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Wie lässt sich Asbest erkennen?

Fundstellen von Asbest
Wie lässt sich Asbest erkennen?

Materialanalyse von Asbest
Ob und inwiefern Asbest vorliegt, zeigt eine spezielle Materialanalyse. Foto: © Tsuboya - stock.adobe.com

Eine erste Ein­schätzung, ob Asbest oder asbesthaltige Mate­ri­alien vor­liegen, kann auss­chließlich eine sachkundi­ge Per­son vornehmen. Eine ein­deutige Aus­sage, ob und in welch­er Form beziehungsweise Menge Asbest vorhan­den ist, liefert nur eine spezielle Mate­ri­al­analyse (REM/EDX-Analyse). Dabei han­delt es sich um eine Unter­suchung mit dem Rasterelek­tro­nen­mikroskop mit energiedis­per­siv­er Röntgenspektroskopie.

Eine sachkundi­ge Per­son kann beurteilen,

  • ob Asbest­fasern bei der Nutzung von asbesthaltigem Mate­r­i­al freige­set­zt wer­den oder
  • ob beim Aus­bau von asbesthaltigem Mate­r­i­al eine Freiset­zung von Asbest­fasern droht.

Bei der Unter­suchung muss immer der konkrete Anwen­dungs­fall betra­chtet wer­den. Es ist davon auszuge­hen, dass beim Rück­bau die Akzep­tanzkonzen­tra­tion regelmäßig und in vie­len Fällen auch die Tol­er­anzkonzen­tra­tion über­schrit­ten wird. Dies liegt daran, dass bei jedem Arbeit­en mit dem asbesthalti­gen Mate­r­i­al Fasern in nicht bekan­ntem Umfang freige­set­zt wer­den.

Fundstellen von Asbest in der Natur

Asbest Sepentingestein
Auf­nahme eines Asbest­stein­bruchs, in dem Ser­pentingestein gefördert wird. Foto: © Nobil­ior — stock.adobe.com

Da Asbest ein natür­lich vork­om­mendes Min­er­al ist, gibt es natür­liche Fund­stellen auf der ganzen Welt, ins­beson­dere in Rus­s­land, Kana­da, Chi­na und Brasilien. Haupt­säch­lich wird Ser­pentin (Chrysotil-Asbest) gefördert. Ein Import oder die Ver­wen­dung von Asbest ist in Deutsch­land seit dem 30. Novem­ber 1993 verboten.

In der EU eben­so wie in der Schweiz, in Nor­we­gen und Island gibt es ein solch­es Ver­bot seit 2005. In anderen Län­dern wer­den aber immer noch asbesthaltige Pro­duk­te hergestellt und auf den Markt gebracht. Daher gilt: Vor­sicht bei Eigen­im­porten aus Nicht-EU-Ländern.

Fundstellen in der Industrie

Asbest in der Elektrotechnik
Asbest wurde häu­fig in der Elek­trotech­nik ver­wen­det. Foto: © indus­trieblick – Fotolia.com

Weltweit wurde Asbest in über 3.000 Pro­duk­ten einge­set­zt. Asbest wurde in zahlre­ichen Indus­triezweigen wie zum Beispiel der Fahrzeug­in­dus­trie oder in der Elek­trotech­nik genutzt. Bei Fahrzeu­gen beziehungsweise Fahrzeugteilen, die bis 1993 in den Han­del gebracht wur­den, kann damit gerech­net wer­den, dass asbesthaltige Mate­ri­alien vorhan­den sind. Über Importe aus Nicht-EU-Län­dern wer­den aber auch heute noch asbesthaltige Teile einge­führt und verbaut.

Ein weit­eres Prob­lem sind Altbestände von asbesthalti­gen Mate­ri­alien, die ent­ge­gen der gel­tenden Regelung noch ver­ar­beit­et wer­den. Mit über 75 Prozent lag der Anteil der Asbestanwen­dun­gen im Baubere­ich beson­ders hoch.

