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Ethik in der Arbeitssicherheit

Arbeitsethik
Ethik in der Arbeitssicherheit – ein Antagonismus?

Ethik in der Arbeitssicherheit
@ Zerbor - stock.adobe.com
Saskia Rotterdam
Arbeit­sethik bezieht sich auf die Ein­stel­lung zur Beruf­stätigkeit oder Arbeit, auf das Ver­hal­ten bei der Arbeit, auch im kol­le­gialen Miteinan­der, sowie auf den Umgang mit Mate­ri­alien und Ressourcen. Die Arbeit­sethik zielt fol­glich auf Unternehmenswerte ab. Diese muss jedes Unternehmen für sich find­en, definieren und etablieren.

Arbeitssicher­heit und Gesund­heitss­chutz beruhen auf Grund­la­gen der Ethik, die nicht immer gle­icher­maßen in die Prax­is umge­set­zt wer­den. Manch­mal wer­den Erfordernisse der Arbeitssicher­heit – eine men­schen­gerechte Arbeits­gestal­tung, Umweltschutz und andere Notwendigkeit­en – den mon­etären Bestre­bun­gen unter­ge­ord­net. Glück­licher­weise eine Prax­is, die in Europa nur sehr sel­ten vorkommt.

„Sta­bile, von Ver­trauen geprägte Arbeits­beziehun­gen zu Men­schen aufzubauen, ohne ihnen in die Augen schauen oder auf die Schul­ter klopfen zu kön­nen, ist eine der größten Her­aus­forderun­gen der dig­i­tal­en Arbeitswelt.“ ist ein Zitat von Tom Haak, Direk­tor des HR-Insti­tuts – ein Zitat, das in Verbindung mit ein­er Verän­derung der Arbeitswelt auf­grund der noch immer herrschen­den Pan­demie an Bedeu­tung gewon­nen hat. Covid-19 oder der Ukraine-Krieg mit all seinen Auswirkun­gen auf die Weltwirtschaft haben auch in der Arbeitswelt ihre Spuren hinterlassen.

Interviewreihe zur Arbeitsethik

Dies haben wir zum Anlass genom­men, eine Rei­he von Inter­views mit ver­schiede­nen Experten zu führen, um die Bedeu­tung von Ethik in der Arbeitssicher­heit zu beleuchten.

Neben den sehr inter­es­san­ten Aus­führun­gen und Blick­winkeln der Inter­view­part­ner aus ver­schiede­nen Unternehmen und Ver­bän­den, haben wir auch die Sichtweise von Hochschul-Pro­fes­soren /innen nicht unbeachtet gelassen.

In Einem sind sie sich einig: Präven­tion und ein gelebtes Arbeitssicher­heits­man­age­ment sind existenziell:

  • „Ein nicht zu unter­schätzen­der Bestandteil der Unternehmensethik ist die Führungsethik, da ins­beson­dere Führungskräfte mit Werthal­tun­gen Unternehmen stark prä­gen. Hier­bei muss es den Führungskräften möglich sein, auch zu reflek­tieren und die Unternehmensstrate­gie in Frage zu stellen.“ (Prof. Stephan Convent/Diploma Hochschule)
  • „Mit ethis­chen Grund­sätzen ver­hält es sich ähn­lich wie zum Beispiel mit nach­haltigkeits- oder arbeitss­chutzbe­zo­ge­nen Grund­sätzen. Sie entwick­eln ihre gewün­schte (langfristige) Wirkung nur dann, wenn sie in Weg und Ziel von den Betrof­fe­nen akzep­tiert und kon­se­quent von den Akteuren auch umge­set­zt wer­den. Sie müssen zudem klar sein und gegebe­nen­falls auch vertei­digt wer­den, unter anderem gegenüber schein­bar anderen „aktuell wichtigeren“ Zie­len. Dies gilt für den staatlichen Arbeitss­chutz im Rah­men der Regelset­zung eben­so, wie für den gelebten betrieblichen Arbeitss­chutz.“ (Prof. Anke Kahl/Universität Wup­per­tal)
  • „Gelebter Arbeitss­chutz sollte zu ein­er guten Lebens- und Arbeit­squal­ität für alle Akteurin­nen und Akteure in einem Unternehmen oder ein­er Ein­rich­tung führen. Um dies zu erre­ichen, sind eine gute Gespräch­skul­tur und gemein­same Vere­in­barun­gen für mehr Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit uner­lässlich.“ (Dr. Ste­fan Hussy/Hauptgeschäftsführer der DGUV)
  • „Gute Arbeitssicher­heit ist das Äquiv­a­lent ein­er gelebten Ethik.“ (Prof. Moni­ka Eigen­stet­ter)

