautei­len zu tun.“

Selbst­ver­trauen gehört dazu

Da man schon mal unan­ge­nehme Dinge an die Leute dele­gie­ren müsse, brau­che ein Sicher­heits­be­auf­trag­ter „etwas Selbst­ver­trauen“, folgert Kerber. Was noch? Ein biss­chen tech­ni­sches Verständ­nis, um die Zusam­men­hänge rich­tig erken­nen und bewer­ten zu können. Zudem sollte man von seiner Sache über­zeugt sein. „Eine Unter­wei­sung vor 25 Mann – hab ich kein Problem damit“. Durch die jüngere Entwick­lung sieht sich Kerber zudem in seiner Haltung bestärkt: Das Thema Sicher­heit werde immer wich­ti­ger, mehr Perso­nen seien invol­viert, Präven­tion schon im Vorfeld ein Aspekt, das Einsatz­spek­trum wachse. „Heute macht man sich über vieles Gedan­ken, was früher kein Thema war.“

Beim Umzug in die neue Halle wurde zum Beispiel Wert auf eine ergo­no­mi­sche Beleuch­tung gelegt, es gibt größere Bild­schirme, zum Teil höhen­ver­stell­bare Tische. „Das kommt auch mit der Verla­ge­rung der Arbeits­plätze durch die Digi­ta­li­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung“, ist sich Kerber bewusst. Um konkur­renz­fä­hig zu blei­ben, ist die Fria­tec hier ganz vorn dabei: In der selbst­ent­wi­ckel­ten, voll­au­to­ma­ti­sier­ten Monta­ge­li­nie sind seit einem Jahr die Robo­ter am Start. „Ein Riesen­pro­jekt mit einer langen Entwick­lungs­phase.“

Denken, Reden, Handeln

Zusätz­li­che Impulse kommen auch vom Mutter­kon­zern Alia­xis, dem die Fria­tec seit 2003 ange­hört. Da die Alia­xis global aufge­stellt ist, kommen von dort neue Ideen und Ansätze, die Arbeits­si­cher­heit zu erhö­hen: „Die haben hier ein biss­chen die Kultur verän­dert, waren uns in puncto Arbeits­si­cher­heit ein paar Schritte voraus“, meint Kerber. Die Kampa­gne „Go for Zero“ inklu­sive Hand­lungs­an­wei­sung „Denken, Reden, Handeln“ kommt von dort, oder auch – soeben einge­führt – das Shopf­loor Manage­ment: An den Infor­ma­ti­ons­ta­feln in der Halle hängen Betriebs­an­wei­sun­gen zum Nach­schla­gen aus, es gibt eine Safety Info mit einer Über­sicht über aktu­elle Unfälle und Beinahe‐Unfälle in der Gruppe. Das Shopfloor‐Board, das noch ausge­baut wird, dient auch als Treff­punkt für den Schicht­wech­sel. „Zur Über­gabe sind hier Drei‐Minuten‐Gespräche nach dem Motto: Wer hat was gemacht, was ist zu beach­ten? verein­bart. Eben­falls hinter­legt und damit stets griff­be­reit ist eine Infor­ma­tion zu den Risi­ken am Arbeits­platz für Leih­ar­bei­ter. Akzep­tiert werden aber nur Leasing­kräfte, die der Erst­un­ter­wei­sung durch den Schicht­füh­rer folgen können. Einge­bür­gert hat sich zudem, dass neue Mitar­bei­ter drei Tage lang von erfah­re­nen Kräf­ten beglei­tet werden.

Eigen­ver­ant­wor­tung gefragt

Gene­rell sieht Kerber – passend zum Slogan „Denken, Reden, Handeln“ – heute auch die Mitar­bei­ter verstärkt in der Pflicht, Eigen­ver­ant­wor­tung im Arbeits­schutz zu über­neh­men. „Die Beschäf­tig­ten gehö­ren mit ins Boot, sind aufge­for­dert, aktiv mitzu­hel­fen.“ Anders gehe es auch gar nicht: „Die Halle ist groß, man hat genug zu tun. Da muss man sich schon auf die Mitar­bei­ter verlas­sen können, ist auf ihr Eige­n­en­ga­ge­ment ange­wie­sen.“ Das ist auch eine klare Botschaft auf dem Shopfloor‐Board. „Dieser Mitar­bei­ter ist verant­wort­lich für H&S“ steht dort rot unter­legt und damit gut sicht­bar. Darun­ter hängt ein Spie­gel, in welchem sich der Mitar­bei­ter sieht als Signal für Eigen­ver­ant­wor­tung.



FRIATEC AG

Die FRIATEC AG zählt mit ihren Geschäfts­fel­dern Tech­ni­sche Kunst­stoffe, Kera­mik und Pumpen zu den inter­na­tio­nal führen­den Anbie­tern von Produk­ten aus korro­si­ons­be­stän­di­gen und verschleiß­fes­ten Werk­stof­fen.

  • 1863 in Mann­heim als Ziege­lei gegrün­det, Weiter­ent­wick­lung als Deut­sche Stein­zeug und später Fried­richs­feld GmbH
  • 1993 Umbe­nen­nung in FRIATEC AG
  • Insge­samt 1.000 Mitar­bei­ter an drei Stand­or­ten
  • 800 Mitar­bei­ter am Stamm­sitz in Mann­heim
  • Seit 2003 zuge­hö­rig zur Aliaxis‐Unternehmensgruppe
  • www.friatec.de

Steck­brief

  • Karl­heinz Kerber
  • 51 Jahre
  • Indus­trie­meis­ter Kunst­stoff­ver­ar­bei­tung
  • Bran­che: Indus­trie
  • Sicher­heits­be­auf­trag­ter seit circa 1996
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