Zu den bekan­ntesten Fund­stellen am Bau gehören:

  • Asbestze­ment (zum Beispiel asbesthaltige Wellplat­ten; asbesthaltige Tafeln und kle­in­för­mige Schin­deln als Ersatzschiefer)
  • Schorn­stein­ausklei­dun­gen
  • Abwurf­schächte für Müll oder Wäsche in Hochhäusern
  • bau­chemis­che Pro­duk­te (zum Beispiel alte Fliesen­kle­ber, Estriche, Putze, Spachtel­masse, Fußbodenbeläge) 
  • Hei­zleitung­sisolierun­gen
  • Fen­ster­bänke und Blumenkästen

Ehemalige Einsatzbereiche von Asbest und asbesthaltigen Materialien in der Industrie 

Indus­triezweig Beispiele für tech­nis­che Anwen­dun­gen und Fundstellen
Fahrzeug­in­dus­trie
  • asbesthaltige Kup­plungs- und Bremsbeläge
  • asbesthaltige Zylin­derkopfdich­tun­gen
  • asbesthaltige Abgaskrüm­merdich­tun­gen und andere Dichtungsstoffe
  • asbesthaltige Umman­telung von Abgasan­la­gen (z. B. Asbest­gewebe an außen­liegen­den Aus­puffrohre an Hochleistungsautomobilen)
  • asbesthaltige Spachtel­masse (z. B. Antidröhnspachtel)
Maschi­nen­bau
  • asbesthaltige Kup­plungs- und Bremsbeläge
  • asbesthaltige Hitze- und Kälteschutzisolierungen/Hochtemperaturdichtungen
  • asbesthaltige Außen­band­brem­sen an Aufzugs­maschi­nen und Pressen
  • asbesthaltige Abdich­tun­gen an älteren Ölwan­nen und Hydraulikleitungen
Heizungs‑, San­itär- und Klimatechnik
  • asbesthaltige Hochtemperaturdichtungen/Kälteschutzisolierungen
  • asbesthaltiger Schallschutz (z. B. Asbest­gewebe als Schallentkoppler)
  • asbesthaltige Dich­tun­gen in Heißwasser­boil­ern älter­er Bauart
  • asbesthaltiges Mate­r­i­al in älteren Dicht­sätzen für Wasser­hähne und Absper­rven­tile (Stopf­buch­sen)
Ofen­bau
  • asbesthaltige Dich­tun­gen in Ofen­türen älter­er Bauart
  • Heizraum- und Rohrisolierung
  • asbesthaltige Mate­ri­alien in eini­gen Nacht­spe­icheröfen älter­er Bauart
Brand­schutz Ver­wen­dung von asbesthaltigem Mate­r­i­al in Brand­schutzk­lap­pen, Feuer­patschen, Schutzanzügen
Elek­trotech­nik
  • asbesthaltige Isolierun­gen gegen Stromein­wirkun­gen (z. B. an Schaltschränken, Verteileranlagen)
  • asbesthaltige Hochtem­per­a­tur­isolierun­gen
  • asbesthaltiges Mate­r­i­al in Lampenfassungen/Scheinwerfergehäusen
  • asbesthaltige Abdicht­masse für Ein­führstutzen in der Feuchtrauminstallation

Hin­weise zur Nutzung der Tabelle:

  • Die genan­nten Anwen­dungs­fälle sind ins­beson­dere bei Altan­la­gen oder alten Instal­la­tio­nen mit einem Her­stel­lungs- oder Errich­tungs­da­tum von vor 1993 immer zu vermuten!
  • Grund­sät­zlich sind bei allen Arbeit­en an asbesthalti­gen Mate­ri­alien die Min­destschutzan­forderun­gen nach TRGS 519 Dies soll­ten auch Pri­vat­per­so­n­en beachten!
  • Zu Instand­hal­tungsar­beit­en an Dich­tun­gen und Pack­un­gen vgl. auch TRGS 519 Nr. 17.3.
  • Zu Instand­hal­tungsar­beit­en an Brem­san­la­gen und Kup­plun­gen vgl. auch TRGS 519 Nr. 17.4.
  • Weit­ere Infor­ma­tio­nen sind in der DGUV Infor­ma­tio­nen 201–012 „Ver­fahren mit geringer Expo­si­tion gegenüber Asbest bei Abbruch‑, Sanierungs- und Instand­hal­tungsar­beit­en“ sowie unter dguv.de abruf­bar.
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