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Plötz­li­cher Herz­tod als Notfall am Arbeits­platz

Anzeichen, Risiken, Erste Hilfe
Plötz­li­cher Herz­tod als Notfall am Arbeits­platz

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Herz­er­kran­kun­gen und plötz­li­cher Herz­tod spie­len nicht nur zuneh­mend eine Rolle im persön­li­chen Lebens­be­reich, sondern ebenso in der Aus- und Weiter­bil­dung von Erst­hel­fern. Thema­tisch steht dabei der Herz­in­farkt im Vorder­grund. Doch wie erkennt man akute Herz­er­kran­kun­gen, und was kann der Einzelne tun?

Mit circa 120.000 Todes­fäl­len pro Jahr sind akute Herz­er­kran­kun­gen eine der häufigs­ten Notfall­ur­sa­chen über­haupt. Das Problem der Herz­er­kran­kun­gen und spezi­ell des plötz­li­chen Herz­to­des muss also eben­falls ein Aspekt des Arbeits­schut­zes sein – zum einen in der Präven­tion viel­mehr aber noch in der Hilfe­leis­tung. Der vorlie­gende Grund­la­gen­bei­trag soll Aufklä­rungs­ar­beit leis­ten. Die Leser sollen sowohl über die Risi­ken und Kenn­zeich­nen von Herz­er­kran­kun­gen als auch über die Erste Hilfe-Maßnahmen infor­miert werden.

Gesell­schaft­li­che Bedeu­tung
Annä­hernd 280.000 Menschen erlei­den jedes Jahr in Deutsch­land einen Herz­in­farkt. Im Jahre 2006 star­ben 61.056 Perso­nen (28.083 Frauen und 32.973 Männer) an einem akuten Herz­in­farkt; das waren 7,4 Prozent aller Verstor­be­nen des genann­ten Jahres. Zum Vergleich: Im selben Jahr verstar­ben 5.094 Perso­nen in Folge eines Verkehrs­un­fal­les. Eine Betrach­tung der Sterb­lich­keits­zif­fer in Abhän­gig­keit vom Alter des Betrof­fe­nen offen­bart, dass Männer sowohl häufi­ger als auch früher an einer koro­na­ren Herz­er­kran­kung leiden. Die Wahr­schein­lich­keit auch am Arbeits­platz Opfer einer akuten Herz­er­kran­kung zu werden, ist vorhan­den und dort am größ­ten, wo sich einer­seits viele Menschen (bspw. Kunden­ver­kehr in einem Kredit­in­sti­tut) bzw. ältere Perso­nen aufhal­ten. Aller­dings lässt sich ein plötz­li­cher Herz­still­stand nicht vorher­se­hen; er kann jeden, jeder­zeit und über­all erei­len – auch Jugend­li­che sind davor nicht geschützt.
Plötz­li­cher Herz­tod – Was ist das?
Als plötz­li­cher Herz­tod oder Sekun­den­tod werden Todes­fälle bezeich­net, die herz­be­dingt sind und inner­halb weni­ger Minu­ten eintre­ten. Nach allge­mein­gül­ti­ger Defi­ni­tion werden darun­ter in Deutsch­land auch die Todes­fälle zusam­men­ge­fasst, die inner­halb von 24 Stun­den nach Beginn der ersten Herz­sym­pto­ma­tik auftre­ten.