Bei einem oft­mals ange­führten Argu­ment, dass Unternehmen die Wirtschaftlichkeit und Gewin­n­max­imierung vor den Gesund­heitss­chutz stellen, sind Dr. Ralf Franke (Siemens AG) und Dr. Ste­fan Hussy (DGUV) ein­er Mei­n­ung: „Die Gesund­heit von Mitar­beit­ern hat immer Pri­or­ität vor dem Streben nach Gewin­n­max­imierung. Das darf keine Her­aus­forderung sein, son­dern eine Selb­stver­ständlichkeit.“ (Franke) „Erfol­gre­ich­es Wirtschaften ste­ht nicht im Wider­spruch zu ethis­chen Grund­sätzen, im Gegen­teil. Langfristig erfol­gre­iche Unternehmen und Organ­i­sa­tio­nen basieren auf einem Werte­gerüst und ein­er darauf auf­bauen­den Unternehmen­skul­tur. Investi­tio­nen in die Präven­tion rech­nen sich für Unternehmen, sie sind eine wichtige Grund­lage für den Erfolg.“ (Hussy).

Allerd­ings haben alle Gesprächspart­ner auch ihre ganz per­sön­lichen Wün­sche, um den bis­lang erre­icht­en guten ethis­chen Arbeitssicher­heits­stan­dard noch weit­er zu verbessern. Prof. Stephan Con­vent von der Diplo­ma Hochschule wün­scht sich inter­na­tion­al verbindliche „… hohe Min­dest­stan­dards…“. Dr. Ste­fan Hussy sieht ein ver­stärk­tes Bewusst­sein im „… täglichen Tun und Han­deln …“, während Prof. Moni­ka Eigen­stet­ter ein ver­stärk­tes Ver­ständ­nis für eine Verbesserung des Sta­tus quo sieht. Auch wenn wir in Deutsch­land einen guten Stan­dard erre­icht haben, haben alle Unternehmen noch einiges zu tun. Ins­beson­dere neue Geset­zge­bun­gen, wie beispiel­sweise das Liefer­ket­ten­sorgfalt­spflicht­enge­setz, forcieren die Auseinan­der­set­zung mit der Umset­zung der darin enthal­te­nen unternehmensethis­chen Anforderun­gen. Und auch die The­men psy­chis­che Gesund­heit und verän­derte Rah­menbe­din­gun­gen wie ver­mehrtes mobiles Arbeit­en im Home­of­fice erfordern noch viele weit­ere Anstren­gun­gen und Aktiv­itäten von Seit­en der Unternehmen und der Arbeitssicherheit.

Fazit 

Ein wach­sendes Bewusst­sein für Ethik und Arbeitssicher­heit wird das Ver­trauen von Beschäftigten und Geschäftspart­nern stärken. Die Real­isierung ein­er verbesserten Gestal­tung von Arbeits­be­din­gun­gen macht es erforder­lich, sich mit den gesellschaftlichen Gegeben­heit­en, Poli­tik­ern und Regierun­gen eben­so auseinan­derzu set­zen, wie die Bedürfnisse der Arbeit­nehmer zu berücksichtigen.

Wie Aris­tote­les schon sagte: „Wir kön­nen den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“

Das Ziel jedes Unternehmens sollte sein, eine Ren­dite zu erwirtschaften, die ein hohes Maß an Integrität, Respekt und Ein­hal­tung aller Geset­ze und Vorschriften beweist – jeden Tag … weltweit.


Autorin: 
Sask­ia Rotterdam

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