Der Nationale Asbestdialog. Status Quo und weiteres Vorgehen -
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Status Quo und weiteres Vorgehen

Der Natio­nale Asbest­dia­log

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Asbestbelastete Bauteile, auch im Baubestand, kommen viel häufiger vor, als allgemein bekannt. Der Nationale Asbestdialog setzt hier an und erarbeitet im Dialog ganzheitliche Lösungen für und mit allen in der Baupraxis eingebundenen Interessengruppen. Foto: © Mezzalira Davide – stock.adobe.com
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Asbest im Baube­stand birgt in der Baupra­xis – auch 25 Jahre nach Inkraft­tre­ten des Allge­mei­nen Herstellungs‐ und Verwen­dungs­ver­bots für Asbest in Deutsch­land – immer noch große Gesund­heits­ri­si­ken für Beschäf­tigte, Bewoh­ner und Nutzer. Hand­lungs­be­darf besteht vor allem hinsicht­lich bislang wenig beach­te­ter asbest­hal­ti­ger Baupro­dukte, die bis zu diesem Zeit­punkt Verwen­dung fanden, wie Putze, Kleber, Spach­tel­mas­sen und Beschich­tun­gen. Diese können bei unsach­ge­mä­ßer Bear­bei­tung zu erheb­li­chen Faser­frei­set­zun­gen führen. Um alle Baube­tei­lig­ten für diese Altlas­ten zu sensi­bi­li­sie­ren und rechts­ge­biets­über­grei­fend die Voraus­set­zun­gen für eine syste­ma­ti­sche Erfas­sung, die sichere Durch­füh­rung von Arbei­ten und eine gere­gelte Entsor­gung zu schaf­fen, wurde der Natio­nale Asbest­dia­log ins Leben geru­fen.

Der Natio­nale Asbest­dia­log ist als umfas­sen­des Vorge­hen in Bezug auf Sensi­bi­li­sie­rung, Infor­ma­tion, Posi­ti­ons­be­stim­mung und ganz­heit­li­che Lösungs­fin­dung zu den Heraus­for­de­run­gen der Baupra­xis zum Umgang mit Asbestalt­las­ten im Baube­stand – nicht nur im Bereich von Rechts­set­zung und Voll­zug – ein Novum.

In drei Dialog­fo­ren haben sich von Mai bis Juli 2017 mehr als 140 Vertre­te­rin­nen und Vertre­ter der Spit­zen­or­ga­ni­sa­tio­nen aller am Baupro­zess betei­lig­ten Inter­es­sen­grup­pen zusam­men­ge­setzt, um in einem struk­tu­rier­ten, trans­pa­ren­ten und ergeb­nis­of­fe­nen Dialog nach Lösun­gen zu suchen.

Die Gesamt­do­ku­men­ta­tion mit den Ergeb­nis­sen Asbest­dia­log steht seit Ende Mai 2018 auf der Inter­net­seite www.asbestdialog.de zum Down­load bereit.

Wich­tige Umset­zungs­ak­ti­vi­tä­ten

Unab­hän­gig von der Veröf­fent­li­chung der Gesamt­do­ku­men­ta­tion wurde bereits im Herbst 2017 mit der Umset­zung wich­ti­ger Ergeb­nisse begon­nen. Die nach­fol­gen Auflis­tung hebt einige beson­de­res wich­tige Akti­vi­tä­ten hervor:

Infor­ma­tion und Sensi­bi­li­sie­rung

Viele Fach­ver­bände, Landes­be­hör­den und Bauver­wal­tun­gen haben den Asbest­dia­log zum Anlass genom­men, ihre Mitglie­der, Ziel­grup­pen bzw. Auftrag­neh­mer über Asbestalt­las­ten im Baube­stand und notwen­dige Schutz­maß­nah­men in der Baupra­xis zu infor­mie­ren und zu quali­fi­zie­ren. Neben tech­ni­schen Inno­va­tio­nen werden daher im Rahmen des dies­jäh­ri­gen Deut­schen Gefahr­stoff­schutz­prei­ses im Herbst 2018 auch vorbild­li­che Informations‐ und Quali­fi­zie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten beim Umgang mit Asbestalt­las­ten ausge­zeich­net werden.

Forschung und Entwick­lung

Die BG BAU arbei­tet gemein­sam mit dem Bundes­amt für Bauwe­sen, Raum­ord­nung und Stadt­ent­wick­lung (BBSR) an der Erstel­lung einer Fach­da­ten­bank Gebäu­de­schad­stoffe, in der auch Infor­ma­tio­nen zu asbest­hal­ti­gen Baupro­duk­ten und deren regio­na­ler Verbrei­tung und Haupt­an­wen­dungs­zeit­räu­men einge­speist werden sollen. Damit zeich­net sich bereits ein wich­ti­ger Baustein für die verein­barte „lernende Daten­bank mit nutzer­spe­zi­fi­schen Infor­ma­tio­nen für die Praxis“ ab.