Die häufigs­ten Ursa­chen liegen in schwe­ren Durch­blu­tungs­stö­run­gen der Herz­kranz­ge­fäße und Herz­rhyth­mus­stö­run­gen. Die Folgen dieser Erkran­kun­gen spie­geln zugleich den Notfall selbst wider, denn bis es beispiels­weise zu einem Herz­in­farkt kommt, vergeht in der Regel viel Zeit. Abla­ge­run­gen bilden sich an den Gefäß­wän­den und veren­gen in einem lang­an­dau­ern­den Verlauf die Gefäße. Dieser als Arte­rio­skle­rose bezeich­nete Prozess findet im ganzen Körper statt, doch in den vita­len Berei­chen wie Herz und Gehirn kann eine Veren­gung lebens­be­droh­lich werden. Die Abla­ge­run­gen selbst sind wiederum das Ergeb­nis verschie­de­ner Ursa­chen, die entwe­der vom Menschen selbst beein­fluss­bar oder natür­lich sind. In manchen Fami­lien treten Infarkte häufi­ger auf, da es eine gene­ti­sche Veran­la­gung zum Herz­in­farkt gibt. Ob dieser aber eintritt, hängt nicht zuletzt von der Lebens­füh­rung des Einzel­nen ab. Niko­tin­ge­nuss, über­mä­ßi­ger Alko­hol­kon­sum, Blut­hoch­druck, Fett­stoff­wech­sel­stö­run­gen und Diabe­tes melli­tus sind Risi­ko­fak­to­ren, die einen Infarkt forcie­ren. Durch die Veren­gung wird die Sauer­stoff­ver­sor­gung des Herz­mus­kels schlech­ter. Es kommt zu einer Schä­di­gung des Herzens, wobei als Folgen neben einer Einschrän­kung der Pump­leis­tung (Herz­in­suf­fi­zi­enz), auch eine Herz­schwä­che oder eine Herz­rhyth­mus­stö­rung auftre­ten.
Das Herz – ein Motor ohne Still­stand
Das etwa faust­große Herz ist im wahrs­ten Sinne der Motor des Lebens, denn würde es ausfal­len, würde zugleich das Leben erlö­schen. Es versorgt alle Organe und Zellen fort­wäh­rend mit Sauer­stoff und Nähr­stof­fen, indem es jede Minute fünf Liter Blut durch das Kreis­lauf­sys­tem pumpt. Pro Stunde sind das 300 Liter. Mit zuneh­men­der physi­scher Anstren­gung erhöht sich die Pump­leis­tung sogar auf 12 bis 18 Liter pro Minute. Das Herz selbst wird über die Herz­kranz­ge­fäße (Koro­nar­ge­fäße) mit Blut versorgt. Durch die Pump­leis­tung wird in den Gefä­ßen ein Druck erzeugt. Dabei ist zwischen dem systo­li­schen (entsteht in der Austrei­bungs­phase, also beim Zusam­men­zie­hen) und diasto­li­schen (der Rest­druck in den Gefä­ßen während der Entspan­nungs­phase) Blut­druck zu unter­schei­den. Die Herz­fre­quenz ist abhän­gig vom Alter und dem Grad der physi­schen Belas­tung. Die nach­ste­hen­den Basis­werte bezie­hen sich auf den Ruhe­zu­stand:
  • Neuge­bo­rene: ca. 140 Schläge/Minute
  • 2 jähri­ges Kind: ca. 120 Schläge/ Minute
  • 10-jährigen Kind: ca. 90 Schläge/Minute
  • Erwach­sene: ca. 60 Schläge/Minute
Das Herz schlägt so durch­schnitt­lich im Laufe eines Lebens etwa 2,5 Milli­ar­den Mal.
Ausge­wählte akute Herz­er­kran­kun­gen
Herz­in­suf­fi­zi­enz
Als Herz­in­suf­fi­zi­enz bezeich­net man die bedroh­lich Abnahme der Pump­leis­tung des Herzens, wodurch es zu einem vermin­der­ten Blut­aus­stoß in das Kreis­lauf­sys­tem kommt. Es droht eine mangelnde Organ­durch­blu­tung sowie Kreis­lauf­ver­sa­gen. Die Herz­in­suf­fi­zi­enz entsteht zu 70 Prozent als Folge von koro­na­ren Herz­er­kran­kun­gen wie beispiels­weise dem Herz­in­farkt. Vergif­tun­gen und alters­be­dingte Verän­de­run­gen führen ebenso dazu. Da insbe­son­dere die Muskeln nicht genü­gend Sauer­stoff erhal­ten, tritt als Beschwerde eine Abnahme der körper­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit in Verbin­dung mit Luft­not auf. Durch Blut­stau­un­gen in den Gefä­ßen der Lunge oder des Körpers entste­hen Wasser­an­samm­lun­gen (Ödeme) vor allem in den Beinen und der Lunge; letz­te­res führt in schwe­ren Fällen sogar zur lebens­be­droh­li­chen Atem­not.
Angina pecto­ris
Angina pecto­ris ist kein Einzel­fall. Nach Anga­ben des statis­ti­schen Bundes­am­tes war im Jahre 2005 mit 316.000 Fällen die Herz­er­kran­kung Angina pecto­ris die häufigste Haupt­dia­gnose während eines statio­nä­ren Kran­ken­haus­auf­ent­hal­tes.
Als Angina pecto­ris bezeich­net man eine Enge in der Brust, die durch eine Durch­blu­tungs­stö­rung des Herzens ausge­löst wird. Die Durch­blu­tungs­stö­rung entsteht in Folge einer Veren­gung eines Herz­kranz­ge­fä­ßes. Sie tritt in der Regel dann auf, wenn der Durch­mes­ser einer Herzkranz- arte­rie nur noch etwa 30 Prozent der ursprüng­li­chen Größe beträgt. Die Angina pecto­ris wird dabei in zwei Haupt­for­men unter­teilt: stabile und insta­bile Angina pecto­ris. Die stabile Angina pecto­ris ist dadurch gekenn­zeich­net, dass die betrof­fene Person bei körper­li­cher Anstren­gung über ein plötz­li­ches Druck- bzw. Enge­ge­fühl im Brust­raum klagt. Mit fort­schrei­ten­der Zeit setzen Schmer­zen ein. Der Schmerz ist ein Indi­ka­tor für das Miss­ver­hält­nis von benö­tig­ter Sauer­stoff­menge und dem tatsäch­lich zur Verfü­gung stehen­den Sauer­stoff. Da der Sauer­stoff­be­darf spezi­ell bei körper­li­cher Belas­tung, Stress, schwe­rer Verdau­ungs­ar­beit als auch bei winter­li­cher Kälte (die Muskeln begin­nen zu zittern, um Wärme zu erzeu­gen) enorm steigt, tritt in diesen Situa­tio­nen die Angina pecto­ris beson­ders häufig in Erschei­nung. Es werden mehrere Schwe­re­grade unter­schie­den (Tab. 1). Oft strahlt der Schmerz typi­scher­weise in den linken Arm, den Hals, den Unter­kie­fer sowie den Rücken aus. Begleit­erschei­nun­gen sind Herz­ra­sen, Schweiß­aus­brü­che, Atem­not, Angst und ein beklem­men­des Gefühl im Hals.
Nicht immer ist die Angina pecto­ris ohne weite­res von gele­gent­li­chen auftre­ten­den Herz­schmer­zen zu unter­schei­den, weshalb beim vorlie­gen entspre­chen­der Symptome eine Arzt­kon­sul­ta­tion im Inter­esse des Betrof­fe­nen unum­gäng­lich ist. Bei Diabe­ti­kern sind die Symptome teil­weise abge­schwächt. Schmer­zen werden aufgrund einer Diabe­tes beding­ten Schmerz­un­emp­find­lich­keit nicht als Warn­si­gnal wahr­ge­nom­men. Darüber hinaus sind die Anzei­chen ebenso vom Geschlecht abhän­gig. Frauen verspü­ren oftmals Müdig­keit, Schlaf- und/ oder Verdau­ungs­stö­run­gen. Kurz­at­mig­keit und Schweiß­aus­brü­che sind eher anzu­tref­fen als die als allge­mein typisch ange­se­he­nen Schmer­zen im Brust­korb.