Die BG ETEM hat mit Unter­stüt­zung des BMAS neue Verfah­ren zur Messung von Asbest­kon­zen­tra­tio­nen bei hohen Staub­be­las­tun­gen voran­ge­trie­ben. Dies ist eine wich­tige Voraus­set­zung für die eben­falls erfolgte Inten­si­vie­rung des Mess­pro­gramms der BG ETEM und BG BAU, die zum einen dazu dienen, die Asbest­kon­zen­tra­tion bei typi­schen Arbei­ten an asbest­hal­ti­gen Baupro­duk­ten zu bestim­men und zum ande­ren natür­lich auch zur Entwick­lung drin­gend benö­tig­ter emis­si­ons­ar­mer Arbeits­ver­fah­ren genutzt werden. Hier gilt ein beson­de­rer Dank den vielen Dialog­part­ne­rin­nen und -part­nern aus den Bauver­wal­tun­gen von Bund, Ländern und Kommu­nen, die dafür asbest­be­las­tete Immo­bi­lien zur Verfü­gung gestellt haben.

Klärung wich­ti­ger Rechts­fra­gen

Der Ausschuss für Gefahr­stoffe (AGS) des BMAS wurde beauf­tragt, eine Klar­stel­lung zu Zuläs­sig­keit von Unter­hal­tungs­ar­bei­ten an asbest­be­las­te­ten Bautei­len und den jeweils erfor­der­li­chen Schutz­maß­nah­men zu erar­bei­ten. Kern­ele­ment der Bekannt­ma­chung wird voraus­sicht­lich eine Matrix sein, aus der für typi­sche, häufig auszu­füh­rende Wartungs‐ und Instand­hal­tungs­ar­bei­ten an asbest­be­las­te­ten Baupro­duk­ten die jeweils zu erwar­ten­den Expo­si­tio­nen bei Anwen­dung der eben­falls beschrie­be­nen Arbeits­ver­fah­ren und Schutz­maß­nah­men hervor­ge­hen. Diese Matrix wird voraus­sicht­lich eben­falls ein Kern­be­stand­teil einer Neufas­sung der TRGS 519 zum Umgang mit Asbest sein, in der auch neue, diffe­ren­zierte Vorga­ben zum Erwerb der notwen­di­gen Sach­kunde im Umgang mit Asbest enthal­ten sein werden.

Ein weite­rer Arbeits­kreis des AGS befasst sich mit Vorschlä­gen zur Novel­lie­rung der GefStoffV. Hier geht es u.a. um die künf­ti­gen Mitwir­kungs­pflich­ten der Veran­las­ser von Bauvor­ha­ben im Rahmen anlass­be­zo­ge­ner Erkun­dun­gen von Asbestalt­las­ten.

Die Ober­be­hör­den Bundes­um­welt­amt (UBA) und BBSR entwi­ckeln unter Feder­füh­rung der Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin (BAuA) hierzu paral­lel Leit­li­nien, die die entspre­chen­den Aufga­ben der Baube­tei­lig­ten im Zusam­men­hang mit der Erkun­dung auch für bautech­ni­sche Laien verständ­lich beschrei­ben. Diese Leit­li­nien werden zugleich eng abge­stimmt mit aktu­el­len Akti­vi­tä­ten im Bereich der Normung und ande­rer Regel­set­zer – insbe­son­dere mit der derzeit im Entwurf befind­li­chen VDI‐Richtlinie 6202 Blatt 3 „Schad­stoff­be­las­tete bauli­che und tech­ni­schen Anla­gen – Erkun­dung und Bewer­tung – Asbest“ sowie der eben­falls in Bear­bei­tung befind­li­chen DIN ATV 18448 – Allge­meine Tech­ni­sche Vertrags­be­din­gun­gen für Bauleis­tun­gen (ATV) – „Schad­stoff­be­las­tete bauli­che und tech­ni­sche Anla­gen“.

Nächste Schritte

Um die Koope­ra­tion und Koor­di­na­tion der mit der Umset­zung der Ergeb­nisse des Asbest­dia­logs befass­ten Gremien zu verbes­sern und die weite­ren Arbei­ten zu beschleu­ni­gen, fand am 2. Juli 2018 im BMAS Berlin eine Zwischen­bi­lanz­kon­fe­renz der Vorsit­zen­den der jewei­li­gen Gremien und ausge­wähl­ten Vertre­tern der betei­lig­ten Orga­ni­sa­tio­nen und Inter­es­sen­grup­pen statt.

Voraus­sicht­lich im Herbst 2019 werden die Ergeb­nisse in allen Themen­fel­dern des Asbest­dia­logs vorlie­gen, die dann zeit­nah allen Dialog­part­ne­rin­nen und -part­nern im Rahmen eines weite­ren Dialog­fo­rums vorge­stellt und erör­tert werden sollen. In der Zwischen­zeit werden wich­tige Infor­ma­tio­nen zu den Folge­pro­zes­sen des Natio­na­len Asbest­dia­logs auf www.asbestdialog.de veröf­fent­licht.


Autor: Achim Sieker

Bundes­mi­nis­te­rium für Arbeit und Sozia­les
– Refe­rat IIIb3, Chemi­ka­li­en­si­cher­heit

 Biolo­gi­sche Sicher­heit, Gesund­heit­li­che
Auswir­kun­gen des Wandels der Arbeit

Foto: © BMAS
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