Die insta­bile Angina pecto­ris spie­gelt bereits einen fort­ge­schrit­te­nen kriti­schen Krank­heits­ver­lauf wider, bei dem ein baldi­ger Herz­in­farkt sehr wahr­schein­lich ist. Sie tritt im Gegen­satz zur stabi­len Form schon in Ruhe­pha­sen auf. Die Beschwer­den sind lang­an­hal­ten­der und in der Inten­si­tät varia­bel. Die insta­bile Angina pecto­ris ist daher fast immer eine Fort­set­zung der stabi­len Form. Ein Medi­zi­ner ist immer dann zu konsul­tie­ren, wenn der Betrof­fene folgende spür­bare Verän­de­run­gen fest­stellt:
  • die Inten­si­tät der „Enge in der Brust“ nimmt zu
  • die Dauer der Phasen nimmt zu
  • die Brust­schmer­zen treten schon bei mini­ma­len Belas­tun­gen oder in Ruhe­pha­sen auf
  • die Anzahl der Schmerz­an­fälle nimmt zu
Herz­in­farkt
Als Herz­in­farkt bezeich­net man das Abster­ben von Herz­mus­kel­zel­len bzw. einer bestimm­ten Region des Herzens aufgrund eines Verschlus­ses einer oder mehre­rer Herz­kranz­ge­fäße und dem damit verbun­de­nen Sauerstoff- sowie Nähr­stoff­man­gel. Die betrof­fe­nen Zellen ster­ben ab und werden zu Binde­ge­webs­zel­len, die nicht mehr an der Pumpak­tion betei­ligt sind, umge­wan­delt – die betrof­fene Stelle vernarbt. Jeder Herz­in­farkt bedeu­tet akute Lebens­ge­fahr. Gerade die ersten Stun­den sind für die weitere posi­tive gesund­heit­li­che Entwick­lung entschei­dend. Kurz nach einem Infarkt ist das Herz sehr anfäl­lig für Störun­gen der Herz­schlag­folge. Die Muskel­zel­len ziehen sich dabei so unkon­trol­liert und schnell zusam­men (ca. 300 bis 500-mal pro Minute), dass kein Blut mehr in den Körper­kreis­lauf abge­ge­ben wird. Diesen Zustand nennt man Kammer­flim­mern. Eine Möglich­keit dem Kammer­flim­mern wirkungs­voll zu entgeg­nen, ist der Einsatz eines Defi­bril­la­tors, der mittels Elek­tro­schock die Herz­rhyth­mus­stö­rung besei­ti­gen kann.
Markante Symptome eines Infark­tes sind:
  • (starke) länger anhal­tende Schmer­zen hinter dem Brust­bein, die auch bei Ruhe nicht abklin­gen
  • mehr­fach ausstrah­len­der Schmerz in den linken Arm, Schul­ter, Unter­kie­fer sowie Ober­bauch
  • große Angst, Unruhe, Atem­not
  • fahl­blas­ses und kalt­schwei­ßi­ges Gesicht
  • Schwä­che, Übel­keit, ggf. Erbre­chen
  • durch die Gabe von Nitro­prä­pa­ra­ten verbes­sert sich der Schmerz nicht
Die genann­ten Anzei­chen treten nicht immer zusam­men auf. Im medi­zi­ni­schen Bereich stehen mehrere Verfah­ren zur Verfü­gung, die Durch­blu­tung der betrof­fe­nen Herz­a­reale wieder­her­zu­stel­len. Eine Möglich­keit besteht in der Gabe von Medi­ka­men­ten, die das Blut­ge­rinn­sel auflö­sen. Weitere Metho­den sind die Aufdeh­nung der verschlos­se­nen Stelle mit einem Mini­bal­lon sowie die Bypass­ope­ra­tion.
Höhere Frau­ens­terb­lich­keit
Viele sind immer der Auffas­sung, dass der Herz­in­farkt eine typi­sche Männer­krank­heit ist. Zwar erlei­den mehr Männer als Frauen einen Infarkt, doch die Zahl der Infarkte bei Frauen ist stei­gend. Bei der Notfall­ver­sor­gung ist zudem eines proble­ma­tisch: Ein Infarkt bei Frauen weist zuwei­len nicht die genann­ten typi­schen Anzei­chen auf. Daher werden Frauen durch­schnitt­lich 40 bis 45 Minu­ten später ins Kran­ken­haus einge­lie­fert. Dies hat zur Folge, dass die Sterb­lich­keit bei Frauen in Folge eines Herz­in­fark­tes größer ist als durch Krebs!
Frauen bekom­men später einen Infarkt als Männer. Das weib­li­che Hormon Östro­gen bietet durch den Abbau schäd­li­chen und den Anstieg guten Chole­ste­rins bis zu Wech­sel­jah­ren einen natür­li­chen Schutz. Erst mit dem Klimak­te­rium und dem damit verbun­de­nen hormo­nel­len Umstel­lun­gen erhöht sich das Risiko eines Infark­tes. Doch welches sind nun Anzei­chen, die auf einen Infarkt oder eine Angina pecto­ris bei Frauen hindeu­ten? Zunächst sind es Übel­keit, Erbre­chen, kalte Schweiß­aus­brü­che, Müdig­keit, Schlaf­stö­run­gen, Schulter- bzw. Ober­bauch­schmer­zen, die bis in den Rücken verlau­fen können. Nicht selten werden die Ober­bauch­schmer­zen als Magen-Darm-Verstimmungen fehl­in­ter­pre­tiert. Brust­schmer­zen sind weni­ger typisch, nur ca. 30 Prozent klagen darüber. Viel häufi­ger als Männer haben Frauen bei Anstren­gun­gen Atem­not.
Allge­meine Erste Hilfe-Maßnahmen
Zeit ist ein wich­ti­ger Faktor. Noch immer warten viele Betrof­fene viel zu lange, bis sie den Rettungs­wa­gen rufen, weil sie erst einmal abwar­ten wollen oder weil sie den Herz­in­farkt verdrän­gen, weil sie aus falscher Rück­sicht­nahme nieman­den stören woll­ten und vor allem auch, weil sie die Alarm­zei­chen nicht rich­tig deute­ten. Beinahe ein Drit­tel der von einem Herz­in­farkt betrof­fe­nen Perso­nen verstirbt deshalb noch vor Errei­chen des Kran­ken­hau­ses. Nur wer recht­zei­tig in die Klinik einge­lie­fert wird, hat gute Aussich­ten den Infarkt zu über­le­ben. Die sofor­tige Alar­mie­rung des Rettungs­diens­tes hat über­all – ob zu Hause oder am Arbeits­platz – oberste Prio­ri­tät. Hier wird nicht nur dem betrieb­li­chen Erst­hel­fer eine beson­dere Stel­lung zuge­wie­sen, sondern auch jedem Kolle­gen und Mitar­bei­ter. Wich­tig ist, den Verdacht auf Herz­in­farkt deut­lich zu äußern und die Beschwer­den klar zu beschrei­ben, damit die Leit­stelle weiß, dass es sich wirk­lich um einen Notfall handelt. Gerade wenn keine Zeit zu verlie­ren ist, ist weder der Haus- noch der Durch­gangs­arzt der rich­tige Ansprech­part­ner, da sie in der Regel nie so schnell verfüg­bar sind wie der Rettungs­dienst. Trotz typi­scher Anzei­chen eines Schocks (z. B. blass-feuchte Haut, Unruhe) ist eine Schock­la­ge­rung mit erhöh­ten Beinen kontra­pro­duk­tiv, weil dadurch der Blut­fluss zum Herzen verstärkt wird. Viel­mehr muss der Betrof­fene aus zwei­er­lei Grün­den mit leicht erhöh­tem Ober­kör­per gela­gert werden:
  • Der Herz­in­farkt geht einher mit Atem­not. Die natür­li­che Schon­hal­tung zur Verbes­se­rung der Eigen­at­mung bzw. zur Akti­vie­rung der so genann­ten Atem­hilfs­mus­ku­la­tur besteht in einer aufrech­ten Körper­hal­tung.
  • Das durch den Infarkt betrof­fene Herz muss durch den vermehr­ten Blut­ab­fluss entlas­tet werden.
Zur verbes­ser­ten Sauer­stoff­ver­sor­gung sind unbe­dingt been­gende Klei­dungs­stü­cke (z. B. enger Gürtel, Krawatte) sowie die Fens­ter zu öffnen. Dabei ist darauf zu achten, dass die betrof­fene Person nicht aus- oder gar unter­kühlt. Gege­be­nen­falls wird sie in die Rettungs­de­cke einge­wi­ckelt. Da es zu einer Notope­ra­tion kommen kann, ist die Gabe von Spei­sen oder Geträn­ken nicht erlaubt. Besitzt die infarkt­be­trof­fene Person aufgrund einer herz­be­ding­ten Vorer­kran­kung ein (Notfall)Medikament, reicht der Erst­hel­fer ihm dies zur selbst­stän­di­gen Einnahme. Bei einer Angina pecto­ris lässt sich der Schmerz rasch mit der Einnahme von Nitro­gly­ce­rin in Spray- oder Kapsel­form entge­gen­wir­ken.
In jedem Fall ist Ruhe notwen­dig, so dass umste­hende Perso­nen zu bitten sind, Platz zu machen. In dieser Situa­tion hat der Betrof­fene große Angst um sein Leben. Das fürsorg­li­che Reden, das Beru­hi­gen sowie die persön­li­che Nähe des Erst­hel­fers sind genauso wich­tig wie alle ande­ren Hilfs­maß­nah­men. Infolge des Infarkt­ge­sche­hens sind zwei weitere typi­sche Akut-Verläufe denk­bar:
  • Der Betrof­fene wird plötz­lich bewusst­los: In diesem Fall wird er sofort in die stabile Seiten­lage gedreht, um eine Verle­gung der Atem­wege durch Zunge, Magen­in­halt, Spei­chel oder Blut zu verhin­dern.
  • Es kommt zu einem Herz-Kreislaufstillstand: Es besteht höchste Gefahr und es muss sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begon­nen werden. Pro Minute, in der keine Hilfe­leis­tung statt­fin­det, sinkt die Über­le­bens­chance um 7 bis 10 Prozent. Sollte idea­ler­weise ein Auto­ma­ti­sier­ter Exter­ner Defi­bril­la­tor (AED oder kurz Defi) vorhan­den sein, ist er ebenso einzu­set­zen.
Defi­bril­la­tion rettet Leben
90 Prozent der durch einen Herz­in­farkt ausge­lös­ten Kreis­lauf­still­stände sind auf ein Kammer­flim­mern zurück­zu­füh­ren. In diesen Fällen ist ein Defi­bril­la­tor das wirk­samste Instru­ment gegen den plötz­li­chen Herz­tod.
Bei Defi­bril­la­to­ren handelt es sich um Geräte, die den Herz­rhyth­mus analy­sie­ren und anhand program­mier­ter Eckda­ten die Entschei­dung tref­fen, ob ein Elek­tro­schock (Defi­bril­la­tion) erfor­der­lich ist oder nicht. Sobald das Gerät einge­schal­tet wird, werden die weite­ren Schritte, die vom Benut­zer durch­zu­füh­ren sind, über akus­ti­sche oder/ und visu­elle Anwei­sun­gen dem Anwen­der mitge­teilt. Wird ein defi­bril­la­ti­ons­wür­di­ger Rhyth­mus erkannt, stellt das Gerät die erfor­der­li­che Ener­gie zur Verfü­gung. Über Klebe­elek­tro­den auf dem Brust­korb wird ein Strom­stoß abge­ge­ben, um eine geord­nete elek­tri­sche Erre­gung des Herz­mus­kels zu ermög­li­chen. Der AED enthält weiter­hin einge­baute Kontroll­me­cha­nis­men. So wird bei jedem Start eine Prüf­rou­tine gestar­tet. Sobald eine Fehl­funk­tion vorliegt, wird der Defi­bril­la­tor aus Sicher­heits­grün­den deak­ti­viert. Darüber hinaus wird einmal pro Tag – auch ohne Inbe­trieb­nahme – dieser Test absol­viert und bei Defek­ten ein akus­ti­sches bzw. opti­sches Signal ausge­ge­ben. Das glei­che findet bei nied­ri­gem Batte­rie­sta­tus statt. In einem inter­nen Spei­cher werden alle reani­ma­ti­ons­re­le­van­ten Daten inklu­sive der aufge­nom­me­nen EKG-Daten fest­ge­hal­ten. Diese Infor­ma­tio­nen sind für eine weitere Behand­lung wich­tig und können so dem Rettungs­team und den Ärzten wich­tige Anhalts­punkte geben.
Die Schu­lung der Erst­hel­fer im Umgang mit dem Gerät erfolgt – abhän­gig von den Voraus­set­zun­gen – in unter­schied­li­chen Kursen. Neben der Vermitt­lung des theo­re­ti­schen Hinter­grund­wis­sens für die Anwen­dung des Defi­bril­la­tors stehen die Gerä­te­ein­wei­sung sowie die prak­ti­schen Übun­gen der Wieder­be­le­bun­gen mit dem AED im Vorder­grund. Durch die Ausbil­dung wird eine sichere Beherr­schung der Wieder­be­le­bungs­maß­nah­men und des Gebrauchs des AED erreicht.
In den Kursen werden folgende Inhalte thema­ti­siert:
  • physio­lo­gi­sche Grund­la­gen
  • recht­li­che Aspekte
  • Formen und Ursa­chen des Kreis­lauf­still­stan­des
  • Wirkung einer Defi­bril­la­tion
  • Funk­ti­ons­weise des AED
  • Regeln im Umgang und der Anwen­dung des AED
  • umfang­rei­che Übun­gen der Herz-Lungen-Wiederbelebung sowie der Gerä­te­an­wen­dung in diver­sen Szena­rien
Zusam­men­fas­sung
Mitar­bei­ter oder Kunden könn­ten in einem Unter­neh­men einem plötz­li­chen Herz­still­stand zum Opfer fallen. Die Verfüg­bar­keit eines Defi­bril­la­tors sowie Kennt­nisse über allge­meine Symptome von Herz­er­kran­kun­gen und die Schu­lung der Mitar­bei­ter zu allge­mei­nen Erst­hel­fern bzw. Erst­hel­fern der Früh­de­fi­bril­la­tion erhöht nicht nur den inter­nen Sicher­heits­ge­winn, sondern produ­ziert nach außen einen posi­ti­ven Image­ge­winn.
Angina pecto­ris und Herz­in­farkt haben zwar ähnli­che Erken­nungs­merk­male, unter­schei­den sich aber sowohl vom Krank­heits­bild als auch in eini­gen spezi­el­len Sympto­men, die nicht immer vom Laien zu unter­schei­den sind. Sind bei einer Angina pecto­ris ein oder mehrere Herz­kranz­ge­fäße nur teil­weise blockiert, so liegt bei einem Herz­in­farkt bereits ein tota­ler Verschluss vor. Die stabile Angina pecto­ris äußert sich in akti­ven körper­li­chen Belas­tungs­pha­sen z.B. in Atem­not bzw. einem Enge­ge­fühl in der Brust. Die insta­bile Form tritt bereits in Ruhe­pha­sen auf und stellt die Vorstufe des Herz­in­fark­tes dar. Der Infarkt hat zwar markante Anzei­chen, die aller­dings nicht immer zusam­men auftre­ten müssen und eben­falls geschlechts­spe­zi­fisch sein können. Frauen nehmen ihn unter Umstän­den als Ober­bauch­schmer­zen oder Schlaf­stö­run­gen wahr.
Bei jegli­chen Verdachts­mo­men­ten hinsicht­lich von akuten Herz­er­kran­kun­gen ist der Rettungs­dienst umge­hend zu alar­mie­ren.
Stef­fen Pluntke
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